16.02.2006, 20:35
Der analoge Schnitt ist eine straffe Sache, wenn man im Rahmen der Produktion und nicht bei der Sendebanderstellung des Rundfunks (dort werden Kopien konfektioniert) schneidet. Produktion und anspruchsvollen Musikschnitt kennt/kannte man bei Rundfunk und Schallplatte natürlich in extenso, nicht zuletzt aufgrund des beim Rundfunk -zeitweise zumindest- gigantischen Produktionsanfalles. Entsprechend virtuos waren die (oftmals) Damen dann auch an den Schneideplätzen. Ehe sich kapiert hatte, was die Taten, waren die schon auf dem Weg zum nächsten Aufheber, hatten eingestellt, geschnitten, geklebt, abgehört. Ein den Wewhrdienstverweigerer nachhaltiung verstörendes Maschinengewehrfeuer. Dass das Band das aushielt... (Da gab es übrigens durchaus Grenzen!)
Für den Musikschnitt sind neben der hohen Bandgeschwindigkeit 38 cm/s wenigstens zwei Winkel (60° und 45°) hilfreich, die man mitunter auch in zwei Richtungen anwendet, je nachdem, was die Modulation erfordert. Heikle Sachen, die nicht zusammenwollten, versuchte man über 'Schwalbenschwänze' hinzubiegen, ohne dass das immer 'etwas' wurde.
Schon beim Langspielband wird das Schneiden schwierig, weil die Bandenden aufgrund der geringen Bandstärke, dem heterogenen Aufbau (RÜckseiten Beguss, Trägerfolie, gebndenes Pigment) und der Körperwärme dazu tendieren, aus der Schneideschiene in dem Augenblick aufzustehen, in dem man mit dem Klebeband anrückt. Die Folgen sind klar: Lücke zwischen den Enden, schief aufliegender Klebebandabschnitt oder generelle Erfolglosigkeit.
Wichtig ist eine Schiene, die einerseits das Auflegen der das Klebeband aktiv führenden Hand gestattet und zusätzlich das Band sehr gut hält. Klammern für das Band erfüllen hier ihren Zweck nur bedingt.
Vom Doppelspielband an lässt man besser vom Schnitt, weil zum einen die Laufeigenschaften des Bandes durch das Klebeband dann zu stark (also in der Modulation hörbar) verändert werden, zum anderen oftmals auch die Schneideutensilien (Kopfschere o. ä. und -entmagnetisierte!- Balsaklinge) nicht mehr scharf genug sind. Man verwürgt bei den Editieraktivitäten dann eher das Band, als dass man schöne Schnittkanten erhält, die -vielleicht gar bei 9,5- auch noch unhörbar (???) am Kopf vorbeilaufen sollen.
Das exakte Er- und Abhören musikalischer Schnittpositionen ist ein ziemlich diffiziler Prozess, mit dem man ausschließlich über große Erfahrung zu überschau- und planbaren Ergebnissen kommt, soferne die Aufzeichnungen in Ordnung sind. Gibt es da Mängel (z. B. technischer Art), muss selbst der pefekteste Schnitt scheitern.
Zu den schönsten Schnittvergnügen zählen Gitarre, Laute, Cembalo, zu den übelsten zählt die Orgel, deren lange Einchwingvorgänge durch die oft großen Räume noch weiter verschliffen werden, so dass man bei der Positionsfindung (von Hand bewegte Wickelteller) praktisch 'nichts' hört.
Auch die Bandgeräte könn(t)en viel dazu beitragen, dass ein solider Schnitt nicht von Anfang an zum Hasardstück verkommt. Die A80 z. B. verfügt über eine Edit-Funktion, bei der die Wickelmotoren so unter Spannung gesetzt werden, dass ein Drehmomentgleichgewicht bei an die Köpfe gefahrenem Band erzeugt wird. Man kann das Band dadurch mit geringstem Kraftaufwand hin- und herbewegen, um die Positionsfindung zu präzisieren. Dies fehlt bei Amateurgeräten grundsätzlich, ja selbst bei professionellerem Material sucht man diese Hilfe vergeblich.
Ein Umbau meiner G36 vor mehr als 30 Jahren rüstete diese Funktion nach, bei einer A77 dürfte das etwa ähnlich möglich sein, erfordert aber Eingriffe in die Geräteintegrität. Dass ein vergleichbares Feature bei der B67 ("Professional Tape Recorder" steht dick drauf...) völlig fehlt, dafür aber eine eigene Taste für den "Papierkorbbetrieb" vorgesehen wurde, lässt tiefer blicken.
Nun denn, der digitale Schnitt ist weniger aufregend, es geht eigentlich nichts mehr schief und besser ist er auch, der Kompromiss wird nicht so schnell zum alltäglichen Kollegen wie in der analogen Zeit. Dennoch bedauere ich, dass junge Kollegen die Erfahrung des analogen Schnittes nicht mehr machen können. In Kenntnis der 'klassischen' Probleme des Schnittes, geht man mit dem Musizieren in Takes bei Aufnahme allemal anders, also sachgerechter um.
Hans-Joachim
Für den Musikschnitt sind neben der hohen Bandgeschwindigkeit 38 cm/s wenigstens zwei Winkel (60° und 45°) hilfreich, die man mitunter auch in zwei Richtungen anwendet, je nachdem, was die Modulation erfordert. Heikle Sachen, die nicht zusammenwollten, versuchte man über 'Schwalbenschwänze' hinzubiegen, ohne dass das immer 'etwas' wurde.
Schon beim Langspielband wird das Schneiden schwierig, weil die Bandenden aufgrund der geringen Bandstärke, dem heterogenen Aufbau (RÜckseiten Beguss, Trägerfolie, gebndenes Pigment) und der Körperwärme dazu tendieren, aus der Schneideschiene in dem Augenblick aufzustehen, in dem man mit dem Klebeband anrückt. Die Folgen sind klar: Lücke zwischen den Enden, schief aufliegender Klebebandabschnitt oder generelle Erfolglosigkeit.
Wichtig ist eine Schiene, die einerseits das Auflegen der das Klebeband aktiv führenden Hand gestattet und zusätzlich das Band sehr gut hält. Klammern für das Band erfüllen hier ihren Zweck nur bedingt.
Vom Doppelspielband an lässt man besser vom Schnitt, weil zum einen die Laufeigenschaften des Bandes durch das Klebeband dann zu stark (also in der Modulation hörbar) verändert werden, zum anderen oftmals auch die Schneideutensilien (Kopfschere o. ä. und -entmagnetisierte!- Balsaklinge) nicht mehr scharf genug sind. Man verwürgt bei den Editieraktivitäten dann eher das Band, als dass man schöne Schnittkanten erhält, die -vielleicht gar bei 9,5- auch noch unhörbar (???) am Kopf vorbeilaufen sollen.
Das exakte Er- und Abhören musikalischer Schnittpositionen ist ein ziemlich diffiziler Prozess, mit dem man ausschließlich über große Erfahrung zu überschau- und planbaren Ergebnissen kommt, soferne die Aufzeichnungen in Ordnung sind. Gibt es da Mängel (z. B. technischer Art), muss selbst der pefekteste Schnitt scheitern.
Zu den schönsten Schnittvergnügen zählen Gitarre, Laute, Cembalo, zu den übelsten zählt die Orgel, deren lange Einchwingvorgänge durch die oft großen Räume noch weiter verschliffen werden, so dass man bei der Positionsfindung (von Hand bewegte Wickelteller) praktisch 'nichts' hört.
Auch die Bandgeräte könn(t)en viel dazu beitragen, dass ein solider Schnitt nicht von Anfang an zum Hasardstück verkommt. Die A80 z. B. verfügt über eine Edit-Funktion, bei der die Wickelmotoren so unter Spannung gesetzt werden, dass ein Drehmomentgleichgewicht bei an die Köpfe gefahrenem Band erzeugt wird. Man kann das Band dadurch mit geringstem Kraftaufwand hin- und herbewegen, um die Positionsfindung zu präzisieren. Dies fehlt bei Amateurgeräten grundsätzlich, ja selbst bei professionellerem Material sucht man diese Hilfe vergeblich.
Ein Umbau meiner G36 vor mehr als 30 Jahren rüstete diese Funktion nach, bei einer A77 dürfte das etwa ähnlich möglich sein, erfordert aber Eingriffe in die Geräteintegrität. Dass ein vergleichbares Feature bei der B67 ("Professional Tape Recorder" steht dick drauf...) völlig fehlt, dafür aber eine eigene Taste für den "Papierkorbbetrieb" vorgesehen wurde, lässt tiefer blicken.
Nun denn, der digitale Schnitt ist weniger aufregend, es geht eigentlich nichts mehr schief und besser ist er auch, der Kompromiss wird nicht so schnell zum alltäglichen Kollegen wie in der analogen Zeit. Dennoch bedauere ich, dass junge Kollegen die Erfahrung des analogen Schnittes nicht mehr machen können. In Kenntnis der 'klassischen' Probleme des Schnittes, geht man mit dem Musizieren in Takes bei Aufnahme allemal anders, also sachgerechter um.
Hans-Joachim
