Grundig TK23L Automatic Rücklauf schwergängig
#1
Ich habe meine alte TK23L wieder flottmachen wollen. Leider kämpfe ich mit ein, zwei Problemen zu denen ihr mir bestimmt Tips geben könnt.

1. Der Rücklauf ist sehr schwergängig.
Gerade wenn die linke Spule voll ist.
Ohne Band dreht der linke Wickelteller kräftig durch. Leider auch der rechte, wenn auch um einiges leichter dagegen. Gibt es da irgendein Trick dass ich den rechten Wickelteller abschwäche, während der linke spulen will?

2. Die Plastikarretierung der Capstanwelle ist schon ganz schön abgeschmirgelt und ein leicht metallisches Geräusch wahrnehmbar. Dadurch hat die Welle auch seitlich viel Spiel? Habt ihr so ein Problem schon mal gelöst?

3.) Die ersten paar Minuten im Betrieb gibt die Maschine noch Zusatzgeräusche aus dem Lautsprecher. Ein zu ersetzender Elko?

Vielen Dank im voraus für eure Ratschläge!
Gruß von

Rüdiger
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#2
Hallo Rüdiger,

zu Punkt 1:

Gummibelag des linken Tellers aufrauhen, damit wieder Grip da ist. Der rechte Teller muss gegenläufig drehen, sonst stimmt der Bandzug nicht und es gibt beim stoppen Schlaufen.

Punkt 2:

Da hilft eigentlich nur der Austausch (so man denn Austausch besitzt). Wobei ich keinen Koffer dieser Serie kenne, wo kein Spiel an der Welle ist. Plastiklager ausbauen, von altem Fett befreien, neues drauf. Geräusch müsste weg sein.

Punkt 3:

Das kann durchaus von der ECL 86 kommen. Wenn möglich, probehalber austauschen. Ich hatte bei einem TK 17L kurz nach dem Einschalten ein sehr lautes Pfeifen aus dem Lautsprecher, da war auch die ECL defekt.
Ich denke, das entscheidest du, ob du mit dem Geräusch leben kannst. I.d.R. verschwindet es nach zwei, drei Minuten.

Muss mich leider kurz fassen, da auf der Arbeit. Vielleicht meldet sich Manuel, der ist Kenner dieser Serie und hat evtl weitere Tipps für dich.

Viel Erfolg bei der Instandsetzung des kleinen feinen Köfferchens.

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#3
Hallo Thomas,

vielen Dank für deine Tips.

zu Punkt 1: Die Gummiauflage hatte ich angerauht und dann mit Isoprop gereinigt. Der Durchzug ist auch kräftig, nur halt eben nicht kräftig genug um einen fast vollen Bandwickel zu bewegen. Vielleicht sollte ich gröberes Schleifpapier verwenden?

zu Punkt 2: diese Plastikarretierung der Capstanwelle: Die Welle hat zu jeder Seite ca. 2mm Spiel. Das darf bestimmt nicht so sein. Bei der Wiedergabe wird sie dann von der Andruckrolle etwas nach hintengeschoben. Sie steht dann also dadurch nicht senkrecht!

zu Punkt 3: Die Kratzgeräusche in den ersten Minuten sind für mich eher nebensächlich. Das Gerät ist ca. 45 Jahre alt. Da darf sie ein paar Mucken haben.
Gruß von

Rüdiger
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#4
Hallo Rüdiger,

2mm Spiel sind natürlich zu viel. Dadurch dürfte auch das Band erkennbar unsauber durch Capstan und Rolle laufen. Hier hilft dann wirklich nur noch der Austausch. Vor allem, wenn das Band erkennbare Schäden davon trägt.

Hat denn der Motor überhaupt genug Kraft ? Ein defekter Motorkondensator kann dem Motor die nötige Kraft zum Umspulen durchaus nehmen. Das hatte ich mal bei einem TK 24. Ist zwar noch etwas älter, vom Aufbau jedoch dem TK 23 doch sehr ähnlich. Halte doch den linken Teller während des Rückspulens bei abgenommener Abdeckung mal an. Bleibt der Motor stehen ? Macht er einen "schlappen" Eindruck ?

Zum Prasseln aus dem Lautsprecher:

eher unwahrscheinlich, jedoch immerhin möglich wären Kontaktprobleme der ECL 86, die Geräusche verursachen. Einkreisen lässt sich dieses durch vorsichtiges Bewegen an der Röhrenspitze bei gedrückter Play-Taste und zu 2/3 aufgedrehtem Lautstärkeregler, ebenfalls bei abgenommener Abdeckung. Wenn es bei Bewegung der Röhre Geräusche aus dem Lautsprecher gibt, hast du einen Treffer gelandet. Natürlich kann auch ein Kondensator nach der langen Zeit müde sein, vor einem Tausch würde ich jedoch erst mal auf die Röhre tippen. Die ECL 86 ist nicht die zuverlässigste Röhre (so sagt man, ich hatte bisher erst zwei nachweislich defekte).

Bei allen Versuchen am geöffneten und in Betrieb befindlichem Gerät natürlich immer Obacht vor dem Herrn Strom !

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#5
Hallo Rüdiger,

zu Punkt 1:
Bitte nur geeignetes Bandmaterial verwenden, ich empfehle Grundig Duoplay 15 bzw. BASF LGS 26. Wenn die linke Spule sowieso schon fast voll ist und nur noch wenige Meter fehlen, bis das Tonband ganz durchgespult ist, dann muß der Bandlauf sehr langsam sein, das ist so gewollt. Ansonsten würden zu starke Zugkräfte das Tonband beschädigen.
Mir scheint, mit deinem Gerät ist alles völlig in Ordnung.

zu Punkt 2:
Prismenlager reinigen, neu fetten, korrekt einbauen. Wenn keine Besserung erzielbar, Prismenlager austauschen.

zu Punkt 3:
Staub und Dreck von den Federkontakt-Aggregaten absaugen, sowie alle in Frage kommenden Kontaktstellen ebenfalls vom Staub befreien. Dazu gehört z.B. auch der Spurwahlschalter.
Bitte werfe auch einen Blick auf die Anodenstrom-Sicherung. Wenn es noch die original Sicherung der Sechziger Jahre ist, könnte sie grünspansisiert sein. In diesem Fall erst Netzstecker aus der Dose, Sicherung ausbauen, Sicherungshalter reinigen, neue Sicherung einbauen.

Das genaue Alter Deines Gerätes läßt sich bestimmen, wenn Du sagst, wie es aussieht. Silbernes Bedienfeld auf der Frontplatte = Baujahr 1965. Hat das Bedienfeld ein Karomuster = Baujahr 1966.

Gruß,
Manuel
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#6
Na Hut ab! Ich muss jetzt wirklich mal ein Lob auf unseren Manuel aussprechen. Ich selber habe keine Grundig, aber was er sagt klingt logisch! Gruß, Holger
Jede Tonbandmaschine ist ein kleines Wunder!

Maschinen:Telefunken M -15 A, und M-20.... 1 X Philips 4420... Uher Report 4000-L ,(Mono)
Uher- Royal -de Luxe . .. Philips N-4422 .. Akai GX 600 DB... und das Abenteuer geht weiter
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#7
Sag´ ich doch, Manuel kennt in diesen Typreihen jeden Kondensator mit Vornamen.

Schön zu wissen, dass es auch für die hier eher unterrepräsentierten Koffer einen Typreferenten gibt.

Auf die Idee mit dem Bandmaterial bin ich gar nicht gekommen, stimmt aber, diese Geräte sind auf Duoband "geeicht".
Und eine grünspanbehaftete Sicherung kann tatsächlich zu Prasseln im Lautsprecher führen, Grünspan ist daran fast immer anzutreffen.

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#8
Oooh, vielen Dank für die Komplimente! Smile
Habe eben noch einen Tippfehler korrigiert, habe ich doch "Karomoster" geschrieben. Peinlich! Big Grin

Ja Thomas, Du hast völlig Recht, ich achte bei diesen Geräten sogar immer darauf, von welchen Herstellern die jeweiligen Kondensatoren stammen. Für mich ist jeder TK 23 de Luxe anders, weil kein Modell dem anderen gleicht, wenn man das Innenleben genau studiert. Wie ein Briefmarkensammler jeden einzelnen Zahn an den Rändern mit der Lupe betrachtet, so sehr achte ich auf jedes einzelne Bauteil. Big Grin Naja... ich liebe diese Röhrenkoffer nun mal, was soll ich machen? Wink

Jetzt hoffe ich halt nur, dass Rüdiger sein altes Schätzchen wieder völlig in Ordnung bringen kann. Bei Bedarf könnte ich mit Ersatz-Prismenlagern dienen. Davon habe ich immer welche auf Lager.
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#9
Hallo Manuel,

zu Punkt 1:

Ich habe die Reibfläche jetzt nochmal aufgearbeitet und stärker angerauht. Das vorherige hatte sich schon wieder glatt gelaufen. Ich bin jetzt zufriedener.


[Bild: TK23_innen_1.jpg]

zu Punkt 2:

Da bin ich mir unsicher, ob die Capstanwelle so gelagert sein kann: Entgegen meiner ersten Annahme verschiebt sich die Capstanwelle nicht bei der Berührung durch die Andruckrolle. Jedoch kann ich ich die Welle im betrienslosen Zustand ca. 2mm in Richtung Lautsprecher „Kippen“. Es ist in dieser Richtung auf jeden Fall Spiel vorhanden, dass ich von keinem Bandgerät kenne.

[Bild: TK23_Capstan.jpg]

zu Punkt 3:

An einer Sicherung war an den Kontakten, sowie an der Halterung natürlich selbst Grünspan. Den habe ich beidseitig entfernt und die Sicherung wieder eingesetzt. Im Moment konnte ich kein Knistern feststellen, muß das aber morgen nochmal testen, weil das Gerät ja schon in Betrieb war.

Die Bedienungseinheit hat ein Karomuster. Also Baujahr 1966.

Vielen Dank für die gute Hilfe. Wenn das TK23L wie jetzt weiter läuft, bin ich zufrieden.


[Bild: TK23%20au%DFen_1.jpg]

[Bild: TK23_laufen_1.jpg]
Gruß von

Rüdiger
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#10
Eine Frage hätte ich noch:

Nachdem ich die Maschine heute länger genutzt habe, steuert das magische Auge nicht mehr aus / bzw. zeigt keinen Ausschlag mehr an.
Es benimmt sich bei der Aufnahme wie bei der Wiedergabe und zeigt den breiten Balken an.
Die Aufnahme wird aber gemacht.
Was könnte das nun wieder sein?
Gruß von

Rüdiger
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#11
Hallo Rüdiger,

bin erst jetzt wieder online. Hatte sehr viel um die Ohren die letzten Tage.

Zu Punkt 1)
Okay, Hauptproblem und Thema dieses Threads somit gelöst. Alles andere genau genommen Off-Topic. Big Grin

Zu Punkt 2)
Das Prismenlager braucht etwas Fett. Dann gibt´s nicht mehr viel Spiel, weil das Schmierfett wie ein Polster wirkt. Es schützt den Kunststoff zudem vor Verschleiß. Außerdem kann man nach Lockern der beiden Schrauben das Lager noch etwas nachjustieren, vielleicht ist es doch etwas verschoben eingebaut worden bei Dir. Es wurde offenbar schon mal daran etwas gemacht, weil der Siegellack nicht mehr vollständig vorhanden ist.

Hinweis:
Wenn es bei eingeschaltetem Gerät keine ungewöhnlichen Rumpelgeräusche gibt und auch sonst nichts am Bandlauf auszusetzen ist (Wimmern, Leiern, Gleichlaufschwankungen), dann ist alles völlig in Ordnung und es besteht absolut kein Handlungsbedarf.

Zu Punkt 3)
Offenbar Ursache gefunden und Problem behoben. Smile

========
Nun zu Deiner Zusatzfrage vom 05.12.2011:
Es wäre unseriös, hier eine Ferndiagnose zu stellen. Es könnte sich lediglich um Staub, Dreck oder Patina an den entsprechend in Frage kommenden Kontaktstellen als Störungsursache handeln, oder es könnte natürlich auch was anderes sein. Das muß sich ein Fachmann vor Ort ansehen.

Gruß,
Manuel
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