29.01.2006, 01:11
Zitat:Michael Franz posteteWenn es doch auch heute noch so wäre! Was habe ich als "Konsument " denn in den letzten 45 Jahren - vorwiegend im Bereich sog. Klassischer Musik - zu hören bekommen:
Ich behaupte mal ganz provokativ: Wenn man einer Anzahl von Menschen die auf "analogen Klang" bestehen und die diesen mit viel Aufwand zu erreichen und zu erhalten versuchen einem seriösen Hörtest (Blindtest) unterzieht, so wird die Anzahl derjenigen, die das Objekt ihrer Begierde zweifelsfrei detektieren können auf ein sehr übersichtliches Maß zusammenschnurren. Auch wenn ich die Analogtechnik und vor allem die Magnetbandtechnik sehr mag: Die technisch hieb- und stichfesteren Argumente kommen von denen, die die Digitaltechnik bevorzugen oder zumindest akzeptierend einsetzen.
Es darf auch nicht unberücksichtigt bleiben, das beide Techniken, Analog wie Digital, ein gemeinsames Ziel hatten: Die höchstmögliche Wiedergabetreue zu erreichen, vulgo "HiFi".
Zunächst in den 60er bis 80er Jahren eine doch als kontinuierlich zu bezeichnende Verbesserung der mit analoger Technik gefertigten Aufnahmen. Physikalisch bedingte Begleiterscheinungen der Aufzeichnungstechnik (wie z.B. Bandrauschen, Klirrgrad oder Gleichlaufschwankungen) wurden immer stärker minimiert, der sog. Dynamikumfang der Aufnahmen wuchs. Allerdings konnte es nicht gelingen, die Störeinflüsse ganz auszuschalten. Ein bischen haben sich wohl auch die Hörgewohnheiten der Menschen aus dieser Zeit den Gegebenheiten angepasst; was störte, hat man eigentlich kaum noch wahrgenommen.
Und dann wurde es plötzlich digital. Auf einmal herrschte Ruhe im Hintergrund der Aufnahme - dort wo immer ein leichtes Rauschen die ppp-Passagen der Streicher-Pizzicati begleitet hatte! Auf jeden Fall ungewohnt - für viele, deren Hörgewohnheiten sich den Fehlern der analogen Technik angepasst hatten, klang es mit einem Mal "steril". Digitaltechnik also als unbestreitbarer Fortschritt, wenn auch (gerade für die Generation, die noch "im Analogen" groß geworden war) gewöhnungsbedürftig.
Hat die Digitaltechnik aber das wirklich entfalten können, was in ihr steckte? Meines Erachtens nur zum Teil. Der Wunsch der Nutzer nach ständiger Verfügbarkeit von Musik-Konserven und auf der anderen Seite übersteigerte kommerzielle Gewinnererwartungen haben uns - Stichwort Datenreduktion - zu jener klanglichen Jämmerlichkeit geführt, die uns heute im Gewand von MP3's, IPod's und sonstigen Musik-Müsliriegeln entgegentritt. Um es bildlich auszudrücken: man kann durchaus ein Menu vom 3-Sterne-Koch technisch so extrahieren, dass es als "Astronautenkost" vorliegt - schmecken wird es in dieser Zubereitungsform nicht.
Deshalb ordne ich "Digital" - jedenfalls so wie es heute dem Kunden größtenteils geboten wird - unter die Rubrik "Verpasste Chance" ein. Wen wundert es da, wenn angesichts computergespeister 7.1 Brüllwürfel zumindest diejengen, die noch die zum Schluss hochklassige Entwicklung der analogen Technik erlebt haben, dorthin zurückkehren. Dennoch ist leider zu erwarten, dass sich die Analog-Technik wohl spätestens mit dem nächsten Generationswechsel gänzlich erledigt haben wird.
Frdl. Gruß Michael(G)
