Studer a807 / Verzerrung
#3
Hallo Andreas,

willkommen im Forum - wir haben offenbar nicht nur den gleichen Vornamen, sondern auch die gleiche Bandmaschine Wink

Deine Anfrage liest sich so, als wäre es nicht verkehrt, ein paar Grundlagen zu klären - dann wird manches wahrscheinlich von alleine klar. Von "innen" nach "außen" - und da es schon spät ist, in Kurzform:
  • Der "Pegel" auf dem Magnetband ist ein magnetischer Fluss. Er wird in "Nanoweber pro Meter Spurbreite" angegeben, kurz nWb/m. Typische Größenordnungen für den magnetischen Bezugspunkt sind 514 nWb/m oder 320 nWb/m.
  • Bei welchem magnetischen Fluss wie starke Verzerrungen oder Sättigung eintreten, hängt vom verwendeten Band und der Vormagnetisierung (oder Bias) ab. Über Details geben die Kurven in den Datenblättern zu den Bändern Aufschluss. Deutliche Verzerrungen (Klirrfaktoren von 3% und mehr) sind typischerweise erst mehrere dB oberhalb des Bezugspegels zu erwarten.
  • Bei Aufnahme und Wiedergabe treten die elektrischen Pegel am Ein- und Ausgang natürlich in ein (mehr oder minder) festes Verhältnis. (Nur) Wenn Du das kennst, kann man verlässliche Aussagen darüber machen, wieviel Verzerrung jetzt vom Band zu erwarten wäre.
  • Bei der A807 ohne VU-Meter ist die elektrische Lage hier relativ übersichtlich - da es Studioüblich keine von außen verdrehbaren Pegelregler gibt, und die +6 dBu elektrisch (1.55 V) normalerweise auch dem magnetischen Bezugspegel (z.B. 320 nWb/m) entsprechen. Es gibt aber (durch Jumper) die Möglichkeit, Ein- und Ausgangsempfindlichkeit in weiten Bereichen anzupassen, so dass die Maschine auch mit einfachen Hifi-Geräten zusammenarbeitet.
  • Klarheit schafft hier letztlich nur ein Messband mit einem definierten Pegel. Damit ist ein auch ein Abgleich möglich ("Wiedergabeeinmessung").

Mehr gerne bei Tageslicht.

(29.11.2020, 22:25)Bingiman schrieb: So habe ich ja schonmal eine Idee davon, dass ich mich auf 0db Einpeglung befinde.

Elektrisch vielleicht schon - aber magnetisch leider noch nicht. Hast Du ein Band mit einer bekannt "guten" Aufname? Wenn diese viel zu leise, viel zu laut oder gar verzerrt wiedergegeben wird, hättest Du eine erste Orientierung.

(29.11.2020, 22:25)Bingiman schrieb: Aber es zerrt extrem. Ich habe nun mit bis zu -9 db aufgenommen ... Vielleicht gehe ich da zu naiv ran?

Kai hat es schon geschrieben - es muss sichergestellt sein, dass an allen Stellen der Signalkette schon auf der elektrischen Seite nichts übersteuert ist. Das kann bei den vergleichweise hohen Studiopegeln schon passieren, je nachdem. Und dann wissen wir ja auch noch nicht viel darüber, was -9 dB auf der magnetischen Seite bedeuten - siehe oben.

(29.11.2020, 22:25)Bingiman schrieb: Kann es an den Bändern liegen?
...
Kann das an Kondensatoren liegen?
Oder an den Tonköpfen?

Das würde ich zuerst mal nicht vermuten. Klar, Tonköpfe mit Isopropanol und Wattestäbchen reinigen ist nie verkehrt - aber defekt sind sie äußert selten (obwohl das immer die Erste Vermutung von Neulingen ist...). Ja, auch Kondensatoren oder Bänder können defekt sein, aber Du brauchst zunächst Klarheit über die Pegelverhältnisse. Das ist zur Zeit das wahrscheinlichste Problem.

(29.11.2020, 22:25)Bingiman schrieb: Mein Eindruck ist auch, dass die linke Seite in etwa 0.3 db leiser abspielt. Gibt es Tips wie ich da vorgehen könnte?
...
Habe auch das Gefühl dass ein bisschen zu viel Stereoabbildung, Bässe und zum Teil Höhen verloren gehen. Das ist nach meinem Wissen etwas, das so nicht sein sollte bei den Maschinen. 

Hast Du die 0.3 dB Unterschied (beim Magnetband ist das schon "in den Krümeln suchen") bei gleichzeitiger Aufnahme und Wiedergabe beobachtet? Dann kann das nämlich vielfältige Ursachen haben. Bei der Aufnahme gibt es noch viel mehr als bei der Wiedergabe abzugleichen - deswegen fängt man immer mit der Wiedergabe an. Und ich meine nicht, dass Du gleich den Schraubenzieher schwingen und alle Potis verstellen sollst (bzw. die elektronischen Potis per Bedienfeld verstellen) - sondern Stück für Stück vom Band bis zum Rechner Klarheit über die Wiedergabeseite und ihre Pegel schaffen musst.

Ja, das sollte bei einem einwandfrei eingemessenen Bandgerät nicht so sein - und dem kann man auch gut beikommen. Alles Notwendige kann man hier lernen Smile

Viele Grüße
Andreas
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Studer a807 / Verzerrung - von Bingiman - 29.11.2020, 22:25
RE: Studer a807 / Verzerrung - von kaimex - 29.11.2020, 22:52
RE: Studer a807 / Verzerrung - von andreas42 - 30.11.2020, 01:20
RE: Studer a807 / Verzerrung - von sensor - 30.11.2020, 09:20
RE: Studer a807 / Verzerrung - von uk64 - 30.11.2020, 10:32
RE: Studer a807 / Verzerrung - von bitbrain2101 - 30.11.2020, 11:16
RE: Studer a807 / Verzerrung - von Bingiman - 30.11.2020, 15:48
RE: Studer a807 / Verzerrung - von uk64 - 30.11.2020, 17:22
RE: Studer a807 / Verzerrung - von Bingiman - 30.11.2020, 16:15
RE: Studer a807 / Verzerrung - von kaimex - 30.11.2020, 22:22
RE: Studer a807 / Verzerrung - von Bingiman - 01.12.2020, 19:05

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