Gussfraß, wie entseht er ?
#1
Hallo in die Runde,

beim Lesen des Threads:

http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic...adid=10505?


kam mir die Frage auf, wie Gussfraß genu entsteht. Sicher ist Guss "zusammengebacken" aber was zerstört die Verbindung ? Wie kann man das verhindern?

VG
Michael
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#2
Hallo Michael,

Zinkpest ist ein Vorgang, der zwischen den Molekülen der verschiedenen Legierungsbestandteile stattfindet.
Ähnlich der interkristallinen Korrosion, mit der viele hochlegierte Alusorten aus der Luftfahrt zu tun haben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Interkristalline_Korrosion

Man kann den Effekt bei der Auswahl der Bestandteile einer Legierung und vor allem deren Mischungsverhältnis stark beeinflussen.
Das Wissen darum ist allerdings erst in der späteren Nachkriegszeit durch Langzeiterfahrungen entstanden und heute, durch die qualitativ extrem schlechten Chinaproduktionen, wo sich kein Mensch an solchen akademischen Feinheiten aufhält, wieder präsent.
Neuen Teile aus Asien sind billig und glänzen. Das zählt.
Ist bei Märklin derzeit ein Riesenthema.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Ma...71,2500102

Ein Jammer, was da an Generationenwissen deutscher Ingenieure derzeit unaufhaltsam den Bach runtergeht.



Ist ein Teil, wie die der Grundigs hier, aus einer kritischen Produktionscharge, gibt es nichts, was den Verfall aufhalten kann.
Am besten frühzeitig, solange die Maße noch einwandfrei abzunehmen sind, vermessen, archivieren und neu anfertigen (lassen).

Mein erstes Grundig habe ich vor 25 Jahren entsorgt, weil der Tonkopf plötzlich am Kabel baumelte.
Bert
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#3
Meiner Erfahrung nach entwickelt sich die Zinkpest über Jahrzehnte.
Zu dem Märklinartikel wäre es gut zu wissen, wie alt die Maschine war.
Hatte früher auch Zinkdruckgussautos von Märklin.
Ein blauer Araltankwagen hatte sich dann irgendwann in den 70ern aufgelöst.
Ebenso geht es mit Plastikteilen aus den 50ern.
Habe noch einen Magirus Rundhauber als Kipper, da ist schon ein Rad zerbröselt.
Sehr warscheinlich durch die Temperaturschwankungen von Sommer zu Winter.
Da es immer auf dem Speicher lag , ist UV- Schädigung auszuschliessen.

Gruss Hardy
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#4
Moin, moin.

Die Zinkpest ist bei Spielzeug schon ein länger bekanntes, weil viel größeres Problem.

Viel weiß man darüber nicht, zumal ein und das gleiche Modell schon völlig zerbröselt und das andere noch jungfräulich sein kann.

Gesichert scheinen erst 2 Dinge. Betroffen sind Zinklegierungen mit ca. 7 % Bleianteil.
Die Pest kann durch schnelle, bzw. große Temperaturwechsel ausgelöst werden.
Die müssen im Bereich Richtung Null bis Zimmertemp liegen. Im Sommer scheint es nicht ausgelöst zu werden.
Daneben gibt es auch andere Auslöser, die man aber noch nicht eingrenzen konnte.

Es ist schon häufig vorgekommen, daß Sammler auf einer Börse für viel Geld ein Top erhaltenes Modell gekauft haben. Dann wurde z.B. auf einem Landgasthof übernachtet und die Einkäufe draußen im Auto gelassen. Am nächsten Tag war das Modell rissig geworden. Das haben Leute mal alles recherchiert und das deutliche gemeinsame Merkmal waren diese Temperaturschwankungen.

Es gibt gewisse Dinge, die ich deshalb nicht im Winter bei ebay kaufe, da beim Transport genau das passieren kann.

Zur Reparatur wird als einziges die Möglichkeit genannt, die betroffenden Teile mit Kunstharz zu behandeln.
Das macht bei dem Fahrgestell einer alten Modellbahnlok noch Sinn, ist aber bei einem mechanisch belasteten Teil in einem Bandgerät aussichtslos.
Hier hilft nur Nachfertigung wirklich. Dafür verstößt es aber nicht gegen die Regeln der Originalität.

Auf lange Sicht gesehen, macht es auch einen Unterschied, was Hardy sagt. Auf dem Dachboden den jährlichen langsamen Schwankungen ausgesetzt, oder im gleichtemperierten Wohnbereich gelagert, entscheidet bei dem Alter der Dinge heute oft über tot oder noch gut.

Dagegen hilft nur Aufpassen. Gottseidank hat man nur selten damit zu tun, es sei denn man sammelt gewisses Spielzeug, oder hat ein Mopped mit Pallas-Vergaser.

Viele Grüße, Arnulf.
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#5
Hallo in die Runde,

na, das sind ja herrliche Aussichten. Eben noch ist alles in Ordnung und einen Moment später Risse und Brösel. Hat jemand schon mal Versuche gemacht das Gussteil in etwas zu tränken um die Verbindungen oder kleine Risse zu stabilisieren. Mir kam gerade die Idee mit Sekundenkleber o.ä. Welche Maßnahmen kann man ergreifen um seine Teile zu konservieren ?

VG
Michael
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#6
Hallo Michael,

ja, das habe ich mal versucht. Genau diesen Reibradträger der Grundig TK41/42 Serie musste ich auch "retten". Irgendwo im anderen Tonbandforum sollte da ein kurzer Bericht zu finden sein.
Mein Teil sah noch etwas besser aus und hatte nur eine Bruchstelle.
Mit 2K Epoxy in Etappen "getränkt" und dann mit Glasfasergewebe und Harz umwickelt. Sieht übel aus aber hält bis heute zusammen.
Allerdings sind die Belastungen klein zu halten, besonders die Gewinde sind damit kaum zu retten.
Der Vorschlag von einem noch guten Teil die Maße abzunehmen und dann eine Zeichnung anfertigen ist gut um ernsthaft weiterverfolgt zu werden. Sofern die Konturen einfach gehalten sind kann das jeder Azubi mit Metallerausbildung nachfertigen. Es müssen nur die Funktionsmße stimmen und Aluminium reicht allemal für die Belastungen aus.

Grüße,
Wolfram
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#7
Moin.

@ Michael.
Hat schonmal jemand Versuche gemacht........

Wie gesagt, bei Spielzeug vergießen die Profis das mit Kunstharz. Soll sich gut mit dem bröseligen Rest verbinden und langzeitstabil funktionieren.

Ich hatte mal ein tolles Buch, in dem ein ganzes Kapitel dem Gußfraß gewidmet war. Leider habe ich es schon länger verkauft, sonst würde ich das hier gerne zitieren. War eines der besseren Bücher für Spielzeug-Sammler, so um die 50,-€.
War viel über Restauration enthalten, auch wie man mit den Spirituslacken von damals umgeht. Vielleicht hat´s hier ja jemand. Außer dem alten HiFi verbinden uns ja auch viele Zweithobbys.

Schönen Sonntag, Arnulf.
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#8
@Tonbandpaule,

man kann die Bohrungen auch mit Epoxy ausgiessen und dann anschliessend bohren.
Zuletzt das Gewindeschneiden nicht vergessen.
Oder gleich die Schrauben mit Epoxy einsetzen.

Gruss Hardy
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