noch mal hochholen dieses Thema, vielleicht interessiert es ja jemanden.
Das Gerät gab es von Lorenz, da hiess es Heimstudio, von Schaub, da hiess es Supraphon, und von einer Firma Steiner, die es recht erfolgreich in der Schweiz vertrieben hat, da nannte man es Recordophone.
Es gab im Prinzip zwei Laufwerksgenerationen, bevor die Produktion eingestellt wurde - die frühere mit dem TO100x Tonarm, und die spätere mit einem PE-Tonarm und dem Magnetsystem PE3000. Natürlich war das Gerät KEIN Vorläufer des Tefifons, der Schallbandspieler ist eine völlig eigenständige Technologie. Wenn man sich die Geschichte der Drahttontechnik ansieht, ist der Drahtton eher der Vorläufer des Tonbandgerätes. Das Lorenz Drahttongerät ist eine von mehreren Technologien, die in den frühen Fünfzigern parallel produziert wurden, bevor die Vinyl Schallplatte und das Tonband das Rennen gewannen.
Das Tefifon benutzt in der bekannten Form die Technologie der Schallplatte. Lediglich in der Anfangszeit wurde auch mit Magnetton experimentiert, die Cassetten enthielten dann kein Schallband mit Rillen, sondern ein mehrspuriges Magnetband, von dem jede Spur knapp 20 Minuten Ton aufzeichnen konnte. Das System setzte sich vor allem deshalb nicht durch, weil man nicht erkennen konnte, wann der Umlauf zuende war, und man anfing, die gerade gemachte Aufnahme wieder zu überschreiben. Weiterhin gab es keinen Schnellstopp, so dass sekundengenaues Starten und Stoppen der Aufnahme unmöglich war. Das Lorenz Drahttongerät war da deutlich benutzerfreundlicher, man konnte sogar eine Schellackplatte spielen und gleichzeitig auf Draht aufzeichnen.
Ich selber bin auf die Technik aufmerksam geworden, als ich für meine Grundig Monstertruhe nach einem Magnetsystem PE3000 gesucht habe. Auf der Suche fand ich dann in einer Kleinanzeigenbörse eine Anzeige ohne Bilder mit dem Text "Schaub Supraphon nur an Selbstabholer, 30km von meinem Wohnort entfernt, 25 Euro". Es war kein Telefon und keine Mailadresse angegeben, so schickte ich eine Antwort zurück, ohne mit einer Reaktion zu rechnen. An einem Montag, ich habe schon gar nicht mehr an das Ding gedacht, bekam ich dann einen Telefonanruf. Das Gerät müsse heute um 15 Uhr abgeholt werden. Davor geht nicht, weil man nicht drankommt, danach auch nicht, weil es dann im Container liegt. Rückruf ist auch nicht möglich, weil kein Handy vorhanden ist. So habe ich alle Termine abgeblasen, und bin losgefahren. Das Zielgebiet war so eine Siedlung, wo es nur eine Strasse gibt, und alle Hausnummern kreuz und quer verteilt sind. Immer mehr kam mir der Verdacht, Opfer der versteckten Kamera zu werden, nachdem ich aber beim dritten Anwohner angeklingelt hatte, bekam ich die Auskunft, wo ich hinfahren müsste. Am Zielort lernte ich dann einen netten mittelalten Herrn kennen, der sein Eigenheim an diesem Tag besenrein an den neuen Besitzer übergeben musste. Die Garage stand bis vorne voll mit Kisten voller Entrümpelungsmüll. Als dann der Container verspätet ankam, habe ich mitgeholfen, das Zeug aus der Garage zu räumen. Irgendwann in der Mitte der Garage tauchte dann das Supraphon auf. Für 25 Euro hatte ich ein Fragment zum Schlachten erwartet, tatsächlich war das dann dieses gute Stück hier:
Der Verkäufer wollte das Zeug nur noch loswerden - ich habe ihm dann freiwillig 50 Euro gegeben, und auf der Heimfahrt hat mich ein wenig die Vorstellung entsetzt, dass das Gerät beinahe im Container gelandet wäre. Das Gerät stammte direkt vom Chef eines Kölner Vertriebsbüros für Schaub und Lorenz, und ist von da direkt in den Partykeller des Vorbesitzers gewandert. Technisch ist es deshalb so interessant, weil es in idealer Weise diesen Technik Mischmasch aus Vor- und Nachkrieg verkörpert, den es in der frühen Bundesrepublik gab, und der heute kaum dokumentiert ist. Das Radio ist eine Weiterentwicklung dieses Modells aus der Kriegszeit:
http://www.radiomuseum.org/r/lorenz_l45w.html
http://www.radiomuseum.org/r/schaub_sg42_alt.html
UKW ist vorhanden, aber noch nicht ins Chassis integriert. Die vielen Kurzwellenbereiche des Vorkriegsgerätes sind nicht mehr vorhanden, die dadurch frei gewordenen Tasten sind mit den Funktionen für das Drahttonlaufwerk belegt. Die ganz frühen Geräte waren mit amerikanischen Röhren bestückt:
http://www.radiomuseum.org/r/schaub_reco...n_t22.html
Danach wurde in weiten Teilen wieder auf die Kriegskonstruktion zurückgegriffen
http://www.radiomuseum.org/r/schaub_supraphon_52_2.html
Die letzte Generation hatte dann ein ganz normales "Gebissradio" eingebaut, die Laufwerkssteuerung lag nicht mehr im Radioteil, sondern wie beim Koffer in einem separaten Verstärkerteil.
http://www.radiomuseum.org/r/schaub_supraphon_53.html
Nachfolger gab es dann keine mehr, 1954 hatte das Tonbandgerät schon seinen Siegeszug angetreten.
In der Schweiz gab es dann noch dieses Modell hier:
http://www.radiomuseum.org/r/lorenz_vide..._30m3.html
Für so eine Truhe würde sich auch in meinem vollen Radiozimmer noch ein Platz finden

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Gruß Frank