Hallo!
Die kontroverse Aufgabe des BR-Studiobaus zu Gunsten eines Neubaus in Freimann ist in Teilen hier im Forum ja auch bekannt. Der Umzug ist ja aktuell im vollen Gange. Da der Neubau laut Aussage vom BR nur noch 20% Fläche der bisherigen Gebäude hat, geht damit eine Auflösung von Archivmaterial und Inventar einher.
Hier kann man dazu etwas nachlesen.
Ich zitiere daraus mal zwei interessante Passagen:
"Sämtliche etwa 300.000 Tonbänder mit BR-Produktionen wurden ebenfalls digitalisiert und stehen den Redaktionen im BR und ARD-weit weiterhin zur Verfügung. Ausgewählte Wort- und Musikproduktionen mit besonderem historischem Wert werden langfristig als Originalträger im BR-Unternehmensarchiv aufbewahrt. Die weiteren Tonbänder werden fachgerecht ausgesondert."
"Fachgerecht ausgesondert" bedeutet wahrscheinlich leider einfach "Entsorgung". Schade eigentlich, da ist wahrscheinlich noch einiges an brauchbarem Bandmaterial dabei. Aufgrund von Urheberrechtsthemen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das in irgendeiner Form angeboten wird.
"Trennen muss sich der BR auch von rund 7.000 ausgedienten Technik- und Ausstattungsgegenständen – von Mikrofonen und Bandmaschinen über Büromöbel bis hin zu IT- und Antennentechnik. Im Sinne der Nachhaltigkeit soll auch dieser Bestand zum größtmöglichen Teil wiederverwertet werden, etwa durch Weiterverwendung im BR oder anderen Landesrundfunkanstalten. Die dann noch übrigen Gegenstände werden über eine Auktion öffentlich angeboten, die Erlöse kommen der Benefizaktion Sternstunden zugute."
Hier wäre interessant, wann und wo das geschehen soll. Ich könnte mir schon vorstellen, dass da die ein oder andere M15A auf dem Markt landen könnte. Aber auf so attraktive Preise wie vor ca. 20 Jahren wird man da ohnehin nicht mehr hoffen können. Ich würde dennoch gerne wissen, was da alles Angeboten wird.
Frag doch mal an: presse@br.de
Hallo Hörbie!
Danke für die Info!
Aus Dokumentationsgründen, falls der Link mal ins Leere führt, zitiere ich deinen Post mal:
Zitat:Ich hatte da angerufen wegen der Bänder. Mir wurde gesagt, dass die Bänder aus Urheberrechtsgründen nicht veräußert werden
dürfen und das Löschen dieser Bandmengen nur mit riesigen Magneten möglich wäre. Da besteht jedoch die Angst, dass das
Equipment außen herum Schaden nimmt. Deshalb werden sie nicht gelöscht, sondern entsorgt.
Den öffentlichen Verkauf des Technik-Materials haben deren Anwälte "untersagt" wegen Garantie- oder Gewährleistungsproblemen.
Das soll irgendwann über eine spezielle Firma versteigert werden.
Aber wir haben ja eh schon alle zuviel davon ![[Bild: cool.png]](https://tonbandforum.de/images/smilies/cool.png)
Hallo zusammen,
eine Info kann ich mit Vorbehalt noch hinterherschieben: falls von Euch jemand Interesse an den technischen
Versteigerungen hat, die letzten Gespräch wurden wohl mit der Firma "Restlos" (
www.restlos.com) geführt
Ob die Firma den Zuschlag bekommt oder bekommen hat, ist nicht sicher, aber es war die letzte mit der
gesprochen wurde.
Es soll aber frühestens in den ersten Monaten 2026 soweit sein.
Es war wohl zur Digitalisierung der Bänder eine ganze "Kopierstraße" mit Studer A8xx aufgebaut, die jetzt auch
alle abgestoßen werden!
Gruß
Hörbie
(23.10.2025, 05:50)The_Wayne schrieb: [ -> ]Zitat:Ich hatte da angerufen wegen der Bänder. Mir wurde gesagt, dass die Bänder aus Urheberrechtsgründen nicht veräußert werden
dürfen und das Löschen dieser Bandmengen nur mit riesigen Magneten möglich wäre.
Wenn man es so genau nimmt, frage ich mich, wo die ganzen nicht gelöschten Bänder auf eBay herkommen. Es ist gefühlt fast unmöglich, ein gebrauchtes PER528 zu kaufen, wo kein alter Radiobeitrag von einem der öffentlich rechtlichen Sender drauf ist - inkl. BR.
Wenn man die ganzen Bänder gescheit digitalisiert hat, ist das ja schon mal etwas. Bei den besagten PER528 war ich mehrmals überrascht, in welcher Qualität einige historische Reden doch irgendwo vorliegen müssen. Aus Fernsehen und früher im Schulunterricht gab es das immer nur verknackst und verrauscht. Wahrscheinlich die x-te Kopie und alle haben gedacht, ist alt, gibt es nicht besser...
Gruß
Robert
Robert,
die Rundfunk- und Fernsehanstalten lassen die Ton- und Videobänder vernichten, das machen die nicht selber.
Tonbänder sollen eigentlich in die Müllverbrennung, Profivideobänder gehen durch eine Lösch- und Reinigungsanlage.
Für die Videobänder gibt es nach der Reinigung ein Protokoll wie weit die für eine weitere Nutzung taugen.
Je nach Qualität gehen die an den Sender zurück, werden weiter verkauft an europäische Sender oder gehen an Sender die mit dem NTSC Verfahren arbeiten. Da NTSC mit einer höheren Geschwindigkeiten arbeiten (Faktor 1,5) konnte man Mängel im Material nicht so schnell feststellen.
Beim Weg zur Verbrennungsanlage ist der eine oder andere Karton mit Studio-TBs schon mal vom Transporter gefallen.
Gruß Volkmar
Einfach nur abartig, wenn man die Videobänder löscht, kann man das mit den Tonbändern doch auch machen, Käufer finden sich dafür bestimmt. Die Originale zu vernichten ist eh Wahnsinn, die Bänder halten (fast) ewig, wenn es gutes Material ist, Datenbestände auf irgendwelchen Servern, wahrscheinlich auch noch bei Fremdfirmen, sind da wesentlich gefährdeter. Aber das ist halt die typische Art von Vergangenheitbewältigung: Vernichten und vergessen, am liebsten würde man das private Tonbandeln vielleicht auch noch verbieten..
Gruß Holger
(24.10.2025, 00:13)Wickinger schrieb: [ -> ]Für die Videobänder gibt es nach der Reinigung ein Protokoll wie weit die für eine weitere Nutzung taugen.
Je nach Qualität gehen die an den Sender zurück, werden weiter verkauft an europäische Sender oder gehen an Sender die mit dem NTSC Verfahren arbeiten. Da NTSC mit einer höheren Geschwindigkeiten arbeiten (Faktor 1,5) konnte man Mängel im Material nicht so schnell feststellen.
Wird das aktuell noch so gehandhabt? Weil, ich kann mir kaum vorstellen, dass es heute noch einen Bedarf an Videobändern gibt. Zwar kann man im Vergleich zu Tonbändern, Videobänder heute nicht mehr neu kaufen, aber wer arbeitet denn noch damit? Die Aktivitäten dürften sich doch auf das Digitalisieren von Archivmaterial beschränken.
(24.10.2025, 01:03)Analoghoerer schrieb: [ -> ]Einfach nur abartig, wenn man die Videobänder löscht, kann man das mit den Tonbändern doch auch machen, Käufer finden sich dafür bestimmt. Die Originale zu vernichten ist eh Wahnsinn, die Bänder halten (fast) ewig, wenn es gutes Material ist, Datenbestände auf irgendwelchen Servern, wahrscheinlich auch noch bei Fremdfirmen, sind da wesentlich gefährdeter. Aber das ist halt die typische Art von Vergangenheitbewältigung: Vernichten und vergessen, am liebsten würde man das private Tonbandeln vielleicht auch noch verbieten..
Ich finde es natürlich auch schade, gerade weil die Bänder vernichtet werden. PER 525 oder 528 ist im Regelfall hochwertiges Bandmaterial, dass kaum Alterserscheinungen aufweist. Aber ich kann es schon nachvollziehen, dass man sich den Bändern entledigt, wenn sie digitalisiert wurden. Wäre halt nur schön, wenn es eine Nachnutzung durch Privatanwender gegeben hätte. Die digitale Speicherung halte ich für sicher, eine Gefahr sehe ich aber schon durch das Outsourcing. Mir ist nicht bekannt, wie und wo der BR seine Daten sichert, aber es ist gegenwärtig in Mode das Alles an Cloudanbieter abzutreten. Bei uns in der Arbeit wurden auch die Serverräume leergeräumt und in Büros umgebaut, die Daten sind nun alle in der Cloud. Was das bedeutet, wenn solche Anbieter Opfer von Cyberkriminellen werden oder in finanzielle Schwierigkeiten kommen, wird man sehen.
Nein – Videobänder sind nicht mehr im Einsatz. Und gewaschen wurde meines Wissens auch nie etwas. Ich selbst bin seit 35 Jahren bei Rundfunkanstalten als Autor/Referent/Trainer im Einsatz. Als ich 1988 anfing, begann gerade die Ablösung von offenen Spulenbändern durch Kassettenbänder. Das war Sony Betacam SP. Diese Kassetten wurden im Schnitt je nach geprüften Zustand bis zu achtmal überspielt. Zuvor wurden sie gelöscht und überprüft. Jeder Kassette lag ein entsprechendes Prüfprotokoll bzgl. Dropouts bei. Danach wurden sie entsorgt. Generell waren Videobänder durch rotierende Köpfe einem hohen Verschleiß unterworfen. Seit mindestens zehn Jahren wird bandlos produziert und gespeichert.