07.10.2018, 16:02
Hansi,'index.php?page=Thread&postID=225908#post225908 schrieb:Soweit ich das erkennen kann, ist das eine kleine Metalldose, die mit Kuststoff ummantelt ist.Ich tippe mal auf Styroflex-Kondensatoren. Sehen die etwa so aus?
Das sind hochwertige Kunststoff-Folienkondensatoren.
Oder sehen sie so aus?:
Dann sind es einfach axial bedrahtete Elektrolyt-Kondis.
Ergänzend zu den Ausführungen von Peter noch folgende Bemerkungen, die ich als Pragmatiker mal locker aus der Hüfte schieße
:Folienkondensatoren gehen, ebenso wie Widerstände, fast nie kaputt, es sei denn, sie werden durch den Defekt benachbarter Bauteile plötzlich mit erheblich überhöhten Spannungen oder Strömen belästigt. Oder sie explodieren, wie die berüchtigten Knallfrösche von Rifa. Ich habe, außer letztgenannten, noch nie einen Kunststoff-Folienkondensator wegen eines Defekts erneuern müssen! Sie sind meist auch selbstheilend ausgeführt.
Diese Bauart kann Werte zwischen wenigen Picofarad und einigen Mikrofarad haben. Je Farad, desto teurer! Elektrolyttypen bis etwa 3,3 oder 4,7µF kann man meist durch Folienkondis ersetzen, besonders in NF-Verstärkern ist das ein Gewinn. Höhere Werte werden sehr teuer und sind einfach zu groß als Elko-Ersatz.
Keramische Kondensatoren, die früher wie kleine Röhrchen aussahen, an deren Enden die Anschlussdrähte drumgewickelt waren und die heute meist tropfenförmig oder wie kleine Scheibchen aussehen, sind unauffällig. Sie können leicht mechanisch beschädigt werden, indem sie zerbrechen. Keramik-Vielschicht-Kondensatoren sind stabiler. Sie sind quaderförmig und lackiert. Keramische Kondensatoren gibt es nur mit kleineren Kapazitätswerten von 1 Pico- bis zu einigen hundert Nanofarad.
Widerstände (bitte nicht mit ie) können, wenn auch selten, mechanisch defekt werden, wenn die Anschlusskappen sich lockern. Hatte ich in vierzig Jahren vielleicht fünf mal. :pinch:
In bestimmten Schaltungsteilen kann der Tausch von Kohleschicht- oder Kohlemasse-Widerständen (Grundfarbe oft rot/braun/ocker, vier Ringe) gegen Metallschicht-Widerstände (das sind die mit dem blauen Grundlack und fünf oder sechs Ringen) ein geringfügig verbessertes Rauschverhalten zur Folge haben. Meist bringt der pauschale Austausch aber gar nichts Mess- oder Hörbares. Die meisten Widerstände, die bei unseren Transistorgeräten verbaut sind, sind welche mit 1/8 bis 1/4 Watt Belastbarkeit. Das sind die kleinen, 8 bis 10 mm langen Teile mit den bunten Ringen. Wenn man die gegen Metallschicht tauscht, braucht man sich keine Sorgen zu machen, denn die gängigen Metallschichttypen sind bei gleichen Abmessungen mit 0,6 Watt belastbar.
Von den Abmessungen größere Widerstände haben eine höhere Belastbarkeit, die meist im Schaltbild angegeben ist. Hochlastwiderstände sind richtig dicke Dinger, die oft zementierte Gehäuse haben und Leistungen zwischen 3 und 25 W verbraten können. Sie dürfen auch heiß werden, kommen aber bei Bandgeräten nur vereinzelt vor.
Die Toleranz von Widerständen und Folienkondensatoren liegt meist im Bereich von 5 bis 20 Prozent und ist dann auch unkritisch. Geringer tolerierte Teile (1-5 %) sind eigentlich nur in frequenzbestimmenden RC-Gliedern von Entzerrungsnetzwerken erforderlich. Metallfilmwiderstände haben von Natur aus kleinere Toleranzen, standardmäßig 1 %.
Elkos sind mit einem flüssigen Elektrolyten versehen, mit dem die Papierschicht zwischen den Elektroden getränkt ist und der auch bei gut abgedichteten Gehäusen irgendwann nach zehn, siebenundzwanzig oder einundfünfzig Jahren austrocknet.
Dann verändert dieser Elko dramatisch seinen Wert, wird taub oder bildet einen Schluss aus. Daher sind Elkos immer Kandidaten für den vollständigen Austausch bei älteren Geräten!
Elkos gibt es mit Kapazitäten zwischen 0,47 und 200000 µF oder so und Spannungsfestigkeiten von 3 bis 1000 V und mehr.
Tantal-Elkos sind ein Kapitel für sich. Hochwertige Tantalkondensatoren sind, wenn sie innerhalb ihrer korrekten Spezifikationen betrieben werden, eigentlich von den Eigenschaften her besser (und teurer) als Aluminium-Elkos. Andererseits sind sie relativ oft auch Ausfallkandidaten. Es gibt sie nur für Kleinspannungen und bis etwa 220 µF.
Wenn möglich, ersetze ich sie auch wieder durch Gleichartige, verwende dann aber oft hochwertige zylindrische Ausführungen nach MIL-Spezifikationen. In vielen Fällen ist ein Ersatz durch normale Elkos ohne Weiteres möglich, wenn man ihnen nicht traut....
Halbleiter wie Dioden oder Transistoren können meist bis in alle Ewigkeit ihren Dienst verrichten. Ausnahmen gibt es natürlich: Germaniumtransistoren (meist mit O, T oder A als erstem Buchstaben in der Bezeichnung) aus frühen Produktionsjahren fallen oft durch sog. Whiskerbildung im Inneren aus, bilden dann Wackelkontakte aus oder beginnen zu prasseln oder zu spratzeln. Aber Silizium, das bei den Geräten etwa ab 1965-70 verwendet wurde, ist i.A. kein Tauschkandidat! Zwar gibt es bestimmte japanische Maschinen, bei denen gewisse Siliziumtransen immer wieder verstärkt mucken und dann raus müssen, aber das sind seltene Ausnahmen.
Selengleichrichter gelten auch nicht als besonders zuverlässig.
Wichtiger als Bauteile-Tauschorgien sind saubere Kontakte bei Dreh- und Schiebeschaltern! Ich denke hier besonders an die mittels langer Schaltschieber ausgeführten Entzerrungs- und Aufnahme-/Wiedergabeumschalter. Da habe ich schon so manches erlebt... 8|
LG Holgi
