27.02.2009, 10:38
Also bei Philips konnte ich in Erfahrung bringen, daß man ca. Mitte der Sechziger Jahre Überlegungen traf, sich möglichst unabhängig von diversen Zulieferern zu machen. Die Kondensatoren-Produktion war ja schon hauseigen (sieht man an Farbcodierungen anstelle von Dimensionsangaben).
Das Jahr des Wandels war dann 1967, keine Spulen mehr "made in Germany", sondern aus Holland, völlig neue Form und Design. Bandmaterial nicht mehr zugekauft, sondern aus eigener Produktion.
Die Antriebsriemen waren ab jetzt ebenfalls aus eigener Produktion. Philips entwickelte einen Werkstoff, der wesentlich langzeitstabiler sein sollte. Risse oder Dehnungen sollten der Vergangenheit angehören. Außerdem sollte der Gummi besonders schmiegsam sein, besseren Griff haben usw.
Diese Ziele wurden erreicht, nur war das Material leider doch nicht langzeitstabil, das wußte man aber nicht bzw. konnte man nicht wissen, da die Halbwertszeit bei 15 bis 20 Jahren liegt. Philips-Gummis bestehen aus einer polymolekularen Kunststoffmischung, die sich wieder zurück in ihren ursprünglich flüssigen Aggregatszustand verwandelt. Es ist keine Hydrolyse, wie fälschlicherweise manchmal behauptet wird.
Begünstigt wird der Zerfall durch mechanische Belastung (wenn das Tonbandgerät läuft) und Wärme (wenn das Tonbandgerät sehr lange läuft). Bei fast nie benutzten Geräten kann man heute im Jahr 2009 den Gummi rückstandslos abziehen, er ist zwar klebrig und zäh wie Kaugummi, aber nicht matschig. Dagegen sind bei Geräten mit vielen Betriebsstunden die Gummis schon so flüssig, daß sie sich an allen möglichen Stellen im Geräte-Inneren verteilt haben, teils tropfend, teils kriechend.
Bei Antriebsriemen, die nicht unmittelbar von einem Motor angetrieben werden, sondern indirekt (wie z.B. Zählwerksriemen) wurde ein anderes, billigeres Material verwendet - und lustigerweise ist dieser billige Gummi auch heute noch oft völlig okay, weder rissig, noch gedehnt, noch flüssig. Darum bietet z.B. Gummimeyer bei eBay manchmal Ersatzriemensets an, ohne den Zählwerksriemen, weil es öfter vorkommt, daß alle Riemen flüssig geworden sind, nur der eine für´s Zählwerk eben nicht.
Manche Zählwerksgummis, vor allem relativ kleine Ringdurchmesser, waren aber wieder aus Problemgummi, denn die gleichen Riemen wurden auch in Kassettendecks eingesetzt, und zwar nicht im Laufwerk, sondern in der Mechanik des Kassettenfaches, wo man die CompactCassette einlegt. Diese Gummis werden leider auch flüssig.
Philips hat seine Riemen teilweise auch an andere Hersteller geliefert, es drehte sich also um: Philips höchstselbst war der Gummi-Zulieferer für andere Marken, wie bei vielen anderen Bauteilen auch, wie z.B. Stromkabel, Glühlämpchen usw. Wer also in einem Tandberg oder Hitachi irgendwo flüssig gewordene Riemen findet, weiß, wo sie herstammen.
Viele Grüße,
Manuel
Das Jahr des Wandels war dann 1967, keine Spulen mehr "made in Germany", sondern aus Holland, völlig neue Form und Design. Bandmaterial nicht mehr zugekauft, sondern aus eigener Produktion.
Die Antriebsriemen waren ab jetzt ebenfalls aus eigener Produktion. Philips entwickelte einen Werkstoff, der wesentlich langzeitstabiler sein sollte. Risse oder Dehnungen sollten der Vergangenheit angehören. Außerdem sollte der Gummi besonders schmiegsam sein, besseren Griff haben usw.
Diese Ziele wurden erreicht, nur war das Material leider doch nicht langzeitstabil, das wußte man aber nicht bzw. konnte man nicht wissen, da die Halbwertszeit bei 15 bis 20 Jahren liegt. Philips-Gummis bestehen aus einer polymolekularen Kunststoffmischung, die sich wieder zurück in ihren ursprünglich flüssigen Aggregatszustand verwandelt. Es ist keine Hydrolyse, wie fälschlicherweise manchmal behauptet wird.
Begünstigt wird der Zerfall durch mechanische Belastung (wenn das Tonbandgerät läuft) und Wärme (wenn das Tonbandgerät sehr lange läuft). Bei fast nie benutzten Geräten kann man heute im Jahr 2009 den Gummi rückstandslos abziehen, er ist zwar klebrig und zäh wie Kaugummi, aber nicht matschig. Dagegen sind bei Geräten mit vielen Betriebsstunden die Gummis schon so flüssig, daß sie sich an allen möglichen Stellen im Geräte-Inneren verteilt haben, teils tropfend, teils kriechend.
Bei Antriebsriemen, die nicht unmittelbar von einem Motor angetrieben werden, sondern indirekt (wie z.B. Zählwerksriemen) wurde ein anderes, billigeres Material verwendet - und lustigerweise ist dieser billige Gummi auch heute noch oft völlig okay, weder rissig, noch gedehnt, noch flüssig. Darum bietet z.B. Gummimeyer bei eBay manchmal Ersatzriemensets an, ohne den Zählwerksriemen, weil es öfter vorkommt, daß alle Riemen flüssig geworden sind, nur der eine für´s Zählwerk eben nicht.
Manche Zählwerksgummis, vor allem relativ kleine Ringdurchmesser, waren aber wieder aus Problemgummi, denn die gleichen Riemen wurden auch in Kassettendecks eingesetzt, und zwar nicht im Laufwerk, sondern in der Mechanik des Kassettenfaches, wo man die CompactCassette einlegt. Diese Gummis werden leider auch flüssig.
Philips hat seine Riemen teilweise auch an andere Hersteller geliefert, es drehte sich also um: Philips höchstselbst war der Gummi-Zulieferer für andere Marken, wie bei vielen anderen Bauteilen auch, wie z.B. Stromkabel, Glühlämpchen usw. Wer also in einem Tandberg oder Hitachi irgendwo flüssig gewordene Riemen findet, weiß, wo sie herstammen.
Viele Grüße,
Manuel
