28.11.2005, 14:08
Lieber Chistophe,
die von dir 'namhaft' gemachten Probleme wären nachweisbar und als solche problemlos zu bekämpfen, existierten sie denn. Einfachere Bandgeräte im professionellen Bereich -und da siedle ich die 807 an- erfordern vom Nutzer etwas mehr Umsicht und Sorgfalt im Betrieb. Solcher Zusatzaufand aber führt bei einem großen Tonaufnahmebetrieb wie dem einer Rundfunkanstalt sofort zu Staus im Produktionsablauf, an dem viele zu bezahlende Personen beteiligt sind. Man versuchte daher schon zu RRG-Zeiten (deren Verstärker kamen ja über die Besatzungszeit hin lange von Ducretet in Paris) durch rigorose Ansprüche an die Gerätetechnik solchen gerätebedingten Blockaden entgegenzuwirken, also 'schussfeste' Technik zu ordern. Der Preis spielte dabei eine sekundäre Rolle, was für alle professionellen Bandgerätegenerationen galt.
Für dich ist es aber gleichgültig, ob du die Andruckrolle vor jeder Wiedergabe reinigst, um den Schlupf am Tonmotor gering zu halten, weil der rechte Wickelmotor deiner 807 so ohne Regelung läuft wie die Wickelmotoren der AEG-K4 oder K-8 (bzw. T8), der G36, A77 oder der 'Alma mater' aller Studer-Profimaschinen, der A27 (ungeregelter Aufwickelmotor, so wie bei der 807). Beim Rundfunk sieht das anders aus. Man kann vom Tontechniker neben der normalen Tätigkeit auf Signal hin nicht erwarten, vor jeder Wiedergabe den Schlupf an der Tonwelle zu kontrollieren. Das übrigens führte zur anderweitig in diesem Forum diskutierten (Nachkriegs-) Normung des 10-cm-Kernes führte. Noch bis 1950/51 war als 'Bobby' der "kleine Untermann" üblich, der nur 7 cm Durchmnesser hatte und an Bandbeginn und Bandende zu einem überhöhten Schlupf (Durchrutschen) an Tonwelle bzw. Andruckrolle führte.
Die monierten Bassprobleme der 807 sind ausgekochter Unsinn und fallen auf die Urheber solchen Kokses zurück. Die 807 hält die Sezifikationen ein, solange sie sich in einem anständigen Zustand befindet. Da unterscheidet sie sich auch nicht von der A77. Man sieht einfach im Studer-Datenblatt nach und kontrolliert das messtchnisch. Wenn die Maschine das nicht mehr kann, arbeitet sie nicht mehr studergemäß und bedarf der Reparatur/Duchsicht. Meist aber ist das Gerät noch nach Jahren erheblich besser, als die Daten verlangen.
Was dir mehr bringen kann, ist die dezidierte Beschäftigung mit der Betriebseinmessung der 807, der Umgang mit den Parametern Magnetbandtyp und Vormagnetisierung, also den Kompromissen aus Frequenzgang, Bandsättigung und Klirrfaktor. Dafür ist neben gewissen Kenntnissen ein kleiner, keineswegs übermäßig aufwändiger Messgerätepark hilfreich (klirrarmer Tongenerator, Millivoltmeter, X/Y-Oszilloskop und gegebenenfalls eine Klirrfaktormessbrücke), um die Datenblätter der Magnetbandhersteller deinen Wünschen gemäß in die in die Praxis umsetzen und kontrollieren zu können.
Hier im Forum haben wir das vielfältig und unter verschiedenen Aspekten diskutiert, gerade weil es so wichtig ist. Dort wird dann auch Literatur genannt, die weiterhilft, selbst wenn wir dabei auf die französische Sprache keine Rücksicht genommen haben. Dafür aber beherbergt deine Heimat Südfrankreich heute einen prominenten Lehrbuchmann der Tonstudiotechnik, dessen zweibändiges "Handbuch der Tonstudiotechnik" ungeachtet mancher Fehler noch immer die Lektüre wert ist: Michael Dickreiter lebt auch in Südfrankreich.
Suche einfach unter "Einmessung" und notfalls meinem Namen. Ich habe jede Menge zum Thema abgesondert...
Mache dir um deine 807 bitte erst dann Sorgen, wenn Gleichlauf und Frequenzgang/Klirrfaktor jene Felder verlassen, die Willi Studers Leute definiert haben.
Transformatoren (du fragtest woanders nach und erhieltest auch schon zutreffende Auskunft) wurden in professioneller Technik nie aus klanglichen Gründen installiert, sondern um Geräteeinheiten voneinander galvanisch und erdfrei-symmetrisch zu trennen, also eine einwandfreie FUnktionstrennung von Masse und Signalrückleitung, eine gute Erdsymmetrie über das gesamte Audioband und völlige Gleichspannungsfreiheit an den Signalschnittstellen zu erhalten. Gute Trafos sind groß, teuer und nicht unbedingt 'per se' problemlos. Es war deshalb vor 30 Jahren eine Frage der Zeit, dass Anbieter mit elektronisch symmetrierten Ein- und Ausgängen auf den Markt drängten, da diese Technik damals bereits deutlich billiger war, also für den Anbieter mehr Gewinn versprach. Argumentatorisch wurde das damals natürlich als "klanglich besser" verkauft; die bei tiefen Frequenzen schlechte Erdsymmetrie, die nicht vorhandene galvanische Trennung verschwieg man zugunsten eines um den Faktor 10 niedrigeren Klirrfaktors. Der Doofie kaufte, die Fachkundigen entschieden eigengesetzlich, was sie brauchten. Bei einem Magnetbandgerät rührt der Klirrfaktor aus der Technik, der Trafo spielt dabei keine Rolle, darf keine Rolle spielen. Wenn aber doch, dann ist er schlecht. Ich aber kenne in der professionellen Technik keine solchen Übertrager, wohl aber solche, die schlecht angepasst sind. Das ist ein Problem, das der Konstrukteur sorgfältig bekämpfen muss..
Für ein Magnetbandgerät in kleinen Anlagen -so wie der deinen- kannst du sowohl die eine oder die andere Technik nehmen. Doch schon beim Einsatz eines Tuners, der in derselben Anlage wie das Bandgeräte über eine 75-Ohm-Leitung am Breitbandkabel betrieben wird, entfaltet die galvanisch getrennte, erdfreie Symmetrie reizvolles Potential, das einen der Brummprobleme entheben kann.
Hans-Joachim
die von dir 'namhaft' gemachten Probleme wären nachweisbar und als solche problemlos zu bekämpfen, existierten sie denn. Einfachere Bandgeräte im professionellen Bereich -und da siedle ich die 807 an- erfordern vom Nutzer etwas mehr Umsicht und Sorgfalt im Betrieb. Solcher Zusatzaufand aber führt bei einem großen Tonaufnahmebetrieb wie dem einer Rundfunkanstalt sofort zu Staus im Produktionsablauf, an dem viele zu bezahlende Personen beteiligt sind. Man versuchte daher schon zu RRG-Zeiten (deren Verstärker kamen ja über die Besatzungszeit hin lange von Ducretet in Paris) durch rigorose Ansprüche an die Gerätetechnik solchen gerätebedingten Blockaden entgegenzuwirken, also 'schussfeste' Technik zu ordern. Der Preis spielte dabei eine sekundäre Rolle, was für alle professionellen Bandgerätegenerationen galt.
Für dich ist es aber gleichgültig, ob du die Andruckrolle vor jeder Wiedergabe reinigst, um den Schlupf am Tonmotor gering zu halten, weil der rechte Wickelmotor deiner 807 so ohne Regelung läuft wie die Wickelmotoren der AEG-K4 oder K-8 (bzw. T8), der G36, A77 oder der 'Alma mater' aller Studer-Profimaschinen, der A27 (ungeregelter Aufwickelmotor, so wie bei der 807). Beim Rundfunk sieht das anders aus. Man kann vom Tontechniker neben der normalen Tätigkeit auf Signal hin nicht erwarten, vor jeder Wiedergabe den Schlupf an der Tonwelle zu kontrollieren. Das übrigens führte zur anderweitig in diesem Forum diskutierten (Nachkriegs-) Normung des 10-cm-Kernes führte. Noch bis 1950/51 war als 'Bobby' der "kleine Untermann" üblich, der nur 7 cm Durchmnesser hatte und an Bandbeginn und Bandende zu einem überhöhten Schlupf (Durchrutschen) an Tonwelle bzw. Andruckrolle führte.
Die monierten Bassprobleme der 807 sind ausgekochter Unsinn und fallen auf die Urheber solchen Kokses zurück. Die 807 hält die Sezifikationen ein, solange sie sich in einem anständigen Zustand befindet. Da unterscheidet sie sich auch nicht von der A77. Man sieht einfach im Studer-Datenblatt nach und kontrolliert das messtchnisch. Wenn die Maschine das nicht mehr kann, arbeitet sie nicht mehr studergemäß und bedarf der Reparatur/Duchsicht. Meist aber ist das Gerät noch nach Jahren erheblich besser, als die Daten verlangen.
Was dir mehr bringen kann, ist die dezidierte Beschäftigung mit der Betriebseinmessung der 807, der Umgang mit den Parametern Magnetbandtyp und Vormagnetisierung, also den Kompromissen aus Frequenzgang, Bandsättigung und Klirrfaktor. Dafür ist neben gewissen Kenntnissen ein kleiner, keineswegs übermäßig aufwändiger Messgerätepark hilfreich (klirrarmer Tongenerator, Millivoltmeter, X/Y-Oszilloskop und gegebenenfalls eine Klirrfaktormessbrücke), um die Datenblätter der Magnetbandhersteller deinen Wünschen gemäß in die in die Praxis umsetzen und kontrollieren zu können.
Hier im Forum haben wir das vielfältig und unter verschiedenen Aspekten diskutiert, gerade weil es so wichtig ist. Dort wird dann auch Literatur genannt, die weiterhilft, selbst wenn wir dabei auf die französische Sprache keine Rücksicht genommen haben. Dafür aber beherbergt deine Heimat Südfrankreich heute einen prominenten Lehrbuchmann der Tonstudiotechnik, dessen zweibändiges "Handbuch der Tonstudiotechnik" ungeachtet mancher Fehler noch immer die Lektüre wert ist: Michael Dickreiter lebt auch in Südfrankreich.
Suche einfach unter "Einmessung" und notfalls meinem Namen. Ich habe jede Menge zum Thema abgesondert...
Mache dir um deine 807 bitte erst dann Sorgen, wenn Gleichlauf und Frequenzgang/Klirrfaktor jene Felder verlassen, die Willi Studers Leute definiert haben.
Transformatoren (du fragtest woanders nach und erhieltest auch schon zutreffende Auskunft) wurden in professioneller Technik nie aus klanglichen Gründen installiert, sondern um Geräteeinheiten voneinander galvanisch und erdfrei-symmetrisch zu trennen, also eine einwandfreie FUnktionstrennung von Masse und Signalrückleitung, eine gute Erdsymmetrie über das gesamte Audioband und völlige Gleichspannungsfreiheit an den Signalschnittstellen zu erhalten. Gute Trafos sind groß, teuer und nicht unbedingt 'per se' problemlos. Es war deshalb vor 30 Jahren eine Frage der Zeit, dass Anbieter mit elektronisch symmetrierten Ein- und Ausgängen auf den Markt drängten, da diese Technik damals bereits deutlich billiger war, also für den Anbieter mehr Gewinn versprach. Argumentatorisch wurde das damals natürlich als "klanglich besser" verkauft; die bei tiefen Frequenzen schlechte Erdsymmetrie, die nicht vorhandene galvanische Trennung verschwieg man zugunsten eines um den Faktor 10 niedrigeren Klirrfaktors. Der Doofie kaufte, die Fachkundigen entschieden eigengesetzlich, was sie brauchten. Bei einem Magnetbandgerät rührt der Klirrfaktor aus der Technik, der Trafo spielt dabei keine Rolle, darf keine Rolle spielen. Wenn aber doch, dann ist er schlecht. Ich aber kenne in der professionellen Technik keine solchen Übertrager, wohl aber solche, die schlecht angepasst sind. Das ist ein Problem, das der Konstrukteur sorgfältig bekämpfen muss..
Für ein Magnetbandgerät in kleinen Anlagen -so wie der deinen- kannst du sowohl die eine oder die andere Technik nehmen. Doch schon beim Einsatz eines Tuners, der in derselben Anlage wie das Bandgeräte über eine 75-Ohm-Leitung am Breitbandkabel betrieben wird, entfaltet die galvanisch getrennte, erdfreie Symmetrie reizvolles Potential, das einen der Brummprobleme entheben kann.
Hans-Joachim
