Uher SG510 stereomatic
#1
Wie ich bereits in meiner Anfrage hier angekündigt habe, stelle ich hier die Uher SG510 stereomatic kurz vor. PSMS hatte sie vor einiger Zeit in seinem Beitrag über die 724 stereo erwähnt.

Eigentlich wollte ich mich erst morgen Abend an die Arbeit machen, aber mit den Jahren lernt man ja Wichtiges von Dringendem zu trennen.

Bei letzten Stammtisch Nord hatte ich auf der Hinreise noch angenommen, ich könnte meine Bandmaschinenherde um ein Gerät verkleinern. Eine SG 521 ging an ein Forenmitglied. So weit so gut. Nur begrüßte mich Claus sozusagen mit einer Bandmaschine in der Hand und den Worten: "Die hat mir Arnulf für dich bei meinem letzten Besuch bei ihm vor seinem Tod mitgegeben." Bei unserem letzten Zusammentreffen im Dezember war es mir noch gelungen, auf das Angebot, die Maschine zu übernehmen zu verzichten. Aber so? Geht nicht.

[Bild: SG510_Neuzugang.jpg]

Die Maschine war wohl zuvor im Besitz der Bundeswehr. Leider habe ich nicht so gut fotografiert:

[Bild: SG510_Staatseigentum.jpg]

Lieber mal vorsichtig gucken, in was für einem Zustand die Maschine ist, bevor sie in den Testbetrieb genommen wird.
Oha! Ein hartabriebversiegelter Null-Spur-Löschkopf. Und der Rest des Bandpfades sieht auch nicht besser aus.

[Bild: SG510_0-Spurloeschkopf.jpg]

Andererseits lässt sich hier

[Bild: SG510_Wickelteller_links.jpg]

und da

[Bild: SG510_Wickelteller_rechts.jpg]

nichts weiter finden, was auf massiven Gebrauch hindeuten würde.

Allerdings sind der Capstanriemen und der Riemen für die Rutschkupplung, die bei Wiedergabe aktiv ist gerissen, der Zählwerksriemen und der Umspulriemen sind versprödet. Ersatz gibt's inclusive Versand für 14,40 € bei Hewicker.

Die Rutschkupplung für Wiedergabe war verklebt, wie Thomas und Peter netterweise vorwarnten. Sie kuppelte nur noch und rutschte nicht mehr. Hier vor der Durchbürstung. Der Blitz lässt die Oberfläche schlimmer aussehen, als in Wirklichkeit.

[Bild: SG510_Rutschupplung_Fwd.jpg]

Der Capstanriemen muss ziemlich reingwürgt werden. Nach dem Lösen von vier Schrauben lässt sich die Tonkopfplatte mit dem Tonwellenlager und der Tonwelle soweit anheben, dass der Riemen unten durchgezogen werden kann.

[Bild: SG510_Tonkopfplatte.jpg]

Nach langer, langer Reinigung erstrahlen der A/W-Kopf

[Bild: SG510_AW-Kopf.jpg]

und der Löschkopf
[Bild: SG510_Loeschkopf_sauber.jpg]

als auch die Bandführungen

[Bild: SG510_Bandf%FChrung_links.jpg]

in neuem Glanz. Leider habe ich von den Führungen kein Vorher-Bild, aber sie sahen ungefähr aus wie der verschmutzte Löschkopf, nur hartnäckiger verkrustet.

Ich habe schließlich Papierstreifen mit CD-Polierpaste betropft und damit die Laufflächen der Führungen poliert. Hier mein zweiter Polierschnipsel.

[Bild: SG510_Reinigungspapier.jpg]

Leider sind die Zwischenräder nur in der Rückspulposition voneinander getrennt, so dass sich bei beiden Dellen gebildet haben, die die Maschine dann doch wieder mit Rumpeln versorgen.

[Bild: SG510_Zwischenraeder.jpg]

Das finde ich besonders schade, da sie kein Zwischenrad für die Geschwindigkeitsumschaltung besitzt, das sich verformen könnte. Uhermaschinen haben wohl manchmal einen Hang zur Selbstverstümmelung.

Nun aber wieder zusammengesetzt.

Vielleicht so:

[Bild: SG510_fertig1.jpg]

Oder lieber so?

[Bild: SG510_fertig2.jpg]

Der Klang ist im Vergleich zur Variocord etwas dosig. Die Höhenwiedergabe bei meinem Gerät ist bei 9,5 brilliant (ich hatte noch kein Band mit 19 drauf) aber der Rest ist, sagen wir es freundlich, nicht ganz so gut.

Mir gefällt an dieser Maschine der Einschalt-Knopf. Die Bandendabschaltung schaltet das Geräte nur stromlos, wenn das Gerät auf Spulen oder auf Wiedergabe (oder Aufnahme) geschaltet ist. In der Stop-Position bleibt der Motor laufen, auch wenn kein Band eingelegt ist und diesen Unterschied zur Variocord finde ich sehr angenehm.

Weil die Maschine bislang so wenig gelaufen scheint, mag ich sie auch nicht benutzen. Ich werde sie hin und wieder mal einschalten, um die Riemen geschmeidig zu halten, evtl. darf sie auch das nächste Forentreffen bei mir beschallen, aber ansonsten wird sie geschont.

Letztes Edit: Vielen Dank an Wolfgang, der mir am Osterwochenende noch Werkzeug vorbeigebracht hat.

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#2
Glückwunsch Niels,

ein tolles Gerät in einem tollen "Vorführwagenzustand". Ein echtes Kleinod, hüte es gut. Und eine schöne Vorstellung eines echten Brot- und Buttergerätes.

Deine Erfahrungen decken sich übrigens mit den von mir gemachten, der dosige Klang ist gut beschrieben, an der Anlage klingt das natürlich gleich ganz anders. Uher hat anscheinend bei seinen Heimtonbandgeräten nicht das glücklichste Händchen mit der Akustik gehabt. Egal, sind trotzdem tolle Geräte !

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#3
...finde ich auch. Ein Schaf im Wolfspelz, das Ding. Und fast neuwertig aussehend von innen. "Staatseigentum", wo steht das? Ich hätte eher
"Bundeseigentum" erwartet, vielleicht meint sich der bayerische Staat damit, dessen Beamte mit Hilfe des Gerätes Böses aus dem Osten aufzeichen sollten.
Wäre es von der DDR verwendet worden um deren Klassenfeinde zu belauschen, hätte dann evtl. "Volkseigentum" oder die Bezeichnung der Dienststelle dringestanden? Die Firma Horch und Guck hatte sich ja der Uher-Geräte des Gegners bedient.

Oder es war nur ein braves Schul-Tonbandgerät, das einmal und nie wieder benutzt worden ist, weil die Lehrerin keine Lust zum Bandeinfädeln hatte.
Egal, schöne Kiste mit Arnulf-Aura.

Gruß
Peter S.
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#4
Oh hallo Niels, Klasse Vorstellung gefällt mir sehr gut. Wenn das Schätzchen noch nicht so lange gelaufen ist ,behüte sie gut. Meine Bank-Royal war ja auch neu,und läuft als ob die Zeit still steht. Das Foto mit "Staatseigentum" das kenne ich auch aus DDR -Zeiten. Manchmal stand auch drauf "Volkseigentum."
Prima, wieder eine fast neue Maschine vor dem Untergang bewahrt. Weiter so.

Edit: Hoffentlich kommt jetzt nicht der Innenminister und sagt" Das Ding gehört uns"..grins.


Gruß, Holger
Jede Tonbandmaschine ist ein kleines Wunder!

Maschinen:Telefunken M -15 A, und M-20.... 1 X Philips 4420... Uher Report 4000-L ,(Mono)
Uher- Royal -de Luxe . .. Philips N-4422 .. Akai GX 600 DB... und das Abenteuer geht weiter
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#5
Danke, danke.

In meiner oben verlinkten Reparaturanfrage hatte ich gemutmaßt, dass nur einmal ein Schmierband zum Tonköpfe versiegeln auf der Maschine gelaufen ist und sie dann zum Riemenverspröden und als "defekt" weggestellt wurde.

"Staatseigentum" ist auf mehrere Stellen eingebrannt. Die SG521, die ich weitergereicht habe, trägt die Inschrift "Stadt BS" und stammt aus einer Berufsschule.

Beim Zusammensetzen ist mir aufgefallen, dass die Frontplatte in Scharniernähe deutlich verkratzt ist. Evtl. wurde versucht, durch wiederholtes Deckel auf- und absetzen, die Tonköpfe zu reinigen. ("Sie müssen dazu die Abdeckung abnehmen!")

Achja, der Hebelchen wegen wollte ich nochmal eine andere Spulenkombination drauftun. Bin gleich wieder da!

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#6
Sie gleichen sich doch auf diese Weise beinahe wie ein Ei dem andern. Big Grin

[Bild: SG510_AkaiSpulen.jpg] [Bild: X201D_UherSpulen.jpg]

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#7
...und Niels. Haste den Sprechkopf schon in Normalzustand gebracht?
(für die Neuen, Normalzustand von Uher-Sprechköpfen ist - mechanisch ok, aber elektrisch unterbrochen)

;-)
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#8
Nein, Jogi, ist ja keine Rdl. Wink

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#9
Haste aber Glück, ansonsten man bei nur einem Kopf - und dem defekt - ja noch mehr gekniffen wäre.

Bei der RdL hingegen bleibt nichts als - nach fachgerechter wütender Zertrümmerung des Sprechkopfes zu einem feinen Pulver, welches in die vier Himmelsrichtungen zu verstreuen ist - den Hörkopf an den Aufsprechverstärker zu legen um wenigstens eine Art Notbetrieb zu gewährleisten.
Oder sie als "kaum benutzt, optischer Bestzustand, geht an, alles dreht sich, Wiedergabe geht, Aufnahme mangels Material nicht testbar - Mindestgebot 500 Teuro / Sofortkauf 1000 Teuro" vertickern :-)
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#10
Hat mich die Maschine gerade erschreckt.
Ich hatte sie aus der Bastelkammer ins Wohnzimmer geholt, um wenigstens mal ein Band mit ihr zu hören. Auf einmal ging es "Plopp!" und der Ton war weg!
Was nun? Beidkanaliges Tonkopfsterben? Bitte nicht! Schnell das Multimeter herbeigeholt: ca. 230 Ohm hier wie da. Band ist auch in Ordnung. Mikrofon angeschlossen: Was sehe ich da? Die Spurwahltasten sind nicht gedrückt! Sind die Biester doch glatt aus unbestimmten Grund herausgeploppt. Beide rein, Band drauf, Beatles wieder zu hören.

Hapüh!!!

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#11
Zitat:niels postete
Sie gleichen sich doch auf diese Weise beinahe wie ein Ei dem andern. Big Grin

[...]
Was treibst Du denn da für ein Bäumchen-wechsel-dich-Spiel? Hast Du nie in den UHER-Bedienungsanleitungen gelesen, dass auf UHER-Tonbandgeräten nur UHER-Spulen verwendet und diese nicht auf Geräten anderer Hersteller eingesetzt werden dürfen? ;-)

Gruß, Anselm
Früher war mehr UHER. Cool Meine UHER-Erinnerungen
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#12
Na Na na, ich pack meine Uher Alu´s auch auf meiner Saba Tg544, sieht nicht nur gut aus, es knistert auch weniger beim umwickeln der Senkel in Highspeed :-)
Ich putze hier nur...
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