17.07.2008, 12:53
Zitat:mash posteteHallo Michael,
...Hatten die eine Lizenz dafür?...
eine "offizielle" Lizenz für die 1974 erschienene Minox 35 hat es eher nicht gegeben. Persönlich gehe ich eher davon aus, daß man seitens der hiesigen Fotoindustrie die teils offensichtlichen Plagiate der Arsenal und Zorki geduldet hat, zumal man kaum eine Wahl hatte. Einerseits taten sie nicht weh, weil es die Kameras nur in Märkten gab, zu denen man selber kaum Zugang hatte, zu deren Zugang man aber das Wohlwollen der sowietischen Gesprächspartner brauchte, andererseits galt lange Zeit der 4-Mächte-Status, der es unseren "Verbündeten" erlaubte Dinge zu tun, über die man nicht sprach (man nehme z.B. die intensive Industrie-Spionage unserer NATO-Partner in Deutschland). Zu diesen Dingen hatte auch die Erlaubnis gehört, sich für Reparationsleistungen selbstständig in Deutschland zu bedienen. So war z.B. die Kamera-Produktion der Zeiss-Ikon in Dresden auf direktem Wege in die Ukraine gewandert
Zudem war Minox ursprünglich keine Deutsche Firma und waren die Rechte an Namen und Baumuster der Kleinstbild-Kameras zumindest hinterfragbar. Der Fotograf und Konstrukteur Walter Zapp hatte die Minox nämlich in Reval (Tallin) erfunden und zunächst bei der Rigaer VEF (Valsts Elektrotechniska Fabrika, später AEG-Tochter) bauen lassen.
Auch wenn Zapp später nach Deutschland gegangen und hier bis zum Schluß der Minox treu geblieben war (z.B. als mit-Entwickler der Minox 35), erinnere ich mich doch an Berichte über Ansprüche aus dem Osten: Das Baltikum war 1940 besetzt worden und Minox war in Sowietische Hände gelangt, die die Kamera "Made in USSR" weiter fertigten. Denkbar, daß man ein Gentleman-Agreement gefunden hatte um Streitigkeiten über den Namen, wie sie Zeiss-Ikon lange hatte führen müssen, zu entgehen.
Zeiss könnte Vorbild für so ein Agreement gewesen sein: Dort galt, daß Zeiss Jena die im Westen geschützten Marken nur im Osten benutzten durfte, Exporte nach Westen mit anderen Bezeichnungen stattfinden müssten ("T" anstatt "Tessar", "aus Jena" statt "Zeiss" etc.). Ähnlich mußte es die niederländische Industrie und Handelsgesellschaft Dresden handhaben, die als Ihagee AG bis 1966 unter Verwaltung fortgeführt worden war (bevor sie in die VEB Kamera und Kino Werke Dresden / Pentacon integriert wurde) und ihre Exakta im Westen auch nicht unter dieser Marke verkaufen durfte, sondern z.B. als "Elbaflex" anbot.
So bauten halt Zorki Leica-Derivate, und Arsenal Hasselblad, Contax, Rollei's und eben Minox, und man ließ sie machen.
Übrigens gibt es auch ein chinesisches Imitat der Minox 35. Die Yangtse entstand auf der nach China verlagerten Fertigungsanlage des Minox-Zulieferers Balda aus Bünde, für die ein ehemaliger Minox-Mitarbeiter eine der 35 sehr ähnliche Kamera entwickelt hatte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Nein.
Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch
