Kleines Mitbringsel: Grundig TK 35, Version 2
#1
Hallo,

schau an, mal wieder ein TK 35. Nach 15 Jahren wirds auch Zeit:

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...=hifi+mops

Das ist die erste Ausführung vom TK 35, die taubenblaue mit der Massivbleischwungscheibe.
Die anderen Schadstoffe die darin schlummern sag ich nicht.

Beim Museumstreff gab es ein Geräteverkaufsregal. Wohl ungeliebte, doppelte, zu alltägliche oder defekte/potthässliche Apparate warteten darin wie im Tierheim auf neue Herrchen, Frauchen waren keine anwesend. Da! TK 35! Der Kaufreflex, ich kann das doch nicht zurücklassen!
Alle obengenannten Kriterien erfüllte das verstaubte, leicht speckige Gerät.

Schnell mal Deckel auf...aha. alles ok, soweit original, nicht verranzt, nur Staub und Standpatina.

Zuhause ein paar Tage später, da ich bewegungsumfänglich etwas derangiert war (um es direkt auszudrücken, voll mit dem Fahrrad auf die Fr****), die Sichtung:

Ooh!

   

   

Sieht noch gut aus, nur etwas verschmutzt, keine Macken oder Fehlteile. Das lässt hoffen.

   

Sehr schön. Die Riemen aber nicht, die musste ich ordern. Vor allem der Schwungscheibenriemen ist nicht "mal eben' zu wechseln.
Schritt für Schritt, es gibt einige Sachen zu demontieren. Hierbei gleich Abschmierdienst, sonst schrappeln die Lager eventuell beim Betrieb, ein Geräusch, das einem auf den Dingens gehen kann.

   

   

Da ist wieder die sowohl direkt als auch per Schwebefedern indirekt angetriebene Schwungscheibe. Bei späteren Modellen wie diesem hier nicht mehr aus Blei, sondern aus Druckguss. Gesünder, wenn man daran leckt.

   

   

Ok, Riemen drauf, Stecker rein, wie es meine Art ist, Band drauf und los...halt! Halt! Was ist mit dem Motor? Läuft und
wird nach ca. 30 s langsamer, man hört förmlich, wie er leidet. Schnell aus, die Kiste! Motor ist heiß! Gerade noch rechtzeitig ausgemacht. Die Motorkondensatoren,wo..., ah, hier, ich hab welche gefunden. Mal günstig eine Familienpackung von den Teilen eingesackt gehabt.
Die sitzen allerdings sehr versteckt. Man muss das Chassisoberteil vorsichtig lösen (nein, dieses Grundig hat keine Steckleisten!), einige Kabel ablöten und dann anlupfen, um mit feinstem Proktologenwerkzeug die Drähte der Elkos ablöten und diese dann ausbauen zu können. Schöön vorsichtig!

   

   

   

   

Guck, Baujahr 1959, Wahnsinn. Was damit machen?
Ab in die Grabschkiste? Nein.
Draußen den Kindern zum Spielen geben? Nein.
Aufsägen und gucken, wie er von innen aussieht? Nein.
Einfach in den Mülleimer? Nein.
In den Ententeich, wenn keiner guckt? Nein.
Dem blöden Nachbarn in den Briefkasten? Nein.
Zum Wertstoffhof, fachgerecht entsorgen lassen? Ja.

Funktioniert es denn nun?

Sssit-Huuh, das typische Papsmotorenanlaufgeräusch, sehr schön. Und: Kein Langsamwerden, kein heißer Motor mehr.
Fein.

   

Band ab: Wie erwartet, nur leises, verzerrtes Abspielen. Weil, alle Kondensatoren sind noch original.

Die allseits bekannten Wachserotiker.

Stimmungsbilder, Originalzustand von 1959:

   

   

   

   

   

   

   

Dummerweise habe ich vergessen, das komplizierte Esetzen der EROs unter der Abschirmung zu knipsen.

Ich war so vertieft in die Arbeit, dass ich nicht daran gedacht habe, ärgerlich.

Aber egal, alle EROs sind weg.
Jetzt aber, Stecker rein, Band drauf und Ton ab.
Jaaah, so muss das, fetter Bass und brillante Höhen, der echte TK 35-Sound, ich bin begeistert.

Auch Aufnahme klappt!

Das Klangerlebnis ist natürlich rein subjektiv. Messkurven usw. kann ich Euch nicht liefern, das ist auch nicht mein Bastelziel. Anmachen, Schönfinden (den Klang, nicht unbedingt das Gerät) und gemütliche Musikhörzeit haben.
So ist das gute Stück jetzt wieder voll funktionsfähig und kann ins Lager ausgewildert werden. Oder ich nehme es mal für einen Live-Mitschnitt mit, es ist noch einegermaßen handlich.

Seine Kollegen im Lager, wie die beigen TK 30, TK 32, TK 54, TK 60 und TK/TM  64 werden sich freuen, dass die Serie komplett ist. Das beige TK 60 muss noch restauriert werden, das sieht aus wie S**.



Gruß

Peter S.
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Kleines Mitbringsel: Grundig TK 35, Version 2 - von PSMS - 13.09.2024, 14:55

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