19.08.2006, 13:05
Zitat:GX77 posteteDas ist grundsätzlich möglich, aber weniger als die Hälfte der Miete, denn für die betrieblich sinnvolle Nutzung (=Ausnützung) eines Bandes sind einige Informationen mehr hilfreich, als nur der Nachweis einer frequenzabhängigen Sättigungsremanenz über eine Fast-Fouriertransformation: Darauf liefe nämlich dein Wunsch hinaus.
In diesem Zusammenhang wäre auch mal interessant zu wissen, ob es möglich ist per Frequenzspektrum und Dämpfung eine bandtypische Kennline zu erhalten um ein Bandmaterial zu identifizieren. So ähnlich, wie es auf manchen Packungen abgebildet ist. Dass müsste doch wie ein Fingerabdruck sein. Gibt es sowas ? (Vielleicht wäre dass auch mal einen eigenen Thread wert.)
Dass die Ausnützung der bandgegebenen Sättigungsremanenz auch von Vorgaben des verwendeten Bandgerätes abhängig ist, sei nur am Rande erwähnt, führt uns aber zum Manko deiner obigen Unternehmungen:
Gerade bei den niedrigen Bandgeschwindigkeiten, also 19 cm/s abwärts, muss das Bandgerät unbedingt auf die jeweils gemessenen/geprüften Bandsorten hin abgeglichen (eingemessen) werden, weil sonst nicht einmal Äpfel mit Birnen verglichen werden (können); Probleme sind dann bei dem von dir aufgespannten Feld zwischen LGR50 (notfalls gar noch 525) auf der einen und Maxell UDXLauf der anderen Seite nicht nur möglich, sondern prinzipbedingt 'nötig'.
Ordnet man sich dem aber -mit den Mitteln des professionell denkenden/arbeitenden Liebhabers- unter, explodiert die Arbeit, und man kehrt treumütig zu den Datenblätten der Hersteller zurück, die sich diesbezüglich in außereuropäischen Ländern aber immer eigentümlich zurückhaltend verhielten. Kataloge über Jahrzehnte hin tonnenweise zu lagern, die dann doch nur in die Makulatur wandern, ist nicht jedermanns Sache, klar.
Es gab in "HiFi exclusiv", Heft 7, 1980 einen Test über 20 Bandsorten* von Ulrich Wienforth, der die Daten jener Bandsorten auf einen Nenner bringt und so gesehen einen Vergleich ermöglicht. Dabei bleiben aber außerhalb der technischen Daten liegende, oftmals aber nicht minder zwingende Umstände aber außer Acht. 525 (NICHT LH!) und das bewusst und mit einigem Aufwand in dessen Arbeitspunkt gezwungene 528 sind aufgrund ihrer begrenzten Leistungsmöglichkeiten nicht etwa ein Produkt einer hilflosen bunzdeutschen Industrie, die gegen 'die Japaner' (Maxell) nichts zuzusetzen hatte, sondern Ergebnisse einer durchaus bibliothekarisch/archivalisch denkenden Musikindustrie, die 1980 (Jahr des Maxell UDXL) hierzulande bereits 40 Jahre (USA/Japan: 30 Jahre) Archivtradition gerade beim Rundfunk mit seiner beengten Übermittlungsstrecke UKW hinter sich hatte. Das Vollaussteuerungsverhalten der Speicher hatte also beispielsweise unmittelbaren Einfluss auf die Einfachheit einer Sendeabwicklung. Infolgdessen beließ man es möglichst dabei (also den 320 bis 514 nWb/m; heute wird elektronisch begrenzt, was das Zeug hält) und optimierte das Band um diese 'Grenzen' herum, während in den USA und dann auch Japan ohne größere Rücksichten auf Arbeitspunkte und 'Abwärtskompatiblilitäten' das Band physikalisch per se optimiert wurde (frühes Beispiel: AMPEX 111, Zeitgenosse von AGFA Typ F). Die physikalischen Bedingungen und Kenntnisse waren und sind international und naturgegeben gleichmäßig verteilt; daran zweifeln heute nur Betriebswirte. Die Erwartungen als Funktion einer unterschiedlich ausgeprägten Tradition bei den Nutzern wichen zum Teil aber gravierend voneinander ab, was sich übrigens auch auf die Kunden jener Nutzer übertrug. Anders sind die Klagen über bestimmte Formen des Qualitätsverfalles beim hiesigen Rundfunk nämlich nicht zu verstehen. Wir haben heute das Radio, das in den USA immer "Radio" war, wenn auch auf digitalem Niveau.
Arbeitet man mit 76 ist es 'fast gleichgültig', was man nimmt, die hohe Bandgeschwindigkeit richtet es schon.... Kommt man aber unter 38, wird es bei vielen Bandsorten aber regelrecht eng(!), sofern sie überhaupt für diese Bandgeschwindigkeiten spezifiziert sind. Gerade bei Studiomaterial sieht man oftmals an den Kennlinienscharen sehr deutlich, in welche Richtung die Auftraggeber und Urheber eines Bandes zielten.
Hans-Joachim
*) Ulrich Wienforth, 20 Spulentonbänder im Test, in: Hifi exclusiv Heft 7, Juli 1980, S. 38-55
