Amateurband auf Bobby?
#1
Hallo

Ich habe kürzlich für einen Tonbandfreund ein älteres Band bespielt. Es müsste ein 1100er ReVox 621 gewesen sein. Da ich mit Kunststoffspulen knapp bin, habe ich es ihm auf einen Bobby bespielt. Es war ein Hörspiel, deshalb habe ich 9.5 genommen. Meine Maschine ist eine B77, ich betreibe sie liegend.

Nun hat er mir mitgeteilt, dass ihm das Band beim Rückspulen auf seiner Studer A807 in etwa der Hälfte des Offenwickels zerrissen ist. Und zwar konnte sich kein schön gleichmäßiger Wickel bilden. Dann schob sich eine Lage über die andere, und verhedderte sich im Spulenflansch.

Ich kann mit meiner B77 die Bänder ohne Probleme bespielen, sowie vor- und zurückspulen. Die Wickel werden soweit gut.

Nun, woran kann das liegen, dass bei ihm das Band zerriss?
1.) Meine B77 wickelt zu wenig straff, seine Studer zieht zu stark?
2.) Seine A087 im stehenden Betrieb?
3.) dünnnes Amateurband auf Bobby?

Gruss
Etienne
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#2
Hallo Etienne,
ich arbeite zwar nicht mit Offenwickeln, aber ich beobachte in der kalten Jahreszeit, also wenn viel geheizt wird, ein deutlich schlechteres Spulverhalten meiner Maschinen. Die schlechtesten Wickel entstehen bei Kunstoffspulen, während das Ergebnis bei Ganzmetallspulen auf blanken, also unlackierten Spulentellern, fast normal ist. Da funkt auch nichts. Ich vermute also bei Deinem Freund Reibungselektrizität aufgrund zu niedriger Luftfeuchtigkeit als Ursache.
Gruß
Heinz
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#3
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Das Revox 631, das von 3M Scotch hergestellt wurde (ein Wunder das es noch lebt, denn das waren meist ganz üble Schmierchargen) ist nicht für Offenwickel geeignet. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die meisten japanischen und amerikanischen Bänder nicht sonderlich gut wickeln. Auch die aktuellen Produkte sind selten wickeltauglich.

Der Betrieb auf Bobby war ursprünglich den Profis vorbehalten, deren Maschinen durch den höheren Bandzug dafür ausgelegt sind. Daher bietet die Studer 807 bessere Voraussetzungen als Deine B77. Zudem werden im Studio i. d. R. Standardbänder verwendet, die ebenfalls spezifische Vorteile bieten. Aber gute Langspielbänder wie LPR35, PEM368 oder LGR40 haben ebenfalls hervorragende Wickeleigenschaften und sind zumindest auf geeigneten Geräten auf Kern einsetzbar.

Das Deine B77 das 631 problemlos auf Kern wickelt, grenzt zumindest im Schnellspulbetrieb an ein Wunder. Vom vollen Vorratswickel mit 9,53 cm/s oder auch 19,01 cm/s klappt es natürlich.


Frank ( darklab )
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#4
Das Revox 621 kommt von Scotch. Es ist ein Langspielband mit 35 my Dicke (Standard(studio)bänder: 50 my), hat schlechte Wickeleigenschaften und neigt meiner Meinung nach zum schmieren und kleben, ohne daß ich hier allgemeingültiges von mir geben kann - zu verschieden sind die Erfahrungen verschiedener Leute. Es ist m. E. nach schlechter als das 601 und besser als das 631, was diese Unarten anbelangt.

Diese Band war nicht für Bobbybetrieb vorgesehen und ist auch nicht dazu geeignet, was nicht ausschließt, daß man es "schon mal machen" kann. Ich wäre genauso verfahren wie Du und würde die Gefahr eher darin sehen, daß beim Handling der Wickel auseinander fällt als daß er auf der Maschine zerissen wird. Ist das Band endlich auf der Maschine, ist die Schlacht gewonnen. Weshalb sie doch noch verloren ging, kann folgende Ursachen haben:

Ungenügende Befestigung des Bobbies auf der Maschine. Kommt es, z. B. durch Klebeeffekte, zu einem ungleichmäßigen Zug beim Abspulen, ruckeln dabei vielleicht die nicht perfekt fixierten Bobbies hin und her (sie haben in der Spannung oft Spiel und können ein bisschen verdreht werden), so rutscht evtl. eine besonders weit herausgeschossene Windung "über den Wickel" und Du hast den Salat. Säuische Wickel auf labilen Behelfskonstrukionen zur Bobby-Aufnahme spule ich nicht um, sondern ich wickle sie im Play-Betrieb um.

Einen regelrechten Bobby-Betrieb kannst Du mit diesem Band auf keinen Fall fahren, nur Umwickeln ist möglich.

In diesem Zusammenhang nochmals ein Modifikationsvorschlag für A77, B77, PR99 und Complicen: Es müsste doch möglich sein, mit einem nachgerüsteten Schalter die Wickelgeschwindigkeit zu reduzieren, so daß auch bei schlechtem Band ein vernünftiger Wickel entsteht. Dann könnte man evtl. auch das Quantegy 652 nutzen, das derzeit einzige erhältliche DP-Band, leider ohne Rückseitenmattierung und dafür mit entsprechend miserabler Wickelqualität.
Michael(F)
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#5
Zitat:Es müsste doch möglich sein, mit einem nachgerüsteten Schalter die Wickelgeschwindigkeit zu reduzieren, so daß auch bei schlechtem Band ein vernünftiger Wickel entsteht
Gibt es denn für Rohwickel wirklich einen so großen Bedarf? Was mich viel mehr nervt, ist die Lahmarschigkeit, mit der diese teuren Boliden umspulen. Im Regelfall arbeitet man mit 2-Spur und muß immer wieder zurückspulen. Die Geschwindigkeit dabei ist bei PR99, B77 und A77 unter aller Kanone! Das konnte die Teac X-10 besser, die Uher 63x ebenso und vor allen die C270 (die ich eines Tages dem Michael mopsen werden Wink ). D.h. wenn schon Schalter, dann bitte als Gangschaltung auslegen oder gleich Winding-Speed-Regler inbauen, der stufenlos von '0' bis 'durchgebrannter Motor' einstellbar ist...
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#6
Zitat:highlander postete
(...) oder gleich Winding-Speed-Regler inbauen, der stufenlos von '0' bis 'durchgebrannter Motor' einstellbar ist...
Durchgebrannter Motor ist gleich "Speed O" Wink

Regelbar wäre nicht schlecht, aber ich denke, daß 1 oder 2 zusätzliche Stellung reichen. Wollte an Bobbies auch nie ran, jetzt liebe ich sie. Wenn man mal damit gearbeitet hat, begreift man die Spulen endlich als den unötigen und teuren, dazu hinderlichen Ballast der sie sind. Ausserdem zwingen sie zur Verwendung von gutem Bandmaterial.

Beeinflussung des Klangs durch unterschiedliche Spulenmaterialien und -oberflächenbehandlungen können ebenfalls ausgeschlossen werden Wink
Michael(F)
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#7
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=> Andreas. Lahmarschig? Wenn man es umrechnet, kommt man auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 28 - 30 km/h. Meine Kisten bruchen für ein 26er Langspielband so um die 2 Minuten, mir reicht das.

=> Michael (BW) Diese "Langsamtaste" gibt es durchaus schon, m. W. allerdings nur bei Studiogeräten. Damit soll der Wickel durch das langsame Rückspulen schön glatt und somit langzeitlagerfähig werden.


.-.-.-.

Ich gehe allerdings so vor, das ich Halbspurbänder "Tail out" lagere und so automatisch einen glatten Wickel für´s Archiv bekomme.

Vor einiger Zeit habe ich eine große Menge Revox621 gekauft, die aber alle mehr oder weniger starke Schichtablösungen hatten. Die habe ich, der leichteren Entsorgbarkeit willens, von den Kunststoffspulen mit PR99 auf 1/2" Spulen umgewickelt. Das enstpricht den Platzverhältnissen nach fast einem Freiwickel. Das Ergebnis war eine Katastrophe, ohne den oberen Flansch häte es Bandsalat ohne Ende gegeben.

Frank ( darklab )
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#8
Hallo

Vielen Dank für eure Antworten.

Ich werde in Zukunft kein Amateurband mehr auf Bobbies spulen. Da ich mehrheitlich Studiobänder habe, ist das nicht so tragisch.

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Zitat:Das Revox 621 kommt von Scotch. Es ist ein Langspielband mit 35 my Dicke (Standard(studio)bänder: 50 my), hat schlechte Wickeleigenschaften und neigt meiner Meinung nach zum schmieren und kleben, ohne daß ich hier allgemeingültiges von mir geben kann - zu verschieden sind die Erfahrungen verschiedener Leute. Es ist m. E. nach schlechter als das 601 und besser als das 631, was diese Unarten anbelangt.
Hallo Michael.

Soweit ich weiss, schmiert doch vorallem das 631er.

Ich habe ca. 10 - 15 Stück 621 und 631 gekauft, weil jeweils Plastik-Schuber und ReVox-Metallspule für NAB dabei waren. Die meisten dieser Bänder habe ich entsorgt.
Geblieben sind mir ca. 5 Bänder 621, welche nicht schmieren. Diese Bänder haben das hellgrüne Vorspannband und riechen nicht so penetrant wie das 631 mit dunkelgrünem Vorspann. Das 631er musste ich alle entsorgen, weil sie geschmiert haben.

Gruss
Etienne
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#9
Wie gesagt: Einigkeit gibt es nur beim 631. Beim 621 gehen die Meinungen und Erfahrungen auseinander.

Mich wundert der dunkelgrüne Vorspann beim 631: Meiner ist hellgrün und zur Unterscheidung der Sorten mit "631" gestempelt.

Einen dunkelgrünen Vorspann habe ich nur beim 641, das von Ampex kam.
Michael(F)
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#10
Hallo Michael

Dass man die Bänder am Vorspann erkennen kann, weiss ich von einem ehemaligen ReVox-Mitarbeiter. Die Aussage - welche sich mit meinen Erfahrungen deckt - dass vorallem das 631 schmiert, ist auch von ihm.

Das mit dem Aufdruck muss ich mir mal anschauen. Leider habe ich davon nur noch wenige Bänder. Aber so wie ich es im Kopf habe, steht bei meinen nichts drauf.

641 habe ich keines, damit habe ich keine Erfahrung. Nur 601 habe ich noch eines, ist ebenfalls schmierfrei.

Gruss
Etienne
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#11
Hallo Etienne,

auch meine Vorredner sind also der Meinung das es nicht am Wickelverhalten der Studer A 807 liegt, das das Band nach dem Schnell-
umspulen nicht mehr zu gebrauchen war.

Ich habe schon auf ihr "alles mögliche" umgespult, so ein Totalausfall
aber bisher nie.

Falls weitere Bänder von Dir folgen, möglichst die Studiobänder verwenden.

Gruss Wolfgang
PS:die Hör-CD`s sind heute mit der Post an Dich raus.
Revox A76 , A78 , B285 , B739 , B750 , B760 , B790 , C36 , C115 , C221 , D88 , E36 , G36 MKI , Lautsprecher Agora B , STUDER A 68 , A 81R , A 721 , 1 x A 730 , 1 x A 62 ( 9,5 / 19,0 cm/ sec ) , 1 x B 62 , ..... C37.... meine absolute Lieblingsmaschine ..... Telefunken 1 x M 5 A mono ...... 2 x M 5 B stereo ..... Grundig TK- 6 L .. TK - 42  ...2 mal TK 46...Telefunken Musikus 504 V ........ S.A.B.A. M.E.E.R.S.B.U.R.G --- S.T.E.R.E.O. - G .

Plattenspieler E M T 9 4 8
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#12
Hallo Wolfgang

Zitat:Falls weitere Bänder von Dir folgen, möglichst die Studiobänder verwenden.
.... oder schon zurückgespulte Amateurbänder ;-)

Am Dienstag bekomme ich meine Studio-Bänder. Dann ist das Problem besprochen.


Gruss
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#13
Ein Holla in die Runde,

die mangelhaften Wickeleigenschaften von Amateurbändern störten mich schon als Kind am PhonoRex..., dessen Bandzug nun nicht gerade von Pappe (sondern von Dehnung) war. Angesichts der dann auch im Amateurbereich durch die aufkommenden kräftigen Dreimotorenlaufwerke modisch werdenden, kurzen Umspulzeiten (Revox G36!) nahm das dann aber Größenordnungen an, die nicht mehr mit der Hochwertigkeit der sonstigen Geräteauslegung korrelierten. Es dauerte aber dennoch bis zur A700 bis das bei den ansosnten doch recht traditionell 'Hochwertigkeit' definierenden Regensdorfer auf den 'Pfad der Tugend' gefunden hatten.

Die Ursachen lagen an den vorder- und rückseitig hochgradig kalandrierten Bändern (auch eine raue Rückseite schlägt bei dünnen Bändern auf die Schicht akustisch wirksam durch), der hohen Wickelgeschwindigkeit und dem dabei erfolgenden Umgang mit überschüssiger Luft. Elektrostatische Aufladungen spielen ebenfalls eine Rolle, wobei sich dies im Profilager vor allem daran zeigte, dass die Lagen beim Abwickeln regelrecht zusammenklebten.
Auch die Stetigkeit des Bandzuges beim Umspulen wirkt erheblich ein, wo aber erst ab den A700-Generationen auch im Amateurlager allgemein etwas voranging.

Zur Abhilfe habe ich zum einen den Bandzug meiner Geräte (nach Studer-Vorgabe G36HS) erhöht (na ja, die Kopflebensdauer sinkt dabei natürlich) und vor allem ausschließlich das in meinen Kreisen eben auch übliche PEM 468 und BASF 910 bzw. 911 verwendet. Dafür gab es -angesichts der 38 cm/s- natürlich auch den wesentlichen Grund der erheblich besseren Kopierdämpfung dieses Bandmaterials. Irgenwann stolperte ich dann auch über das BASF LPR35 mit seinen guten Wickeleigenschaften, weshalb ich dieses bei 19 cm/s und einschlägigen Kundenwünschen ("Langspielband") ausschließlich einsetzte, zumal sich die Arbeitspunkte bei 38 und 19 so weitgehend mit denen der dann von mir eingesetzten 911 soweit deckten, dass eine Ummessung der Maschinen unnötig war. LPR35 jedoch ist vom Hersteller nie für 38 spezifiziert worden!

Hans-Joachim
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#14
Hallo Hans-Joachim

Vielen Dank für deine Antwort.

Das LPR35 verwende ich ebenfalls, mit 19 cm/s und auf Metallspulen. Mit den Wickeleigenschaften meiner B77 bin ich sehr zufrieden. Die Wickel werden damit sehr gut, ein gutes Stück besser als die alten 601, 621 und 631, wovon ich aber nur noch eine handvoll habe. Habe leider keine Maschine mit geregeltem Bandzug.

Dass das LPR35 nicht für 38 spezifiziert sei, habe ich schon mehrfach mitbekommen. Ich konnte neulich einige 525, 528, LGR30 und LGR50 günstig erwerben, sodass ich diese bei 38cm/sec einsetzen werde, sodass ich bei HS im Offenwickelbetrieb mit passendem Band operieren kann. Ich weiss nur nicht, wie rau die Bänder sind. Meine B77 und die kommende PR99 MKII haben ja keine sonderlich harten Köpfe. Hoffentlich brauche ich da nicht alle zwei Jahre neue Köpfe.

Gruss
Etienne
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#15
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=> Etienne,

das PER525 und das Gegenstück der BASF, das LGR30 (beide rosa) sind nicht sonderlich glatt, weshalb ich auch meine Restexmplare ausmustern werde.

Die weiß rückseitenbeschichteten Nachfolgesorten, nämlich PER528 und LGR50 sind da schon erheblich moderner, sprich glatter.

=> Hans Joachim: Aus Deiner Aussage, dass eine rauhe Rückseitenbeschichtung eines Bandes negative mechanische Einflüsse auf die kalandrierte Schichtseite haben kann ziehe ich den Umkehrschluss, dass die speckig- glänzende Rückseite der PEM468 / SM468 von Vorteil ist.

Liege ich mit meinen Überlegungen richtig?


Frank ( darklab )

14.11 Tippfehler verbessert, habe da versehentlich in der ersten Zeileeine 8 statt einer 5 geschrieben. Noch´n Fehler, ich glaub´ich brauch einen blindenhund.......kann eh besser hören als gucken Wink und das bei meinem Job
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#16
Lieber Frank,

viele Bänder bzw. deren letzte Entwicklungen kenne ich nicht mehr, weil ich seit 1984 die Welt nach Nullen und Einsen einteile, anfänglich nur teilweise, schnell aber zu 100 %. Welcher Fraktion -der der Nullen oder der Einsen- ich zugehöre, na, ich habe da so meine Vorstellungen.

528 gehört eigentlich zur neuesten Fertigungsgeneration, und das solange es eben besteht. Dass da etwas 'gröber neu' angerichtet wurde, ist mir nicht zu Ohren gekommen. LGR50 entspricht dem PER525, das zwar mit der Stereoeinführung und den angehobenen Aussteuerbarkeiten (Stichwort 514 pWb/mm) kam, ansonsten aber recht schön 'selbstreinigend' angelegt wurde, also kaum kalandert ist. In deinem Posting ist da ein ein kleiner logischer Bock...

SPR50 und PER528 sind wieder eine Generation, wobei ich beide nach Möglichkeit nicht verwendet habe, weil ich ja ohne Zwang zu einer wie auch immer gearteten Kompatibilität die kompromisslos modernen PEM 468 und 910/911 verwenden konnte.

468, 910 und 911 entsprechen auch weitgehend den Amateuranforderungen hinsichtlich der Kopfschonung (und den elektroakustischen Werten).
Wenn man nur an 19cm/s denkt, sollte man um 525 und Geschwister einen großen Bogen machen, vielleicht weniger der Kopfschonung moderner Legierungen wegen als wegen der für mich (ohne DOLBY) nicht tolerierbaren Rauscherei.

Hinsichtlich der 'Durchschlagens' von Rückseitenbegüssen auf die Magnetitschicht solltest du meine Aussagen nicht überbewerten. Die Köpfe leiden darunter nicht, wohl aber die Wiedergabequalität bei geringen Bandgeschwindigkeiten. Nichtsdestoweniger: Konveniert diese mit Anwendungszweck und Gerät, ist ja sowieso alles in Ordnung. Denn es musste einem ja schon den Angstschweiß auf die Stirn treiben, wenn man sich vor Augen führte, was unter der Prämisse 'Qualität' da so alles über die Bandgeräte von Onkel Herbert und Tante Lina nudelte. ---

Lassen wir viele unserer Diskussionen bisher an uns vorüberziehen, beginnen wir sicher ein Verhältnis dazu zu gewinnen, warum sich in Europa der Rundfunk hinsichtlich seiner Qualitätsansprüche 'so fürchterlich hatte'. Es ging ziemlich zuletzt um Klang (Qualität war Ehrensache), es ging vorderhand auf jeden Fall um Zuverlässigkeit, denn die war betriebsnotwendig. Denn 'die Ans-talten' hätten sich ganze Funkhäuser mit Bändern und was sonst noch allem tapezieren können, wenn sie nicht mit barsch und hochgradig kompetent formulierten Ansprüchen bei den Zulieferen aufgetreten wären. Programm wäre dann vielleicht unter 'ferner liefen' gekommen, weil in ein entstandenes Chaos bekanntermaßen schwer Grund zu kriegen ist. Bänderrisse kenne ich heute in Gestalt abgestürzter Rechnersteuerungen, als Kind erlebte ich dies (das Herz schlug mir als Hörer bis zum Halse ...) ganze zwei Male. Trotz Vollmer/T8/T9 und sicher auch noch 76 cm/s.

Hans-Joachim
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#17
Zitat:PhonoMax postete


-----viele Bänder bzw. deren letzte Entwicklungen kenne ich nicht mehr, weil ich seit 1984 die Welt nach Nullen und Einsen einteile, anfänglich nur teilweise, schnell aber zu 100 %. Welcher Fraktion -der der Nullen oder der Einsen- ich zugehöre, na, ich habe da so meine Vorstellungen.

528 gehört eigentlich zur neuesten Fertigungsgeneration, und das solange es eben besteht. Dass da etwas 'gröber neu' angerichtet wurde, ist mir nicht zu Ohren gekommen. In deinem Posting ist da ein kleiner logischer Bock...
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Lieber Hans Joachim,

es scheint, dass der "logische Bock" ein optisches Problem ist. Ich habe mich vertippt und, da ich nicht meine Bildschirmbrille trug, beim Korrektur lesen nicht bemerkt. Mittlerweile steht dort aber PER525 und LGR30 wie es dem zeitlichen und technischen Zusammenhang entspricht.

Hier ist jetzt der Punkt gekommen, wo ich daran denke, mit den Fragen nach "Bänderfragen" umzuziehen. Wie sind Eure Meinungen?


Jetzt tun sich mir wieder neue Fragen auf, was die "Rundfunkbänder" und "Studiobänder" angeht. Was hat denn die Funkleute bewogen, eigene Anforderungen zu formulieren anstatt aus dem seinerzeit ja noch umfangreichen Angebot der Hersteller ein Bandmaterial auszusuchen? Hohe Kopierdämpfung ist doch für alle Anwender von Vorteil, und Aussteuerungsreserven sind ebenfalls nicht von Pappe.

Wo liegen den die Unterschiede, die den Rundfunk davon abgehalten haben, z. B. das PEM468 zu verwenden? Das Material war ja lange Jahre der Quasi- Standard bei Musikproduktionen und ist auch heute noch einigermaßen Stand der Technik. Andererseits habe ich auch PER528, die in der Plattenproduktion eingesetzt wurden, allerdings für Kinderhörspiele.(Anm.: die Bänder stammten aus einer Archivbereinigung und da wird offenbar nach Themengebieten aussortiert, mal sind es Hunderte Hörspiele, mal eine Palette Klassik, leider angelöscht und unbrauchbar)

Und warum werden Amateurbänder wie des LPR35 nicht für 38,01 sm/s eingesetzt? Zu Zeiten der Agfa gab es ja das PEM468 für dien Profi und das PEM368/ 268 für den Amateur. Wenn ich den Typenschlüssel von Agfa richtig interpretiere, unterschieden die Bänder sich nur in der Dicke, nicht in der Emulsion. Wobei dei Schichtdicke der Oxidschicht beim Standardband 14,5my beträgt, beim Langspielband 11my. Trägerdicke 30 zu 20 my) Liegt die Eignung in der Schichtdicke? Ich habe meine Geräte, soweit sie für Wickelbetrieb vorgesehen sind, auf PEM468 eingemessen, und finde das beim dicken Band der Klang im unteren Bereich voller ist als mit Langspielband. Wobei ich diesen Vergleich nur bei 19,05 cm/s gemacht habe, bei 38,1 cm/s verwende ich ausschließlich Standardband und natürlich die Einmessung nicht auf LP abgestimmt ist.


Fragen über Fragen, und keine Ende in Sicht.


Frank ( darklab )
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#18
Hallo Frank

Ich hatte mir gedacht, dass "mit der ersten Reihe" etwas nicht stimmt. Aber müsste es denn nicht heissen:

"das PER525 und das Gegenstück der BASF, das LGR30 (beide rosa) sind nicht sonderlich glatt, weshalb ich auch meine Restexmplare ausmustern werde."

Es steht bei dir immer noch LGR50, obwohl du im Posting weiter unten von LGR30 schreibst. Ein Laie wie ich, kommt da ganz gehörig ins Schwimmen.

"Die weiß rückseitenbeschichteten Nachfolgesorten, nämlich PER528 und LGR50 sind da schon erheblich moderner, sprich glatter."

Soweit ich weiss, sind PER525 und LGR30 aus der gleichen Generation/Zeit. PER528 und LGR50 sind die jeweiligen Nachfolger.


Gruss
Etienne
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#19
Zitat:Etienne postete

Soweit ich weiss, sind PER525 und LGR30 aus der gleichen Generation/Zeit. PER528 und LGR50 sind die jeweiligen Nachfolger.


Gruss
Etienne
So isses, und so bleibts, ganz schön blamabel, mein (mittlerweile zum 2. Male verbessertes) Geschreibsel. Aber immerhin habe ich die Farben richtig......Smile


Frank ( darklab )
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#20
Lieber Frank,
lieber Mitleser,

im Grunde wusste ja jeder, worum es etwa ging; in der aktuellen Situation sieht man jetzt halt hinsichtlich der Produktbezeichnungen etwas klarer. Danke.

PEM 468 wurde beim Rundfunk im Produktionsprozess durchaus verwendet, nicht jedoch bei Archivierung und Sendung, weil das Material eben außerhalb der historisch gewachsenen Spezifikationen lag. Dem Rundfunk gefiel das auch nicht, aber er hatte ja nun einmal die durchgängig ja riesigen Archive. Ein Ummessen innerhab des Betriebes muss nach Murphys Law allemal zum Chaos führen, also lässt man das. Zumindest hierzulande (siehe unten).

Was an PEM 468 nicht gefiel, war die komplette Schwärze (wie SPR50LH), weshalb die bei deutscher Schichtlage üblichen Stempelmarkierungen beim Schnitt praktisch unsichtbar blieben. Es wurden meines Wissens zwar Versuche mit besonderen Stempelfarben (bis hin zu TippEx-Filmen) und auch mit einer weißen Rückseitenbeschichtung bei PEM 468 gemacht, was aber nach Ansicht der Betroffenen alles keinen Taug hatte, ohne das ich wüsste, warum das so gesehen wurde. Mit TelcomC4 war das Problem ja an sich ohnehin gegessen, denn das wurde/wird(??) ja auch im Sendebetrieb verwendet, und nach Murphys Law öfter einzuschalten vergessen (quod erat demonstrandum), wie ich selbst insbesondere über weiland DSR immer wieder hören konnte....
Gegessen war das Geräuschspannungsproblem auch deshalb, weil für den Sendebtrieb mehrfach kontrollierte Bänder mit sauber auf die Bedürfnisse von UKW und Bandmaschine 'eingepassten' Dynamiken Verwendung finden/fanden, so dass die über PER 528 erreichbaren Aussteuerbarkeiten und Ruhegeräuschabstände schon ohne Telcom über die Möglichkeiten des UKW-Verfahrens hinausgehen. Denn auch darauf hatte man beim Rundfunk ja immer ein waches Auge: Hohe Qualität zu gewährleisten, ohne Ausreißer nach oben zu finanzieren, die 'nichts bringen'.
Heute geht das etwas radikaler ab:
Popsender: Lautheit bringt's, also machen wir das, indem wir in die Begrenzung fahren.
Klassiksender und künstlerisches Wort: Digitale Quellen sind spitzenpegelreich, weshalb man oft schon bei der Aufnhame (wirklich gute Sprecher sind heute selten) für Abhilfe sorgt, spätestens aber beim Senden die Spitzen mit programmabhängigen Limtern/Kompressoren herausnimmt. Das alte von Technikern 'individuell interpretierbare' Regelwerk wird also durch eine Maschine mit zweifellos 'intelligenten' Funktionen ersetzt. Die klangliche Einheitlichkeit aber wird zum Prinzip.

Bandtypenfragen; -einige Aphorismen-

Wie das mit LGN, LGR (1961), LGR50 (Einführung 1981), LGR51 (kurzlebiges Problemband 1986), SPR50LH (schwarzer Rückseitenbeguss) insgesamt genau war, sollte man vielleicht -soweit ich davon weiß- in einem eigenen Thread behandeln. LGR51 wäre ein interessantes Band geworden, wäre nicht seine eingeschränkte mechanische Stabilität (Schichtabplatzungen bei üblich hartem Rundfunkeinsatz) schnell offenbar geworden. Also reaktivierte man das LGR50, das schließlich sogar die BASF-Magnetics-Zeit überdauerte.

Interessanterweise brachte es PEM 468 zum Regulärband der BBC, wo die Archive ja auch gigantische Ausmaße angenommen hatten. Die hervorragende Kopierdämpfung des 468 (4 dB besser als sein Nachfolger 469, der der Produktbereinigung 1991 zugunsten des 911 zum Opfer fiel) wird diese Entscheidung erleichtert haben.

LR <-> 555 (dickere Beschichtung)
LGR (1956) <-> 525 (Markteinführung 1963)
SPR50LH (1972/73, ab 82/83 'LHL') initiierte 468
LGR50 initiierte PER 528 (beide 1981)
910 (1984) und 911 (1985) <-> 469 (Markteinführung 1984)

LGR war das erste Band mit Rückseitenmattierung (Patent Robl-Merkel,BASF: DBP 1101000); die Einführung dieses Bandes zog sich aber über fast 3 Jahre hin, weshalb das RTI (damaliges IRT) die Bemusterung der Rundfunkanstalten offenbar nur aufgrund eines Gnadenaktes gestattete, denn AGFA FR hing damals qualitativ etwas durch.

Zwischen 1967 und 1981 gab es dann auch noch den Typ '525 stereo', der wegen der Heraufsetzung der Aussteuerung auf 514 pWb/mm (Stereoeinführung) etwa 4 dB höher aussteuerbar war.

528 erhielt ein dem 468 verwandtes Pigment, das jedoch aus Gründen der Kompatibilität mit LGR50 durch ein beigemischtes (BASF-!) Pigment 'verschlechtert' werden musste.

SPR50LH basiert auf den durch ein "Tempern" verbesserten Magnetiten, wie man sie erstmalig beim LPR35LH (1971) eingesetzt hatte. 910 verschwand wegen eines gegenüber SPR50LHL um 2 dB verschlechterten Modulationsrauschabstandes schon nach einem Jahr von der Bildfläche, dabei lief es so schön abweichungsfrei an den Entzerrungen der A77(ORF) entlang... ---

Langspielbänder setzt man auf stationären Magnetofonen deshalb ungern ein, weil diese grundsätzlich mit hoher Bandgeschwindigkeit laufen, bei denen dann die Kopierdämpfung jener dünnen Bänder nicht mehr ausreicht. LPR35 wurde vor allem wegen der Fertigungstoleranzen (Amateurband eben) nicht für den professioenllen Betrieb spezifiziert. Um das zu untermauern, ließ man nie eine Spezifikation unter 38,1 cm/s an die Öffentlichkeit. Damals fürchteten die Magnetbandproduzenten noch die Knute des Rundfunks...

Engel schrieb mir sogar vor einiger Zeit, als ich mit ihm dies Thema diskutierte, dass seinem Kenntnisstande nach BASF LPR35 nicht einmal unter 38,1 cm/s gemessen habe. Nun, dann konnte ja wirklich nichts passieren.

Hans-Joachim
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