29.11.2006, 14:18
Lieber Gerd,
da geht wieder einmal etwas an meinen Zielen vorbei. Mache dir durch den Blick in eine Schaltzeichnung klar, was ein unsymmetrischer Anschluss ist: Signalrückleitung und Schirm werden mit allen Folgen, die so etwas hat und jetzt nicht diskutiert werden, zusammengefasst. Der Schirm muss durchlaufen.
Sieh dir nun an, wie das in der klassisch symmetrisch erdfreien, also galvanisch trennenden Technik läuft: Signal und Signalrückleitung besitzen gegenüber Masse/Abschirmung idealerweise identisches Potenzial und gleichen Pegel (etc.) bei um 180° gedrehter Phasenlage. Zudem sind die Funktionen Schirmung und Signalführung galvanisch (!) getrennt. Für die elektronische Symmetrie gilt ähnliches, jedoch sind Schirmung und Signalführung voneinander nicht mehr galvanisch (!) getrennt. Gleichspannungsmäßig ist man relativ weit auseinander, wechselspannungsmäßig aber relativ sehr nahe zusammen.
Möglich ist bei beiden Arten der Symmetrie, Doppelerden durch Schutzerde und durchlaufende Schirme zu vermeiden. Man erdet die Geräte deshalb also prinzipiell nach Schutzklasse I. Auf den Vorzug galvanischer Trennung muss man bei elektronischer Symmetrie aber verzichten, so nötig wie der oft ist.
Ein weiteres Problem kommt mit der Auslegung eines elektronisch symmetrierten Ausganges ins Spiel: Sieh dir das ein mal in der Telcom- Ausgangsschaltung an (OHNE Trafo! Eines der Blockschaltbilder ist dafür am übersichtlichsten). Im Grunde besteht der Ausgang nur aus zwei OpAmp-Ausgängen, deren einer invertiert, deren anderer aber nicht. Solche Ausgänge können nicht wie ein Trafo behandelt werden. Schließt man einen solcherart ungesicherten Ausgang(sschenkel) -wie bei einem Trafo problemlos möglich- gegen Masse kurz, um mit dem anderen Ausgangs(schenkel) einen unsymmetrischen Eingang zu speisen, geht einem im besten Falle der OpAmp hoch und sagt nie mehr etwas.
Man kann aber elektronisch jeden dieser beiden Schenkelausgänge als einen eigenen Ausgang begreifen (Phasenlage von a und b in Phase um 180° gedreht) und eben nur einen Schenkel nützen. Es ist dies dasselbe wie beim unsymmetrischen TB-Ausgang eines Verstärkers (der halt nur den zweiten, um 180° phasengedrehten Ausgang nicht hat). Sieh dir das im Blockschaltbild der Telcoms an, die intern natürlich unsymmetrisch arbeiten. Das funktioniert, wird regelmäßig gemacht, besitzt aber den Nachteil des geringeren (und damit oftmals inpraktikablen, da nicht normgerechten) Pegels. Ein Ausweg ist dies oft genug allemal. (Die Alternative der "Servoausgänge" in elektronisch symmetrierten Geräten lasse ich jetzt 'mal außer Betracht)
Der Nachteil liegt darin, dass du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (ich weiß, was genacht wird) irgendwo in deiner Anlage eine oder mehrere Erdschleifen hast, die bei unsymmetrischer Drittgeräteanschaltung plötzlich zu leben beginnen. Das ist nicht immer katastrophal, solange man weiß, wo diese Schleifen sind. Die Brummunterdrückung leidet aber fast immer, was bei den 90 dB Betriebsdynamik der Telcoms aber nicht zu tolerieren ist.
Du hast also vermutlich am nicht schutzgeerdeten Behringer noch einen Anderen Verbraucher oder Lieferanten hängen, der irgendwoher einen Schutzleiter mit seiner Erde herantransportiert und mit dem Erdpotenzial der Wiedergabe-Telcoms kollidiert: Ausgleichstrom. Und den hört man halt als Störgröße.
Zur Wiederholung
Unsymmetrischer Anschluss der Telcoms an Behringer:
Pin 1 vom XLR-Ausgang des WiedergabeTelcoms muss an den Cinch-Massering deines Behringers, Pin 2 des Telcom-XLR-Ausganges an den Zentralkontakt es Behringer-Tape-Return-Eingangs-Cinches. Das muss gehen, solange du nicht anderweitig eine Masseschleife produzierst oder produzieren musst. Doch das ist nicht dieser speziellen unsymmetrischen Verdrahtung, sondern der Unsymmetrie als Prinzip geschuldet, weshalb man ja auch da, wo es ernst ist, der Symmetrie unbedingt den Vorzug gibt, egal was das kostet.
Um deine Frage zum Vorteil dieses Anschlusses dezidiert zu beantworten: Der Vorteil besteht darin, dass diese Technik bei (solcherart) elektronisch symmetrierten Ausgängen (und nur dort!) ohne Überlastung irgendeines OpAmps, ohne seine Beschädigung abgeht, weil der eher simpel elektronisch symmetrierte Ausgang der Telcoms sich nicht wie ein Trafo verhält. Man muss diese Ausgänge symmetrisch abschließen, unsymmetrisch so wie oben verdrahten oder es bleiben lassen. Wenn man es nicht akzeptieren will, zwingen einen die auszugleichenden Erdpotenziale der ja schutzgeerdeten Geräte dazu. Erfolgt der Ausgleich über die (vergleichsweise hochohmig geführte) unsymmetrische Signaladern (Schirm(Rückleitung in diesem Falle) ist der Brumm halt da.
Ich weiß durchaus, warum für mich zwischen Norditalien und Portugal, Belgien und DDR Brumm nie ein Problem war. Auch ohne Trenntrafo übrigens, denn der kam vergleichsweise spät.
Du kommst ohne Symmetriertrafo nicht weiter, wobei ich jetzt mit Dani die erdfreie Symmetrierung eines unsymmetrischen Mischpulteingangs präferiere, egal ob das nun ein Studer, Yamaha, Tascam oder ein Behringer ist. Das geht am besten mit Studer- oder Neutrikübertragern. Die Studertypen tauchten zeitweise nicht nur in Studergeräten auf, sondern auch bei Ebay, wo sie oft sehr billig waren, plötzlich aber anzogen, weil die MC-Freaks meinten... Die Studernummer lautete 1.022.405 (Übersetzungsverhältnis 1:1, nichts anderes!). Neutrik NTL1 IST identisch. Dieser Trafo kann infolge seiner Gutmütigkeit dem Tape-Return-Eingang des Behringer tadellos (intern oder extern) vorgeschaltet und dafür optimal kompensiert werden (man macht das mit einem 1 kHz-Rechtecksignal). Er lässt sich aber -wie alle Übertrager mit Anspruch- nicht jenen symmetrischen Weitbereichseingängen vorschalten, die heute zwischen 0 und -60 dB alle Mischpulte durchseucht haben.
Hans-Joachim
da geht wieder einmal etwas an meinen Zielen vorbei. Mache dir durch den Blick in eine Schaltzeichnung klar, was ein unsymmetrischer Anschluss ist: Signalrückleitung und Schirm werden mit allen Folgen, die so etwas hat und jetzt nicht diskutiert werden, zusammengefasst. Der Schirm muss durchlaufen.
Sieh dir nun an, wie das in der klassisch symmetrisch erdfreien, also galvanisch trennenden Technik läuft: Signal und Signalrückleitung besitzen gegenüber Masse/Abschirmung idealerweise identisches Potenzial und gleichen Pegel (etc.) bei um 180° gedrehter Phasenlage. Zudem sind die Funktionen Schirmung und Signalführung galvanisch (!) getrennt. Für die elektronische Symmetrie gilt ähnliches, jedoch sind Schirmung und Signalführung voneinander nicht mehr galvanisch (!) getrennt. Gleichspannungsmäßig ist man relativ weit auseinander, wechselspannungsmäßig aber relativ sehr nahe zusammen.
Möglich ist bei beiden Arten der Symmetrie, Doppelerden durch Schutzerde und durchlaufende Schirme zu vermeiden. Man erdet die Geräte deshalb also prinzipiell nach Schutzklasse I. Auf den Vorzug galvanischer Trennung muss man bei elektronischer Symmetrie aber verzichten, so nötig wie der oft ist.
Ein weiteres Problem kommt mit der Auslegung eines elektronisch symmetrierten Ausganges ins Spiel: Sieh dir das ein mal in der Telcom- Ausgangsschaltung an (OHNE Trafo! Eines der Blockschaltbilder ist dafür am übersichtlichsten). Im Grunde besteht der Ausgang nur aus zwei OpAmp-Ausgängen, deren einer invertiert, deren anderer aber nicht. Solche Ausgänge können nicht wie ein Trafo behandelt werden. Schließt man einen solcherart ungesicherten Ausgang(sschenkel) -wie bei einem Trafo problemlos möglich- gegen Masse kurz, um mit dem anderen Ausgangs(schenkel) einen unsymmetrischen Eingang zu speisen, geht einem im besten Falle der OpAmp hoch und sagt nie mehr etwas.
Man kann aber elektronisch jeden dieser beiden Schenkelausgänge als einen eigenen Ausgang begreifen (Phasenlage von a und b in Phase um 180° gedreht) und eben nur einen Schenkel nützen. Es ist dies dasselbe wie beim unsymmetrischen TB-Ausgang eines Verstärkers (der halt nur den zweiten, um 180° phasengedrehten Ausgang nicht hat). Sieh dir das im Blockschaltbild der Telcoms an, die intern natürlich unsymmetrisch arbeiten. Das funktioniert, wird regelmäßig gemacht, besitzt aber den Nachteil des geringeren (und damit oftmals inpraktikablen, da nicht normgerechten) Pegels. Ein Ausweg ist dies oft genug allemal. (Die Alternative der "Servoausgänge" in elektronisch symmetrierten Geräten lasse ich jetzt 'mal außer Betracht)
Der Nachteil liegt darin, dass du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (ich weiß, was genacht wird) irgendwo in deiner Anlage eine oder mehrere Erdschleifen hast, die bei unsymmetrischer Drittgeräteanschaltung plötzlich zu leben beginnen. Das ist nicht immer katastrophal, solange man weiß, wo diese Schleifen sind. Die Brummunterdrückung leidet aber fast immer, was bei den 90 dB Betriebsdynamik der Telcoms aber nicht zu tolerieren ist.
Du hast also vermutlich am nicht schutzgeerdeten Behringer noch einen Anderen Verbraucher oder Lieferanten hängen, der irgendwoher einen Schutzleiter mit seiner Erde herantransportiert und mit dem Erdpotenzial der Wiedergabe-Telcoms kollidiert: Ausgleichstrom. Und den hört man halt als Störgröße.
Zur Wiederholung
Unsymmetrischer Anschluss der Telcoms an Behringer:
Pin 1 vom XLR-Ausgang des WiedergabeTelcoms muss an den Cinch-Massering deines Behringers, Pin 2 des Telcom-XLR-Ausganges an den Zentralkontakt es Behringer-Tape-Return-Eingangs-Cinches. Das muss gehen, solange du nicht anderweitig eine Masseschleife produzierst oder produzieren musst. Doch das ist nicht dieser speziellen unsymmetrischen Verdrahtung, sondern der Unsymmetrie als Prinzip geschuldet, weshalb man ja auch da, wo es ernst ist, der Symmetrie unbedingt den Vorzug gibt, egal was das kostet.
Um deine Frage zum Vorteil dieses Anschlusses dezidiert zu beantworten: Der Vorteil besteht darin, dass diese Technik bei (solcherart) elektronisch symmetrierten Ausgängen (und nur dort!) ohne Überlastung irgendeines OpAmps, ohne seine Beschädigung abgeht, weil der eher simpel elektronisch symmetrierte Ausgang der Telcoms sich nicht wie ein Trafo verhält. Man muss diese Ausgänge symmetrisch abschließen, unsymmetrisch so wie oben verdrahten oder es bleiben lassen. Wenn man es nicht akzeptieren will, zwingen einen die auszugleichenden Erdpotenziale der ja schutzgeerdeten Geräte dazu. Erfolgt der Ausgleich über die (vergleichsweise hochohmig geführte) unsymmetrische Signaladern (Schirm(Rückleitung in diesem Falle) ist der Brumm halt da.
Ich weiß durchaus, warum für mich zwischen Norditalien und Portugal, Belgien und DDR Brumm nie ein Problem war. Auch ohne Trenntrafo übrigens, denn der kam vergleichsweise spät.
Du kommst ohne Symmetriertrafo nicht weiter, wobei ich jetzt mit Dani die erdfreie Symmetrierung eines unsymmetrischen Mischpulteingangs präferiere, egal ob das nun ein Studer, Yamaha, Tascam oder ein Behringer ist. Das geht am besten mit Studer- oder Neutrikübertragern. Die Studertypen tauchten zeitweise nicht nur in Studergeräten auf, sondern auch bei Ebay, wo sie oft sehr billig waren, plötzlich aber anzogen, weil die MC-Freaks meinten... Die Studernummer lautete 1.022.405 (Übersetzungsverhältnis 1:1, nichts anderes!). Neutrik NTL1 IST identisch. Dieser Trafo kann infolge seiner Gutmütigkeit dem Tape-Return-Eingang des Behringer tadellos (intern oder extern) vorgeschaltet und dafür optimal kompensiert werden (man macht das mit einem 1 kHz-Rechtecksignal). Er lässt sich aber -wie alle Übertrager mit Anspruch- nicht jenen symmetrischen Weitbereichseingängen vorschalten, die heute zwischen 0 und -60 dB alle Mischpulte durchseucht haben.
Hans-Joachim
