Die Wiederherstellung von Musik. Ein-Blick nach gestern.
#14
Hallo Matthias,

danke - da hast Du uns mal wieder auf Deine unnachahmlich fundierte und dennoch humorige Weise ein Gerät präsentiert, dessen Existenz (auch mir) völlig unbekannt war.

Dass sich solche Geräte nicht breitflächig durchgesetzt haben, mag nach meiner Auffassung daran liegen, wie sich die "Szene" im Laufe der Jahre entwickelte. In den frühen 70ern hatte sich das Kauf- und Hörbewusstsein "High-End" noch gar nicht ausgebreitet. Die meisten Käufer von Hifi Anlagen waren eigentlich froh, jetzt endlich mal eine zu haben und daran herumspielen zu können. Geld für "Klangverbieger" war da selten übrig und wenn, dann einer, dessen Ergebnis mit jedem Wiedergabezweig hörbar war und sich nicht nur auf die Schallplatte beschränkte. Und dieses Gerät war nun mal der Equalizer, weshalb man gerade aus den 70er und 80er Jahren viele solcher Geräte durchs Netz segeln sieht. Unzweifelhaft hat der Equalizer natürlich einen anderen Zweck als das Garrard Recovery Module aber vielen Nutzern ging es nun mal um das Spielen und dafür brauchts primär viele "Knöpfchen". Und davon hat so ein Equalizer ja einige zu bieten.
Als dann in den frühen 80ern die ersten "High Ender" (wahrnehmbar) die Lichtung der Hifi Szene betraten, waren die ganzen Knöpfchen zumindest bei den High Endern völlig out. Hiess es doch, möglichst aufwendig hergestellte (oder zumindest so aussehende) Geräte zu kaufen. Am besten so gut (und optimal auf den Hörraum abgestimmt) dass man am Ende, der "reinen Lehre der High End Gurus" folgend, ganz ohne Klangregelstufe auskommt. Und genau das haben die High Ender dann getan: je weniger Knöpfchen, desto "wahrer" das Ergebnis. Für einen Hersteller eines Recovery Modules ergab sich da leider keine Verkaufschance. Dass das nicht immer ganz so hin haute, haben die "Ender" natürlich schnell gemerkt, wenn sie mal  wieder eine ihrer alten K-Tel Platten aufgelegt haben. Klangen die doch auf dem hochendigen Equipment genauso besch...  wie auf dem alten "Mister Hit" im Jugendzimmer. Was macht der "Ender"? Genau: er kauft sich nur noch hochwertige Konserven. Der Griff zur 180g Pressung und zu "Digital Remastered" Version etablierte sich in dieser Szene. Behandelt wie ein rohes Ei hatten diese Konserven wenig zu leiden. Auch hier wieder: keine Absatzchance für Garrard "& Co." für solche Geräte. (Dass diese hochwertig aufgenommenen Pressungen auch auf einer "normalen" Anlage sehr gut klingen, ist ein anderes Thema und dem HighEnder ohnehin egal. Er hat ja seine High End Anlage bereits. Was interessiert in da das "Normale" auch wenn dessen Ergebnis nicht sehr viel schlechter ist (dank eben der guten Konserve))
Im darauf folgenden Zeitalter der Mehrkanal-Anlagen, meist zur Wiedergabe der "Kawumm-Filme" aus Hollywood hatten die Surround Receiver bereits soviel elektronische Helferlein an Bord, dass auch hier ein externes Gerät keine Chance mehr hatte, eingesetzt zu werden zumal CDs ohnehin Kratzer und Staub nicht wiedergeben können.

Kein Wunder also, dass solch ein Recovery Module eine seltene Spezies im Dschungel der Unterhaltungselektronik geblieben ist. Dir als Erforscher des bisher wenig Erforschten also herzlichen Dank dafür, dass Du dieses Gerät einst (sicher aus reiner Neugierde) gekauft hast, ohne zunächst zu wissen, was für ein seltenes Exemplar Du da in Händen hältst. Das zeichnet den wahren Forscher aus: nicht das zu ergreifen, was man schon kennt, sondern sich furchtlos dem völlig Unbekannten zu nähern. thumbsup

Gruß
Peter
Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. (...soll Groucho Marx gesagt haben, aber so ganz sicher ist das nicht...)
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
RE: Die Wiederherstellung von Musik. Ein-Blick nach gestern. - von PeZett - 20.07.2025, 08:32

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 13 Gast/Gäste