PR99 - Wickelteller "eiert" beim Umspulen
#8
Lieber Jo,

die Elektronik der PR99 ist über alle Bauserien der A77 in unterschiedlicher Form nächst bis nahe verwandt, die ja in der B77 (oben wurde es gesagt) einen de facto identischen Ableger fand. Man elektronifizierte einige Schalter, spendierte eine neuzeitliche Laufwerkslogik und einen solideren Ausgang nebst Kopfhörerenstufe (und Peak-LED); sonst blieb de facto alles gleich, na ja, auch der Löschtrafo wurde geändert, womit man auf die Löschkopfersatzspule verzichten konnte. Das war es aber. Wesentlich besser war es nicht zu machen.

Die PR99 wendet sich dagegen an den Home-Recorder mit professionalisierten Ansprüchen, denen man mit kalibrierten trafosymmetrischen Geräteein- und ausgängen entgegenzukommen bemüht war. Diese semiprofessionelle Szene, die in den 1970ern erst im Entstehen war, hatte ja bis in die 1990er erheblich zugelegt, so dass ein Markt für Geräte entstanden war, dessen Wünsche früher durch Sonderversionen der A77 (schweizerische PTT und ORF Wien) in überschaubarer Anzahl abgedeckt werden konnten.

Im Forum bin ich dafür bekannt, dass ich -aufgrund fachlicher Vorpolung- den Klang eines Bandgerätes weit hinter der Notwendigkeit einer adäquaten Einmessung ansetze. Insofern klingen für mich A77ORF bis PR99 nach meiner sorgfältigen Einmessung (über DolbyA oder TelcomC4) völlig gleich.

Von Plastikkernen (die gab es auch: ORWO und Pyral besitze ich; selbst Studer lieferte Revox-Bobby-Teller mit Plastikkernen 'nach DIN' aus) sprach ich oben nicht, sondern vom Adaptertyp der Firma Schneider, Darmstadt. Dieser jedoch, was wissen wir nun, liegt bei dir nicht vor. Du hast offensichtlich die Originalteller von Studer.
Damit ist aber über den aktuellen Zustand hinaus keine Hau-Ruck-Lösung deines Problems absehbar, es sei denn, du gingest unter die Konstrukteure und drehtest selbst bzw. ließest dir von einem befreundeten Dreher völlig neue Bobbyführungen nebst geeigneter Knebel für deine Teller anfertigen, die den Bobby nicht nur halten, sondern gleichzeitig zentrieren (ohne zu verklemmen...)

So sah das zerlegt als RFZ-Normkonstruktion aus:

[Bild: Einzelteile.jpg]

Mit einer Studermodifikation auf diese Weise (hüstel) sollte relative Laufruhe einkehren, die naturgegeben aber auch von den sonstigen Bandlaufbedingungen (Exzentrizität des Tellers, prinzipielle Grenzen beim Bandlauf der PR99 bis hin zur Genauigkeit der Selbstarbeit) abhängig ist. Ob das ein Weg ist....? Ich denke eben historisch und empfehle, entweder den aufrechten oder den Offenwickel-Betrieb ad acta zu legen.


Die oben angesprochenen Kugelschnäpper zur Zentrierung der Kerne baute übrigens Max Ihle 1950 in die Ferrophone IIc ein, deren Nachfolger dieses Feature zugunsten einer einfacheren, aber ähnlich wirkungsvollen Lösung aber schon nicht mehr besaßen. Ihles Geräte allerdings verboten durch die verwendeten Kohle-Stahl-Schwerkraftrutschkupplungen einen senkrechten Bandgerätebetrieb prinzipiell.

Hans-Joachim
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
[Kein Betreff] - von jo59 - 09.12.2006, 10:28
[Kein Betreff] - von Gyrator - 09.12.2006, 12:23
[Kein Betreff] - von PhonoMax - 09.12.2006, 14:42
[Kein Betreff] - von Studer_Uher - 09.12.2006, 15:41
[Kein Betreff] - von jo59 - 09.12.2006, 16:43
[Kein Betreff] - von Matthias U. - 09.12.2006, 16:54
[Kein Betreff] - von Studer_Uher - 09.12.2006, 17:39
[Kein Betreff] - von PhonoMax - 09.12.2006, 18:23
[Kein Betreff] - von PhonoMax - 09.12.2006, 18:36
[Kein Betreff] - von Frank - 09.12.2006, 18:55
[Kein Betreff] - von capstan - 09.12.2006, 21:04
[Kein Betreff] - von jo59 - 15.12.2006, 19:20
[Kein Betreff] - von capstan - 16.12.2006, 09:56

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste