Tonbandforum

Normale Version: Klingen Masterband-Kopien besser als HiRes-files oder gräzig?
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Es kommt mehr auf das Master als das Medium an. Wenn man rein nach technischen Kriterien der Elektrotechnik bewerten würde, wäre Digital ganz vorne.
Die analogen Masterbandkopien sind aber meist ein sorgfältig angefertigtes Medium wo auf viel mehr Details als bei einem Digitalrelease geachtet wird.
Dieses Thema wurde abgetrennt von diesem Thread:

https://tonbandforum.de/showthread.php?tid=33610

Bitte bewerft euch nicht gegenseitig mit zerknüllten Magnetbändern, es wäre schade ums Material.

Viele Grüße,
Martin
Wie weiter vorn schon geschrieben wurde, sind die Consumermedien, egal ob LP, CD oder Stream, nachbearbeitet, das ist also nicht die 100% originale Master-Aufnahme aus dem Studio. Die Gründe dafür wurden auch schon genannt, es soll auch auf einer durchschnittlichen Mittelklasseanlage subjektiv "ordendlich" klingen. Allerdings hat beispielsweise ein Musiker (der uU. selbst bei einer Einspielung mitgewirkt hat) ganz andere Ansprüche, ihm kommt es auf absolute Authentizität an und das bietet eben nur eine "echte" Masterbandkopie, bei der das originale Audiosignal 1:1 übernommen wurde, ohne die Zwischenschaltung irgendwelcher Verschlimmbesserungshard- oder Software. Insofern haben solche Produkte durchaus ihre volle Daseinsberechtigung und sind nicht nur was für (neu)reiche Angeber.

Gruß Holger
Das gleiche "Produkt" könnte man auch Volldigital realisieren...
Ich glaube, dass manche komische Vorstellungen davon haben, was im Tonstudio passiert. Zum Beispiel schreibst du, Holger, das hier:


Zitat:ohne die Zwischenschaltung irgendwelcher Verschlimmbesserungshard- oder Software.
 

Ich weiß, dass du das so formulierst, um den Punkt der "High Ender" klarzumachen, das möglichst reine, unverfälschte Signal zu hören. Der Begriff "Verschlimmbesserungshard- oder Software" ist leider nicht neutral. Wer mal eine unbearbeitete Aufnahme hören würde, wäre überrascht, wie das klingt. Selbst bei Klassik-Aufnahmen wird kräftig in das Signal eingegriffen und das ist auch gut so. Es geht dabei auch nicht nur darum, dass eine Aufnahme auf möglichst unterschiedlichen Wiedergabegeräten gut klingt, sondern es geht auch darum, dass man eine gewisse Klarheit einerseits, einen gewissen Sound andererseits erreicht - ein Widerspruch, der sich nur durch Kompromisse scheinbar auflösen lässt. Und einen gewissen Sound haben sogar Klassik-Aufnahmen, man könnte auch von einer Art Klang-Ästhetik sprechen - ich ziehe das Beispiel Klassik bewusst heran, weil hier wohl am ehesten vermutet wird, dass die Aufnahmen unbearbeitet sind.
Aufnahmen sind, genau wie die Musik bzw. Interpretation, Kinder ihrer Zeit. Das Endprodukt richtet sich an den zeitgenössischen Konsumenten und der war in den 60er, 70er, 80er... Jahren ein anderer als heute. Und er hört auch in der Regel mit anderen Geräten in anderen Räumen und in anderen Zusammenhängen. 

Micha schrieb das hier:

Zitat:Die analogen Masterbandkopien sind aber meist ein sorgfältig angefertigtes Medium wo auf viel mehr Details als bei einem Digitalrelease geachtet wird.


Ich denke, dass man nicht einmal das so pauschal formulieren kann. Es gilt vielleicht für die Zeit der 80er Jahre, als möglichst viele Aufnahmen der Vor-CD-Ära auf CD erscheinen sollten und man sich nicht lange mit Detailfragen aufhalten konnte. Andererseits dauerte es dennoch bei vielen Aufnahmen eine Weile, bis sie digital verfügbar waren. Ich denke da an den Beatles-Katalog. Wenn ich an heutige digitale Re-Releases denke, vor allem bei Meilensteinen der Musikgeschichte, glaube ich schon, dass man sich Mühe gibt. Das Ergebnis trifft aber vielleicht nicht immer die Erwartungen der Rezensenten oder bestimmter Konsumenten, die die Aufnahmen mit dem "Original" (also einer früheren Veröffentlichung) vergleichen und lieb Gewonnenes vermissen. Man gewöhnt sich ja auch an klangliche Eigenheiten. 

Ich glaube einfach, dass die Käufer von Masterbandkopien bereit sind, für ein gutes und exklusives Produkt Geld auszugeben und dass sie es entsprechend genießen wollen. Genau, wie die Käufer rarer Whiskey- oder Weinsorten. Oder dass Besitzer exklusiver Autos sich an dem Besonderen erfreuen. Es geht nicht nur darum, dass etwas besser ist oder dass etwas anderes auch gut genug wäre. Und die Tape-Masterbandkopien sind - darin sind wir uns vermutlich einig? - Luxus. Genau wie die B77 MKIII. Zu wissen, dass man etwas vor sich hat, was nicht viele haben, und das einfach tadellos ist, kann doch schon etwas sein, was einem ein gutes Gefühl vermittelt.
(Gestern, 19:12)Micha94 schrieb: [ -> ]Das gleiche "Produkt" könnte man auch Volldigital realisieren...

Das ist genau der Punkt. Heutige Remaster sind in der Regel nachträglich stark in der Dynamik komprimiert. So stark komprimiert, daß ich diese Remaster als akustisch kaputt bezeichne.
Ob man diese kaputten Remaster auf CDDA, Tonband oder HiRes-Download veröffentlicht, ist egal.
Auf einer LP kostet dieser akustische Sondermüll aber Platz, weil das Füllschriftverfahren nicht richtig arbeiten kann.

Wenn man das Remaster gut macht, ist es egal, ob es als CD, Band usw. verbreitet.
Die Diskussion CDDA vs. HiRes lasse ich mal bewusst weg.

Tatsache ist jedoch, daß das Tonband als Medium HiRes definitiv unterlegen ist.
Auch sind Masterbandkopien teuer, wegen der Materialpreise und der Arbeitszeit.

Ist die Masterbandkopie vom besseren Master, kann sie natürlich besser sein als eine digitale Version.
Dann vergleicht man jedoch unterschiedliche Master, keine Tonaufzeichnungsverfahren.

Ihr solltet diese Themen trennen, sonst wird diese Diskussion zu keinem Ergebnis führen.


Viele Grüße

Joachim
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