25.02.2005, 17:38
Na, endlich bin ich an der Reihe. Dieses „Jungvolk“ lässt ja keinen zu Wort kommen. Da meint doch diese B90, sie wäre die älteste. Ja, irgendwie hat sie ja Recht, sie ist die älteste, die unser Besitzer damals als neu im Laden gekauft hat. Aber die älteste in der Sammlung bin nicht einmal ich. Abgesehen von der kleinen Bändi, die ich leider nicht mehr kennen gelernt habe, bin ich aber die dienstälteste hier.
Ja, Ihr ahnt es vielleicht schon, ich bin die Magnetton-Oma namens Smaragd. In meinem Ausweis, sprich Begleitschreiben, steht „Heim-Bandtongerät BG20/5 „Smaragd““. Warum nannten die mich nicht einfach Tonbandgerät, na, die werden es schon wissen, die mich entwickelt und gebaut haben. Am 26.08.1961 war ich fertig, so steht es als Stempel auf meinem Chassis. Ich bin ein Erzeugnis des „VEB (Volkseigener Betrieb) Messgerätewerk Zwönitz. Auf mein Gütezeichen, die „1“ im Dreieck, bin ich auch heute noch sehr stolz, sagt es doch dem Fachmann, welche technischen Fähigkeiten und Qualitäten ich habe. Sicherlich kann ich aus technischer Sicht mit diesen jungen Dingern nicht mehr ganz mithalten aber ich glaube, verstecken muß ich mich nicht hinter ihnen. Sollen die erstmal so lange leben wie ich.
Als ich dann, wie gesagt, fertig war, kam ich leider nicht in ein Kaufhaus oder ein Radiogeschäft, wie so viele Schwestern von mir. Ich wurde für den Dienst an einer Schule in der DDR verpflichtet und war nun ein Lehrmittel, so stand es zumindest an der Tür von dem Kabuff, wo ich meinen Ruheplatz hatte, wenn Dienstfrei war. In diesem Raum gab es allerhand lustiger Dinge. Da war so ein dicker Globus, der immer neben mir im Regal stand. Ich träumte manchmal, ich wäre ein Reporter-Gerät und könnte in einer schönen Tragetasche rund um die Welt reisen. Dafür war ich aber ganz bestimmt zu schwer mit meinen 18 Kg. Wenn ich dann im Dienst war, musste ich meistens solche Bänder abspielen wo sowas drauf war, was sich „Stoff“ nannte aber mit Gewebe hatte das nichts zu tun. Den Stoff den ich kannte, war der an meiner Lautsprecherabdeckung. „Stoff“ nannte man die Themen, die im Unterricht behandelt wurden. Das waren klassische Literaturstücke, die als Hörspiel dargeboten wurden oder Texte in fremden Sprachen, meist russisch, welche die Schüler mir nachsprechen mussten. Dann waren auch solche Bänder dabei, wo ich mit einem Dia-Projektor zusammenarbeiten musste. Immer dann, wenn ein Dia aus der Serie fertig besprochen war, ertönte ein Signal, der Lehrer musste dann das Dia im Projektor wechseln.
Es gab aber auch Tage, an denen mir die Arbeit an der Schule besonders viel Freude machte. Das Unterrichtsfach hieß „Klassenfest“ oder so. Da bekam ich keine Sprachbänder oder die mit dem Piepton, sondern ein Lehrer oder die Schüler, deren Eltern auch ein Tonbandgerät hatten, brachten Bänder mit Musik mit. Leider konnte ich sie nicht alle spielen, es waren welche dabei, mit so neumodischen Kram wie Vierspurtechnik. Damit kam ich einfach nicht klar. Na ja, die Zeit verging und ich verbrachte noch einige Jahre im Schuldienst. Eines Tages bekam ich dann Unterstützung von solch jungen Dingern, die sich B47-Student nannten. Sie kamen aus der CSSR, waren viel leichter und moderner als ich und sie konnten Vierspur. Dafür aber keine 18er Spulen und schnell auf 19,05 cm/s konnten diese „Hüpfer“ auch nicht. Also, manchmal wurde ich doch noch gebraucht, wenn auch nicht mehr so oft. Aufgenommen habe ich in meiner Dienstzeit nur ganz selten, vielleicht zwei- oder dreimal. Einmal war ein großes Jubiläum an der Schule, sie hatte wohl irgend so einen Jahrestag ihres Bestehens. Ich stand neben dem Rednerpult in der Festaula und musste diese Ansprachen von Frieden und Sozialismus, Freundschaft zur Sowjetunion usw. mitschneiden. Auch der Chor der Jungen Pioniere hat gesungen „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, und „Druschba – Freundschaft“, ich ließ es über mich ergehen. Einmal hatte ich eine Aufgabe, die mir sehr unangenehm war und die beiden Schüler, die es betraf, taten mir irgendwie leid.
Es war an einem schönen Sommertag, so kurz vor den großen Ferien, ich wurde in des Zimmer des Schuldirektors getragen, wo ich vorher noch nie war. Den Direktor kannte ich schon, von der Festansprache in der Aula. Ich wurde in ein Fach der Schrankwand gestellt, mir wurde ein Band aufgelegt und ein Mikrofon angeschlossen. Das Mikrofon wurde im Bücherregal versteckt, die Schüler sollten wohl nichts von meinem Tun mitkriegen. Als es dann soweit war, und die „Armen Sünder“ das Zimmer betraten, wurde ich eingeschaltet und die Aufnahme gestartet. „Was habt Ihr euch dabei gedacht!“ donnerte der Direktor los, er dachte garnicht an mich. Mein Aufnahmepegel war ja nicht richtig eingestellt und als dieser Kerl so losbrüllte, dröhnte mir der Kombikopf von dem hohen Aufsprechstrom und ich kniff die grünen Leuchtsektoren meines magischen Auges ganz fest zusammen. Die beiden Jungen, sie gingen wohl in die 6. Klasse, hatten sich aus einer alten Tür ein Floß gebaut und sind damit auf den kleinen See, der hinter dem Schulgebäude lag, hinaus gepaddelt. Natürlich wurden sie vom Hausmeister erwischt, der wohl nicht viel übrig hatte für Abenteuer. Er verpetzte die Jungen beim Direktor. Sie bekamen beide einen Verweiß. Mir wurde der Text noch auf das Band gesprochen, dann musste ich zur Sekretärin ins Büro und ihr alles erzählen, sodas sie es mit der Schreibmaschine abschreiben konnte. Ich wünschte, mir wäre die Aufnahme misslungen, ob ich die beiden Schüler dann vor einer Strafe bewahren hätte können?
Dann stand ich noch eine Zeit wohlbehütet in diesem Lehrmittelkabinett. Meine jüngeren Kollegen bekamen noch Verstärkung durch eine B57, die auch von Tesla war. Sie konnte den Dia-Projektor schon allein steuern ohne den Lehrer. Ich wurde nur noch ganz selten gebraucht, für die ganz alten Bänder, die noch mit „19“ liefen. Irgendwann wurden auch die durch modernere ersetzt, welche die Tesla’s spielen konnten. Ich wurde dann endgültig pensioniert.
Ende der 70er Jahre beendete ein Schüler die Schulzeit. Er hatte die 10. Klasse absolviert und die Prüfungen mit „Gut“ bestanden. Ich kannte diesen Schüler schon. Er war sowas wie Lehrmittelwart und unter anderem dafür verantwortlich, daß. wenn eines von uns Lehrmitteln gebraucht wurde, wir dann zur Stelle waren. Er fragte den Direktor, was denn mit dem alten Tonbandgerät sei, ob es noch gebraucht wird und ob er es haben kann. „Das werfen wir sowieso bald weg“ sagte der Direktor. „Nimm es mit“, „Melde Dich aber noch im Sekretariat“. Mein zukünftiger Besitzer zahlte einen kleinen Obolus in die Schulkasse und schon war ich seine erste „richtige“ Bandmaschine. Er kaufte für mich noch ein Langspielband, 500 Meter auf einer 18er Spule. Dann ging es zu ihm nach Hause.
Dort angekommen, stellte er mich erstmal seinen Eltern vor, die waren nicht so sehr begeistert von mir. „Na noch so ein Krachkoffer.“, sie meinten wohl, der Plattenspieler mit Namen Mister-Hit, der schon da war, mache auch nur Krach. Irgendwie hatte sie ja recht, so unter uns gesagt, was der von sich gab, von Klang konnte da wohl nicht die Rede sein. Dann machte mein neuer Besitzer mich mit dem alten Röhrenradio „Dominante“ bekannt. Ich freute mich, ein Partner in meinem Alter. Auch diesen Mister-Hit lernte ich kennen, er stand oben auf dem Radio und fühlte sich dort recht wohl. Er glaubte, ich wolle ihn von dort vertreiben aber warum sollte ich das, außerdem wäre ich wohl viel zu schwer für diesen Platz. Ich platzierte mich neben dem Radio, denn dieser Platz war für mich und meinen Benutzer viel bequemer. Ich wurde angeschlossen, an Strom und Radio, und eingeschaltet. Danach lief ich mich erstmal so richtig warm, denn ich hatte ja schon einige Zeit ungenutzt in dem Lehrmittelkabuff gestanden. Mein Besitzer holte erstmal ein kleines Band hervor, es war nicht viel größer als meine Bandteller. Er legte es mir auf und sagte: „Das ist noch von meiner Bändi, schade, daß sie nicht mehr da ist.“ Meinen Geschwindigkeitsumschalter stellte er auf „9“ denn mit dieser Geschwindigkeit sollte die Bändi eigentlich auch laufen. Gut, nach einem Druck auf meine Wiedergabetaste spielte ich das Band ab. „Das ist Frank Schöbel.“, sagte mein neuer Besitzer, „Ich habe da früher mit der Bändi mal eine Schallplatte von ihm überspielt“. Man, war das ein Gejaule, mir fiel gleich der Hund unseres Hausmeisters ein, der wimmerte auch so jämmerlich, wenn er wieder mal seine Tracht Prügel bekommen hatte. Das Jaulen lag aber nicht an den künstlerischen Fähigkeiten des Sängers, sondern eher daran, das die kleine Bändi wohl nicht viel von Normgeschwindigkeit und Gleichlauf hielt. Vielleicht konnte sie es auch nicht besser. Zu verstehen war ja, was der Frank da sang. „Du brauchst ein Buch vom Funkverkehr, und gibst dein Geld fürs Tonband her...“. Es war das so genannte Taschengeldlied, welches da zu hören war. Von dem Frank habe ich dann noch einige Titel selbst aufnehmen können, die sogar mir gefielen. Wollte der wirklich vom Nordpol zu Südpol zu Fuß gehen? Armer Frank, dachte ich mir immer, wenn ich diesen Titel spielte.
Also ich war endlich „Zu Hause“ und durfte das tun, was mir wirklich Spaß machte. Vorbei waren die Zeiten der Russisch-Bänder und der Piepton-Dias, ich durfte endlich Musik aufnehmen und abspielen, so wie es meinem Besitzer auch gefiel. Dann kam eine Zeit, wo ich dachte, nun ist mein Ende gekommen. Nach ein paar Tagen begann mein Besitzer, mich in meine Bestandteile zu zerlegen. Er hatte aber eine richtige Ansicht, er war der Meinung, daß ich nach fast zwanzig Jahren Schuldienst eine gründliche Reinigung mehr als nötig hatte. Wie Recht er hatte. Nur ehrlich gesagt, ich traute es ihm nicht so richtig zu, wie Ihr schon wisst, ist er sehr stark sehgeschädigt. Alle Teile, die er mir abbaute, sortierte er sorgfältig in kleine Schachteln und stellte sie der Reihe nach auf, so, wie er sie ausbaute. Wehe es kam ihm jemand dazwischen, der vielleicht auch helfen wollte, da konnte er ganz schön sauer sein. Als ich dann so, fast in Einzelteilen da lag, nahm er ein Teil nach dem anderen und befühlte es. Einige Teile, die aus Kunststoff waren, landeten im Fit-Wasser, einer Spülmittellösung, andere, aus Metall, polierte er mit einem Lappen. Meine graue „Dienstfrontplatte“ sah fast aus, wie neu. So nach und nach baute er mich dann wieder zusammen. Ich bekam einen neuen Riemen, obwohl der alte noch nicht kaputt war. Neue Röhren gönnte er mir auch. Richtig geölt und wieder beisammen, fühlte ich mich gleich ein paar Jahre jünger. Irgendwann tauschte mein Besitzer dann meine graue, gegen eine schöne rotbraune Frontplatte aus. „So gefällst Du mir besser“ sagte er zufrieden. Und dann ging es los, erst mit ein paar Probeaufnahmen, denn ich sollte mich mit dem „Dominante“ richtig anfreunden. Dann aber gab es die langen Nächte. Stundenlang war ich aufnahmebereit neben dem Radio. Mein Besitzer hatte einen „Westsender“ eingestellt, namens NDR, und hörte das Nachtprogramm. Wenn ein Titel angesagt wurde, der ihm zu gefallen schien, drückte er meine Aufnahmetaste. Es klappte recht gut mit uns und mein Besitzer war mit mir sehr zufrieden. Einmal, da wurde mir ganz komisch um mein Motorenherz. Im Radio sprach der Ansager von „Wonderland“ und „Moscow“ Mein Besitzer war ganz aufgeregt, er fasste auf meinen linken Bandteller und befühlte den Vorrat an Band, der da noch war. Um ein neues Band aufzulegen, dafür reichte die Zeit nicht mehr. „Hoffentlich reicht das Band“ sagte er. Dann war der Sprecher fertig mit seiner Ansage und meine Aufnahmetaste wurde gedrückt. „Whommm“ klang es aus dem Radio, der Titel begann. Im Rhythmus der Musik zwinkerte ich mit meinem magischen Auge und zeigte so den Pegel der Aufnahme an. Minuten des Bangens vergingen. Immer wieder fühlte mein Besitzer nach dem weniger werdenden Bandwickel. Hoffentlich reicht das Band. Es wurde knapp, die letzten Takte verklangen gerade, ein Druck auf meine Stopptaste, dann die Erlösung. Etwa 30 cm Band waren noch auf der Spule. Ich glaube, am liebsten hätte mein Besitzer mich geküsst. Er freute sich sehr über die gelungene Aufnahme. Später erfuhr ich, daß dieser Titel in der DDR verboten war. Hätte ich mir sowas in meinem aktiven Schuldienst überhaupt erlauben dürfen? Aber ich war ja in Pension und da konnte mir keiner was. Ich habe diesen Titel dann noch sehr oft gespielt, auch um ihn an die Freunde meines Besitzers weiterzugeben. Irgendwann gab das gute alte Röhrenradio seinen Geist auf, irgendwas mit dem Netztrafo stimmte da nicht mehr. Ein „REMA-Andante, ein Stereo-Steuergerät (so hieß das damals, heute sagt man wohl Receiver dazu) mit zwei Lautsprecherboxen wurde angeschafft. Ich durfte natürlich gleich an dessen Tonbandanschluss. Auch wenn ich nicht stereotauglich bin, spielte ich über dieses Radio aber am Radio war die Mono-Taste gedrückt. So kam meine Musik auch aus beiden Lautsprechern. Und, ich brauchte mich nicht mehr mit dem Mister-Hit um den einen Anschluss am Radio streiten, es war für jeden einer da. Der Mister-Hit versuchte dann in Verbindung mit dem Radio eine Stereowiedergabe. Gut, zu hören war was aber Stereo, denke mal so als alter Röhrenkoffer, ist doch etwas anderes. Ich nahm dann auch einige Schallplatten auf Band auf. Mein Besitzer wollte seine Platten schonen und sie nicht mehr dauernd diesem Mister-Hit anvertrauen. Ich kannte aber schon besseres Futter. Irgendwie klang doch alles so blechern.
Neben der Musik liebte mein Besitzer auch Hörspiele, ich musste viele davon aufnehmen. Wenn sie meinem Herrn gefielen, archivierte er die Bänder, wenn nicht, durfte ich sie wieder löschen und neu bespielen.
Eines Tagen kam dann die B90 zu uns. Ich dachte, jetzt muß ich wohl endgültig in den Ruhestand. Nein, so undankbar war mein Besitzer nicht. Wer bald gehen musste, war der Mister-Hit. Ich bekam dann seinen Anschluss am Radio, wie ich bald merkte, war er nur zur Wiedergabe. Den Aufnahmeanschluss bekam die B90. Nun lernte auch ich den Lord Knut kennen, auch wenn ich ihn nicht selbst aufgenommen habe. Ich stand ja daneben als die Aufnahme gemacht wurde. Ein- oder zweimal bekam auch ich dieses Band, als es noch nicht ganz voll war. Die B90 hatte die Spur 1-4 bespielt, das entsprach meiner Spurlage. Auch wenn die Wieder ein klein wenig leiser war, mein Besitzer war immer noch mit mir zufrieden, als er mir dieses Band auflegte. „Du bist zwar schon sehr alt aber doch noch dicke da“ sagte er dann. Ich hatte inzwischen ja schon gut zwanzig Jahre Tonbandleben hinter mir. Dann wurde es etwas ruhiger um mich, denn wie gesagt, ich war schon reichlich alt. Mein Besitzer hält mir aber bis heute die Treue, trotz der Neuanschaffungen. Die Sache mit dem Schallplattenunterhalter kennt Ihr ja schon, ein paar Mal durfte sogar ich mit zum Auftritt. Nicht nur, das ich darauf sehr stolz war und das mein Besitzer mir vertraute, es machte sogar Spaß und dabei bekam ich auch meinen Spitznamen. Ich glaube, es war dieser Klaus, von dem schon die Rede war. „Willst Du mit dieser Magnetton-Oma etwa noch Musik machen?“ fragte er freundlich. Er müsste ja eigentlich meine Qualitäten kennen, er war doch vom Fach. Er hat es auch nicht böse gemeint aber ich hatte meinen Namen weg.
Viele Jahre lebe ich nun schon bei meinem Besitzer, auch wenn ich nicht mehr so hart arbeiten muß, wie zu Anfang, Wenn er mich doch einmal braucht, weis ich seine Treue und Fürsorge zu belohnen.
Ach ja, das muß ich Euch noch erzählen. Wie Ihr ja nun wisst, genieße ich meinen wohlverdienten Ruhestand in einer, doch schon recht umfangreichen Sammlung, die aus vielen meiner Verwandten besteht. Ich glaube, ich brauche mich wegen meines Alters nicht vor den UHERs und der ReVox schämen.
Es war Ende des Jahres 2004. Wie schon bekannt, ist mein Besitzer Mitglied in einem Spulentonbandclub. Auch wenn ich von diesem neumodischen Computerkram nicht viel verstehe, soviel weis ich, da gibt es so eine Internetseite „Bandmaschinen.de“ oder so. Na ja, da gibt es auch ein Forum, wo man Erfahrungen tauschen kann. Mein Besitzer ist auch regelmäßig dabei. Also, wie gesagt, Ende 2004 fragte ein Fernsehteam beim Betreiber dieser Seite an, ob er nicht wüsste, wo man ein Ost-Tonbandgerät aus den 60er Jahren herbekommen kann. Für den RBB wollten die einen Film drehen, „Gegen die Grenze“ sollte er wohl heißen. Man brauchte dafür eben so eine Magnetton-Oma wie mich. Der Andreas, der diese Seite fachmännisch betreut, wusste, das es mich gibt, und wo ich zu finden bin, also verwies er an meinen Besitzer. Das Fernsehteam nahm mit ihm Kontakt auf. So kam es dazu, daß ich auf meine alten Tage noch ein Filmstar werden sollte. Mein Besitzer putzte mich noch einmal so richtig, bevor das Filmteam mich holte. Er erklärte ihnen sogar meine Bedienung, denn ich wollte und sollte im Film ja richtig dastehen. Nur ganz allein ging ich nicht auf „Schauspielertournee“, ein Röhrenradio mit Namen REMA begleitete mich, es bekam in dem Film auch eine Rolle. Nun sind wir wieder zu Hause und genießen die Ruhe. Auch ich bekomme von meinem Besitzer ab und zu nochmal ein Band aufgelegt, es ist zwar nicht das mit dem RIAS-Lord, der wohl Knut heißt oder war das bisschen anders? Dieses Band ist ja vierspurig und das kann ich bekanntlich nicht, dafür bekomme ich „Wonderland“ mit „Whommm“ äh Moscow.
Edit:
Stellvertretend für alle möchte ich mich doch noch eimal zu Wort melden: Am 26.02.2005 hat mein Besitzer mal im Internet nach dem RIAS-Lord gesucht und dies dabei gefunden: Der Knut schreibt sich richtig "Knud" und die Sendung auf dem Band, von dem hier immer die Rede war, hieß "Evergreens a Go Go"
Und dies noch ganz kurz, Ihr wundert Euch, daß von mir kein Bild in dem Text ist, wie bei meinen Vorrednerinnen. Den Avatar, (ich habe auch schon etwas dazugelernt) den mein Besitzer hier in Forum benutzt, der zeigt eine Teilansicht meiner Frontplatte.
Ja, Ihr ahnt es vielleicht schon, ich bin die Magnetton-Oma namens Smaragd. In meinem Ausweis, sprich Begleitschreiben, steht „Heim-Bandtongerät BG20/5 „Smaragd““. Warum nannten die mich nicht einfach Tonbandgerät, na, die werden es schon wissen, die mich entwickelt und gebaut haben. Am 26.08.1961 war ich fertig, so steht es als Stempel auf meinem Chassis. Ich bin ein Erzeugnis des „VEB (Volkseigener Betrieb) Messgerätewerk Zwönitz. Auf mein Gütezeichen, die „1“ im Dreieck, bin ich auch heute noch sehr stolz, sagt es doch dem Fachmann, welche technischen Fähigkeiten und Qualitäten ich habe. Sicherlich kann ich aus technischer Sicht mit diesen jungen Dingern nicht mehr ganz mithalten aber ich glaube, verstecken muß ich mich nicht hinter ihnen. Sollen die erstmal so lange leben wie ich.
Als ich dann, wie gesagt, fertig war, kam ich leider nicht in ein Kaufhaus oder ein Radiogeschäft, wie so viele Schwestern von mir. Ich wurde für den Dienst an einer Schule in der DDR verpflichtet und war nun ein Lehrmittel, so stand es zumindest an der Tür von dem Kabuff, wo ich meinen Ruheplatz hatte, wenn Dienstfrei war. In diesem Raum gab es allerhand lustiger Dinge. Da war so ein dicker Globus, der immer neben mir im Regal stand. Ich träumte manchmal, ich wäre ein Reporter-Gerät und könnte in einer schönen Tragetasche rund um die Welt reisen. Dafür war ich aber ganz bestimmt zu schwer mit meinen 18 Kg. Wenn ich dann im Dienst war, musste ich meistens solche Bänder abspielen wo sowas drauf war, was sich „Stoff“ nannte aber mit Gewebe hatte das nichts zu tun. Den Stoff den ich kannte, war der an meiner Lautsprecherabdeckung. „Stoff“ nannte man die Themen, die im Unterricht behandelt wurden. Das waren klassische Literaturstücke, die als Hörspiel dargeboten wurden oder Texte in fremden Sprachen, meist russisch, welche die Schüler mir nachsprechen mussten. Dann waren auch solche Bänder dabei, wo ich mit einem Dia-Projektor zusammenarbeiten musste. Immer dann, wenn ein Dia aus der Serie fertig besprochen war, ertönte ein Signal, der Lehrer musste dann das Dia im Projektor wechseln.
Es gab aber auch Tage, an denen mir die Arbeit an der Schule besonders viel Freude machte. Das Unterrichtsfach hieß „Klassenfest“ oder so. Da bekam ich keine Sprachbänder oder die mit dem Piepton, sondern ein Lehrer oder die Schüler, deren Eltern auch ein Tonbandgerät hatten, brachten Bänder mit Musik mit. Leider konnte ich sie nicht alle spielen, es waren welche dabei, mit so neumodischen Kram wie Vierspurtechnik. Damit kam ich einfach nicht klar. Na ja, die Zeit verging und ich verbrachte noch einige Jahre im Schuldienst. Eines Tages bekam ich dann Unterstützung von solch jungen Dingern, die sich B47-Student nannten. Sie kamen aus der CSSR, waren viel leichter und moderner als ich und sie konnten Vierspur. Dafür aber keine 18er Spulen und schnell auf 19,05 cm/s konnten diese „Hüpfer“ auch nicht. Also, manchmal wurde ich doch noch gebraucht, wenn auch nicht mehr so oft. Aufgenommen habe ich in meiner Dienstzeit nur ganz selten, vielleicht zwei- oder dreimal. Einmal war ein großes Jubiläum an der Schule, sie hatte wohl irgend so einen Jahrestag ihres Bestehens. Ich stand neben dem Rednerpult in der Festaula und musste diese Ansprachen von Frieden und Sozialismus, Freundschaft zur Sowjetunion usw. mitschneiden. Auch der Chor der Jungen Pioniere hat gesungen „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, und „Druschba – Freundschaft“, ich ließ es über mich ergehen. Einmal hatte ich eine Aufgabe, die mir sehr unangenehm war und die beiden Schüler, die es betraf, taten mir irgendwie leid.
Es war an einem schönen Sommertag, so kurz vor den großen Ferien, ich wurde in des Zimmer des Schuldirektors getragen, wo ich vorher noch nie war. Den Direktor kannte ich schon, von der Festansprache in der Aula. Ich wurde in ein Fach der Schrankwand gestellt, mir wurde ein Band aufgelegt und ein Mikrofon angeschlossen. Das Mikrofon wurde im Bücherregal versteckt, die Schüler sollten wohl nichts von meinem Tun mitkriegen. Als es dann soweit war, und die „Armen Sünder“ das Zimmer betraten, wurde ich eingeschaltet und die Aufnahme gestartet. „Was habt Ihr euch dabei gedacht!“ donnerte der Direktor los, er dachte garnicht an mich. Mein Aufnahmepegel war ja nicht richtig eingestellt und als dieser Kerl so losbrüllte, dröhnte mir der Kombikopf von dem hohen Aufsprechstrom und ich kniff die grünen Leuchtsektoren meines magischen Auges ganz fest zusammen. Die beiden Jungen, sie gingen wohl in die 6. Klasse, hatten sich aus einer alten Tür ein Floß gebaut und sind damit auf den kleinen See, der hinter dem Schulgebäude lag, hinaus gepaddelt. Natürlich wurden sie vom Hausmeister erwischt, der wohl nicht viel übrig hatte für Abenteuer. Er verpetzte die Jungen beim Direktor. Sie bekamen beide einen Verweiß. Mir wurde der Text noch auf das Band gesprochen, dann musste ich zur Sekretärin ins Büro und ihr alles erzählen, sodas sie es mit der Schreibmaschine abschreiben konnte. Ich wünschte, mir wäre die Aufnahme misslungen, ob ich die beiden Schüler dann vor einer Strafe bewahren hätte können?
Dann stand ich noch eine Zeit wohlbehütet in diesem Lehrmittelkabinett. Meine jüngeren Kollegen bekamen noch Verstärkung durch eine B57, die auch von Tesla war. Sie konnte den Dia-Projektor schon allein steuern ohne den Lehrer. Ich wurde nur noch ganz selten gebraucht, für die ganz alten Bänder, die noch mit „19“ liefen. Irgendwann wurden auch die durch modernere ersetzt, welche die Tesla’s spielen konnten. Ich wurde dann endgültig pensioniert.
Ende der 70er Jahre beendete ein Schüler die Schulzeit. Er hatte die 10. Klasse absolviert und die Prüfungen mit „Gut“ bestanden. Ich kannte diesen Schüler schon. Er war sowas wie Lehrmittelwart und unter anderem dafür verantwortlich, daß. wenn eines von uns Lehrmitteln gebraucht wurde, wir dann zur Stelle waren. Er fragte den Direktor, was denn mit dem alten Tonbandgerät sei, ob es noch gebraucht wird und ob er es haben kann. „Das werfen wir sowieso bald weg“ sagte der Direktor. „Nimm es mit“, „Melde Dich aber noch im Sekretariat“. Mein zukünftiger Besitzer zahlte einen kleinen Obolus in die Schulkasse und schon war ich seine erste „richtige“ Bandmaschine. Er kaufte für mich noch ein Langspielband, 500 Meter auf einer 18er Spule. Dann ging es zu ihm nach Hause.
Dort angekommen, stellte er mich erstmal seinen Eltern vor, die waren nicht so sehr begeistert von mir. „Na noch so ein Krachkoffer.“, sie meinten wohl, der Plattenspieler mit Namen Mister-Hit, der schon da war, mache auch nur Krach. Irgendwie hatte sie ja recht, so unter uns gesagt, was der von sich gab, von Klang konnte da wohl nicht die Rede sein. Dann machte mein neuer Besitzer mich mit dem alten Röhrenradio „Dominante“ bekannt. Ich freute mich, ein Partner in meinem Alter. Auch diesen Mister-Hit lernte ich kennen, er stand oben auf dem Radio und fühlte sich dort recht wohl. Er glaubte, ich wolle ihn von dort vertreiben aber warum sollte ich das, außerdem wäre ich wohl viel zu schwer für diesen Platz. Ich platzierte mich neben dem Radio, denn dieser Platz war für mich und meinen Benutzer viel bequemer. Ich wurde angeschlossen, an Strom und Radio, und eingeschaltet. Danach lief ich mich erstmal so richtig warm, denn ich hatte ja schon einige Zeit ungenutzt in dem Lehrmittelkabuff gestanden. Mein Besitzer holte erstmal ein kleines Band hervor, es war nicht viel größer als meine Bandteller. Er legte es mir auf und sagte: „Das ist noch von meiner Bändi, schade, daß sie nicht mehr da ist.“ Meinen Geschwindigkeitsumschalter stellte er auf „9“ denn mit dieser Geschwindigkeit sollte die Bändi eigentlich auch laufen. Gut, nach einem Druck auf meine Wiedergabetaste spielte ich das Band ab. „Das ist Frank Schöbel.“, sagte mein neuer Besitzer, „Ich habe da früher mit der Bändi mal eine Schallplatte von ihm überspielt“. Man, war das ein Gejaule, mir fiel gleich der Hund unseres Hausmeisters ein, der wimmerte auch so jämmerlich, wenn er wieder mal seine Tracht Prügel bekommen hatte. Das Jaulen lag aber nicht an den künstlerischen Fähigkeiten des Sängers, sondern eher daran, das die kleine Bändi wohl nicht viel von Normgeschwindigkeit und Gleichlauf hielt. Vielleicht konnte sie es auch nicht besser. Zu verstehen war ja, was der Frank da sang. „Du brauchst ein Buch vom Funkverkehr, und gibst dein Geld fürs Tonband her...“. Es war das so genannte Taschengeldlied, welches da zu hören war. Von dem Frank habe ich dann noch einige Titel selbst aufnehmen können, die sogar mir gefielen. Wollte der wirklich vom Nordpol zu Südpol zu Fuß gehen? Armer Frank, dachte ich mir immer, wenn ich diesen Titel spielte.
Also ich war endlich „Zu Hause“ und durfte das tun, was mir wirklich Spaß machte. Vorbei waren die Zeiten der Russisch-Bänder und der Piepton-Dias, ich durfte endlich Musik aufnehmen und abspielen, so wie es meinem Besitzer auch gefiel. Dann kam eine Zeit, wo ich dachte, nun ist mein Ende gekommen. Nach ein paar Tagen begann mein Besitzer, mich in meine Bestandteile zu zerlegen. Er hatte aber eine richtige Ansicht, er war der Meinung, daß ich nach fast zwanzig Jahren Schuldienst eine gründliche Reinigung mehr als nötig hatte. Wie Recht er hatte. Nur ehrlich gesagt, ich traute es ihm nicht so richtig zu, wie Ihr schon wisst, ist er sehr stark sehgeschädigt. Alle Teile, die er mir abbaute, sortierte er sorgfältig in kleine Schachteln und stellte sie der Reihe nach auf, so, wie er sie ausbaute. Wehe es kam ihm jemand dazwischen, der vielleicht auch helfen wollte, da konnte er ganz schön sauer sein. Als ich dann so, fast in Einzelteilen da lag, nahm er ein Teil nach dem anderen und befühlte es. Einige Teile, die aus Kunststoff waren, landeten im Fit-Wasser, einer Spülmittellösung, andere, aus Metall, polierte er mit einem Lappen. Meine graue „Dienstfrontplatte“ sah fast aus, wie neu. So nach und nach baute er mich dann wieder zusammen. Ich bekam einen neuen Riemen, obwohl der alte noch nicht kaputt war. Neue Röhren gönnte er mir auch. Richtig geölt und wieder beisammen, fühlte ich mich gleich ein paar Jahre jünger. Irgendwann tauschte mein Besitzer dann meine graue, gegen eine schöne rotbraune Frontplatte aus. „So gefällst Du mir besser“ sagte er zufrieden. Und dann ging es los, erst mit ein paar Probeaufnahmen, denn ich sollte mich mit dem „Dominante“ richtig anfreunden. Dann aber gab es die langen Nächte. Stundenlang war ich aufnahmebereit neben dem Radio. Mein Besitzer hatte einen „Westsender“ eingestellt, namens NDR, und hörte das Nachtprogramm. Wenn ein Titel angesagt wurde, der ihm zu gefallen schien, drückte er meine Aufnahmetaste. Es klappte recht gut mit uns und mein Besitzer war mit mir sehr zufrieden. Einmal, da wurde mir ganz komisch um mein Motorenherz. Im Radio sprach der Ansager von „Wonderland“ und „Moscow“ Mein Besitzer war ganz aufgeregt, er fasste auf meinen linken Bandteller und befühlte den Vorrat an Band, der da noch war. Um ein neues Band aufzulegen, dafür reichte die Zeit nicht mehr. „Hoffentlich reicht das Band“ sagte er. Dann war der Sprecher fertig mit seiner Ansage und meine Aufnahmetaste wurde gedrückt. „Whommm“ klang es aus dem Radio, der Titel begann. Im Rhythmus der Musik zwinkerte ich mit meinem magischen Auge und zeigte so den Pegel der Aufnahme an. Minuten des Bangens vergingen. Immer wieder fühlte mein Besitzer nach dem weniger werdenden Bandwickel. Hoffentlich reicht das Band. Es wurde knapp, die letzten Takte verklangen gerade, ein Druck auf meine Stopptaste, dann die Erlösung. Etwa 30 cm Band waren noch auf der Spule. Ich glaube, am liebsten hätte mein Besitzer mich geküsst. Er freute sich sehr über die gelungene Aufnahme. Später erfuhr ich, daß dieser Titel in der DDR verboten war. Hätte ich mir sowas in meinem aktiven Schuldienst überhaupt erlauben dürfen? Aber ich war ja in Pension und da konnte mir keiner was. Ich habe diesen Titel dann noch sehr oft gespielt, auch um ihn an die Freunde meines Besitzers weiterzugeben. Irgendwann gab das gute alte Röhrenradio seinen Geist auf, irgendwas mit dem Netztrafo stimmte da nicht mehr. Ein „REMA-Andante, ein Stereo-Steuergerät (so hieß das damals, heute sagt man wohl Receiver dazu) mit zwei Lautsprecherboxen wurde angeschafft. Ich durfte natürlich gleich an dessen Tonbandanschluss. Auch wenn ich nicht stereotauglich bin, spielte ich über dieses Radio aber am Radio war die Mono-Taste gedrückt. So kam meine Musik auch aus beiden Lautsprechern. Und, ich brauchte mich nicht mehr mit dem Mister-Hit um den einen Anschluss am Radio streiten, es war für jeden einer da. Der Mister-Hit versuchte dann in Verbindung mit dem Radio eine Stereowiedergabe. Gut, zu hören war was aber Stereo, denke mal so als alter Röhrenkoffer, ist doch etwas anderes. Ich nahm dann auch einige Schallplatten auf Band auf. Mein Besitzer wollte seine Platten schonen und sie nicht mehr dauernd diesem Mister-Hit anvertrauen. Ich kannte aber schon besseres Futter. Irgendwie klang doch alles so blechern.
Neben der Musik liebte mein Besitzer auch Hörspiele, ich musste viele davon aufnehmen. Wenn sie meinem Herrn gefielen, archivierte er die Bänder, wenn nicht, durfte ich sie wieder löschen und neu bespielen.
Eines Tagen kam dann die B90 zu uns. Ich dachte, jetzt muß ich wohl endgültig in den Ruhestand. Nein, so undankbar war mein Besitzer nicht. Wer bald gehen musste, war der Mister-Hit. Ich bekam dann seinen Anschluss am Radio, wie ich bald merkte, war er nur zur Wiedergabe. Den Aufnahmeanschluss bekam die B90. Nun lernte auch ich den Lord Knut kennen, auch wenn ich ihn nicht selbst aufgenommen habe. Ich stand ja daneben als die Aufnahme gemacht wurde. Ein- oder zweimal bekam auch ich dieses Band, als es noch nicht ganz voll war. Die B90 hatte die Spur 1-4 bespielt, das entsprach meiner Spurlage. Auch wenn die Wieder ein klein wenig leiser war, mein Besitzer war immer noch mit mir zufrieden, als er mir dieses Band auflegte. „Du bist zwar schon sehr alt aber doch noch dicke da“ sagte er dann. Ich hatte inzwischen ja schon gut zwanzig Jahre Tonbandleben hinter mir. Dann wurde es etwas ruhiger um mich, denn wie gesagt, ich war schon reichlich alt. Mein Besitzer hält mir aber bis heute die Treue, trotz der Neuanschaffungen. Die Sache mit dem Schallplattenunterhalter kennt Ihr ja schon, ein paar Mal durfte sogar ich mit zum Auftritt. Nicht nur, das ich darauf sehr stolz war und das mein Besitzer mir vertraute, es machte sogar Spaß und dabei bekam ich auch meinen Spitznamen. Ich glaube, es war dieser Klaus, von dem schon die Rede war. „Willst Du mit dieser Magnetton-Oma etwa noch Musik machen?“ fragte er freundlich. Er müsste ja eigentlich meine Qualitäten kennen, er war doch vom Fach. Er hat es auch nicht böse gemeint aber ich hatte meinen Namen weg.
Viele Jahre lebe ich nun schon bei meinem Besitzer, auch wenn ich nicht mehr so hart arbeiten muß, wie zu Anfang, Wenn er mich doch einmal braucht, weis ich seine Treue und Fürsorge zu belohnen.
Ach ja, das muß ich Euch noch erzählen. Wie Ihr ja nun wisst, genieße ich meinen wohlverdienten Ruhestand in einer, doch schon recht umfangreichen Sammlung, die aus vielen meiner Verwandten besteht. Ich glaube, ich brauche mich wegen meines Alters nicht vor den UHERs und der ReVox schämen.
Es war Ende des Jahres 2004. Wie schon bekannt, ist mein Besitzer Mitglied in einem Spulentonbandclub. Auch wenn ich von diesem neumodischen Computerkram nicht viel verstehe, soviel weis ich, da gibt es so eine Internetseite „Bandmaschinen.de“ oder so. Na ja, da gibt es auch ein Forum, wo man Erfahrungen tauschen kann. Mein Besitzer ist auch regelmäßig dabei. Also, wie gesagt, Ende 2004 fragte ein Fernsehteam beim Betreiber dieser Seite an, ob er nicht wüsste, wo man ein Ost-Tonbandgerät aus den 60er Jahren herbekommen kann. Für den RBB wollten die einen Film drehen, „Gegen die Grenze“ sollte er wohl heißen. Man brauchte dafür eben so eine Magnetton-Oma wie mich. Der Andreas, der diese Seite fachmännisch betreut, wusste, das es mich gibt, und wo ich zu finden bin, also verwies er an meinen Besitzer. Das Fernsehteam nahm mit ihm Kontakt auf. So kam es dazu, daß ich auf meine alten Tage noch ein Filmstar werden sollte. Mein Besitzer putzte mich noch einmal so richtig, bevor das Filmteam mich holte. Er erklärte ihnen sogar meine Bedienung, denn ich wollte und sollte im Film ja richtig dastehen. Nur ganz allein ging ich nicht auf „Schauspielertournee“, ein Röhrenradio mit Namen REMA begleitete mich, es bekam in dem Film auch eine Rolle. Nun sind wir wieder zu Hause und genießen die Ruhe. Auch ich bekomme von meinem Besitzer ab und zu nochmal ein Band aufgelegt, es ist zwar nicht das mit dem RIAS-Lord, der wohl Knut heißt oder war das bisschen anders? Dieses Band ist ja vierspurig und das kann ich bekanntlich nicht, dafür bekomme ich „Wonderland“ mit „Whommm“ äh Moscow.
Edit:
Stellvertretend für alle möchte ich mich doch noch eimal zu Wort melden: Am 26.02.2005 hat mein Besitzer mal im Internet nach dem RIAS-Lord gesucht und dies dabei gefunden: Der Knut schreibt sich richtig "Knud" und die Sendung auf dem Band, von dem hier immer die Rede war, hieß "Evergreens a Go Go"
Und dies noch ganz kurz, Ihr wundert Euch, daß von mir kein Bild in dem Text ist, wie bei meinen Vorrednerinnen. Den Avatar, (ich habe auch schon etwas dazugelernt) den mein Besitzer hier in Forum benutzt, der zeigt eine Teilansicht meiner Frontplatte.
