Auf welche Bänder habt Ihr eure Maschinen eingemessen und warum?
#8
Ein paar Kleinigkeiten zur Bandmaterialwahl blieben hier unerwähnt, obgleich wir das schon mehrfach diskutierten. Nachdem der Thread-Auslöser "Buster Teac-Ton" (bitte um Nachsicht, aber ich kenne deinen Namen nicht...) aber gezielt an diesen Punkten vorbeiblickt, löcke ich auch hier wider den Stachel:

In Zentraleuropa besteht aufgrund der seit etwa 1935 üblichen, frei tragenden Bandwickel die löbliche Tradition, in der professionellen Technik auch die Wickeleigenschaften und die Wickelfestigkeit zu spezifizieren, was nicht ganz ohne Einfluss auf die Amateurtechnik blieb (LPR 35!).
Diese geforderte Wickelqualität bedingt gewisse Formen der Bandrauigkeit, die man seit den 1970ern ausschließlich auf der Bandrückseite zu konzentrieren suchte, weil die kurzen aufgezeichneten Wellenlängen und die gleichzeitig hohen Grenzfrequenzen (Stichwort: "25 kHz bei 9,5") raue Beschichtungen nicht wegstecken und zwingend nach einer perfekten Kalandrierung der Bandoberflächen verlangen. Ein blick auf die Oberflächen und Rückseiten von MC-Bändern illustriert, was ich meine.

468, 528 und 900/911 (LPR35 letzter Generation hat den Magnetit des 911) wurden daher mit sehr hohen Ansprüchen an die Wickelqualität ("oft kopiert, nie erreicht!") und die akustischen Speichereigenschaften konzipiert, was in Japan und den USA, bei Zonal und schon bei Pyral eine deutlich untergeordnetere Rolle zu spielen schien, hier im europäischen, im Vergleich z. B. zu den USA sehr individuellen Alltagsproduktionsprozess mit seinem extrem hohen Schnittanteil (freitragende Wickel) aber nicht dreingegeben werden konnte. Dahinter -ein Rückseitenbeguß schlägt immer ein wenig auf die Schichtseite durch- treten dann die klanglichen Optimierungen zurück, die den Beschichtern von Maxell eindeutig (und allein!) den Griffel führten.

Vergleichbares gilt für das 528, das auch einen speichertechnischen Kompromiss vorstellt, der nach den Wünschen des Rundfunks konzipiert wurde, der aufgrund seiner riesigen Archive zusätzlich eine gewisse Abwärtskompatibilität im Bandmaterial fordern musste. Es dauerte daher geraume Zeit, bis der Rundfunk hierzulande mit dem Vorliegen des 528 vergleichsweise spät in die LH-Epoche (Low Noise - High Output) einsteigen konnte. Das LH-Band 528 wurde dafür in die Nähe der Arbeitspunkte des 525 gezungen, obwohl dieses mehr als eine Bandgeneration zurückliegt, Das hatte Folgen für die technische Leistungsfähigkeit des Bandes 528 (Aussteuerbarkeit fällt gegen über dem ältern 468 zurück), liegt aber natürlich nicht an der Unfähigkeit hiesiger Bandbauer, sondern an der -in Deutschland- kontinuierlich bis in Jahr 1941 zurückreichenden Tradition einer qualitativ hochwertigen Aufnahme auf Magnetband liegt. Der Rundfunk dackelte hier hierzulande paradoxerweise durch seine ziemlich kompromisslose Qualitätsforderung gezwungenermaßen immer hinter der Bandentwicklung her.

Primär zählt beim Rundfunk hierzulande (und damit bei der von ihm letztlich abhängigen Tonproduktion) die Betriebszuverlässigkeit. Weil man auf hohe (früher einmal sehr, sehr hohe), planbare, fast normierte Qualität Wert legte, waren diese immens teure Gerätetechnik und mancher Kompromiss nötig. Einer dieser Kompromisse betraf aus oben genanntem Grund das Band, womit sich aber leben ließ, zumal man immer kundig abwog, was im speziellen Fall von primärer Wichtigkeit war.

Den Amateur braucht das nur insofern zu interessieren, als hochwertige Wickel natürlich bandkantenschonend sind, was nicht ohne Folgen für die Wiedergabequalität bleibt. Andererseits muss man bei immer dünneren Bändern (Lang, Doppel, Dreifach) berücksichtigen, dass abhängig von der Schichtdicke die Aussteuerbarkeit und abhängig von der Trägerfolienstärke auch die Kopierdämpfung fällt, die (physikalisch bedingt) mit dem LH-Band ohnehin wieder abgenommen hatte. Nachdem die Werte da durchwegs nicht berauschend waren, gab es auch hier den bekannten "Kampf ums dB", obwohl Rauschminderer (Telcom, Dolby) hier helfend zugreifen.

Befasst man sich mit den bei uns üblichen schönen Datenblättern der Bänder, frisst sich da hindurch, erfährt man recht illustrativ, wie die Konstrukteure an den Parametern eines Bandes drehten, um es für bestimmte Zwecke zuzuschneiden.

Das zum "Warum", denn die Wege, die das alles nahm, sind nachzuvollziehen.

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von teac-x10 - 20.07.2007, 12:46
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