12.12.2016, 11:35
Hallo Frank,
ja, besonders deinem dritten Absatz kann man/kann ich leider nur zustimmen. Es gibt zwei Wege in die Auto-Zukunft: der Elektroantrieb und das selbstfahrende Auto. In beiden Disziplinen sind die deutschen Autobauer schnarchig, sie verkaufen lieber SUV nach Russland und China (und an ignorante Deutsche), anstatt sich um die Zukunft zu kümmern. Das Rennen werden andere Unternehmen machen.
Bei Grundig muss man zeitlich differenzieren. In den Siebzigern ging es dem Franken bestens, Spitze im Umsatz, mit Abstand Marktführer bei Farbfernsehern, dem damaligen Hauptgeschäft der Branche. Um 1977 Höchststand bei den Beschäftigten, um 38.000. Der große Fehler kam erst mit Video 2000. Das hat zwar eine Menge Geld gekostet, dieses Desaster war aber nur ein Grund für den Weg nach unten in den 80ern. Hauptgrund war die zunehmende Konkurrenz in allen vier Disziplinen a) Video, b) Fernseher, c) Hi-Fi, d) Low-Fi.
a) Video: Nach Ende des Kapitels Video 2000 war Grundig mit seinen VHS-Recordern nur ein Name von vielen. Und dabei nicht einmal besonders preiswert.
b) Fernseher: Zum einen wuchs der Kostendruck, denn Color war längst ein Massengeschäft, ein Artikel den auch viele andere weltweit beherrschten. Und Sony mit ihren Trinitron-Röhren lieferten nicht nur bessere und hellere Bilder (und ab ca 1980 erstmals auch mit der in Europa gefragten Diagonalen von 65 + Zentimetern!), sondern hatten auch ein hohen Prestigewert, ohne teurer zu sein. Besonders die jüngere Generation stellte sich einen Sony-FFS ins Wohnzimmer.
Dazu wuchs in Nürnberg und Wien der Kostendruck, die Geräte wurden besonders ab den späten 80ern technisch und haptisch immer billiger.
c) Hifi: Hier hatten die Japaner schon in den 70ern die Nase vorn: Sie bauten äußerlich massive chromglänzende Komponenten statt schwülstige Plastikschüsseln. Nicht nur das honorierte die junge Generation (Hifi-Käufer in der Masse unter 40), dazu, ganz wichtig, galt Grundig als Hifi-Marke bei den jüngeren als spießig und gestrig, allein aus der Tatsache, dass Omas Röhrenradio und Vatis Stereoanlage die gleiche Marke trugen. Das wollte man selber genausowenig haben wie einen Ford Taunus wie Vati. Unter dem in den 80ern gestiegenen Kostendruck ging noch dazu die Haptik in den Keller: nach 1983 wurden technisch solide Komponenten plastikartig verpackt. Erst mit den Fine Arts-Geräten gelang ein kleines Comeback im Hifi-Sektor, dass riss aber wohl nichts mehr raus.
d) Low-Fi: Radiorecorder etc waren aus teurer deutscher(bzw. europäischer) Produktion in den 80ern längst nicht mehr konkurrenzfähig.
Der stetige Sinkflug wurde dann in den Neunzigern immer schlimmer. Unterhaltungselektronik aus Europa war für den Massenmarkt schlicht zu teuer, da konnte ein Massenhersteller auch mit Tricks und Raffinesse nicht mehr mithalten. Und Grundig hatte werde Tricks noch Raffinesse zu bieten. Im Gegenteil, die extrem repararturanfälligen 100 Hertz-Fernseher demonstrierten in diesen Jahren eindrucksvoll, wie sich kostensparendes Quick&Dirty auswirkt.
Wenige kleine Hersteller flüchteten sich erfolgreich in Nischen (Loewe: Design, exklusive Klasse; Metz teuer und exklusiv plus zweites Standbein Fotoblitze, Schneider: Billigheimer, ging nur wenige Jahre gut), Grundig musste scheitern. Auch Philips verdiente immer weniger Geld mit UE, allerdings war die UE bei den Holländern nur ein Geschäftsbereich von vielen - den sie übrigens vor einigen Jahren komplett aufgegeben haben.
Schlussbemerkung, da jeder sich selber am nächsten ist: Auch ich habe beruflich die unselige UE-Branche etwa zur Jahrtausendwende verlassen. Die beste Idee, die ich jemals hatte.
Gruß
Stefan
ja, besonders deinem dritten Absatz kann man/kann ich leider nur zustimmen. Es gibt zwei Wege in die Auto-Zukunft: der Elektroantrieb und das selbstfahrende Auto. In beiden Disziplinen sind die deutschen Autobauer schnarchig, sie verkaufen lieber SUV nach Russland und China (und an ignorante Deutsche), anstatt sich um die Zukunft zu kümmern. Das Rennen werden andere Unternehmen machen.
Bei Grundig muss man zeitlich differenzieren. In den Siebzigern ging es dem Franken bestens, Spitze im Umsatz, mit Abstand Marktführer bei Farbfernsehern, dem damaligen Hauptgeschäft der Branche. Um 1977 Höchststand bei den Beschäftigten, um 38.000. Der große Fehler kam erst mit Video 2000. Das hat zwar eine Menge Geld gekostet, dieses Desaster war aber nur ein Grund für den Weg nach unten in den 80ern. Hauptgrund war die zunehmende Konkurrenz in allen vier Disziplinen a) Video, b) Fernseher, c) Hi-Fi, d) Low-Fi.
a) Video: Nach Ende des Kapitels Video 2000 war Grundig mit seinen VHS-Recordern nur ein Name von vielen. Und dabei nicht einmal besonders preiswert.
b) Fernseher: Zum einen wuchs der Kostendruck, denn Color war längst ein Massengeschäft, ein Artikel den auch viele andere weltweit beherrschten. Und Sony mit ihren Trinitron-Röhren lieferten nicht nur bessere und hellere Bilder (und ab ca 1980 erstmals auch mit der in Europa gefragten Diagonalen von 65 + Zentimetern!), sondern hatten auch ein hohen Prestigewert, ohne teurer zu sein. Besonders die jüngere Generation stellte sich einen Sony-FFS ins Wohnzimmer.
Dazu wuchs in Nürnberg und Wien der Kostendruck, die Geräte wurden besonders ab den späten 80ern technisch und haptisch immer billiger.
c) Hifi: Hier hatten die Japaner schon in den 70ern die Nase vorn: Sie bauten äußerlich massive chromglänzende Komponenten statt schwülstige Plastikschüsseln. Nicht nur das honorierte die junge Generation (Hifi-Käufer in der Masse unter 40), dazu, ganz wichtig, galt Grundig als Hifi-Marke bei den jüngeren als spießig und gestrig, allein aus der Tatsache, dass Omas Röhrenradio und Vatis Stereoanlage die gleiche Marke trugen. Das wollte man selber genausowenig haben wie einen Ford Taunus wie Vati. Unter dem in den 80ern gestiegenen Kostendruck ging noch dazu die Haptik in den Keller: nach 1983 wurden technisch solide Komponenten plastikartig verpackt. Erst mit den Fine Arts-Geräten gelang ein kleines Comeback im Hifi-Sektor, dass riss aber wohl nichts mehr raus.
d) Low-Fi: Radiorecorder etc waren aus teurer deutscher(bzw. europäischer) Produktion in den 80ern längst nicht mehr konkurrenzfähig.
Der stetige Sinkflug wurde dann in den Neunzigern immer schlimmer. Unterhaltungselektronik aus Europa war für den Massenmarkt schlicht zu teuer, da konnte ein Massenhersteller auch mit Tricks und Raffinesse nicht mehr mithalten. Und Grundig hatte werde Tricks noch Raffinesse zu bieten. Im Gegenteil, die extrem repararturanfälligen 100 Hertz-Fernseher demonstrierten in diesen Jahren eindrucksvoll, wie sich kostensparendes Quick&Dirty auswirkt.
Wenige kleine Hersteller flüchteten sich erfolgreich in Nischen (Loewe: Design, exklusive Klasse; Metz teuer und exklusiv plus zweites Standbein Fotoblitze, Schneider: Billigheimer, ging nur wenige Jahre gut), Grundig musste scheitern. Auch Philips verdiente immer weniger Geld mit UE, allerdings war die UE bei den Holländern nur ein Geschäftsbereich von vielen - den sie übrigens vor einigen Jahren komplett aufgegeben haben.
Schlussbemerkung, da jeder sich selber am nächsten ist: Auch ich habe beruflich die unselige UE-Branche etwa zur Jahrtausendwende verlassen. Die beste Idee, die ich jemals hatte.
Gruß
Stefan
