Ein paar Fragen zu den Ost-Bandmaschinen
#1
Hallo Zusammen

Ich bin neu hier und möchte mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Simon Kummer, bin 28, Wohne in der Schweiz und sammle professionelle Bandmaschinen und andere analoge Studiotechnik.

Nun zu meiner Frage; ich habe zwar schon einiges hier im Forum durchgelesen, habe aber immer noch keine Übersicht, was im Osten alles für Profimaschinen im Einsatz standen. Was gab es dort für Hersteller, und welche Modelle waren dort im Umlauf?
Ich besitze selber eine Mechlabor STM-200b, eine Mechlabor STM-610, und eine VEB T2221, letztere steht allerdings noch nicht bei mir.
Über Mechlabor habe ich bis jetzt herausgefunden, dass sie in Ungarn hergestellt wurden, die STM-200 eine Mono Vollspurmaschine, die STM-200b später STM-210, die Stereoausführung war. Die STM-600 (Mono) und STM-610 (Stereo) war die Nachfolgemaschine der STM-200-Reihe mit weitgehend identischer Mechanik, jedoch grundlegend anderer Elektronik. Im Netz habe ich spärliche Infos über die STM-300/310, STM-700 und STM-800 gefunden. Die STM-300-Reihe ist meiner Ansicht nach eine portable Maschine, die wohl zeitgleich zur STM-200-Reihe hergestellt wurde, aber einen grundlegend anderen Aufbau hat. Über die STM-700 weiss ich nur, dass es eine Mehrspurmaschine war, und über die STM-800 weiss ich gar nichts, ausser dass sie prozessorgesteuert war.
Über die VEB-Maschinen weiss ich auch nicht allzu viel, ausser dass sie wohl anfänglich von Sander&Janzen hergestellt wurden, und unter den Namen RFZ und Thurow auftauchen.
So, nun noch mal zu meiner Frage. Gab es ausser VEB und Mechlabor noch andere Hersteller? was für Modelle gab es ? Hat jemand von Euch Fotos von solchen Maschinen? Was für Studioplattenspieler gab es im Osten? Von wo kamen die Mischpulte und die andere Studiotechnik?
Ich bin froh über jede noch so kleine Info über dieses Thema und bedanke mich schon im Voraus für Eure Bemühungen. Und nun zu etwas, das in keinem Forum gerne gesehen wird, mich aber derart in den Fingern juckt, dass ich es trotzdem schreiben muss... Falls jemand von Euch weiss, wo noch solche Maschinen zum Verkauf stehen, bin ich über jeden Tipp dankbar.

Die besten Tonbandgrüsse aus der Schweiz

Simon
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#2
Zitat:Über die VEB-Maschinen weiss ich auch nicht allzu viel, ausser dass sie wohl anfänglich von Sander&Janzen hergestellt wurden, und unter den Namen RFZ und Thurow auftauchen.
Hallo Simon und zuerst mal herzlich willkommen!

Die Motorenfabrik Sander & Janzen, Berlin, entwickelte sich bis in die Mittfünfziger zum Hauptlieferanten von professionellen Magnetbandgeräten für Studio- und Rindfunkzwecke.
Nach dem die Inhaber die DDR Richtung Westberlin verlassen hatten, nahm Edgar Thurow die Geschicke des Unternehmens in seine Hände. Es kam dann zur Umfirmierung in die THUROW KG. Dort wurden weiterhin die Motore und Maschinen der bewährten SJ-Baureihen produziert. Ebenfalls diente auch die Thurow KG als Produktionsstätte der im RFZ entwickelten Gerätschaften. Das RFZ war und ist keine Firma sondern, wie der Name "Rundfunk- und Fernsehtechnisches Zentralamt" schon sagt, eine staatliche Einrichtung mit Entwicklungsauftrag und entsprechend personell-technischer Struktur und Ausrüstung gewesen.

Aus der Zwangsehe von Thurow KG und der ehem. VEB Tonmöbel Berlin resultierte die neue Firma VEB Tonmechanik Berlin.
Das ziehe ich jetzt nurmal so aus meinem etwas löchrigen Gedächtnis weil ich deswegen nicht extra in den Grundlagen wühlen will.

Eine der Spitzenmaschinen ist die SJ 103 welche unter Thurow dann T 103 betitelt wurde. Dieser Apparat ist wohl das unversellste, was es an Studiobandmaschinen dieser Ära überhaupt gibt. Es kann mit den Vorschüben 9,53 und 19,05 neben den obligatorischen 38,1 cm/s gearbeitet werden; ein verdeckter Schalter gestattet eine Verriegelung der 38,1 und natürlich ist die Kiste fernsteuerbar. Ach ja, nochwas was mir von keiner anderen TFK etc. bekannt ist: Senkel kann sowohl mit deutscher als auch internationaler Spurlage gefahren werden. Ein Umbau oder Kopfträgerwechsel ist nicht nötig. Die Umschaltung erfolgt vollautomatisch. Diese Kiste, also nur das Laufwerk mit dem Relaiseinschub bringen stolze 80 kg auf die Wage - lecker für die Bandscheiben :mrgreen:

Nachtrag:
SAJA war nur ein Hersteller professioneller Bandmaschinen in der DDR. Es gibt da noch mindestens ein halbes Dutzend weiterer Produzenten, deren Bedeutung aber nie an der Größe und Leistungsfähigkeit von SAJA >> Tonmechanik kratzen konnten. Zu erwähnen wären da zuallererst Gebr.Israel, Gülle und Piniek sowie die Fa. Brause, welche ihre komplette Studiotechnik allerdings vorwiegend exportierte.
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#3
Zitat:Hauptlieferanten von professionellen Magnetbandgeräten für Studio- und Rindfunkzwecke.
Manche Schreibfehler sind einfach genial. :albern:
Sorry Micha :-), musste gerade sein.
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#4
Och, ich find es lustig :-)

Sowas ist eben die Rache dafür, daß Sturköppe wie ich es bin grundsätzlich die nervenden Rechschreibprüfungen deaktivieren.

Noch lustiger sind Wortverdrehungen in der Art wie "Rundschrankfummeln" - habe ich irgendwo auf Band, ich glaube B.B. hatte das verbrochen.

So, jetzt könnt ihr mal grübeln, ob es die Bardot oder Brecht waren; oder noch jemand ganz anderes...

Ich mache mal bissel Werbung in eigener Sache und werfe Simon was "zum fressen" hin:
[Bild: R35__SJ110-01.jpg]

Mehr von der SJ 110 und anderen Studio- und Reportermaschinen des DDR-Rundfunk findet sich in Hajos Sammlung in unserer
[Bild: Kopf_home3.gif]

Hajo ist derzeit im Urlaub, wenn es Fragen gibt, bitte ich um etwas Geduld.
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#5
´
Ich finde es auch lustig. Bei uns Wessies hieß das Landfunk Smile.
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#6
Ach das hatten wir auch, nannte sich Buschfunk :mrgreen:
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#7
Danke viel mal für Eure Beiträge.

Was die Cuttermaschine anbelangt; habenmuss... ,aber falls ich sowas überhaupt noch finden sollte, wie bringe ich das meiner Lebenspartnerin bei?? Ich bin schon froh, dass sie mir eine Studer C37 und einen EMT R80s im Wohnzimmer bewilligte...

Das mit der Umschaltung von internationaler zu deutscher Schichtlage kenne ich bis jetzt von der Mechlabor STM-200b; dort ist rechts unter dem Laufwerk ein Kippschalter, mit dem der Drehsinn des linken Wickelmotors geändert werden kann. Diese Möglichkeit gibt es übrigens auch bei der Nagra T-Audio und bei der Studer A816 (über die Programmierebene). Vom Laufwerk her wäre diese Option auch bei der Studer A820 möglich, ich bin aber dort nicht sicher, ob es auch wirklich programmiert werden kann. Desweitern prüfe ich zur Zeit, bei meinen Studer C37 diese Option nach zu rüsten, vom Laufwerk her ist es dort auch problemlos machbar.

Viele Grüsse aus der Schweiz

Simon
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#8
Ja Simon, das mit der Umschaltung ist schon richtig. Nur bei der SJ103 muß da nicht extra ein Schalter betätigt werden weil automatisch beim Bandeinlegen die Wickelmotore umschalten. Das ist simpel - man muß nur draufkommen. Letztendes ist es auch nur ein Kippschalter, nur daß er unzugänglich ist weil er nicht extra betätigt werden muß.
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