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ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Druckversion

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ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Marcel Steiner - 21.10.2025

Guten Abend

Ich habe versucht, aus zwei G36 ein "schönes Gerät" zu machen. Dazu habe ich in erster Linie den ganzen Kopfträger gewechselt, weil der Wiedergabekopf des schöneren Gerätes defekt war. 
Also Kopfträger raus und genau so wieder rein beim anderen Gerät, minutiös Fotos gemacht. Aber jetzt habe ich den folgenden komischen Fehler:
  • Wiedergabe geht auf beiden Kanälen.
  • Auf Input I und II kann ich ein Signal sauber vom Radio durchschlaufen.
  • Aufnahme funktioniert einzeln auf Kanal I und auf II, aber nicht auf beiden Kanälen gleichzeitig. Wenn ich Stereo aufnehme, dann ist die Aufnahme (sowohl ab Band später als auch bei Hinterband sofort) sehr stark gestört, resp. verzerrt (etwa so, wie wenn ein schwaches Signal sehr stark verstärkt wird).
Natürlich glaube ich, dass ich alles richtig angeschlossen habe, oder doch nicht? Hat jemand eine Idee, wo ich suchen könnte? (Röhren habe ich schon getauscht).
Gruss Marcel


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Micha94 - 21.10.2025

Aus dem Bauch heraus:

- Position des Massseanschlusses am Aufnahmekopf prüfen.
- Die Wicklungen des Kopfes auf korrekten Widerstandswert prüfen
- Beide Aufnahmezweige auf (versehentliche) Querverbindung prüfen

Bleibt das ohne Diagnose im Betrieb des Aufnahmeverstärkers die Spannungen an den Röhren laut Schaltbild prüfen.


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Marcel Steiner - 22.10.2025

Danke, Micha!

Nachdem ich all deine Vorschläge leider ohne Erfolg ausprobiert hatte, habe ich beschlossen, auch noch die Oszillatorplatine 1.636.680-01 zu tauschen - und siehe da, danach lief sie wieder.

Ganz sicher bin ich mir aber noch nicht, ob die Oszillatorplatine wirklich defekt war oder ob etwas anderes im Spiel war. Der ursprüngliche Kopfträger hatte einen älteren Löschkopf, während der neue Kopfträger einen Löschkopf hat, der eher demjenigen einer A77 ähnelt. Haben die eventuell unterschiedliche Spezifikationen? Die anderen Köpfe habe ich durchgemessen - alle zeigen vergleichbare Werte, ausser der defekte Wiedergabekopf.

Ich bin jedenfalls froh, dass sie wieder läuft! Jetzt mache ich nur noch ein paar Lötstellen sauber, dann kommt sie wieder in den Koffer.

PS: Ich frage mich wirklich, in welcher Reihenfolge die Techniker bei ReVox das Gerät damals zusammengebaut haben. Das ist ein richtiges „Gnifu“ (Berndeutsch für „knifflige Arbeit“). Und warum sie die Drähte nicht einfach ein paar Zentimeter länger gelassen haben.

Gruss Marcel


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Micha94 - 22.10.2025

Freut mich, dass du den Fehler gefunden hast. Die Köpfe wurden im Laufe der Zeit geändert. Aufschluss könnte eine Messung der Impedanz bringen.
Zu den Oszillatorplatinen der Revox G36 habe ich keine Informationen. Aber zumindest bei der Revox A77 wurde diese mindestens 1x geändert.

Ansonsten gilt "Murphys Gesetz". Es könnte auch einfach ein dummer Zufall sein, dass genau in diesem Moment ein Defekt des Oszillators auftrat.


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - The_Wayne - 23.10.2025

Hallo!

Die Historie der G36 nicht leider bei weitem nicht so gut dokumentiert, wie die des Nachfolgermodell A77. Schließlich gab es ja von der G36 immerhin auch drei Revisionsstufen (Mk 1, 2 und 3).

Hier habe ich noch etwas dazu gefunden:

"Die runden, tonnenförmigen Tonköpfe (Aufnahme- und Wiedergabekopf) wurden bei den letzten hergestellten Revox G36-Geräten schon durch die neueren, kompakten Tonköpfen ersetzt. Diese modernen Tonköpfe wurden auch eingebaut, wenn abgenutzte Tonköpfe ersetzt werden mußten. Sie sehen zwar genauso aus wie die Köpfe der A77, A700, B77 und PR99, haben jedoch andere technische Werte und können deshalb nur in den G36 verwendet werden."

Möglicherweise hat die unterschiedliche Kopfbestückung auch eine Änderung der Schaltung zufolge. Ich besitze zwar eine G36 (Mk 2 Halbspur), mehr dazu sagen kann ich aber nicht.


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Marcel Steiner - 23.10.2025

[quote pid="408539" dateline="1761195721"]
Möglicherweise hat die unterschiedliche Kopfbestückung auch eine Änderung der Schaltung zufolge. Ich besitze zwar eine G36 (Mk 2 Halbspur), mehr dazu sagen kann ich aber nicht.
[/quote]

Dann müsste es sich um den Löschkopf (werde ich noch ausmessen) handeln, die anderen Köpfe sind baugleich und weisen vergleichbare Widerstands- und Induktivitätswerte auf (abgesehen von der defekten Spur beim Wiedergabekopf). Auf den ersten Blick sehen die Oszillatorplatinen identisch aus, jedenfalls haben beide exakt die gleichen Nummern 1.636.680-01.

Fakt ist aber schon, dass ich den Kopfträger von einer MKIII auf eine MKI verschoben habe.


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - optacord414 - 23.10.2025

Ich habe bei meiner G36 vor ca. 15 Jahren die runden Köpfe (AK und WK) gegen die neuere Ausführung ersetzt. (WK obere Spur defekt, Spalt aufgegangen - ab 8 KHz ging's bergab...).
Eine Schaltungsänderung war nicht nötig.

Edit: der gelieferte LK ist eine runde Ausführung.

Hast Du nur die Platine oder auch die Oszillator-Röhre getauscht?


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Marcel Steiner - 23.10.2025

(23.10.2025, 12:10)optacord414 schrieb: Hast Du nur die Platine oder auch die Oszillator-Röhre getauscht?

Nur Platine, aber die Oszillator-Röhre habe ich mal getauscht und beide laufen. 

Was könnte auf der Oszillator-Platine defekt sein?


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - optacord414 - 23.10.2025

Die Anzahl der Bauteile ist ja überschaubar. 
Möglicherweise ist gar nichts defekt, sondern die Verbindung zum Löschkopf war irgendwo unterbrochen.
Ohne die Induktivität des LK schwingt der Oszillator evtl. nicht.


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - q-tip - 23.10.2025

(22.10.2025, 21:32)Marcel Steiner schrieb: PS: Ich frage mich wirklich, in welcher Reihenfolge die Techniker bei ReVox das Gerät damals zusammengebaut haben. Das ist ein richtiges „Gnifu“ (Berndeutsch für „knifflige Arbeit“). Und warum sie die Drähte nicht einfach ein paar Zentimeter länger gelassen haben.

Irgendwo im Netz gibt es Fotos von der Produktion der G36, wo erst zwei Hälften soweit aufgebaut werden und dann zusammengeführt. Finde ich leider gerade nicht wieder, aber vielleicht hat sie ja jemand anders hier griffbereit...

Gruß
Robert

PS: Nach dem Durchmessen der Tonköpfe entmagnetisieren nicht vergessen.


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Micha94 - 23.10.2025

Am einfachsten kommt man an das Innere, wenn man das Oberteil abbaut. Also die Motoren, Tastensatz und den Rest abschraubt und die Tonköpfe ablötet.
Das ganze ist aber immer noch eine schlimme Strafarbeit. Die kurzen Kabel sind sehr nervig, weil auch bei größter Vorsicht oft irgendwo etwas abreißt.


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Marcel Steiner - 23.10.2025

Gerät läuft wieder.

Zusätzlich wurden die Kondensatoren C73, C74 und C75 ersetzt.

Die Köpfe wurden durchgemessen; die Werte (R und L) aller drei Köpfe sind mit denen des ausgebauten Kopfträgers vergleichbar (ausser der defekte Wiedergabekopf). Daraus lässt sich schliessen, dass entweder die Oszillatorplatine eine Fehlfunktion aufwies oder eine Lötverbindung nicht einwandfrei war. Unabhängig davon arbeitet das Gerät nun wieder einwandfrei.

Alle bandführenden Komponenten sowie die umgebenden Metallteile wurden entmagnetisiert. Der Bias wurde gemäss Service-Manual neu eingestellt. Anschliessend wurde das Gerät vollständig wieder montiert – ohne verbleibende Schrauben oder Teile.

Vielen Dank nochmals für die Unterstützung!

Gruss
Marcel


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - optacord414 - 24.10.2025

Auf welche Bandsorte hast Du eingemessen?


RE: ReVox G36, 2-Spur - "komischer Fehler eingebaut" - Marcel Steiner - 24.10.2025

(24.10.2025, 11:46)optacord414 schrieb: Auf welche Bandsorte hast Du eingemessen?

Die Maschine verwende ich ausschliesslich für sehr altes BASF-Band, Typ BASF LGS und LGS 52 (in weiss-blauen Schachteln, grosse 26-cm-Spulen) aus den 1950er-Jahren.

Frage: Diese Bänder lassen sich nur äusserst schwer vollständig löschen. Mit meinen ReVox-Geräten (2- und 4-Spur) gelingt das nicht, was nachvollziehbar ist, da die Aufnahmen zwischen 1951 und 1954 auf einem mir unbekannten Mono-Gerät gemacht wurden. Erstaunlich ist jedoch, dass selbst mit meinem TEAC E-2A Bulk Eraser fünf bis zehn Minuten nötig sind, bis die ursprünglichen Aufnahmen – offenbar Predigten eines Pfarrers – wirklich verschwunden sind.

Hast du eine Idee, weshalb sich dieses Band so hartnäckig löschen lässt – oder mache ich dabei etwas falsch?