01.08.2005, 10:59
Nachdem die Veröffentlichung eines internen D-Chr-Dokuments hier im Forum ungeahnte und weitreichende Nachwirkungen hatte, versuche ich, ein anderes, nicht nur in der gleichen Region grassierendes Problem durch die folgende Veröffentlichung zu hintertreiben. Die Fotokopie dürfte zwar schon an die zwanzig Jahre alt sein, der Inhalt ist aber immer noch aktuell:
Kritische Durchleuchtung der Arbeit eines Symphonieorchesters durch einen REFA-Mann
Nutzen und Notwendigkeit der Arbeitsstudie werden heute fast überall anerkannt, auch in Bereichen, die ihr früher verschlossen blieben. In welch hohem Maße das der Fall ist, zeigt das folgende Beispiel schöpferischer Vorstellungskraft.
Ein in Arbeitsstudien erfahrener Fachmann gab nach den Besuch eines Symphoniekonzertes wertvolle Anregungen:
Die vier Oboisten waren durch längere Zeitraum hindurch ohne Beschäftigung. Ihre Anzahl könnte ohne Zweifel reduziert werden, wenn man ihre Tätigkeit gleichmäßiger über das ganze Konzert verteilte.
Alle zwölf Geigen spielten genau dieselben Noten. Das scheint eine völlig unnötige Vervielfachung der Arbeit zu sein, die eine drastische Kürzung der in diesem Bereich beschäftigten Arbeitskräfte fordert. Sollte eine erhöhte Lautstärke der Geigen notwendig werden, so läßt sich das mit Hilfe von Verstärkern ohne weiteres erreichen.
Das Spielen von halben Sechzehntelnoten verursachte sichtlich viel Mühe; es scheint sich dabei um eine unnötige Feinheit zu handeln. Darum empfiehlt es sich sehr, alle Noten auf die nächste Sechzehntelnote auf- oder abzurunden. Auf diese Weise wäre es möglich, in erweitertem Umfang auch Lehrlinge und einfache Arbeiter voll einzusetzen. Einige Teile der Musik werden anscheinend viel zu oft wiederholt. Die Partituren sollen davon befreit werden. Eine Passage, die schon von den Streichinstrumenten gespielt wurde, von den Hörnern wiederholen zu lassen, dient ja schließlich keinem nützlichen Zweck. Schätzungsweise könnte durch Wegstreichen aller mehrmals vorkommenden Motive die Dauer eines Konzerts von zwei Stunden auf 20 Minuten, also um 83 %, verkürzt werden, was außerdem den Wegfall der unproduktiven Pause erlauben würde.
Der Dirigent stimmt diesen Empfehlungen im großen und ganzen zu, gibt jedoch zu bedenken, daß die Kasseneinnahmen möglicherweise darunter leiden könnten. Sollte das wider Erwarten der Fall sein, so könnten ganze Teile des Zuschauerraumes geschlossen werden, was Einsparungen an variablen Kosten (wie Beleuchtung, Wartung usw.) zur Folge hätte. Schlimmstenfalls könnte der ganze Raum aufgegeben werden und das Publikum könnte statt dessen in einen anderen Konzertsaal gehen.
Es gibt immer noch eine bessere Methode! Diesem Prinzip folgend, ließen sich sicher mit weiteren Überlegungen noch größere Vorteile erzielen. Beispielsweise muß bedacht werden, daß das große Gebiet der Körperhaltung einer Untersuchung durch eingehende Arbeitsstudien bedarf, zumal gerade die Körperhaltung von Musikern in vielen Fällen auf jahrhundertealter Tradition beruht. Unter diesen Umständen ist es immerhin bemerkenswert, daß einige Arbeitsabläufe doch schon in befriedigender Weise vor sich gehen. Beispielsweise verdient festgehalten zu werden, daß der Pianist nicht nur den größten Teil seiner Arbeit mit beiden Händen ausführte, sondern auch beide Füße zur Bedienung zweier Pedale einsetzte. Aber immer noch liegen einige Tasten auf dem Klavier viel zu weit auseinander, und es ist sehr wahrscheinlich, daß eine Neuplanung der Tastatur von großem Vorteil für diesen Arbeiter wäre.
In vielen Fällen waren die Arbeiter gezwungen, mit einer Hand ihr Instrument zu halten. Schon der Gebrauch eines einfachen Ständers würde den Einsatz der müßigen Hand für andere Arbeiten ermöglichen.
Auch war deutlich zu sehen, daß sich die Spieler der Blasinstrumente gelegentlich ganz außerordentlich anstrengen mußten. Dabei würde ein einziger Kompressor genügend Luft für alle Instrumente – noch dazu unter viel exakteren Bedingungen – erzeugen.
Ein weiteres Untersuchungsfeld eröffnet sich im Hinblick auf die offensichtlich veraltete Ausrüstung. Im Programm wurde mitgeteilt, daß die Geige des Solisten mehrere 100 Jahre alt sei. Unter Berücksichtigung normaler Abschreibungssätze kann dieses Instrument höchstens noch mit einem Erinnerungswert zu Buche stehen. Angesichte dessen sollte die Anschaffung neuer Instrumente unbedingt in Erwägung gezogen werden.
Guten "Einschlag" im obigen Sinn wünscht
F.E.
Kritische Durchleuchtung der Arbeit eines Symphonieorchesters durch einen REFA-Mann
Nutzen und Notwendigkeit der Arbeitsstudie werden heute fast überall anerkannt, auch in Bereichen, die ihr früher verschlossen blieben. In welch hohem Maße das der Fall ist, zeigt das folgende Beispiel schöpferischer Vorstellungskraft.
Ein in Arbeitsstudien erfahrener Fachmann gab nach den Besuch eines Symphoniekonzertes wertvolle Anregungen:
Die vier Oboisten waren durch längere Zeitraum hindurch ohne Beschäftigung. Ihre Anzahl könnte ohne Zweifel reduziert werden, wenn man ihre Tätigkeit gleichmäßiger über das ganze Konzert verteilte.
Alle zwölf Geigen spielten genau dieselben Noten. Das scheint eine völlig unnötige Vervielfachung der Arbeit zu sein, die eine drastische Kürzung der in diesem Bereich beschäftigten Arbeitskräfte fordert. Sollte eine erhöhte Lautstärke der Geigen notwendig werden, so läßt sich das mit Hilfe von Verstärkern ohne weiteres erreichen.
Das Spielen von halben Sechzehntelnoten verursachte sichtlich viel Mühe; es scheint sich dabei um eine unnötige Feinheit zu handeln. Darum empfiehlt es sich sehr, alle Noten auf die nächste Sechzehntelnote auf- oder abzurunden. Auf diese Weise wäre es möglich, in erweitertem Umfang auch Lehrlinge und einfache Arbeiter voll einzusetzen. Einige Teile der Musik werden anscheinend viel zu oft wiederholt. Die Partituren sollen davon befreit werden. Eine Passage, die schon von den Streichinstrumenten gespielt wurde, von den Hörnern wiederholen zu lassen, dient ja schließlich keinem nützlichen Zweck. Schätzungsweise könnte durch Wegstreichen aller mehrmals vorkommenden Motive die Dauer eines Konzerts von zwei Stunden auf 20 Minuten, also um 83 %, verkürzt werden, was außerdem den Wegfall der unproduktiven Pause erlauben würde.
Der Dirigent stimmt diesen Empfehlungen im großen und ganzen zu, gibt jedoch zu bedenken, daß die Kasseneinnahmen möglicherweise darunter leiden könnten. Sollte das wider Erwarten der Fall sein, so könnten ganze Teile des Zuschauerraumes geschlossen werden, was Einsparungen an variablen Kosten (wie Beleuchtung, Wartung usw.) zur Folge hätte. Schlimmstenfalls könnte der ganze Raum aufgegeben werden und das Publikum könnte statt dessen in einen anderen Konzertsaal gehen.
Es gibt immer noch eine bessere Methode! Diesem Prinzip folgend, ließen sich sicher mit weiteren Überlegungen noch größere Vorteile erzielen. Beispielsweise muß bedacht werden, daß das große Gebiet der Körperhaltung einer Untersuchung durch eingehende Arbeitsstudien bedarf, zumal gerade die Körperhaltung von Musikern in vielen Fällen auf jahrhundertealter Tradition beruht. Unter diesen Umständen ist es immerhin bemerkenswert, daß einige Arbeitsabläufe doch schon in befriedigender Weise vor sich gehen. Beispielsweise verdient festgehalten zu werden, daß der Pianist nicht nur den größten Teil seiner Arbeit mit beiden Händen ausführte, sondern auch beide Füße zur Bedienung zweier Pedale einsetzte. Aber immer noch liegen einige Tasten auf dem Klavier viel zu weit auseinander, und es ist sehr wahrscheinlich, daß eine Neuplanung der Tastatur von großem Vorteil für diesen Arbeiter wäre.
In vielen Fällen waren die Arbeiter gezwungen, mit einer Hand ihr Instrument zu halten. Schon der Gebrauch eines einfachen Ständers würde den Einsatz der müßigen Hand für andere Arbeiten ermöglichen.
Auch war deutlich zu sehen, daß sich die Spieler der Blasinstrumente gelegentlich ganz außerordentlich anstrengen mußten. Dabei würde ein einziger Kompressor genügend Luft für alle Instrumente – noch dazu unter viel exakteren Bedingungen – erzeugen.
Ein weiteres Untersuchungsfeld eröffnet sich im Hinblick auf die offensichtlich veraltete Ausrüstung. Im Programm wurde mitgeteilt, daß die Geige des Solisten mehrere 100 Jahre alt sei. Unter Berücksichtigung normaler Abschreibungssätze kann dieses Instrument höchstens noch mit einem Erinnerungswert zu Buche stehen. Angesichte dessen sollte die Anschaffung neuer Instrumente unbedingt in Erwägung gezogen werden.
Guten "Einschlag" im obigen Sinn wünscht
F.E.
ZEITSCHICHTEN, barrierefreier Zugriff im "GFGF-Buchladen", URL https://www.gfgf.org/de/b%C3%BCcher-und-schriften.html (ca. 240 MB)
