Mikrofonierung - wie wird's gemacht?
#1
Hallo!

Vorweg: Mir ist klar, dass es sich hier um ein komplexes Thema handelt, dass nicht in ein paar Sätzen abzuhandeln ist.

Ich kümmere mich einmal im Jahr ehrenamtlich um die Technik eines Weihnachtsmarktes, d.h. Stromversorgung und Beschallung, sowohl im Freien als auch in einem Saal.

Mein Problem ist nun folgendes: In diesem Saal werden während der Veranstaltung u.a. Vorträge gehalten. Der Saal hat ca. 150qm, Deckenhöhe zwischen 3 und 5 Meter. Die Wände bestehen aus Holz und Ziegel. Der/die Sprecher brauchen Mikrofone um sich verständlich zu machen. Ich habe dort, je nach Bedarf, ein bis vier Mikros im Einsatz, leider aber nur zwei Galgen. Die technische Ausstattung ist relativ dürftig.

Das folgende Szenarium habe ich jedes Jahr und das bereitet mir die gößten Probleme.

Vier Sprecher an einem langen Holztisch. Dabei ist ein Problem der Mangel an Stativen, für mehr ist aber kein Geld da. Dazu kommt die ungünstige Platzierung der Sprecher und der Lautsprecher im Raum.

Dazu habe ich hier mal eine Skizze gemacht:

[Bild: sit_1.jpg]

Ich hoffe es wird ersichtlich was ich meine. Die Vier Sprecher müssen sich zwei Mikros teilen. Denen jeweils eines in die Hand zu drücken ist gründlich in die Hose gegangen. Entweder sie beissen rein, oder sie halten es einen halben Meter vor der Brust. Die Sprecher sind meistens Schüler oder Lehrer.
Um die Sprecher nun aber verständlich über die PA zu bringen - mit nur zwei Mikros - , müsste ich soweit aufdrehen, dass Rückkopplungen fast unvermeidlich sind, wegen der Aufstellung der LS. Diese hängen fest in ca. 2m höhe an der Wand. Daran kann ich nichts ändern.
Ich verfüge über einen Mischverstärker, der je Mikrofonkanal eine Klangregelung bietet (Höhen-Mitten-Bass). Mehr nicht.

Hat nun irgendwer einen Tipp wie ich mir behelfen könnte? Viel Geld kann ich aber dafür nicht ausgeben, da - wie gesagt - das ganze ehrenamtlich ist und ich keine Lust habe einen Haufen meines privaten Geldes dafür locker zu machen.

Letztes Jahr war das ganze eine richtige Katastrophe, dauernd Rückkopplungen und schlechte Verständlichkeit. Falls ich keine Lösung für das Problem finde werde ich diese Jahr die Technik im Saal nicht mehr übernehmen. Dann stünden die Veranstalter aber ziemlich blöd da. Es ist weit und breit niemand in Sicht der das übernehmen könnte, geschweige denn mir zur Hand gehen könnte.

Gruß, David
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Revox B77 MK2 2-Spur / Revox A77 MK3 Umbau zu "ORF" Version, HS, 2-Spur
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#2
Lieber David,

unter den gebenen Umständen hängen die Lautsprecher ziemlich unglücklich, denn ihre Systeme wenigstens sollten keinerlei optische Verbindung zur Membranbene der Mikrofone haben, sondern gezielt ins Publikum strahlen, weg von den Mikros. Die Lautsprecher müssen in der Ausblendung der Mikrofone stehen. Je perfekter umso besser, demnach Mikros und Lautsprecher so drehen, dass sie sich keinesfalls die Membranen zuwenden, sondern immer nur die Rückseiten. Nachdem du die Position der Lautsprecher nicht ändern kannst (wie ist das mit einem leichten Verdrehen?) musst du alle Mikros so ausrichten, dass ihre Rückseiten zum nächst gelegenen Lautsprecher weisen. Gegebenenfalls sollte der Tisch weitestmöglich an die Rückwand verschoben werden.

Die Mikrofone müssen daher auf jeden Fall gerichtet arbeiten, wobei auszuprobieren wäre, inwieweit Super- bzw. Hypernieren etwas gegenüber normalen Nieren bringen. Kugeln sind nicht verwendbar. Um den individuellen Murks mit den Mikros zu vermeiden -du beschreibst die Vorgänge ja recht drastisch-, sollte man jeder Person ein eigenes Mikro zuordnen und dessen Position bei sitzender (originaler!) Sprecherperson so justieren, dass minimale Rückkopplungsneigung auftritt.

Überdies gibt es Feedbackunterdrücker als Hard- und Software, die gerade bei Sprache recht gut arbeiten. Künstlerisches Wort kommt hier ja nicht primär rüber (ich meckerte dieser Tage dazu, weshalb ich dies Problem auch jetzt anspreche). Jene Rückkopplungsunterdrücker (selbst Behringer hat sowas) gehören in unserer heutigen Radaugesellschaft zur selbstverständlichen Ausstattung vieler Bands. Sie sind daher so verbreitet, dass 'irgendwo' doch solch ein Einschub oder Rechnerprogrämmle ohne Seelenverschreibung aufzutreiben sein müsste. Gegebenenfalls wäre auf einen Lautsprecher (wie groß sind diese?) zu verzichten, da der Raum mit 150 m²ja nicht sonderlich groß ist.

Wenn das Klangregelnetzwerk des besagten Verstärkers im Mittenbereich die Einstellung von Kreisgüte und Mittenfrequenz gestatten würde, könnte man die Situation noch ein wenig optimieren, indem man relativ steilflankig die kritisch werdenden Raumresonanzen unterdrückt, wenn der Pfeifeinsatz drohen sollte. Nachdem du aber von einer solchen Ausstattung nichts erwähnst, nehme ich einmal ihre Nichtexistenz als sicher an.

Mehr fällt mir Moment nicht ein.

Hans-Joachim
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#3
Hallo David,

im Wesentlichen hat PhonoMax alles dazu gesagt. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir mitteilen, daß man das Problem der Mikrofonbesprechung bei Nichtprofis generell kaum brauchbar hinbekommt.
Die Leute haben Angst, ins Mikro reinzureden oder sie fürchten sich davor, dessen Stellung zu korrigieren. Da sieht man (ich kenne das von Weihnachtsfeiern) Leute auf Zehenspitzen oder fast auf den Knien, statt mal am Stativ zu schrauben.

Ansonsten würde ich Dir noch ans Herz legen, bei der zuständigen Stelle etwas Geld für Mikrofone und Stative / Galgen / Tischstative herauszuklingeln. Es ist schlecht, Leute an halbe Sachen zu gewöhnen "voriges Jahr ging es doch auch" (ging es eben nicht, es war ein faules Provisorium).

MfG

DB
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#4
Hallo David,

eine preiswerte Ersatzlösung wäre noch, statt eines Notch-oder Kerbfilters, einen heute billig zu habenden Graphic Equalizer mit möglichst feiner Frequenzauflösung einzuschleifen.

Bernd
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#5
Erst mal danke für eure Tipps.

Es handelt sich um das Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche, Geld für eine bessere Ausstattung kann ich damit schonmal vergessen.
Die Anlage in diesem Saal wurde beim Bau vor 25 Jahren installiert, war dann aber bis vor drei Jahren praktisch nicht mehr in Betrieb. Es wusste schlicht keiner mehr wie das Ding Funktioniert. 2003 habe ich meinen Zivildienst dort abgeleistet und bei der Gelegenheit die Funktionsweise der Anlage wieder erforscht. Das alles sieht nach ziemlicher Bastelarbeit aus, wenn auch relativ gut gemacht. Der Mischverstärker ist ein Bausatz von RIM, die Lautsprecher sind Eigenbauten. Der, der das damals gemacht hat, hat die Lautsprecher fest an der Wand verschraubt. Da ist nichts drehbar. Es handelt sich um einfache Holzkisten mit jeweils fünf 10 cm Breitbandchassis. Für die Beschallung des Raums reichen diese eigentlich locker und der Klang ist auch annehmbar.

Naja, so wie's aussieht werden die sich dieses Jahr nach einem neuen "Tontechniker" umschauen müssen. Die Katastrophe vom letzten Jahr muss ich nicht nochmal haben. Da kümmere ich mich lieber um die Technik aussen, da hatten wir auch noch nie Probleme.

David
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#6
So wie Du es beschreibst, würde ich die Finger davon lassen. Wenn es nämlich gegen den Baum geht, ist nicht die mangelhafte Technik dran schuld ("die ging doch bisher die ganzen Jahre"). Das Ding würde Dir direkt auf die Füße fallen.

Aber wenn es ein Gemeindezentrum ist, könnte ja vielleicht die Kirche eine Sammlung unter ortsansässigen Bürgern und Handwerkern machen, damit man was Ordentliches an Technik bekommt. Es wird sich doch sicher ein Schmied finden, der paar schwenkbare Wandhalterungen anfertigt.

Wenn die Anlage flexibel sein soll, müßten zwei Stative her, zwei Boxen (z.B. solche Plastekübel, manche davon sind recht gut), ein Mischverstärker (ein alter Powermate z.B.), Mikrostative sind auch nicht so teuer, als Mikros braucht man auch nicht unbedingt Neumänner...
Naja, und Kabel... da könnte man ja die Junge Gemeinde mal zum Kabelabfusseln und Steckeranlöten verdonnern.
So wahnsinnig teuer muß das nicht werden. Wenn das schon nicht möglich ist, soll es eben nicht sein.

MfG

DB
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#7
Hallo

Ich würde davon abraten diese Beschallung mit der ausstattung zu machen, das muss schief gehen. Der einzige Weg einigermaßen mit den Rückkopplungen kar zu kommen wären Hypernieren oder sogar Keulenmikros. Die verbieten sich her aber gerade, weil du nur zwei Angeln benutzen kannst und somit eigentlich eher breite Charakteristiken der Mikros bräuchtest.

Die Einzige kleine Chance sehe ich in zwei mit Akustikschaum beklebten Brettern, die man so als Flügel an die Lautsprecher anbringen kann, dass kein direkter Sichtkontakt zwischen Mikro und Lautsprecher mehr besteht. So könnte man evtl. Rückkopllungen auf hohen Frequenzen unterdrücken in sfern sie direkt von den Lautsprechern kommen. Die Wände gegenüber der Lautsprecher sollten auch gedämmt werden, z.B. durch einen Vorhang um hier refexionen die weiderum zum Koppeln führen zu dämpfen.

Die Anlage mittel EQ einzupfeifen wurde ja schon vorgeschlagen.

Du erwähntest das Lehrer und Schüler teilnehmen, Hier könnte eine Chance liegen, weil Schulen meist einiges an Equipment haben, allein wegen der Schülerband, der Theatergruppe den Sportfesten usw. Eventuell könnte dort etwas geliehen werden. Und wenn es nur Lautsprecher sind, die sich anders aufstellen lassen, so dass die Mikrofone in ihrem Rücken liegen. Stative haben die bestimmt auch.

Viele Grüße
Martin
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