Biassorgen mit der Sony TC-366
#1
Gestern abend habe ich etwas an den Einstellerchen meiner TC-366 herumgedreht. Bitte nicht schlagen, denn der Meßaufbau war eher einfallsreich denn lege artis. Die Köpfe der Maschine sind gut benutzt (gut und gerne 3 mm Spiegel).

Da es um Abweichen und nicht um definierte Spannungen ging, habe ich die 366 an die X-2000R angestöpselt und die Austeuerungsanzeige der Teac zum "schätzen" benutzt.

Das SM der Sony schreibt vor, einen 1 kHz-Signal mit -10 dB einzuspeisen. Die Aufnahmepegelsteller sollen dabei an den rechten Anschlag gedreht sein. Dann soll der Stellkondensator für den Bias im Uhrzeigesinn gedreht werden, bis der maximale Ausgangspegel erreicht wird. Anschließend wir so lange weitergedreht, bis der Pegel um 0,5 dB gesunken ist. Das ließ sich anhand der Teac-Anzeige recht gut erkennen.

Die Maschine war anschließend alles andere als Übersteuerungsfest. Vor allem auf 9,5 cm/s war das Ergebnis indiskutabel. Daraufhin habe ich den Bias-Steller wieder so weit gegen den Uhrzeigersinn gedreht, bis der Pegel 0,5 dB unter dem Maximum auf der anderen Seite lag. (Soweit verständlich).

Das Ergebnis war um einiges besser.

Das Band, auf das ich eingestellt habe, ist ein nagelneues Zonal 840 gewesen. Das beste Ergebnis habe ich erhalten, wenn ich den Bandsortenschalter auf "Spezial" habe. Eine grobe Kontrolle hat ergeben, dass der Frequenzgang innerhalb der Spezifikationen des SM liegt.

Zum einmessen wird doch normalerweise der Biasstrom erhöht, bis das Maximum um einen definierten Betrag überschritten wird, oder? Und je höher der Bias, desto geringer die Verzerrungen. Misst Sony andersherum ein? Denn ich hatte ja mehr Verzerrungen beim Vorgehen nach SM.

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#2
Hallo Niels,

kann es sein dass der Bias Regler von der Bestückungsseite der Platine ebenso erreichbar ist, wie von der Lötseite der Platine?

Die Anweisungen im SM beziehen sich auf welche Seite
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#3
Hallo Niels,

kann es sein dass der Bias Regler von der Bestückungsseite der Platine ebenso erreichbar ist, wie von der Lötseite der Platine?

Die Anweisungen im SM beziehen sich auf welche Seite?

Da wird aus Uhrzeigersinn schon mal die falsche Richtung.

Band ab - Band läuft,

Rainer
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#4
Die Regler sind nur von der Lötseite aus erreichbar, dort wo Sony das Loch hat bohren lassen.

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#5
Niels,

woher weißt Du, dass die Bias-Spg. beim Drehen im Uhrzeigersinn steigt? Misst Du die Bias-Spg.?
Und wo und wie misst Du die -10 dB?

Ist eigentlich ein bisschen ungewöhnlich, nur Bias-Justage zum Einpegeln zu verwenden, weil diese nämlich eher die höheren Frequenzen beeinflusst.

Kannst Du den genauen Wortlaut der Justage-Anweisung wiedergeben?

Dieter
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#6
Ich weiß nicht, dass die Bias-Spannung steigt. Es ist nur eine Vermutung, die ich daraus ableite, dass in meinem Alltag für gewöhnlich "im Uhrzeigesinn" eben "mehr" bedeutet. Zudem meine ich gelesen zu haben, ich mag mich da irren, dass man sich "normalerweise" von einem niedrigen Wert dem Maximum nährt.

Die Bias-Justage wird nicht zum Einpegeln genommen.

Die Anleitung im Wortlaut:

Record Bias Adjustment

[...] [Steller für Eingangslautstärke: Mic in soll auf "Min" Aux auf "Max" eingestellt sein.]

(1) Be sure that the trap coil adjustment has been made.
(2) Thread a blank tape.
(3) Deliver a 1 kHz signal of -10 dB (0.245 V) into the AUX INput jack.
(4) While recording the signal on the blank tape, turn the trimmer capacitor until the VTVM reads the maximum value.
(5) Continue to turn the trimmer capacitor until the VTVM reads a value 0.5 dB below the maximum reading.

[... Spannungsmessung am Aufnahmekopf, dazu habe ich kein Messgerät]

Record Level Adjustment

(1) Thread a blank tape.
(2) Deliver a 1 kHz signal of -10 dB (0.24 V [sic!]) into the AUX INput jack and record the signal on the blank tape.
(3) Adjust R 129 (R 220) to obtain 0 dB on the VTVM.
(4) Be sure that the VTVM reading is 0 dB (0.775 V) when changing the MONITOR switch to SOURCE and the pointer of the level meter just stays at the boundary between the red portion and the black portion when changing the MONITOR switch to TAPE.
(5) When changing the TAPE SELECT switch to SLH with the MONITOR switch set in SOURCE, be sure that the reading on the VTVM decreases approximately 1.5 dB.

Record Equalizer Adjustment

[Kann ich nicht durchführen, da mir unmagnetische Schraubenzieher und selbst behelfsmäßige Messmittel fehlen und zudem die Spulen mit Fixierlack versehen sind.]

Ergänzend: Den Pegelabgleich habe ich auch anhand der Aussteuerungsanzeige der Teac durchgeführt. SOURCE = 0 dB, TAPE = 0 dB. Die Anzeige der Sony-Instrumente habe ich dabei ignoriert.

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#7
Niels,

also wenn ich Dich richtig verstehe, benutzt Du eine andere Maschine zur Pegelmessung. Bist Du Dir sicher, dass diese genau Pegel misst (könnte ja auch irgendein relativer Wert sein)? Da würde ich mir persönlich sehr unsicher sein und auf jeden Fall einen Pegelmesser verwenden. Und woher kommt das Testsignal?

Du schreibst, die Spannungsmessung am Aufnahmekopf kannst Du nicht messen, und wie sollte lt. Sony die Messung genau aussehen? Das ist doch eine Überlagerung aus Bias und NF. Aber zur Messung am Aufnahmekopf müsste ja das Band nicht unbedingt laufen, daraus schließe ich, dass doch irgendwo der Wiedergabepegel gemessen werden soll.

Übrigens: Die C-Trimmer sind meist rundherum drehbar ohne Anschlag, und in welcher Drehrichtung die Bias steigt kommt darauf an, ob man das Kapazitätsmaximum schon hinter sich hat oder nicht.

Dieter
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#8
Hallo Niels,

Du solltest Dir tatsächlich ein geeignetes Messgerät für die Messung anschaffen. Üblicher Weise skaliert Dir ein solches gerade bei einem Pegel von -10dB in einem Anzeigebereich, den Du mit der Teac einfach nicht abbilden kannst. Bei 0,5 dB ist Deine Teac bestimmt kein geeignetes Messgerät......

Zitat:bis der Pegel um 0,5 dB gesunken ist. Das ließ sich anhand der Teac-Anzeige recht gut erkennen.
Ein weiteres Problem, auf das ich immer gestoßen bin: Keine meiner VU-Anzeigen ist frequenzstabil in der Anzeige. Ein Beispiel: Zeigt die Akai GX260 bei 1kHz 0 dB VU an, bei 10kHz ca. -3db/VU und bei 20 kHz irgendwas um -20 dB/VU.

Eine andere Idee, wenn auch ungenau: mach eine Probereihe bei verschiedenen Biaseinstellungen (1kHz) und schau Dir den Pegel bei10kHz auf deiner Teac an. Kombiniere das ganze mit Deinem Höreindruck und nimm die für Dich beste Einstellung. Ist zwar nicht messtechnisch genau, trifft aber meist den eigenen Hörgeschmack.

Gruß, Thomas!

Noch eine Frage: Woher weisst Du, welche Eingangsspannung (-10dB kann ja tatsächlich alles sein) Du verwendest? daher könnte auch dieses Problem stammen:
Zitat:Die Maschine war anschließend alles andere als Übersteuerungsfest.
Das geht eigentlich nur, wenn Du vorher Deinen Wiedergabezweig der Maschine mit einem Bezugsband eingestellt hast, bzw ein Messgerät besitzt!
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#9
Leute... es heißt doch "Einmessen" und nicht "Einschätzen" oder "Verkurbeln".

Was man zum Einmessen braucht, ist Meßtechnik. Man braucht zumindest Meßband, einen Tongenerator und ein hochohmiges Wechselspannungsvoltmeter (möglichst ein analoges Exemplar, keine Digital-ich-kann-alles-Kirmesbude). Ein C&G MV20 wäre z.B. ein gängiges AC-Voltmeter.

So, was mißt man nun? Den Vormagnetisierungsstrom normalerweise überhaupt nicht, sondern die NF, die sich auf der Wiedergabeseite ergibt. Dazu müssen aber erst mal die HF-Sperrkreise (neudeutsch PISA-Trap) ordentlich eingestellt sein.

MfG

DB
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#10
Ich kann aber nur einkurbeln, da ich so wenig Ahnung habe, dass sich für mich die Investition in Meßausrüstung nicht lohnt. Ich habe leider auch keine Zeit, mir die Kenntnisse in naher Zukunft anzueignen.

Meine ersten Kurbelversuche habe ich an diesem Gerät gemacht, bevor ich in diesem Forum aktiv wurde, daher sind alle Hinweise Marke "Es heißt einmessen!" an mir vorbeigegangen. Durch die oben erwähnte Kurbelei ist für meine Ohren das Ergebnis immerhin besser geworden.

Das Sony SM sagt: Nach dem Einstellen die Spannung am Aufnahmekopf messen, sie soll um 14 V betragen.

Zum "Versuchsaufbau":

Die Testsignale kommen von CD. Um den Eingangspegel für das Sonygerät abzuschwächen, wird das Signal durch digital (!) durch einen MD durchgeschleift. Der MD-Recorder lässt eine digitale Pegeländerung zu.
Das Signal läuft durch die Sony, die Eingangspegelsteller sind auf Maximum.
Am Lineout der Sony ist die Teac angeschlossen. Die Teac steht auf Vorband. Der Pegel ist so eingestellt, dass das Vorbandsignal der Sony eine Anzeige von 0 dB ergibt.
Da die CD nicht über alle Zweifel erhaben ist, die Anzeige auch nicht (abgesehen vom Rest) habe ich bei jeder Frequenz die Teac mit der Sony auf Vorband wieder auf 0 dB eingestellt, so dass ich die Hinterbandabweichung in Bezug auf eben diese Anzeige hatte.

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#11
Das Leiden im vorliegenden Falle beruht wohl wenigstens teilweise auf der wenig sensiblen Vormagnetisierungseinstellung nach Empfehlung "So? Nie!", die sich ja nur auf die Arbeitsfrequenz 1-kHz bezieht. Natürlich geht das (so irgendwie), aber eben nicht sonderlich genau. Je neuzeitlicher das Band, um so flacher fällt die Empfindlichkeitsänderungskurve von 1 kHz über der Veränderung des VM-Stromes aus.

Niels sollte daher wohl 'mal mit dem Oszilloskop nachsehen, in welcher Richtung der Trimmkondensatorverstellung der Hf-Pegel am Aufnahmekopf ansteigt und in welcher Richtung er fällt. Wir wissen dann immerhin, in welcher Richtung die japanischen Uhren drehen. Das ist dem Vernehmen nach ja schon in Bayern manchmal schwerig, zumindest in den einschlägigen Devotionalienläden mit Urhrenabteilung in der Nähe des --- Hofbräuhauses. Und die Tokioter unterhalten ja auch "German Beer and Music Restaurants" ("Der Mond, der hat sein Beff gemacht..."), da muss der Weg zu den bayerischen Uhren nicht weit sein.

Außerdem messen wir dann auch vielleicht nicht nach "So? Nie!", sondern ordentlich mit 10 kHz ein, womit man weiß, was Sache ist.

Übrigens: Soviel Angst, mit in der Empfindlichkeit justablen VU-Metern (9,5? Lieber bei -20 dB!) einzumessen, hätte ich gar nicht. Folgt man nämlich der Norm ASA C16.5-1961 darf zwischen 35 und 10 kHz die Anzeigeabweichung vom 1-kHz-Wert 0,2 dB nicht übersteigen. Das ist für unsere Zwecke völlig ausreichend. Bis 16 kHz müssen auch noch 0,5 dB eingehalten werden. Selbst das käme noch ausreichend hin.
Werden die oben genannten Geräte dem nicht gerecht, dürften sie eigentlich nicht als VU-Meter durchgehen...
Natürlich bleibt so etwas ein Notbehelf, dennoch sollten wir auch Notbehelfe nicht unter Wert verkaufen.

Zum Oszilloskop oben bliebe zu sagen, dass man bitte nachsehen möge, an welchem Kopfanschluss das höhere und welchem das niedrigere Hf-Potenzial aufliegt, damit man nicht irgend-watt an Volt misst und den Hf-Oszillator ggflls. durcheinanderbringt. Meist ist ja das niedrigere Potenzial über einen Widerstand an Masse geführt, weshalb man das Oszilloskop für die obige Prüfung mit seiner Masse an die Gerätemasse legt und mit dem Tastkopf am den Ort des höheren Hf-Potenzials abnimmt. Quantitativ muss ja nichts genaueres erfasst weden, wir wollen ja lediglich wissen, 'nach wohin' zu drehen ist, um den Hf-Strom zu steigern.

Hans-Joachim
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