Gibt es hier einen Rechtsanwalt?
#10
Hallo Harry,

auf den ersten Blick sieht das, was du beschreibst, natürlich nach mehrfachem "Abkassieren" aus. Ich denke, die Logik ist eine andere: Der Rechteinhaber kommt - auf welchem Wege auch immer - zu einer Größe die definiert, was die Aufführung des Rechts wert ist. Und dann wird ein Schlüssel gefunden, wer von denen, die das Recht benutzen wollen, in welcher Höhe zur Kasse gebeten wird.

Das "wie" ist, nach meinem Empfinden, eher Resultat einer schleichenden Entwicklung, als einer generalstabsmäßgien Planung. Das führt nach vielen Jahren solcher Entwicklung vielleicht zu einem etwas chaotischen Ambiente.

Stell Dir vor, die Auswertung eines Rechtes auf einer Veranstaltung insgesamt fünf Euro bringen. Dann könnte man natürlich sagen, der Veranstalter wird mit fünf Euro zur Kasse gebeten und soll selber sehen, wie er das Geld wieder rein bekommt. Vielleicht ist das auch einmal so gewesen.
Dann ist aber die Idee aufgekommen, das nicht eine Live-Band spielt, sondern Konserven-Musik von Schallplatte auf einer Veranstaltung gespielt wird. Hatte es der Veranstalter früher mit im Zweifel nur der einen Band zu tun, die für den Abend die Hand auf hält, hält er sich nun vielleicht einen Sub-Unternehmer, der ihm das gesamte Paket "Musik frei Haus" anbietet. Dazu benutzt der die gleichen Medien, die auch der private Verbraucher im eigenen Heim einsetzt.
Wenn man jetzt verhindern will, das gegenüber dem Rechteverwalter mehr als eine Partei zahlungspflichtig wird, dann müsste man nicht nur ein Zahlungs-, sondern auch ein Ersattungssystem einführen. Nach dem Motto, der private Anwender, der ja nur die Schallplatte oder die Datei kauft, muß seinen Anteil an der Künstler-Gage über den Kaufpreis erbringen, während der DJ diesen Anteil, den auch er beim Kauf der Platte zahlt, bei der Bezahlung der Aufführungsrechte zurück bekommt?

Nach meiner Ansicht ist das derzeitige System gegenüber den Verwertern intransparent und gegenüber den Künstlern undemokratisch. Es repräsentiert einen schlechten Stil im Umgang mit Menschen.
Trotzdem brauchen wir ein System, das dafür sorgt, das die Kreativen angemessen entlohnt werden, ohne das sie bei einer öffentlich-rechtlichen Anstalt angestellt oder ihnen auf andere Weise ein "Lohn" zugeteilt werden müsste. Die Idee ist, das ein Künstler für seine Arbeit entlohnt wird, wenn das Produkt seiner Arbeit zur Aufführung kommt. Und das derzeitige Gebührensystem versucht das abzubilden, und dabei alle denkbaren Formen der Aufführung mit einzubeziehen. Und das macht es kompliziert.
Dabei ist es Resultat neuer Medien, genauso aber der Wünsche von Verbrauchern, die die Top10 eben auch als Klingelton haben wollen.

Und eines dürfen wir nicht vergessen: In früheren Zeiten war die Situation deutlich klarer: Das Aufkommen an Honorar resultierte aus Live-Aufführungen, Aufführungen in den Öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten bzw. im Kino, aus Medien- und Notenverkäufen und aus Nachverwertungen durch andere Künstler, Werbung etc..
Heute ist die Vielfalt der möglichen Verwertung größer, worauf die Rechte-Organisation zu reagieren hat. Vor allem wird heute dramatisch mehr geklaut. Die Folge war ein Einbruch bei den Medien-Verkäufen, der natürlich zur Folge hat, das der Rechte-Inhaber schauen muß, an welcher Ecke er noch Geld abkassieren kann, um die Verluste an anderer Stelle auszugleichen. Denn Musik gespielt und gehört wird kaum weniger als früher. Nur erwarten "wir" weniger dafür zahlen zu brauchen. Selbst Du hast zu Beginn einfach mal vorausgesetzt, die "...Aufführung ... bei Veranstaltungen ..." sei "... kostenfrei." In Anbetracht der Tatsache, daß mit der Aufführung Geld verdient werden soll, eine merkwürdige Haltung!

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch
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Gibt es hier einen Rechtsanwalt? - von harry - 19.03.2013, 20:45
[Kein Betreff] - von Uwe M. - 31.03.2013, 13:51
[Kein Betreff] - von harry - 31.03.2013, 14:40
[Kein Betreff] - von Matthias M - 01.04.2013, 21:06
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