30.10.2006, 12:38
Zitat:The_Wayne posteteNatürlich, und das ist bei jedem Gerät mit Sinterlagern so, die ihrerseits keineswegs Technik von vorgestern sind. Du hast es bei der G36 jedoch bereits mit einem regelrecht historischen Bandgerät zu tun, das seine Existenz mit professionellen Geräten und Kuriositäten teilt. Da muss dann auf dem Reaparaturwege etwas adäquates geschehen. Ich habe derzeit in Sachen Schmiermittel Anfragen laufen, die teilweise noch nicht abschließend beantwortet sind, zumal der Schmiermittelhandel ungern unterhalb der Tankwagendimension verkauft. Wenn alles läuft, kommt bei meinen Unternehmungen etwas heraus.
Hmm, im Handbuch steht, daß das Ölen der Capstanlager möglichst vermieden werden soll und das die Ölmenge für die Lebensdauer bemessen ist. Von wie lange gingen den die Revox-Leute damals aus? Bestimmt keine 40 Jahre, nehme ich an.
Hat deine Tonwelle deutliches Seitenspiel?
Der rechte innere Umlenkbozen meiner G36, die wohl etwa ein halbes Jahr jünger sein sollte als die deine, ist sehr gleichmäßig abgearbeitet, wogegen der linke, innere, durch ein angenietetes Phosphobronzeblech drapierte Umlenkbolzen schon in historischer Zeit (also ca. 25 Jahre her) ein durchgeschliffenes Bronzeblech aufwies, das ich lötete und die Bandanlageposition durch Bolzendrehung etwas änderte. So ist das bis heute. Diese Problemlösung kommt aber rechts nicht in Betracht.
Ich kann mir nicht gut vorstellen, dass die Bandunruhe vom ungleichmäßigen Abschliff herrühren sollte, weil die Motoren so kräftig sind, dass ihnen dies nichts ausmacht. In gleicher Weise darf die Bremse nicht in den Bandlauf des Betriebes eingreifen. Sie hat zu lösen, je perfekter umso besser. Bremsbänder mit Knickschäden im Trommelbereich (die imer auf Fremdmanipulationen hindeuten) sind ein Fall für den Tausch.
Wenn du an den Spulen rechts 'nachhilfst' oder links verzögerst muss, sich ja aufgrund der veränderten Transportbedingungen etwas mit der Bandunruhe tun. Der schnell Bandvor- und -rücklauf (das Band rast bei der G36; also niemalt Versuche mit freitagenden Wickelnriskieren!) läuft ja inzwischen tadellos. Wenn nicht, wären gealterte Hilfsphasenkondensatoren trotz allem in betracht zu ziehen. Doch zunächst sollte uns das noch nicht interessieren.
Am Bolzen genügen minimale Magnetitablagerungen in den Führungsecken des inneren Umlenkbolzens, und das Band setzt sich fest. Also: Vorsichtiges Öffnen der Messigschraube, Bolzen (das ist ein Rohrabschnitt) herausnehmen und genau im Bandbereich (Ecken und Kanten!!) ansehen, reinigen, wieder sorgfältig justiert (Bandführungen über und unter dem Bolzen!) einbauen. An die Beilagscheiben sowie den Lichtleiter bezüglich korrekten Einbaus denken.
Weiter solltest du dir Andruckrolle und Tonwelle ansehen. Sollten diese kleben oder über Gebühr schmutzig sein, wäre das Problem auch erklärt. Benützt du Doppelspielband? Da gibt es das Flattern fast prinzipbedingt frei Haus aufgrund des elektrostatischen Verhaltens dieses extrem schmiegsamen Bandes. Schließlich weiß ich nicht, wie dramatisch das Band 'flattert'. So wird das Band bei der G36 sehr kräftig zwischen Tonwelle und -rolle in die Mangel genommen, was den bekannten Nagelfeilen- oder Maultrommelzungeneffekt hervorruft, der bis zu einem gewissen Grad dann auch normal wäre. Hinsichtlich des Gleichlaufes jedoch muss die G36 auch nach heutigen Ansprüchen sehr gut arbeiten (meine Erwartungen gründen "wohl aufgemerkt" auf den diesbezüglich sehr delikaten klavierten Instrumenten -Cembalo bis Orgel-!).
Tut sie das nicht, muss man sich mit den Tonmotor- bzw. Tonwellenlagern befassen, sie also zunächst einmal nicht länger trocken laufen lassen und sehen, was sich an der Schmierfront tut.
Du solltest hier -egal wie sich die Sache fortentwickelt- nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern den Sachverhalt akzeptieren, so wie er sich darbietet. Die G36 ist der Ehrfurcht gebietende Abschluss der Bandgeräteepoche zwischen 1941 und 1966 (Amateurseite), von denen 21 Jahre durhc die Revoxserie 36 begleitet werden, davon 19 Jahre mit Dreikopfanlage (seit Serie B) und 6 unter Stereofonie (seit Serie D). Diese Geschichte trägt die G36 bis ins Detail erkennbar in sich, weshalb man versuchen sollte, sie soweit irgend möglich wieder herzuholen, auch wenn sie bezüglich des Gleichlaufes schließlich doch nicht mehr zu Orgelmusikaufnahmen (na ja, ich weiß, Kelheim, am Berg oben...) taugen sollte.
Demnach herrichten; man lernt -gerade auch zur Röhrentechnik- ordentlich etwas dabei.
Daher also: Lasse den Tonmotor nicht mehr laufen, bis geeignetes Öl im Hause ist. Zerlegen kannst du den technisch ja hochinteressanten Motor gerne,solange du nicht mit Hammer und Meißel zur Sache schreitest; notfalls bei den Päpsten oder den Revoxlern in VS zum Öl (G36,MKII) anfragen, wobei auch Ölfachleute (die streuen doch von IN aus auch in die Kelheimer Gegend ein, od'r) mit dem Hinweis auf Teresso43 etwas anfangen können.
Ich musste allerdings feststellen, dass die Bandgerätereparateure die Ölfrage durchaus leichter nehmen als ich, weshalb ich ja auch eine breiter angelegte Nachfrage zum Thema startete (siehe dazu auch den einschlägigen Thread hier im Forum).
Hans-Joachim
