Zitat:timo postete
In den HiFi-Geschäften hier in der Gegend stand aber schon Mitte der 80er Jahre die gleiche japanische Massenware...
...was ja, wie wir wissen, schon allein daran gelegen hat, daß bereits
zu diesem Zeitpunkt die grossen deutschen U-Geräte-Hersteller fast
nichts (eigenes) mehr auf die Beine gestellt haben. Man schaue sich nur
das Innenleben vieler 80er Jahre SABA-Geräte an. Das waren in japanischer
Lohnfertigung hergestellte Dinger - die hatten mit der ehemaligen Schwarz-
wälder "Schnitzkunst" nichts mehr zu tun. Aber grottenschlecht waren die
deswegen nicht!
Zitat:timo postete
Welche deutschen Geräte aus dieser Zeit sind denn Deiner Meinung nach gut?
Um bei den Spulis zu bleiben - so ganz schlecht schneiden die europäischen
Kisten da nun nicht ab. Zumindest in den 60ern gab es ja schon die A77,
die überaus bemerkenswerte SABA 600 (...ein wirkliches Sahnestückchen -
sicher nicht die zukunftsweisende Ingenieurskunst schlechthin, aber mit
techn. Ausstattungsmerkmalen, die damals kaum eine andere Maschine
diesseits und jenseits der Weltmeere aufweisen konnte). Und auch unter
den von Dir "geschmähten" TFK gab es die 204 und von Grundig waren
die TK320 auch soooo übel nicht. Nicht zu vergessen eine Uher RdL, die
ja auch bereits Ende der 60er das Licht der Welt erblickte.
Ich denke, die Erfolgskurven schnitten sich so etwa gegen Anfang bis Mitte
der 70er. Und da war ein so kleines Unternehmen wie Akai offensichtlich
flexibler, als ein Riese wie Grundig oder AEG-Telefunken.
An der Ingenieurskunst hat es sicher am wenigsten gelegen, dass dann
die breite Masse zur Fernost-Ware griff. Und dass diese, in den Jahren
ihrer Marktführerschaft nur Schrott produziert haben, ist ja wohl eindeutig
nicht ganz richtig. Man denke nur an die fantastischen Verstärker von
Sansui (..bis zur Übernahme durch Fisher), oder die Geräte von
Yamaha (... einem Unternehmen mit wohl bald 100-jähriger Geschichte
im Instrumentenbau!) oder Denon. Und billige Massenware?
Ein Sansui 9900 war ein 19 kg-Klotz, der 1976 mit 2.800,- DM aufgewogen
werden wollte. Vergleichbares in Preis und Leistung gab es zu dem
Zeitpunkt aus "merry old Germany" m.W. nach nicht. Von der SPEC-
Serie von Pioneer will ich hier gar nicht mal reden. Oder der 700er
Vor-/Endstufenkombi von Kenwood (1976 für knapp 5.000,- zu
haben). Leerer Billig-Kram? Nee, der sieht anders aus.
Wo die Japaner preisgünstiger waren, war vor allem in der unteren
Leistungs- und Ausstattungsklasse. Da schlugen sie die europäische
Konkurrenz preislich - natürlich auch mit zum Teil spartanischer Ausstattung.
Stationstasten an japanischen Tunern? - Fehlanzeige. Standard hingegen
an jedem DUAL, Nordmende oder Grundig.
Oder ein anderes Beispiel: Verstärker DUAL CV62 - mit zwei frontseitigen
Mikrofonanschlüssen (für hoch- und niederohmige Mikrofone und Speisung
für Kondensator-Mikrofone), mit Anschlussmögl. für Quadro-Decoder, mit
2 vollwertigen Tapeschleifen - das Ganze zum Listenpr. von 600 DM
(1976). Im Vergl. dazu ein National Technics SU7600 für 520 DM - der hatte
nichts von all dem, aber dafür eine etwas dickere Endstufe.
In diesem Preissegment waren die japanischen Geräte zumindest was
die Ausstattung anging, deutlich unterlegen. Aber sie waren "trendy" -
der Otto-Normalo wollte nämlich in den 60ern und fühen 70ern im Sommer
nach Rimini, und zwar mit dem eigenen Ford-Taunus nebst Wohnwagen.
Und ein tragbares Kofferradio für die Urlaubsreise musste auch her - also
liess man die Stationstasten am Tuner weg und kaufte Sony, Kenwood & Co.
Zu spät erkannte man in den deutschen Führungsetagen, dass "weniger"
manchmal auch "mehr" sein kann - die Einkaufsversuche mit in Fernost
gefertigten Geräten unter deutscher Flagge waren da schon nur noch ein
letztes Aufbäumen. Die Konsumenten hatten sich zu dem Zeitpunkt
schon längst an das "weniger an Ausstattung" gewöhnt und dehnten
bereits ihre Aufmerksamkeit auf andere Bereiche aus (auch das sonntägliche
Tennisspielen, der Musikunterricht der lieben Kleinen, oder Mutti´s
Einkaufs-Auto wollten bezahlt werden).
Und in den 90ern dann die nächste "Runde" mit Computer, Handy,
Multimedia & Co. - da blieb dann für HiFi nichts mehr übrig, denn auf
Tennis, Musikunterricht und Einkaufsauto verzichten ? Niemals!
Also wurde nur noch Plaste-Kram gekauft - und das war dann auch
das AUS für Akai, Sansui und einige andere. Marantz ging an Philips
(... die es möglicherweise auch schon wieder ausgespuckt haben),
die Sanyo-Fisher-Group produzierte, zumindest im U-Bereich, nur
"Übelstes" und der Rest?
Naja - überlebt haben bis heute schon noch einige aber die Käufer-
hirne haben ihre Aufmerksamkeit erneut breiter gestreut. Die Auswirkungen
kennen wir.
Ich bleibe dabei - der Konsument kann im Grunde frei entscheiden, was
er wählt. Natürlich gibt es Manipulationsversuche seitens der Hersteller.
Aber gezwungen, einen schundigen Plasma-TV zu kaufen, um sich
auf 2 m² Bildschirmfläche irgend einen Soap-Scheiss anzugucken, wird
hier noch keiner. Warum es also tun?
Ihr glaubt gar nicht, wie schnell die Blöd-Märkte schliessen würden, wenn
es nicht täglich 100 Deppen geben würde, die dort hin rennen, um
sich den neuesten Kram zu kaufen.
Die Kunst ist, zu widerstehen... ...das steht auch schon in der "grossen
Publikation" so drin.
So - genug der Zeilen. Es ist schon wieder viel zu viel geworden, ich bitte
um Vergebung (aber Ihr müsst´s ja nicht lesen).
Im Grunde sind wir uns hier ja auch einig... ...und ich bin müde!
Gute Nacht!