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Paulas bester Freund - Ferrograph - 06.07.2025 Neben Bandmaschinen, fröne ich auch noch anderen für mich nützlichen und erfreulichen Dingen. Ich ärgere mich jedoch schon geraume Zeit keinen „amtlichen“ Gitarrenübungsverstärker zu besitzen… Natürlich haben sich im laufe der Jahre einige Transistor Übungsverstärker aus diversen Gitarrenkäufen oder anderen Nachlässen hier bei mir angesammelt. Diese klingen zum Teil auch erstaunlich gut. Mein Wunsch war trotzdem ein kleiner Röhrenverstärker für mich als Amateur auf der E-Gitarre… Einige Anbieter haben Röhrenverstärker in der 5 Watt Klasse recht preiswert im Angebot. Die Chinesen sind sogar in der Lage solche Gitarrencombos noch einmal für die Hälfte der renommierten Hersteller anzubieten… Mein Ziel war klar, ich wollte einen kleinen individuellen Gitarrenverstärker zum Üben, neudeutsch auch Bedroom Amp….Und kosten sollte er fast nix... Dazu wollte ich so viel wie möglich aus diversen Röhrenradios und Bastelkisten wiederverwenden und so wenig wie möglich neu kaufen. Natürlich kann man im Netz für diverse Nachbauprojekte komplette perfekte Bausätze erwerben, das war mir jedoch immer zu kostenintensiv und anspruchslos… In diesen heißen Tagen mußte ich erst einmal eine Bestandsaufnahme vornehmen. Aus diversen Röhrenradiowracks (die ich vor langer Zeit in der Hoffnung der Restaurierung zusammen getragen hatte) wählte ich ein paar Fragmente vom Oberon Stereo von Stern Radio Rochlitz aus, welches ich bereits vor vielen Jahren kaputt repariert hatte… Eine separate NF-Leiterplatte mit einer ECC83 und einer EL84 im Eintakt A-Betrieb, einer der eingebauten ovalen Breitbandlautsprecher sowie ein zugehöriger Ausgangsübertrager fanden sich in diesem Wrack. Der Netztrafo kam aus einer Bastelkiste. Ein Chassis für die Elektronik zu biegen und zu bohren war mir zu aufwendig, also alles mit Abstandshaltern auf ein 28mm Dielenbrett „genagelt“. [attachment=82499][attachment=82497] Wer jetzt schon die Hände über dem Kopf zusammenschlägt braucht ja nicht weiter zu lesen. Ich habe alte amerikanische und britische Verstärker gesehen die waren noch rustikaler auf Sperrholzplatten frei verdrahtet und montiert… Die Bedienelemente habe ich auf einem vorhandenen Winkelblech auf diesem provisorischen „Chassis“ angebracht. Ich habe gerade gesehen, daß ich das Lüftungsgitter noch mit dem Schutzleiter verbinden muß, wird nachgeholt.. Röhren Verstärker benötigen meistens hochohmige Potentiometer, das was ich in meinen Bastelkisten fand waren maximal 100kOhm, damit funktionierte der Verstärker nicht gut. Zum Glück gibt es logarithmische Potis in Metallausführung vor Ort im Musikladen recht preiswert und von guter Qualität. Ein passendes Gehäuse aus Fichtenholz mit Rechteckzinkung findet man für kleines Geld als preiswerte Universalkiste im Baumarkt. Ich wollte kein Spanplatten-“Totholz“ verwenden und Eigenbau aus Birke Multiplex war mir zu teuer und zu aufwändig. Ich habe jedoch einige Sperrholzplattenreste aus dem Baumarkt für Frontplatte und Rückwandverstärkung mitgenommen. Mit der Schaltung aus dem Röhrenradio war klar in welche Richtung sich das Verstärkerdesign entwickeln würde. Es ist ein Princeton 5F2A-Clone geworden, allerdings mit zusätzlichen Vorverstärkerregler (Gain) und einer Bandaxall Klangregelstufe erweitert. Ein Hauptunterschied zwischen Audio- und Gitarrenverstärkern ist oft eine fehlende Endstufen Gegenkopplung. Einige von Leo Fender und Doc Kaufman Entworfenen hatten jedoch die Gegenkopplung zur Linearisierung des Frequenzganges noch eingebaut, manchmal abschaltbar. Diese Fender Verstärker verzerren das Signal erst viel später als die britischen Typen wie Marshall und Vox-Verstärker welche meistens auf diese Gegenkopplung verzichten. Und genauso sollte mein Eigenbauverstärker klingen, möglichst lange einen sauberen Ton halten, allerdings mit Reseven zur rauheren Gangart in Abhängigkeit des Gainreglers. Als Lautsprecherabdeckung habe ich ein grobmaschiges Servierdeckchen aus dem Baumarkt verwendet, mit Sprühkleber auf der Frontplatte befestigt. Eine Entlüftung ist obligatorisch; die 2 Röhren und Siebwiderstände erzeugen beträchtliche Abwärme in der geschlossenen Box. Über die Bedienelemente werde ich noch eine Aluminiumblende anbringen, der Plan ist eine Laserdruckfolie zu bedrucken und die Bedienblende damit zu beschichten. Ob ich das Äußere des Verstärkers noch mit Tolex oder farbigen Bezugsstoff versehe, weiß ich noch nicht. Alles in allem hat mich der Gitarrenverstärker für meine Les Paul um die 55 Euro gekostet, eigentlich doch mehr als ich erwartet habe… [attachment=82498] Den Klang kann man durchaus mit einem Princeton von der Firma Fender vergleichen, allerdings ermöglicht die Klangregelung und der Vorverstärkungsregler erweiterte Einstellungen. Sicherlich würde ein spezieller Gitarrenlautsprecher noch etwas mehr Transparenz bringen, ich hatte mir jedoch im Projekt bewußt Grenzen gesetzt… Falls jemand Interesse am Nachbau hat, habe ich den modifizierten Schaltplan beigefügt. [attachment=82496] Viel Spaß beim Lesen und Grüße, Jan RE: Paulas bester Freund - charly-7 - 06.07.2025 Hallo Jan , welchen Wert hat denn der Kathodenkondensator der ECC 83 ? Gruß charly
RE: Paulas bester Freund - Ferrograph - 06.07.2025 (06.07.2025, 18:19)charly-7 schrieb: Hallo Jan ,Eigentlich irgend etwas zwischen 22 und 47µF. Ich lasse die niedrigen Frequenzen aber von der Eingangsstufe anders verstärken und habe dort nur 470nF eingebaut. Der Anodenwiderstand über dieser Triode ist auch 220k... Gruß Jan RE: Paulas bester Freund - bitbrain2101 - 06.07.2025 Hallo Jan, warum sitzen am Gitter und der Kathode der ersten Triode jeweils 2 parallel geschaltete Widerstände ? Hast du die benötigten Werte nicht in der Kiste gehabt ? MfG, Tobias RE: Paulas bester Freund - Ferrograph - 07.07.2025 (06.07.2025, 22:36)bitbrain2101 schrieb: warum sitzen am Gitter und der Kathode der ersten Triode jeweils 2 parallel geschaltete Widerstände ? Hast du die benötigten Werte nicht in der Kiste gehabt ? Der 10M und 10K Widerstand waren original im Radio auf der Leiterplatte verbaut. Der Gitterableitwiderstand von 10M ist für einen Gitarrenverstärker zu groß, auch der Kathodenwiderstand 10K passt nicht für diese neue Anwendung. Da die alten Kohleschichwiderstände sehr schlecht von der Platte zu entfernen sind, ohne die Leiterzüge zu beschädigen, habe ich die benötigten Werte durch Parallelschaltung erzeugt. Gruß Jan RE: Paulas bester Freund - dynamike - 07.07.2025 Danke fürs zeigen, Jan. Gefällt mir gut, Dein Schlafzimmer-Amp. LG Mike RE: Paulas bester Freund - R@lly - 07.07.2025 - mal so halb zum Thema- Bedroom Amp -, aber ohne "Röhre" [attachment=82555] Bei mir steht der im Schlafzimmer im wahrsten Sinne des Wortes. Ist zwar keine Röhre, aber meinen FOX + Cabinet.. da würde mich meine Frau incl. des Amps `rauswerfen. Dieser Fender FM 212 DSP ist ein genialer Amp, dieses DSP emuliert etliche Effektgeräte, der Amp ist recht kompakt, kann aber mit seinen 100W und zwei 12 Zoll Fender Speakern zur Not echt Krawall machen. - Für mich der ideale "Wohnungs-Amp" zur Not auch auf der Bühne zu gebrauchen, aber dank der kompakten Maße auch gut in irgendeiner Ecke zu verstauen. . RE: Paulas bester Freund - bitbrain2101 - 07.07.2025 Meine bescheidene Meinung - Gitarre ohne Röhre klingt nicht gut RE: Paulas bester Freund - RevoxIngo - 08.07.2025 Hallo Jan, eine interessante Schaltung hast Du da. Eine Lautstärkeregelung (V) innerhalb eines äußerlich gegengekoppelten Verstärkers ist aber eigentlich recht unüblich und regelt damit auch den Klirrfaktor - je weiter der Schleifer des Potis G gegen Masse geht, desto geringer ist die Schleifenverstärkung und desto weniger kann die Gegenkopplung die Verstärkung stabilisieren und den Klirrfaktor verringern. Habe ich so noch nie gesehen. Vg Ingo. RE: Paulas bester Freund - Ferrograph - 08.07.2025 (08.07.2025, 15:38)RevoxIngo schrieb: Eine Lautstärkeregelung (V) innerhalb eines äußerlich gegengekoppelten Verstärkers ist aber eigentlich recht unüblich und regelt damit auch den Klirrfaktor - je weiter der Schleifer des Potis G gegen Masse geht, desto geringer ist die Schleifenverstärkung und desto weniger kann die Gegenkopplung die Verstärkung stabilisieren und den Klirrfaktor verringern. Das ist so beabsichtigt, es ist ein Gitarrenverstärker der nichtlinear auch verzerren soll. Es wäre noch eine weitere Verstärkerröhre für die Vorstufenverzerrung vorteilhaft aber ich wollte das kleine Projekt so preiswert wie möglich gestalten... Mittlerweile habe ich auch eine Bedienplatte "selbst gefeilt" und mit Folie versehen. Die ist ganz ordentlich geworden für das erste Mal; diese Methode hat Potential und verursacht minimale Kosten.... Ja ich weiß, es gibt Versatz bei den Bohrlöchern und einige Klebestellen sind nicht ganz sauber, beim nächsten Mal wird es genauer, für den Übungsamp reicht es erst einmal... [attachment=82566] Gruß Jan RE: Paulas bester Freund - RalfR - 08.07.2025 Wie hast Du das gedruckt, Tinte oder Laser? Und welche Folie (Marke wäre nett )Vermutlich wäre Nasskleben die erste Wahl. Oder hast Du? RE: Paulas bester Freund - Baruse - 08.07.2025 (07.07.2025, 15:25)bitbrain2101 schrieb: Meine bescheidene Meinung - Gitarre ohne Röhre klingt nicht gut Grundsätzlich muß ich dir da uneingeschränkt zustimmen. Allerdings ist das seit Capturing weitestgehend hinfällig. Ich nutze seit einiger Zeit ein ToneX Pedal und seitdem ist mein 3k Röhrenamp arbeitslos. Kein Geschleppe mehr, ich spiele direkt in die PA, hab einen geilen Monitorsound. Es bringt eigentlich nur Vorteile. RE: Paulas bester Freund - Ferrograph - 08.07.2025 (08.07.2025, 17:03)RalfR schrieb: Wie hast Du das gedruckt, Tinte oder Laser? Und welche Folie (Marke wäre nett Hallo Ralf, ist überhaupt nicht kompliziert und sogar wetterfest... [attachment=82567] Drucken mit Laser. Selbstklebend und temperaturfest. Die Folie gibt es sicher auch in A3; dann wäre ein Copyshop vorteilthaft. Zum Entwerfen nimmt man am besten ein Vektorgrafikprogramm, da gibt es einige kostenfreie Frontplattengestalter die man mit ein paar Tricks dafür nutzen kann... Gruß Jan |