Gottlob ließen sich jetzt wohl noch alle relevanten Bauteile besorgen - herzlichen Glückwunsch!
Je komplexer solch ein Gerät ist, desto schwieriger wird die Reparatur in Zukunft sein. Eine Studer der letzten Generation wird da anspruchsvoller bleiben als eine RdL. Und selbst letztere stellt im Havariefall ihre Ansprüche. Ist letztlich alles abhängig von der eigenen persönlichen Motivation oder Leidensfähigkeit...
Bei der A807 ist auch ein Elkotausch wichtig. In den Frequenzumrichtern für die Wickelmotoren sind große Transen drin, die man auch nicht mehr so ganz fix bekommt... Wenn die abrauchen (schon erlebt), dann wirds aufwendig.
04.06.2025, 21:48 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.06.2025, 21:49 von havox.)
Ja, den Tausch aller Frako Elkos und der Netzteilelkos habe ich frühzeitig erledigt. Ein paar blaue Philips sind noch drin, die sind meiner Erfahrung nach aber nicht so kritisch.
05.06.2025, 18:39 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.06.2025, 10:17 von havox.)
Interessanterweise sind die ganz unterschiedlich erhalten. Die auf der Servoplatine des B226 CD-Players haben oft noch die Sollkapazität. Die auf der Decoderplatine allerdings überhaupt nicht
Die verbliebenen bei der A807 kommen dann so Stück für Stück. Letzthin war die Elektronik der Bandwaage fällig…Ich bin da aber generell ganz entspannt…
Mit „nicht so kritisch“ wollte ich nur ausdrücken, dass die blauen Philips-Elkos im Defektfall meiner Erfahrung nach nicht zu Folgeschäden führen.
Hat jemand von euch Erfahrung mit der Neuanfertigung von Platinen? Ich habe mir eine neue für den B251 gekauft, um einen wieder herzurichten. Für eine B242 würde ich so etwas benötigen, finde aber keine. Also wäre Selbstanfertigung eine Lösung. Nur bin ich auf diesem Gebiet völlig unbeleckt.
Wir haben die Qual der Wahl, welche T9(u) wir als Erstes anpacken,
wenn die Zeit gekommen ist. Außer der Maschine im Studioraum
habe ich im Lager noch drei entdeckt:
Und die Anzahl der M10 ist mindestens doppelt so hoch.
Die Arbeiten allein an diesen und anderen Telefunken Studio-Bandmaschinen
reicht für "Generationen", fürchte ich.
07.06.2025, 16:29 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.06.2025, 16:34 von Peter Ruhrberg.)
(07.06.2025, 15:17)cisumgolana schrieb: Wir haben die Qual der Wahl, welche T9(u) wir als Erstes anpacken,
wenn die Zeit gekommen ist. Außer der Maschine im Studioraum
habe ich im Lager noch drei entdeckt:
Wunderschöne Maschinen!
Ich entdecke sogar einen Elefantenzahn als zusätzliche Bandführung links. Das war nicht Standard.
Wäre ich 30 Jahre jünger, würde ich mich sofort über die Patienten hermachen, immerhin habe ich mit der T9u über 15 Jahre gelebt, gearbeitet, über ihr geschlafen (ja wirklich) ...
Später fand ich dieses Bild aus der Dachkammer über der Gemeindesaal der Pauluskirche Berlin-Zehlendorf.
Sehr ähnlich habe auch ich gearbeitet, allerdings nachts.
Grüße
Peter
_____________________
Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
Danke für das schöne Zeitdokument.
Wie der Operateur wohl die, für mich,
wild dahingestreuten Bobbies mit Band-
schnipseln, ohne sie zu verwechseln,
verarbeitet? Nur das Genie beherrscht
das Chaos!
(07.06.2025, 18:48)cisumgolana schrieb: Nur das Genie beherrscht das Chaos!
Kein Chaos, weit gefehlt.
So hat mein Mentor seine Vorgehensweise beschrieben und mich vor über 45 Jahren gelehrt:
Zunächst höre ich noch einmal alle Takes, die ich verwenden will, vor dem Schneiden an und lege in den Noten die letzten Korrekturen bei den auszuführenden Schnitten fest. Am Ende habe ich das Band (eines oder mehrere), welches von links nach rechts bei der Wiedergabe läuft, komplett auf dem rechten Wickel aufgespult. Beim nun folgenden Zurückspulen lege ich für jeden benötigten Take einen eigenen „Bobby“ an und beschrifte ihn mit der Takenummer.
Das anschließende Schneiden kann dann beispielsweise so aussehen:
Takt 1 bis 3 kommt von der zweiten Gesamtfassung (allgemein Ganzfassung genannt, P.R.), es wird also der Bobby mit der Nummer 2 auf die Maschine gelegt, der Anfang des Satzes gesucht und geschnitten. Das heißt, dass Ansagen und Störgeräusche auf einem zweiten Bobby mit der Nummer 2 bleiben, der die nicht benötigten Teile enthält, und ein neuer Bobby bildet den Anfang des Originals, vor dessen Beginn ein Vorspannband geklebt wird.
Nun soll im dritten Takt auf Zählzeit 3 in die Korrekturaufnahme 24 gegangen werden. Also suche ich den Ausstieg aus der Gesamtfassung 2, lege die beiden Wickel mit der Nummer 2 auf die Ablage und beginne mit der Korrektur 24. Nach ungefähr drei Sekunden Spielzeit bin ich in dem Korrekturtake 24 bei Takt 3, suche den Einstieg und füge die beiden Teile aneinander.
In Takt 4 brauche ich wieder die zweite Gesamtfassung, also lege ich die beiden Bobbys mit der Nummer 2 wieder auf die Maschine, höre das zusammengeklebte Band ohne die fehlenden Anfangstakte, und finde nach zwei Sekunden den erneuten Schnittpunkt in der zweiten Gesamtfassung, und so weiter und so fort. (*)
Das System klingt im Prinzip einfach, doch bei einer Aufnahme, die z.B. aus 65 Takes und 120 Schnitten zusammengesetzt werden soll, bin ich schließlich von 130 Bobbys umgeben, hoffentlich alle ordentlich und eindeutig beschriftet. Mit dieser Methode spare ich sehr viel Zeit. Es gibt Kollegen, die wahre Artisten beim Hin- und Zurückspulen von Bändern sind und geradezu blind zu den jeweils erforderlichen Takes navigieren können – doch einerseits kostet das relativ viel Zeit, andererseits ist die Gefahr, doch in eine falsche Wiederholung zu geraten, extrem groß, beispielsweise bei Beethovens Scherzi, wenn der A-Teil des Satzes mehrfach vorkommt.
Bei Electrola gab es einmal eine Kontroverse über das Maß der Beanspruchung beim analogen Schneiden. Ich vertrat die Ansicht, länger als sechs Stunden pro Tag könne man diese Tätigkeit nicht sinnvoll durchhalten, was zunächst natürlich bezweifelt wurde. Doch in regelmäßigen Abständen gab es von den Gewerkschaften geforderte Neubewertungen der Arbeitsplätze und der dort ausgeübten Tätigkeiten. Ich wurde beim analogen Schneiden mit diversen Kabeln und Messgeräten verbunden, und über fast vier Stunden wurden meine Aktionen und Reaktionen aufgezeichnet. Das Ergebnis hinterließ die Gewerkschaftskollegen erstaunt bis erschüttert: Beim Suchen des jeweiligen Einschwingvorgangs stieg die Anspannung etwa genauso wie bei einem Piloten während des Landeanflugs auf einen schwierigen Flughafen. Ich musste maximal 70 bis 80 Schnitte pro Tag bewältigen, und da ja jeder Ein- und Ausstieg gesucht werden musste, trat diese Anspannung 140 bis 160 Mal während eines Arbeitstags auf. Kaum verwunderlich also, wenn ich nach einem vollen Arbeitstag mit dieser Tätigkeit ziemlich erledigt war.
All das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Für die "Große Fuge" op. 133 von Beethoven (Spielzeit um 16 Minuten) brauchte es aus 135 Takes 432 Schnitte, für die ich fünf Nächte benötigte.
Zu (*) habe ich eine gekürzte und zugleich vollständige Beschreibung der Arbeitsvorgänge des Beispiels:
In Matthes‘ Schnittsystem wird zunächst jeder nummerierte Take einzeln auf einen eigenen Bobby gespult. Zu jedem Take gehören zwei Bobbys, einer für die Abwickelseite (L), einer für die Aufwickelseite ®, die entsprechend beschriftet werden (Beispiel: 1L und 1R).
Die Schnittfassung liegt auf einem separaten Bobby (bezeichnet mit „F“ für „fertig“).
Im erwähnten Beispiel ist Take 2 die zweite Gesamtfassung und Take 24 eine Korrektur. Ab Takt 3 Zählzeit 3 soll Take 2 ersetzt werden durch Take 24, ab Takt 4 wieder zurück in Take 2.
Auf den Abwickelteller kommt der Bobby von Take 2 (2L), auf den Aufwickelteller der Bobby von Take 2 (2R). In Kurzschrift: Links 2L, rechts 2R auflegen. Die übrigen Schritte sind dann wie folgt:
Vorspulen bis Modulationsanfang – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – Rechts 2R wegnehmen und beiseitelegen – Rechts F auflegen – 3 m Vorspannband an den Anfang von 2L kleben, in F einfädeln – Abhörkontrolle
Wiedergeben bis zum ersten Schnittpunkt in Takt 3 Zählzeit 3 – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – Beide Bobbys wegnehmen, F in Griffweite, 2L zu 2R legen
24L & 24R auflegen – Vorspulen / wiedergeben bis zum selben Schnittpunkt in Takt 3 Zählzeit 3 – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – 24R beiseitelegen
Rechts F auflegen– Anfang von 24L an Ende von F kleben – Abhörkontrolle – Suchen des nächsten Schnittpunktes in Takt 4 – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – 24L & F beiseitelegen
2L & 2R auflegen, die beiden losen Enden zusammenkleben – Schnittpunkt in Takt 4 suchen, Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt
2R beiseitelegen, rechts F auflegen – Anfang von 2L an Ende von F kleben, Abhörkontrolle
Grüße
Peter
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Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
08.06.2025, 01:50 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.06.2025, 01:58 von Magnettonmanni.)
Hallo Peter,
bei den Schilderungen der früheren Arbeitsweisen kommen mir viele schöne Erlebnisse wieder in Erinnerung.
Dafür danke ich Dir.
Hallo Wolfgang,
beim betrachten eures Vorratslagers bekomme ich glänzende Augen und klebrige Finger hätte ich auch noch zusätzlich, wenn ich selbst keine T9u hätte.
Das vordere rechte Laufwerk macht auf dem Bild einen geradezu neuwertigen Eindruck.
Das linke Laufwerk hat eine vorzüglichen Stereo-Kopfträger und eine geänderte Andruckrollenabdeckung.
Das hintere, querstehende Laufwerk ist eigentlich ein T8 (f) -Laufwerk mit einigen Umbauten: z.B. links mit einer Umlenkrolle von einer M10.
Im Vergleich zur Studer A820 ist die gesamte Laufwerkslogik und -Elektronik ab Stromversorgung sehr dürftig und besteht für Aufnahme und Wiedergabe jeweils nur aus einem Arbeitskontakt.
Als Kondensatoren durften damals vom Werk aus nur Bosch MP-Typen verbaut werden. Elektrolytkondensatoren mußten in den Schaltbildern einzeln genehmigt werden, wenn es seinerzeit gar nicht anders ging.
Wenn die Motoren keine Isolationsschäden haben, können die Geräte alle ihre Nachfolger überdauern, denn die Mechanik ist beschußfest, wie es bald wieder heißen wird.
Die Originalverstärker V66 und V67 hatten noch die nahezu unverwüstlichen Stahlröhren.
08.06.2025, 13:10 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.06.2025, 13:12 von cisumgolana.)
Hallo Peter!
Herzlichen Dank für Deine sehr ausführliche Schilderung.
Also System anstatt Chaos!
Gruß
Wolfgang
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Hallo Manfred!
Was Du alles aus der mickrigen Aufnahme so an Einzelheiten
identifiziert hast - Respekt!
Du würdest sicher noch viel mehr Einzelheiten bei allen
unseren Tfk-Studio-Bandmaschinen feststellen. Wenn Du
uns denn"heimsuchen" würdest. Was, speziell mich, riesig
freuen würde.
Ersatzweise werde ich nach und nach versuchen, alle Tfk-
Boliden wenigstens von oben abzulichten & Dir zu mailen.
(08.06.2025, 13:10)cisumgolana schrieb: Also System anstatt Chaos!
Falls jemand in meiner Abwesenheit versucht hätte, Ordnung in das "Chaos" zu bringen, hätte er um sein Leben bangen müssen.
(08.06.2025, 13:10)cisumgolana schrieb: Was Du alles aus der mickrigen Aufnahme so an Einzelheiten
identifiziert hast - Respekt!
Das M10 Zählwerk auf der T8f ist mir auch aufgefallen, auf die veränderte Drucktastenform habe ich nicht geachtet. Dabei hatte ich selber zwei solcher Laufwerke, umgebaut auf 38 cm/s und auch schon mit der für die T9(u,a) typischen gleichstromerregten Läuferwicklung. Leider wurde bei beiden T8 die Kupferdraht-Isolationen beider Wickelmotoren brüchig, was damals keine Trafowickelei hätte reparieren können, schon gar nicht im Rahmen meines Budgets.
Deine Detailfotos würde mich auch interessieren, vielleicht können Manfred und ich unsere virtuellen Köpfe zusammenstecken?
Grüße
Peter
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Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
Und was ist mit dem Jungen aus Hannover, der einfach alles über die Uher-Geräte weiß, daß mir immer sofort die Schuhe aufgehen und auch bei Oldtimern und seltensten Spezialkarossen (z.B. die Einzelanfertigung für Graf Luckner, den Seeteufel) über sagenhaftes Wissen verfügt?
Nimm die Geräte nicht so oft in die Hand. Dann gibt das Rücken!!!
Lieber ein paar schnelle Bilder mit dem Smartphone von allen verfügbaren Seiten. Ich kann dann ja gezielt nachfragen.
Die Laufwerke T9u (ebenso ältere Boliden) und M10/A kann man ohne Scheu über einen 10 mA-FI-Schalter ans Netz hängen.
Der FI-Schalter erkennt die Isolationsfehler und schaltet dann ab, wenn eine entsprechende Taste gedrückt wird.
Alle anderen Fehler sind unkritisch und lassen sich dann über Augen, Ohren oder auch Nase leicht ermitteln.
Für die mechanischen Schraubverbindungen hast du ja dein Oldtimerwerkzeug (vorher entmagnetisieren).
Nur die Banduhren in M10/A erfordern Uhrmacherwerkzeug.
Auf keinen Fall an den gekonterten Kopfträgerauflageschrauben drehen.
Die sind im Zehntelmillimeterbereich auf eine gedachte waagerechte Linie zur Tonwelle eingestellt.
Und auch die grobschlächtig erscheinenden Kopfträger sind im Werk in der Höhe mit Mikroskopen eingestellt worden.
Die massive Technik sollte im Rundfunkbetrieb die Geräteeigenschaften einigermaßen sichern, auch wenn zum Reinigen der Kopfträger mal abgenommen werden mußte.
Aber selbst bei dieser beschußfesten Technik konnte man durch unmotiviertes Anknallen der Renkverschlüsse bei den Geräten vor der M10 erreichen, daß die Spaltsenkrechtstellung virtuell anders war. Ein leicht säbelförmig verzogenes Band hätte einen noch größeren Fehler erzeugt. Aber da sich nach dem "Gesetz von der größten Gemeinheit" Fehler immer in der ungünstigen Richtung addieren, läppert sich da was zusammen, wenn sich dann noch jemand auf dem Kopfträger abstützt... Soll nicht sein...
Ist aber delikaterweise doch ab und an passiert!!!
Deshalb hat die M10/A eine extra massive Haube über dem Kopfträger ohne Berührung zu demselben.
Der Kopfträger liegt mit eingepreßten Hartmetallplättchen auf polierten und hochglanzverchromten Auflagepunkten nur mit einer definierten Federkraft. Das Anzugsmoment der die Feder festigenden Schraube ist in weiten Grenzen vernachlässigbar. Bevor die Feder einen erhöhten Druck ausüben kann, der eine Dejustage erreichen könnte, ist der Bolzen für die Feder längst gebrochen oder das Gewinde ausgerissen oder der Schraubenzieher abgebrochen oder der Sechskantschlüssel übergerutscht. - Man glaubt nicht, was die Nichttechniker in solchen Fällen alles hinbekommen.
Bei der M15/A hatte man diese Vorsicht nicht mehr walten lassen, obwohl es wegen der hochpräzise geschliffenen
Bandlaufpfade in den Kopfträgern durchaus wünschenswert gewesen wäre, denn da geht es um tausendstel Millimeter.
Und hier zum Abschluß ein Bild für Genießer und Kopfträgerfetischisten:
Der für mich schönste M15 Kopfträger der Welt.
Der ist von Peter Ruhrbergs Bezugsbandmaschine,
Das ist ein perfekter Kopfträger aus der Spitze der Gaußverteilung und danach dann noch optimiert vom Meister aller Klassen. Mehr geht zur Zeit nicht. Hier schön nachzulesen: https://tonbandforum.de/showthread.php?tid=16351
(Die Bildrechte sind bei Peter Ruhrberg)
Ich freue mich schon auf die Bilder aus dem Fundus und gebe die Hoffnung für einen Besuch nicht auf.
Aber zuerst braucht mein Auto schon wieder HU. Daß das Auto so schnell älter wird, kann man ja noch hinnehmen, aber bei mir ...
(08.06.2025, 16:34)Magnettonmanni schrieb: Bei der M15/A hatte man diese Vorsicht nicht mehr walten lassen, obwohl es wegen der hochpräzise geschliffenen Bandlaufpfade in den Kopfträgern durchaus wünschenswert gewesen wäre, denn da geht es um tausendstel Millimeter.
Der Grund liegt wohl auf der Hand: Vereinfachen des Betriebsablaufs.
(08.06.2025, 16:34)Magnettonmanni schrieb: Und hier zum Abschluß ein Bild für Genießer und Kopfträgerfetischisten:
Der ist von Peter Ruhrbergs Bezugsbandmaschine,
Seit 2019 sieht er so aus:
Grüße
Peter
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Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
Jetzt war ich beim Wiedergabe einmessen bei 9,5 cm und denke mir: Peters Stimme ist aber arg tief beim Ansagen der 315Hz Pegeltonteil.
Die 315Hz sind in der Wiedergabe auch nur 300Hz.....und dann schwupps ist sie auf 315Hz.
Also noch ein Fehler aber nur bei 9,5cm/s.
Jetzt wird es lustig.....
Dein Hinweis von wegen "Rücken" kommt um Jahre zu spät.
Ich hatte, weil fast der ganze Rest unserer Mannschaft irgendwas
am Armen/Beinen/etc. hat, damit die Klötze aus dem Ausstellungs-
raum verschwinden, bevor Eröffnung ist, eigenhändig in´s Lager
verbracht.
Aber sei beruhigt, das ist Vergangenheit. Ich habe dazu lernen
müssen (Herzprobleme), und gebe mich mit max. 30kg Geräte-
gewicht zufrieden.
Sonntag bin ich wieder im Dienst. Vorher werde ich sicher Gelegenheit
haben, noch ein paar Schwergewichte abzulichten. Ohne große
Gerätebewegungen.
Da war ich im Überschwang zu schnell bei dem Abschluß meiner eigentlich chaotischen Bildsuche.
Es sollte eigentlich das Bild sein aus deinem Artikel in der "analog" Zeitschrift für analoge Musikwiedergabe 03/2021, S.72 ff.
"Eine Wissenschaft für sich, Zur Herstellung von Bezugsbändern für die perfekte Justage von Tonbandgeräten"
Mit dem richtigen Bild von dir ist es aber viel besser.
Dein Titel ist auch viel präziser.
Die Herstellung der Bezugsbänder verändert sich ja nicht mit dem Einsatzzweck.
Selbst Bezugsbänder, die nur angehört werden, würdest du ebenso herstellen.
Aber fürs Marketing und die Bestellungen bei dir war der Titel vermutlich besser.
Meldung:
:-)
Ich würde tatsächlich vorschlagen diesen Teil in einen extra Thread zu packen.Den Inhalt findet sonst irgendwann keiner mehr, da man das ja unter dieser Überschrift dann nicht finden kann.
Hab den Fehler gefunden und dadurch noch den Gleichlauf noch verbessern können. Da fällt mir selber nix mehr ein. Darum mag ich die Gleitlager gelagerten Motoren mehr, als die mit Kugellager
(07.06.2025, 18:48)cisumgolana schrieb: Nur das Genie beherrscht das Chaos!
Kein Chaos, weit gefehlt.
So hat mein Mentor seine Vorgehensweise beschrieben und mich vor über 45 Jahren gelehrt:
Zunächst höre ich noch einmal alle Takes, die ich verwenden will, vor dem Schneiden an und lege in den Noten die letzten Korrekturen bei den auszuführenden Schnitten fest. Am Ende habe ich das Band (eines oder mehrere), welches von links nach rechts bei der Wiedergabe läuft, komplett auf dem rechten Wickel aufgespult. Beim nun folgenden Zurückspulen lege ich für jeden benötigten Take einen eigenen „Bobby“ an und beschrifte ihn mit der Takenummer.
Das anschließende Schneiden kann dann beispielsweise so aussehen:
Takt 1 bis 3 kommt von der zweiten Gesamtfassung (allgemein Ganzfassung genannt, P.R.), es wird also der Bobby mit der Nummer 2 auf die Maschine gelegt, der Anfang des Satzes gesucht und geschnitten. Das heißt, dass Ansagen und Störgeräusche auf einem zweiten Bobby mit der Nummer 2 bleiben, der die nicht benötigten Teile enthält, und ein neuer Bobby bildet den Anfang des Originals, vor dessen Beginn ein Vorspannband geklebt wird.
Nun soll im dritten Takt auf Zählzeit 3 in die Korrekturaufnahme 24 gegangen werden. Also suche ich den Ausstieg aus der Gesamtfassung 2, lege die beiden Wickel mit der Nummer 2 auf die Ablage und beginne mit der Korrektur 24. Nach ungefähr drei Sekunden Spielzeit bin ich in dem Korrekturtake 24 bei Takt 3, suche den Einstieg und füge die beiden Teile aneinander.
In Takt 4 brauche ich wieder die zweite Gesamtfassung, also lege ich die beiden Bobbys mit der Nummer 2 wieder auf die Maschine, höre das zusammengeklebte Band ohne die fehlenden Anfangstakte, und finde nach zwei Sekunden den erneuten Schnittpunkt in der zweiten Gesamtfassung, und so weiter und so fort. (*)
Das System klingt im Prinzip einfach, doch bei einer Aufnahme, die z.B. aus 65 Takes und 120 Schnitten zusammengesetzt werden soll, bin ich schließlich von 130 Bobbys umgeben, hoffentlich alle ordentlich und eindeutig beschriftet. Mit dieser Methode spare ich sehr viel Zeit. Es gibt Kollegen, die wahre Artisten beim Hin- und Zurückspulen von Bändern sind und geradezu blind zu den jeweils erforderlichen Takes navigieren können – doch einerseits kostet das relativ viel Zeit, andererseits ist die Gefahr, doch in eine falsche Wiederholung zu geraten, extrem groß, beispielsweise bei Beethovens Scherzi, wenn der A-Teil des Satzes mehrfach vorkommt.
Bei Electrola gab es einmal eine Kontroverse über das Maß der Beanspruchung beim analogen Schneiden. Ich vertrat die Ansicht, länger als sechs Stunden pro Tag könne man diese Tätigkeit nicht sinnvoll durchhalten, was zunächst natürlich bezweifelt wurde. Doch in regelmäßigen Abständen gab es von den Gewerkschaften geforderte Neubewertungen der Arbeitsplätze und der dort ausgeübten Tätigkeiten. Ich wurde beim analogen Schneiden mit diversen Kabeln und Messgeräten verbunden, und über fast vier Stunden wurden meine Aktionen und Reaktionen aufgezeichnet. Das Ergebnis hinterließ die Gewerkschaftskollegen erstaunt bis erschüttert: Beim Suchen des jeweiligen Einschwingvorgangs stieg die Anspannung etwa genauso wie bei einem Piloten während des Landeanflugs auf einen schwierigen Flughafen. Ich musste maximal 70 bis 80 Schnitte pro Tag bewältigen, und da ja jeder Ein- und Ausstieg gesucht werden musste, trat diese Anspannung 140 bis 160 Mal während eines Arbeitstags auf. Kaum verwunderlich also, wenn ich nach einem vollen Arbeitstag mit dieser Tätigkeit ziemlich erledigt war.
All das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Für die "Große Fuge" op. 133 von Beethoven (Spielzeit um 16 Minuten) brauchte es aus 135 Takes 432 Schnitte, für die ich fünf Nächte benötigte.
Zu (*) habe ich eine gekürzte und zugleich vollständige Beschreibung der Arbeitsvorgänge des Beispiels:
In Matthes‘ Schnittsystem wird zunächst jeder nummerierte Take einzeln auf einen eigenen Bobby gespult. Zu jedem Take gehören zwei Bobbys, einer für die Abwickelseite (L), einer für die Aufwickelseite ®, die entsprechend beschriftet werden (Beispiel: 1L und 1R).
Die Schnittfassung liegt auf einem separaten Bobby (bezeichnet mit „F“ für „fertig“).
Im erwähnten Beispiel ist Take 2 die zweite Gesamtfassung und Take 24 eine Korrektur. Ab Takt 3 Zählzeit 3 soll Take 2 ersetzt werden durch Take 24, ab Takt 4 wieder zurück in Take 2.
Auf den Abwickelteller kommt der Bobby von Take 2 (2L), auf den Aufwickelteller der Bobby von Take 2 (2R). In Kurzschrift: Links 2L, rechts 2R auflegen. Die übrigen Schritte sind dann wie folgt:
Vorspulen bis Modulationsanfang – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – Rechts 2R wegnehmen und beiseitelegen – Rechts F auflegen – 3 m Vorspannband an den Anfang von 2L kleben, in F einfädeln – Abhörkontrolle
Wiedergeben bis zum ersten Schnittpunkt in Takt 3 Zählzeit 3 – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – Beide Bobbys wegnehmen, F in Griffweite, 2L zu 2R legen
24L & 24R auflegen – Vorspulen / wiedergeben bis zum selben Schnittpunkt in Takt 3 Zählzeit 3 – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – 24R beiseitelegen
Rechts F auflegen– Anfang von 24L an Ende von F kleben – Abhörkontrolle – Suchen des nächsten Schnittpunktes in Takt 4 – Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt – 24L & F beiseitelegen
2L & 2R auflegen, die beiden losen Enden zusammenkleben – Schnittpunkt in Takt 4 suchen, Schnittpunkt einstellen, markieren, Schnitt
2R beiseitelegen, rechts F auflegen – Anfang von 2L an Ende von F kleben, Abhörkontrolle
Inwieweit war denn bei der Umstellung auf digitales Schneiden dieser Prozess übertragbar ? Wurde eine komplett andere Arbeitsweise notwendig oder waren die Takes dann einfach nur digitale "Teilkopien" der Aufnahme, welche dann zusammengefügt wurden ?
ich antworte hier nicht auf Godehard, möchte aber gerne meine semiprofessionelle Vorgehensweise beim Analogschnitt schildern.
Ich habe quasi nebenberuflich einige CDs produziert, und in den früheren Jahren war es mir noch nicht möglich digital zu schneiden.
Da ich mir eine Liveabmischung vor Ort nicht zugetraut habe, habe ich für größere Orchester, Big Bands und Livemitschnitte Mehrspurmaschinen, schlussendlich dann ADAT's bis zu 24 Kanälen verwendet.
Zu Hause dann mit Anwesenheit z.B. des Dirigenten und einiger Musiker die Abmischung vorgenommen und die brauchbaren Takes ausgesucht. Dann in der richtigen Reihenfolge mit Gaps dazwischen auf das 2 Spur Band aufgenommen. Beim Schnitt fiel dann nicht viel Abfall an und man konnte notfalls einen Schnitt woanders setzten, wenn es gar nicht gepasst hat, indem man das Prozedere unter anderen Voraussetzungen wiederholt hat. Oft gab es auch bis zu 20 Schnitte in einem Musikstück.
Wenn ein Hall als Effekt erwünscht war, habe ich diesen erst danach hinzugefügt, und spätestens dann konnte man keinen Schnitt mehr hören!
Nach einigen Produktionen war der erste Akai DR4 erschwinglich geworden, damit war der Analogschnitt hinfällig, und das ganze wesentlich einfacher, und es war kein großer Aufwand auch einmal einen einzelnen verpatzten Ton von einer gelungenen Wiederholung hineinzuschneiden.
Heutzutage am Computer gibt es schier unendliche Möglichkeiten, und ich glaube, jeder hat so seine eigene Herangehensweise.
Insgesamt habe ich sehr viel Kohle für das ganze Equipment ausgegeben, das hat sich nie mehr eingespielt, aber es war ein sehr schönes "Hobby".
Schlussendlich habe ich kapiert, dass man in der Industrie z.B. mit etwas Einzelkompetenz wesentlich leichter sein tägliches Brot verdient und keine tontechnischen Aufträge mehr angenommen, und hätte auch gar nicht die Zeit dafür gehabt.
So habe ich mir etliche Starallüren von so manchen Musikern sparen können :-)
Übrigens, die ADAT Bänder funktionieren alle noch, die geschnittenen Analogbänder sind defekt, hab leider Scotch und Ampex verwendet, die quietschen und schmieren alle.
(03.06.2025, 19:29)MatthiasB. schrieb: Ich seh das eher entspannter, da bereits heutzutage schon vieles möglich an Reparaturen ist, wovon man früher nur geträumt hat, denkt nur mal an den 3 D Druck.
Ich denke, daß in naher Zukunft für (fast) alle Elektronikprobleme Ersatz bestehen wird.
Klar ist dann das Gerät nicht mehr 100% original, aber es wird weiterarbeiten.
nein, leider nicht - im Gegensatz zu unseren alten Schätzchen, wo man wenigstens noch Fehler strukturiert suchen kann, ist das bei neueren Sachen kaum noch möglich.
Zwei Beispiele - ich habe ein UNi-T Handheld Oszilloskop, gekauft noch zu einer Zeit, wo die Dinger > 500 Euro gekostet haben - drei Monate nach Ablauf der Garantiezeit ging der Startbildschirm mit UnI-T Logo an, und danach nix mehr. Akku ist intakt, und der Akku ist auch das exakt einzige Teil, wo es Ersatz gibt. Für den ganzen Rest gibt es keine Ersatzteile, und, was noch schlimmer ist, es gibt keine Schaltpläne. Reichelt hat mich abblitzen lassen, schließlich war die Garantie drei Monate abgelaufen, und die deutsche Niederlassung des Herstellers bot mir als "Kulanzleistung" 30% Rabatt auf einen Neukauf an.
Das zweite Beispiel ist noch krasser - in unseren alten Benzen von 1999 und 2006 sind Multimedia Anlagen verbaut, die jeweils rund 8000 Euro Aufpreis gekostet haben. Reparaturen waren offiziell nur über den zentralen Kundendienst des Herstellers möglich ( Bosch Automotive beim Comand 2.0, Harman Becker beim Comand APS NTG1 ), selbst wenn sich nur an einem Drehknopf der Softlack ablöste, gab esoffiziell nur eine Reparaturmethode - Austauschgerät ordern und das "defekte" einschicken. ZehnJahre nach Auslaufen der Baureihe, also 2012 bzw. 2019, kam eine "Final Edition" der Navi-CD bzw. -DVD, und seitdem ist Schluss mit Kartenmaterial. Fremdanbieter, die in der Lage wären, z.B. Open Streetmap Karten an die Geräte zu adaptieren, und die das gegen Geld auch gerne machen würden, gibt es genügend, Mercedes rückt aber keine Informationen zu den Geräten raus, weder Schaltpläne für die Hardware noch Informationen zu Datenformaten etc. Und da sich die Geräte auch nicht mehr so einfach aus dem Bord-System entfernen lassen wie früher ein Autoradio, bleiben den Besitzern nur zwei Optionen - mit immer fauleren Provisorien leben, oder sich ein neues Auto kaufen, weil das Radio veraltet ist. Ach ja, irgendwann haben die Hersteller der Technik auch die eigentlichen Reparaturen eingestellt, so dass die Oldtimer der Zukunft wohl mit defekter Multimedia Technik unterwegs sein werden, und die Besitzer sich eine Bluetooth Rolle ins Auto legen, wenn sie ein wenig Musik haben wollen. Und auch die Bluetooth Rollen sind alle irreparabel konstruiert, und es gibt keine technischen Informationen.
Egal, ob Auto, Elektroherd oder Spielekonsole, die Hersteller mauern bei den technischen Informationen, verhindern dadurch zielgerichtete Fehlersuche und auch Upcycling - z.B. das Ersetzen von defekten CD-Laufwerken im Navi durch Festspeicherlösungen. Das Reparieren von modernen Geräten ist nur noch ein mehr oder weniger zielloses Gewurstel mit hohem Risiko, viele Arbeitsstunden für den A... vergeudet zu haben. Eigentlich wäre es die erste Aufgabe der ganzen Reparatur Intiativen, auf politischer Ebene durchzusetzen, dass a) Service-Informationen bereitgestellt werden, und b) die Hersteller entweder den Service aufrecht halten oder die Rechte an den Geräten offiziell aufgeben müssten, sprich, alles gemeinfrei stellen müssten. Ich habe ja Verständnis dafür, dass Hersteller erstmal selber den Honig saugen wollen, aber wenn eine Technik mehr als zehn Jahre vom Markt ist, und die Hersteller selber keinen Bock mehr drauf haben, dann sollte das Zeug auch gemeinfrei gestellt werden.Seit dem Erlebnis mit dem obigen Handheld Oszilloskop ist bei mir die Lust vergangen, mir ein teures Oszilloskop mit Analyzer anzuschaffen, denn bei den Geräten im vierstelligen Preisbereich sieht es überwiegend nicht besser aus. Für ein 40 Jahre altes Hameg bekommt man alle technischen Unterlagen und mit etwas Suche sogar noch spezielle Ersatzteile wie Kaskaden, wenn ein drei Jahre altes Fusimuschi kaputt ist, was in hochwertiger Ausführung auch schnell über 2000 Euro kostet, heißt es "Garantie vorbei - neu kaufen". Ich sehe ganz ehrlich weniger für unser altes Zeug schwarz, sondern mehr für das Geraffel, was nach 2000 gebaut wurde.
Ist nicht eine EU-Richtlinie für eine vorgeschriebene Reparaturfähigkeit, die Service-Dokumentation und eine Ersatzteilbevorratung (ich meine, für 10 Jahre) auf der Zielgeraden?
Zumindest scheinen einige Hersteller das auszuhebeln in dem irre Preise für Ersatzteile verlangt werden.
Kennt man ja bei Kfz schon lange.
Solange das so ist, wird das nix mit der Nachhaltigkeit.
(08.08.2025, 15:32)kesselsweier schrieb: Ist nicht eine EU-Richtlinie für eine vorgeschriebene Reparaturfähigkeit, die Service-Dokumentation und eine Ersatzteilbevorratung (ich meine, für 10 Jahre) auf der Zielgeraden?
Wenn’s von der EU kommt, kann man davon ausgehen daß es Murks ist und garantiert nicht im Sinne der Verbraucher
Ich hatte den Fall, dass mir ein BOSCH Elektrowerkzeug auch recht frühzeitig den Dienst versagte. Das Ding war voll mit einer Unzahl elektron. Bauteile, nix nur ein simpler E-Moto.r Somit war eine häusliche Reparatur völlig chancenlos.
Meine Herstelleranfrage zwecks Reparatur ergab unter dem Hinweis auf die Reparaturpflicht, die Hersteller nun hätten und ich verbraucherrechtlich das Gerät kostenfrei nach Erhalt einer Versandbescheinigung zur Überprüfung einsenden könne. Nach Überprüfung des defekten Geräts werde ein Kostenvoranschlag erstellt, alles kostenfrei - bis dahin...
Der Praxisversuch verlief dann auch genau so.
Bosch bestätigte den Erhalt meiner Einsendung und nach einigen Tagen wurden mir die die voraussichtlichen Rep.-Kosten mitgeteilt. Natürlich standen diese in keinem realistischen Verhältnis zu einem funktionsgleichem Neugerät, so dass ich doch dankend ablehnte. Zu sagen wäre noch, dass man mir anbot dss Altgerät zu entsorgen, um aus der Sache kostenfrei heraus zu kommen, dem ich natürlich zustimmte. So viel zu meiner Erfahrung mit dieser EU-Richtlinie, die so weit ich das verstehe zu diesem Zeitpunkt noch nicht letztendlich in Kraft war.
Mach' Dir nichts draus, ein MA der Reparaturabteilung wird den kaputten Kondensator ersetzt haben und nun werkelt das Gerät fröhlich bei ihm zu Hause .
ich sehe das ähnlich wie Frank. Meine B77 kam letzte Woche von der Revision zurück und spielt wie neu. Und unsere alten Benzis (124 T und 201) laufen ebenfalls bis sie repariert werden müssen. Und die Becker 2210 kann man selbst austauschen oder mit einer BT-Freisprecheinrichtung versehen.
Allerdings wird das alles zukünftig von fähigen Reparaturkünstlern abhängen. Die alten Hasen, die das noch als Lehrlinge gelernt haben, werden immer weniger.
Ein Beispiel: bei meinem 200 TE (M102, 118PS) war die Kopfdichtung durch. Ich bauftragte meine Stammwerkstatt mit der Reparatur. Nachdem der Kopf unten war, bekam ich einen Anruf vom Chef dass der Kopf kaputt wäre und sich das alles nicht mehr lohnen würde. Da war tatsächlich ein figernagelgroßes Stück am ersten Zylinder ausgebrochen; damit scheinbar Schrott! ABER da ist doch in fußläufiger Entfernung von meiner Wohnung doch eine Zylinderschleiferei... Dort arbeiten lauter solche alten Säcke die noch in der Lage sind, das Unmögliche möglich zu machen. Ich hab den Kopf hingetragen und bekam den ihn nach 2 Wochen in einem neuwertigen Zustand zurück. Und der Chef von meiner nun ehemaligen Stammwerkstatt in ebenfalls fußläufiger Entfernung von meiner Wohnung kannte die Zylinderschlleiferei nicht mal.
Letztlich hat mir ein Kumpel geholfen, das Ding wieder zusammen zu bauen. Die notwendigen Ersatzteile kamen natürlich alle vom örtlichen Mercedeshändler. Und dort fragte mich dann der junge Ersatzteilfritze, ob ich das nicht auch für seinen Freund bei einem 124er machen würde - man lasse es sich auf der Zunge zergehen: bei MERCEDES werde ich unwissender Hofbastler gefragt, ob ich einen alten MERCEDES reparieren würde...
Fazit: das alte Zeugs bleibt reparabel, aber man muß es immer mehr selbst machen, bzw. sich Hilfe in solchen Gemeinschaften wie hier suchen. Die Profis werden weniger und Junge lernen v.a. den Tausch von Blackboxes nach der Ansage eines Diagnosetools.
Bei meiner B77 hätte ich mir durchaus den Tausch der fraglichen Teile ggf auch mit eurer Hilfe zugetraut. Aber spätestens beim Einmessen wäre ich mit meinem Latein am Ende gewesen. Und da finde ich es besser, wenn alles aus einer Hand kommt, solange das noch geht. Ich hoffe halt nur, dass die 3,5 mm Kopfspiegel mich noch aushalten...
Ich denke, mit Hilfe der Foren kann man sehr viel wieder reparieren, oder wie oben geschrieben eine Bandmaschine einmessen.
Hat mir in letzter Zeit auch sehr viel geholfen, danke an dieser Stelle an die hilfsbereiten Foristen.
Leider steht auch viel Blödsinn im Internet, es wird auch viel falsches Wissen weitergegeben.
Das dann richtig herauszufiltern, wird in Zukunft auch immer schwieriger, und auch ein Problem für die KI. Da hab ich auch schon öfter eine zweifelhafte Antwort bekommen!
Oft muss ich mich zwingen endlich den PC zu verlassen und die Fehlersuche standardmäßig durchführen, sonst dauert die Googlesuche länger als die Reparatur.
(08.08.2025, 17:21)Tonschreiber schrieb: Das Ding war voll mit einer Unzahl elektron. Bauteile, nix nur ein simpler E-Moto.r Somit war eine häusliche Reparatur völlig chancenlos.
Sowas dachte ich mir auch, als ich im Repaircafe eine Heckenschere von Bosch auf dem Tisch hatte.
Nun arbeitet aber ein Bekannter in der dortigen Werkzeugsparte, hab ich natürlich ausgenutzt um mich auszukotzen. Die Antwort war verblüffend: Die uC Technik die da drin steckt, sei der einfachste Weg die diversen Richtlinien und Gesetze zu erfüllen.
Seit dem weiß ich, daß an vielem gar nicht die Hersteller schuld sind, sonder der Gesetzgeber.
Nettes Gegenbeispiel eines Dyson Föns, auch aus dem Repaircafe. Der Lieblingsfön einer jungen Dame funktionierte nicht mehr, gar nicht mehr. Zerlegen war erstaunlich einfach und intuitiv. Es war eine Leitung der Netzstrippe gebrochen. Ein komplett verschweißtes Teil samt Netzstecker, Zugentlastung und Kabelschuhen, aber hochflexibel und ich meine mit Silikonaußenhülle wegen Schutz gegen verschmoren. So'n Scheiß dachte ich zunächst, aber das Kabel war original von Dyson tatsächlich für nur 12€ zu bekommen . Da war ich baff. Selbst die chin. Nachbauten hätten 6€ kosten sollen. Auf Grund der Hochwertigkeit des Originals habe ich dazu geraten bei Dyson zu kaufen. Es geht also.