10.11.2004, 19:36
Gefahr im Verzug, der Historiker naht...:
Die Magnetbandkopiererei begann schon vegleichsweise sehr früh und stand unter politisch durchaus eindeutigen Sternen, denn schon 1941 versuchten die AEG und die Telefunken-Platte sich mit der Tonband GmbH (Gründung schließlich am 11. Mai 1942) für das Musik-Produktionsgeschäft einer erhofften Nachkriegszeit in Stellung zu bringen. Nachdem im 'wider Erwarten' andauernden Krieg auch die RRG praktisch den gesamten Propaganda-Apparat in Berlin konzentrierte und die Landesrundfunkanstalten entweder mit Bändern oder über Leitungen versorgte, wuchs der Kopierbedarf so erheblich an, dass dies die Kapazitäten der RRG in Berlin überforderte, weshalb man sich für die Kopierarbeiten dankbar der Hilfe der Tonband GmbH (Geschäftsführer war der Magnetbandpionier Heinz Lübeck) versicherte. Dafür hatte man sich offenbar auch schon wissenschaftlich vorbereitetet, denn der AEG-Magnetbandler Rolf Müller-Ernesti reichte am 31. Oktober 1941 sein Patent 910 602 (erteilt 1954) für das Kontaktkopierverfahren (im Hf-Feld) ein. Im Patenttext fehlt aber interessanterweise der eigentlich wesentliche Hinweis auf den vielleicht größten Vorteil dieses Verfahrens: Die mehrfache Originalgeschwindigkeit. Wusste man also noch nicht davon?
Gleichzeitig berichtet IGFarben, Ludwigshafen von der Entdeckung eines hochkoerzitiven Magnetits, so dass hier ein Zusammenhang mit Ernestis Patentanmeldung bestehen könnte.
Man begann bei der Tonband GmbH mit einer Kopierstraße von 4 Magnetophonen K4 und einer 'K5', die in diesem Zusammenhang das erste und letztlich einzige, glaubwürdige Mal dezidiert genannt wird. Es ist nicht auszuschließen, dass die Nummern K5 und K6 von der AEG für Kopiergeräte freigehalten wurden, was dann aber mit dem immer länger werdenden Krieg selbst bei 'AEGs zuhause' in Vergessenheit geriet.
Geplant war, die Kopieranlage der Tonband GmbH auf 11 Maschinen vergrößern; inwieweit es dazu oder gar zu mehr kam, wissen wir heute nicht.
Nachdem im Juli 1943 die IG-Farben-Magnetbandfertigung buchstäblich und ohne Kriegseinwirkung 'in die Luft ging', dazu Probleme genug bestanden, den mittlerweile erheblichen Bandbedarf anderweitig zu decken, kam man von dem Kontaktkopieprojekt soweit ab, dass es nach dem zweiten Weltkrieg durch amerikanische Ingenieure zu einer Zweiterfindung kam. Außerdem war man hierzulande von der Qualität des Kontaktkopieverfahrens nicht so sonderlich überzeugt (Lufteinschlüsse, Schlupf), weshalb man bis zum Hochgeschwindigkeitskontaktkopieren bei Videocassetten ab etwa 1980 davon ließ.
MCs wurden wegen des für hochwertige Cassetten schlicht erforderlichen hochkoerzitiven Bandmaterials (Chromdioxid) meines Wissens nie im Kontaktkopierverfahren, sondern immer im klassischen Kopierverfahren, jedoch mit 16-, ja 32-facher Geschwindigkeit (Vier-Kanal-Master frei im Loop-Bin-Kasten laufend) gefahren, wobei hier die Crossfieldtechnik (Bereitstellung des Hf- und Nf-Feldes durch zwei separate Köpfe) in der NF-Nutzung gegenüber dem sonstigen Nischendasein ein bedeutendes Betätigungsfeld fand.
Wohl gemerkt bleiben bei diesem Kopierverfahren die Wellenlängen ja gleich, weshalb man neben der sorgfältigen Mechanikauslegung lediglich in der Kopf- und Verstärker-/Oszillatorkonstruktion auf die hohe Bandgeschwindigkeit Rücksicht zu nehmen hat.
Dennoch sind die Ansprüche an Einmessung und betriebliche Wartung bei Schnellkopien so hoch, dass man derlei unter der Prämisse unternehmerischer Wirtschaftlichkeit vielleicht beim redundanten Bild in VHS-'Qualität' tolerieren/hinbekommen mag, bei Audioaufzeichnungen aber war auch ich immer unglücklich über das Ergebnis, dessen Vorlage man ja im Original kannte... Theoretisch konnte die Qualität über derjenigen der LP liegen; in praxi sah das aber etwas anders aus...
Hans-Joachim
Die Magnetbandkopiererei begann schon vegleichsweise sehr früh und stand unter politisch durchaus eindeutigen Sternen, denn schon 1941 versuchten die AEG und die Telefunken-Platte sich mit der Tonband GmbH (Gründung schließlich am 11. Mai 1942) für das Musik-Produktionsgeschäft einer erhofften Nachkriegszeit in Stellung zu bringen. Nachdem im 'wider Erwarten' andauernden Krieg auch die RRG praktisch den gesamten Propaganda-Apparat in Berlin konzentrierte und die Landesrundfunkanstalten entweder mit Bändern oder über Leitungen versorgte, wuchs der Kopierbedarf so erheblich an, dass dies die Kapazitäten der RRG in Berlin überforderte, weshalb man sich für die Kopierarbeiten dankbar der Hilfe der Tonband GmbH (Geschäftsführer war der Magnetbandpionier Heinz Lübeck) versicherte. Dafür hatte man sich offenbar auch schon wissenschaftlich vorbereitetet, denn der AEG-Magnetbandler Rolf Müller-Ernesti reichte am 31. Oktober 1941 sein Patent 910 602 (erteilt 1954) für das Kontaktkopierverfahren (im Hf-Feld) ein. Im Patenttext fehlt aber interessanterweise der eigentlich wesentliche Hinweis auf den vielleicht größten Vorteil dieses Verfahrens: Die mehrfache Originalgeschwindigkeit. Wusste man also noch nicht davon?
Gleichzeitig berichtet IGFarben, Ludwigshafen von der Entdeckung eines hochkoerzitiven Magnetits, so dass hier ein Zusammenhang mit Ernestis Patentanmeldung bestehen könnte.
Man begann bei der Tonband GmbH mit einer Kopierstraße von 4 Magnetophonen K4 und einer 'K5', die in diesem Zusammenhang das erste und letztlich einzige, glaubwürdige Mal dezidiert genannt wird. Es ist nicht auszuschließen, dass die Nummern K5 und K6 von der AEG für Kopiergeräte freigehalten wurden, was dann aber mit dem immer länger werdenden Krieg selbst bei 'AEGs zuhause' in Vergessenheit geriet.
Geplant war, die Kopieranlage der Tonband GmbH auf 11 Maschinen vergrößern; inwieweit es dazu oder gar zu mehr kam, wissen wir heute nicht.
Nachdem im Juli 1943 die IG-Farben-Magnetbandfertigung buchstäblich und ohne Kriegseinwirkung 'in die Luft ging', dazu Probleme genug bestanden, den mittlerweile erheblichen Bandbedarf anderweitig zu decken, kam man von dem Kontaktkopieprojekt soweit ab, dass es nach dem zweiten Weltkrieg durch amerikanische Ingenieure zu einer Zweiterfindung kam. Außerdem war man hierzulande von der Qualität des Kontaktkopieverfahrens nicht so sonderlich überzeugt (Lufteinschlüsse, Schlupf), weshalb man bis zum Hochgeschwindigkeitskontaktkopieren bei Videocassetten ab etwa 1980 davon ließ.
MCs wurden wegen des für hochwertige Cassetten schlicht erforderlichen hochkoerzitiven Bandmaterials (Chromdioxid) meines Wissens nie im Kontaktkopierverfahren, sondern immer im klassischen Kopierverfahren, jedoch mit 16-, ja 32-facher Geschwindigkeit (Vier-Kanal-Master frei im Loop-Bin-Kasten laufend) gefahren, wobei hier die Crossfieldtechnik (Bereitstellung des Hf- und Nf-Feldes durch zwei separate Köpfe) in der NF-Nutzung gegenüber dem sonstigen Nischendasein ein bedeutendes Betätigungsfeld fand.
Wohl gemerkt bleiben bei diesem Kopierverfahren die Wellenlängen ja gleich, weshalb man neben der sorgfältigen Mechanikauslegung lediglich in der Kopf- und Verstärker-/Oszillatorkonstruktion auf die hohe Bandgeschwindigkeit Rücksicht zu nehmen hat.
Dennoch sind die Ansprüche an Einmessung und betriebliche Wartung bei Schnellkopien so hoch, dass man derlei unter der Prämisse unternehmerischer Wirtschaftlichkeit vielleicht beim redundanten Bild in VHS-'Qualität' tolerieren/hinbekommen mag, bei Audioaufzeichnungen aber war auch ich immer unglücklich über das Ergebnis, dessen Vorlage man ja im Original kannte... Theoretisch konnte die Qualität über derjenigen der LP liegen; in praxi sah das aber etwas anders aus...
Hans-Joachim
