Tonbandforum

Normale Version: Bandzugregelung vs Bandzugsteuerung
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Zum Thema Bandzugregelung wurde schon viel diskutiert. Mich interessiert das Thema grundsätzlich; besonders im Hinblick auf mittlerweile historische Lösungen. Vergleicht man den technischen Aufwand für eine echte Bandzugregelung (wie bei A700, A/B 67 oder A80) einmal mit dem Aufwand für eine Bandzugsteuerung (B62 oder exemplarisch auch Technics RS1500) so frage ich mich, was wohl die prinzipellen Vor- u. Nachtele beider Techniken sind bzw. ob auch Mischformen beider Verfahren innerhalb eines Gerätes realisiert wurden. 

Ich konnte bislang hierzu in der einschlägigen Literatur keine zusammenfassende Darstellung oder kritische Bewertung finden.


Martin
Eine Steuerung, welche die Steuergröße z.B. vom Spulendurchmesser ableitet, kann individuelle Unterschiede nicht ausgleichen. Diese können durch unterschiedliche Bandbeschaffenheit, Spannungsschwankungen, warmer / kalter Motor usw. entstehen. Ob aber solche Störgrößen überhaupt einen merklichen Einfluss haben, ist vermutlich von Fall zu Fall verschieden. (Mischformen kann ich mir aber gerade nicht vorstellen, entweder ist etwas eine Steuerung oder eine Regelung)

Freundliche Grüße
Binse
Naaamd!
Für Play/Record erwarte ich keinen praxisrelevanten Unterschied. Schwankende Störgrößen an Auf- und Abwickel sollten vernachlässigbar kleiner als die motorisch erzeugten Kräfte sein. Anderenfalls sollte man sich erst mal um die Mechanik kümmern. Eventuelles "Flattern" am Abwickel muss mechanisch ("Schlaufenfänger") aufgefangen werden; eine Regelung ist dafür eher zu langsam.
Bei der C270 wird erstmals der Aufwickel GESTEUERT, der Abwickel GEREGELT. Hat man sich patentieren lassen! Wie gesagt, sehe ich keine Probleme, das auch beim Abwickel so zu handhaben
Anders ists beim Spulen. Hier lassen sich die Wickeldurchmesser nicht aus den Drehzahlen der Motore allein ermitteln und damit fehlt die Grundlage für eine Regelung. Falls man aber eine Rolle am Band hat, die auch hier die Bandgeschwindigkeit liefert, gehts auch beim Spulen.
Liebe Grüße
Frank
Ich würde das Ganze nicht so auf die Goldwaage legen. Steuerung oder Regelung - eine Steuerung ist starr, eine Regelung flexibel, sie reagiert auf einen Messwert und erzeugt eine Rückkopplung.
Inwieweit sich das auf den Bandzug auswirkt könnte man nur durch Messreihen heraus finden. Außerden darf die Übersetzung aus einer fremden Sprache nicht vernachlässigt werden. Ich wage zu behaupten dass der Begriff Regelung sich schneller in Übersetzungen finden lässt. Ob es wirklich eine Steuerung oder Regelung ist erkennt man erst auf den zweiten Blick: wie ist die Mechanik und Elektronik aufgebaut.

Dietmar
Anders ists beim Spulen. Hier lassen sich die Wickeldurchmesser nicht aus den Drehzahlen der Motore allein ermitteln und damit fehlt die Grundlage für eine Regelung. Falls man aber eine Rolle am Band hat, die auch hier die Bandgeschwindigkeit liefert, gehts auch beim Spulen.

Ich habe bei großen Maschinen (Telefonmitschnitte, Notrufe ect) die mit 2er Geschwindigkeit laufen eine Regelung beim Spulen gesehen wo eine Fahne in eine Lichtschranke mehr oder weniger tief eintaucht. Das hat super geklappt.

Dietmar
(12.10.2025, 19:07)luedre schrieb: [ -> ]Ob es wirklich eine Steuerung oder Regelung ist erkennt man erst auf den zweiten Blick: wie ist die Mechanik und Elektronik aufgebaut.

Dietmar

Eine Voraussetzung für jede Regelung ist ein Sensor für die Regelgröße, in diesem Fall eine Bandwaage. Ohne die nix Regelung.
(12.10.2025, 19:07)luedre schrieb: [ -> ]Außerden darf die Übersetzung aus einer fremden Sprache nicht vernachlässigt werden. Ich wage zu behaupten dass der Begriff Regelung sich schneller in Übersetzungen finden lässt.

Dietmar

Das ist auch im Deutschen nicht besser. Wer kennt schon den Unterschied zwischen Steuerung und Regelung - muss ja auch nicht jeder. Ich sag mal nur "LautstärkeREGLER"?!?!
Ja, die Umgangssprache unterscheidet das nicht recht. Hinzu kommt, dass z.B. ein Lautstärken-"Einsteller" Bestandteil eines Regelkreises ist, in dem derjenige, der am Poti dreht, den Soll-Ist-Vergleich vornimmt und daraus die Regelgröße bildet, nämlich wie weit er auf- oder zurückdrehen muss.
Sorry für das OT, aber ist eine Automatische Aussteuerung nicht eigentlich eine Automatische Ausregelung?

niels
Ohhh, jetzt wird es philosophisch...
(13.10.2025, 15:30)niels schrieb: [ -> ]... ist eine Automatische Aussteuerung nicht eigentlich eine Automatische Ausregelung?

Aber klar doch. Und nachher muss ich aufpassen, dass ich beim Autofahren nicht das Regelrad verreiße und im Graben lande ...
Hallo Leute, bitte zurück zum Thema!

Frank / DropOut gab einen wie ich finde wichtigen Hinweis, dass es wohl gute Gründe gibt, sowohl eine drehzahlabhängige Steuerung der Wickelmotordrehmomente als auch deren bandzugabhängige Regelung innerhalb ein und derselben Maschine anzuwenden (Studer C270).

Nach meiner Kenntnis soll eine Bandzugregelung /-steuerung dafür sorgen, dass

1. Am Capstan alle Kräfte sowohl aus Richtung der Abwickelseite als auch die der Aufwickelseite so kompensiert werden, dass ein möglichst geringer Bandschlupf in der Kontaktzone Capstan-Andruckrolle garantiert werden kann. Wichtig für kleine Werte der linearen Abweichungen von der Sollgeschwindigkeit (Bandschnitt Anfang-Ende ohne merkbare Tonhöheabweichung).

2. In der Start- und Stopphase Bandschlaufen und Bandzugspitzen durch "Prellen" vermieden werden und sowohl ein sauberer Startvorgang für das jaulfreie Hineinstarten als auch kürzestmögliche Hochlaufzeit zum schnellen Erreichen der stabilen Sollgeschwindigkeit ohne Überschwinger garantiert werden,

3. Definierte Bandzüge beim Umspulen herrschen, wichtig auch zum Archivwickeln, beim Anfahren, Editieren und inbesonders beim Bremsvorgang

4. In allen Betriebsarten dafür zu sorgen, dass alle auf das Band wirkenden Kräfte einerseits klar definiert sind, konstant bleiben und andererseits im Rahmen der zulässigen Belastungsgrenzen der Bänder keinesfalls überschritten werden

Wenn Studer also innert ein und der selben Maschine beide Prinzipien angewandt hat, so würde mich die dahinterstehende technische Begründung durchaus interessieren.

Wir alle wissen, daß sich fast alle Hersteller mit diesem Sonderfeld der Steuerungs- und Regeltechnik schwer getan haben, siehe z.B. Studer A700/ A/B67 mit den sehr zahlreichen Modifikationen der Bandzugregelung oder meinetwegen auch Uher mit den "Espenlaub"-Bandfühlern, wenngleich bei deren rein mechanischen Konzept keine Steuerung realisiert wurde bzw. machbar war.

Martin
(13.10.2025, 18:56)mincom schrieb: [ -> ]Hallo Leute, bitte zurück zum Thema!

Wenn Studer also innert ein und der selben Maschine beide Prinzipien angewandt hat, so würde mich die dahinterstehende technische Begründung durchaus interessieren.

Martin

Da kann ich auch nur mutmaßen.
Der Wegfall der rechten Bandwaage war eine - absolut legitime - Einsparmaßnahme. Der Bandtransport am Kopf ist durch die Andruckrolle von "Unreinheiten" am Aufwickel mechanisch entkoppelt. Wenn der Aufwickel einigermaßen einen gleichen Bandzug wie der Abwickel liefert, ist das völlig ausreichend. Das kann eine Steuerung locker. Voraussetzung für die realisierte Steuerung war aber das Vorhandensein einer µP-Einheit. So was gab es vorher noch nicht in den Geräten.
Am Abwickel braucht man eh einen mechanischen Ausgleichshebel um kleine aber schnelle "Unreinheiten" aufzufangen. Auch zum Abfangen von Belastungsspitzen beim Umschalten der Transportarten ist der sinnvoll. Und wie schon gesagt, beim Spulen wird auch ein Bandzugsensor gebraucht. Also ist man da bei der Bandwaage (mit denen man ja schon viel Erfahrung hatte) geblieben.
Nun versuche ich mal, nicht herumzublödeln, (sorry dafür) sondern meine eigenen Erfahrungen zum Thema beizusteuern.

Mein erstes selbstbebautes Bandgerät, 1976 fertiggestellt, hatte zwar 3 Motoren, aber weder einen Bandhebel als "Schlaufenfänger" noch irgendwelche Steuerung oder Regelung der Wickelmotoren. Die Wickelmotoren waren solide Papst-Außenläufer, wie sie in irgendwelchen 1-Motoren-Grundig-Geräten, schön grün lackiert, an sich für diese Aufgabe ziemlich ungeeignet. Die Abwickelseite lief im Play-Modus im Leerlauf, Bandzug an den Köpfen reichte dennoch aus, die Aufwickelseite bekam dann über eine primärseitige Anzapfung des Netztrafos eine Spannung, die hauptsächlich danach bemessen war, dass sich die ganze Geschichte nicht übermäßig erwärmte. Das wunderbare an diesen Motoren war, (bzw ist, ich habe sie jetzt noch) dass sie bei Gleichspannung ein starkes Bremsmoment entwickeln, so dass sich jegliche mechanische Bremse erübrigte. Steuerung des ganzen Gebildes über einen Stufenschalter, welcher ganz sicher nicht für Netzspannungen vorgesehen war. (Und wenn man damit z.B. die Stellung "Bremse" zu schnell übersprang, dann gab es ganz sicher Bandsalat.) Dennoch ist die Mühle viele Jahre gelaufen.

Der 2. Anlauf (dessen endliche Fertigstellung ich hier ausführlich dargestellt habe) bekam dann Bandzughebel. Zunächst sollte eine einfach Steuerung für den einigermaßen gleichmäßigen Bandzug sorgen. Die Idee war, durch eine abgeschrägte Blende in einer Lichtschranke die Motoren entprechend der Stellung des Bandzughebelchens mit der passenden Spannung zu versorgen. Eine Rückkopplung oder auch nur Kompensation von von irgendwelchen doofen Effekten war nicht vorgesehen. Auf- und Abwickelmotor sollten gleich behandelt werden. Hat im Prinzip auch funktioniert, allerdings waren die Lichtschranken dermaßen empfindlich für Fremdlicht, dass von einer halbwegs sinnvollen Steuerung nicht die Rede sein konnte.

Der nächste Versuch ging dann zunächst von der Drehzahl der Wickelmotoren aus. Das war zwar, rein elektrisch gesehen, immer noch keine Regelschleife, hat aber "im Prinzip" einen sehr schön gleichmäßigen Bandzug geliefert. Das Problem war nur, dass sich über die schwingfähige Mechanik (Resonator aus Rückstellkraft des Bandzughebels und Motormasse) immer wieder Schwingungen aufbauten, bei ganz bestimmten Wickeldurchmessern und abhängig von der Bandgeschwindigkeit.

Mit anderen Worten, die Bandzughebel flatterten manchmal wie die "Espenlaub-Bandfühler" (Zitat Martin), die Uher in seine Royals eingebaut hat. (Ich habe die vor xx Jahren auch mal in Aktion gesehen und wusste keine Abhlife.)

3. Der nächste Schritt war dann, dem Ganzen zwei weitere Umlenkrollen zu spendieren und eine echte Bandwaage zu bauen mit einer "echten" Regelung.

Allerdings ist auch dieses System recht schwingfreudig, Regelschwingungen bauen sich leicht auf. Abhilfe durch elektrische Bedämpfung (Vergrößerung der Zeitkonstante, verringern der Regelverstärkung usw.), und weiter mechanisch durch steifes Fett im Lager des Bandzughebels. Selbst wenn überhaupt nicht geregelt wird, sondern nur eine konstante Spannung auf den Motor gegeben wird, können diese verd.... Hebelchen anfangen zu schwingen. Und zwar auf beiden Seiten, wenn auch meist nicht gleichzeitig.

In meinem aktuellen Projekt habe ich dieses Problem durch zwei Maßnahmen nun endlich zu meiner Zufriedenheit in den Begriff bekommen:

1. Die Regelung funktioniert nur in eine Richtung. Davon ausgehend, dass sich der Wickeldurchmesser nur in eine Richtung ändert, also z.B. nur erhöht, wird auch die Regelspannung nur erhöht, nicht verringert. Das nimmt dem System ca. 90 % der Wackelfreude.

2.Den Rest hält ein einstellbarer mechanischer Dämpfer im Zaum, der, wie ein Autostoßdämpfer, beim Ausfedern stärker dämpft als beim Einfedern.

Insgesamt habe ich festgestellt, dass die Abwickelseite sehr viel unproblematischer ist als die Aufwickelei, da kann man es ruhig deutlich einfacher gestalten. In meinem Fall hätte das aber eher mehr Aufwand als eine Einsparung bedeutet, aber das ist natürlich bei einem Industrie-Seriengerät ganz anders.

Freundliche Grüße
Binse
Das geht doch alles noch viel schlimmer: Bandzugregelung der Studer A816 und A820. Das ist eine Kaskadenregelung aus Regelung und Vorsteuerung.
Was heißt das: Die Maschine rechnet sich aus den Wickelmotordrehzahlen und der Zählrollendrehzahl die Durchmesser der beiden Wickel aus. Was bringt das? Wenn ich schnell beschleunigen oder abbremsen will und diese Werte weiß, dann kann ich dem linken und rechten Wickelmotor ein definiertes Drehzalrampenprogramm vorgeben, was schon unter gewissem Grad den Bandzug einhält. Das was da an Abweichung entsteht messen ja die Bandzugwaagen und das wird als Korrektur der Regelung zugeführt. Weil die damalige eingesetzte Prozessortechnik und Software (A820) dem nicht vollumfänglich gewachsen war, wurdes das noch hybrid umgesetzt: Das heißt der Prozessor rechnet nicht alles. Die Werte der Bandzugwaagen werden schlußendlichen der analogen Ausgabe noch analog zugeführt UND in ihrer Verstärkung über DA Wandler angepasst (je nach Betriebszustand). Bei der A816 wurde dass dann noch verfeinert.

Was bringt das?
- Ergebnis 1: Absolut ULTRA dynamisches Verhalten der Maschine. Gerade bei der A820 ein Gedicht da zuzusehen!!!!
- Ergebnis 2: Wenn da was nicht 100% passt (A820) dann kann die Bandzugmessung und deren Regelschleife das nicht ausgleichen, da deren Dynamik zu gering ist. -> Die Maschine baut absolut nur Scheiß und man wird wahnsinnig.

Aber wenns tut Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin
Interessant! Die haben also sozusagen Steuerung und Regelung kaskadiert. Erstere fürs Grobe, die zweite fürs Feine. Darin sehe ich den Vorteil, dass die Regelung dann nur noch einen viel kleineren Bereich abdecken muss und somit exakter arbeiten kann. Wie ist denn eigentlich das Durchmesser-Verhältnis zwischen leerem und vollem Wickel? Ich schätze mal deutlich größer als bei 18er-Spulen. Was das Ausregeln und -steuern natürlich schwieriger macht.

Ich vermute mal, dass bei diesen Maschinen beim Beschleunigen für das schnelle Umspulen auch die Abwickelspule beschleunigt wird, um das Band zu entlasten und trotzdem schnell auf Touren zu kommen. Das macht die Angelegenheit schön komplex.
(13.10.2025, 18:56)mincom schrieb: [ -> ]Wir alle wissen, daß sich fast alle Hersteller mit diesem Sonderfeld der Steuerungs- und Regeltechnik schwer getan haben, siehe z.B. Studer A700/ A/B67 mit den sehr zahlreichen Modifikationen der Bandzugregelung 

Modifikation würde ja heißen, dass man Veränderungen vorgenommen hat, weil irgendwas nicht richtig funktioniert hat. Bei A700/A67/B67 MK I/B67 MK II waren das eher stetige Verbesserungen:
A700: Eine Einstellmöglichkeit links und rechts, gilt für alle Bandfunktionen
A67: Zusätzlich die Möglichkeit, für beide Bandzugwaagen den Bandzug beim Spulen einzustellen
B67 MK I: Zusätzliche die Möglichkeit, auch die Bandzugspitze pro Seite einzustellen
B67 MK II: Leichtere Einstellmöglichkeit durch Regler an der Front. Stärke der Federn an den Bandzugwaagen lässt sich einstellen. Zweistufige Bremse zum leichteren Einfädeln des Bandes

Gruß
Robert
Bereits in den ersten Heimtonbandgeräten hatte Telefunken die Bremsen mit Fühlhebeln ausgestattet. Grundig konnte das auch. Das System neigte auch zum Schwingen. Das scheint ein Problem der vielen Faktoren bei einer Regelung des Bandzuges zu sein. Das entspricht dem Problem der gekoppelten Pendel, die ab einer bestimmten Auslenkung chaotisch schwingen. Viele 3 Motoren Bandgeräte verzichteten auf eine Regelung, da diese im Normalbetrieb mehr Probleme schafft als sie löst. Außer zur Bandschonung, wenn diese überhaupt notwendig ist, sehe ich keine Vorteile. Tatsächlich gibt es aber rudimentäre Steuerungen. Die Erhöhung des Anlaufstroms zur Verhinderung der Schlaufenbildung an der Aufwickelseite und natürlich unterschiedliche Ströme für Wiedergabe und Umspulen und der verwendeten Spulengrößen. Mehr ging mit diesen Asynchronmotoren in den 60-igern auch nicht. Die Elektronik für eine Regelung wäre aufwendiger gewesen als der Audio-Teil, man denke nur an die Regelung des Capstanmotors, der nur auf eine feste Drehzahl gehalten werden muss.
In einem Büchlein eines Autors names Wolfgang Junghans, "Magnetbandspieler-Selbstbau" (Radio-Praktiker-Bücherei, Franzis Verlag 1952, 4 bis 7. Auflage 1957) wird eine "Schwerkraftsteuerung" (so nenne ich das hier mal) des Bandzugs beschrieben. Die Bandteller liegen auf einer angetriebenen Scheibe mit Filzgleitern, und wenn der Wickel größer und schwerer wird, erhöht sich das Mitnahme-Moment. Für eine anspruchsvollere Steuerung wurde auch noch eine Lösung mit einer "Sahl-Kohle-Konus-Kupplung" beschrieben. Da ich immer etwas mit Senkrechtbetrieb haben wollte, habe ich das nie ausprobiert, sehe es aber als eine 1A Bastellösung an. (Die Filzgleiter, nicht die das Stahlkohlekonusding.) Wenn umgespult werden soll, wird die Chose einfach festgeschraubt, und Rückspulen ist sowieso ein überflüssiger Luxus.

Radio RIM inseriert in dem Buch übrigens das "Rinavox D" für den anspruchsvollen Bastler, außerdem gibt es Anzeigen von Vollmer-Studio-Geräten, Leistner-Gehäusen und Schneider-Tonbandspulen.

Wenn ich sicher wäre, dass das statthaft ist, würde ich hier mal einen Scan von der Seite einstellen ...
Mir fällt da spontan die Bandzugregelung bei der Braun TG1000 ein. 
Dort wird mit Hilfe der Umlenkhebel und einer optischen Steuerung geregelt.
Funktioniert (bei mir) prima.
Voraussetzung ist, daß man gemäß SM alles richtig einstellt.
Diese "Schwerkraftsteuerung" ist in den Grundig/Unitra T/ZK 120/140 verbaut.
Die Filzgleiter polieren mit der Zeit die aufliegenden Spulenteller, so dass das erzeugte Moment abnimmt. Stehender Betrieb geht damit natürlich auch nicht. Eine preiswerte Idee, besser als nichts.
LG Frank
Vielleicht noch ein paar Bemerkungen:

Nahezu alle, oder besser, alle mir bekannten einmotorigen Geräte deutscher oder niederländischer Provenienz waren je nach Hersteller teils bis Ende der 60-iger Jahre, teils sogar bis in die 70-iger für liegenden Betrieb konzipiert. Da reichte dann zur Anpassung des Bandzuges eine Rutschkupplung unter den Spulentellern, der Bandzug wurde vom Gewicht des Bandwickels „geregelt“. Die Nachteile des Systems sind oben beschrieben: der Filzbelag der Kupplung wurde glatter, damit wurde der Bandzug niedriger. Bei meiner Philips war es anders herum: der wohl schlechte Kleber, mit dem der Filz aufgeklebt war, hat mit der Zeit die Filze durchtränkt, so daß die Kupplungsteile verklebten und der Bandzug zu hoch wurde. Mit dem Wunsch, es den Jüngern der aufgehenden Sonne und deren Geräten gleichzutun und die Geräte senkrecht aufzustellen (man wollte ja etwas sehen für sein Geld) konnte mit diesen Rutschkupplungen kein einigermaßen konstanter Bandzug mehr realisiert werden. Man konstruierte ein aufwendiges System, um Rutschkupplungen per Hebel zu bedienen (Uher) oder baute Hebelchen mit schlichten Seilbremsen (Grundig) ein, ein System, das Telefunken schon in den 50-igern realisiert hatte, aber in den 60-igern leider (?) wieder verlassen hat. Philips ging damals zum 3-Motoren-Konzept über (allerdings wurden die Wickel nicht direkt angetrieben sondern mittels Riemen, sehr zur Freude heutiger Reparateure)

Völlig anders ist die Situation, und ich glaube, um das geht es in diesem thread, bei 3-Motoren Laufwerken.

Worum geht es eigentlich?.
Es geht nicht nur um eine konstante Bandgeschwindigkeit, sondern insbesondere um einen konstanten Bandzug vor den Köpfen (wobei diese beiden Dinge natürlich zusammenhängen).

Ich will nicht langweilen, aber mir scheint ein Blick in die Vergangenheit lehrreich.
AEG, als Erfinder des Magnetophons, hat in den 50-igern versucht, bei seinen professionellen Maschinen einen konstanten Bandzug vor den Tonköpfen durch 2 Maßnahmen zu realisieren:
Zum einen durch eine besondere Charakteristik des linken Wickelmotors:
„Um ein 1000m-Band abzuspielen, muß das Bremsmoment etwa 1:3 betragen, entsprechend der DurchmesserÄnderung von 100 auf 300 mm. Der linke Wickelmotor wird, um dies zu erreichen, mit stark geschwächter Hilfsphase betrieben. Der sich durch diese einfache Maßnahme ergebende Bandzug in Verbindung mit der Bremsrolle ist praktisch konstant.“
Zum anderen durch die linke Umlenkrolle, die als eine Art Bremsrolle fungierte.
Verfeinert wurde das bei der T9 durch eine zweite Rolle und einen Hebel, der dem Umschlingungswinkel bandzugabhäging verändern konnte.

Bei der M10 und später M10A, wurde der Bandzug vor den Köpfen mittels eines aufwendigen Systems realisiert, das ich an anderer Stelle beschrieben habe.
Eine Regelung des Drehmoments der Wickelmotore fand nicht statt, die Umlenkhebel sind reine Schlaufenfänger.

Anfang der 70-iger Jahre wurden aus Konstanz und Regensdorf 2 neue Maschinen eingeführt: die M15 und die A80.
Bei der M15 wurde die Regelung mechanisch durch eine aufwändige Konstruktion von Fühlhebel und Bremsscheibe/Bremsband realisiert, die A80 hatte bekanntermaßen die elektrische Regelung durch jeweils 2 Umlenkrollen auf einer Art Teller links und rechts.

Ich habe in der Vergangenheit einen ehemaligen Entwicklungsingenieur von Telefunken , Herrn Dietrich Gipp, gefragt, wieso Telefunken damals nicht auch eine elektrische Regelung eingeführt habe. Seine Antwort war, daß zum damaligen Zeitpunkt, also Ende der 60-iger, die Systeme zu langsam waren, bei unterschiedlichen Kerndurchmesser und unterschiedlichen Wickeldurchmessern konnte es zum “Aufschaukeln“ kommen, weshalb man diese Lösung verworfen und die mechanische (und damit nicht wartungsfreie) gebaut habe. Auf meinen Einwand, daß man aber wohl ein paar Kilometer weiter südwestlich weiter gewesen sei, hat er damals geantwortet: Studer habe sich damals gegen das Aufschaukeln mit einer mechanischen Dämpfung beholfen: die Achsen der oben beschrieben Teller säßen auf Potentiometern, seien als nicht berührungslos, und durch den mechanischen Widerstand durch den Kontakt zwischen Schleifer und Leitungsbahn sei eben der Effekt einer Dämpfung vorhanden.

Zu den weiteren Entwicklungen bei Studer ist ja oben bereits geschrieben worden.

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist:

Für Amateure, die immer die gleichen Wickelkerne und gleiche Spulengrößen benützen, ist eine Bandzugregelung ein Gimmick. Wichtiger ist die Präzision der mit dem Band in Kontakt kommenden Bauteile, insbesondere des Capstan. Ich habe bei einer meiner B77 mit einem neuen SM 911 bei 19,05 cm/sec Geschwindigkeisschwanken von 0.03 (Bandmitte) bis maximal 0.5 %(Bandanfang/Ende gemessen. Viel besser kann das die M15A auch nicht, sie ist nur am Bandanfang und Bandende besser. Die damals gemessen Werte sind wohl in den Tiefen dieses Forums verschollen, jedenfalls nicht mehr aufrufbar.
In Regensdorf hat man deshalb, denke ich, zu Recht auf eine Regelung bei der B77 verzichtet.
Und wie wir oben in den Beiträgen von Bernhard lesen durften, hat Studer jahrelang nachgebessert bis zur A820.

Für den Profi spielt die Bandzugregelung eine andere Rolle.
- Zum einen arbeitet er unter Umständen mit unterschiedlichen Wickelkernen und unterschiedlichen Bandlängen/ Durchmessern.
- Insbesondere im Rundfunkbereich wurde in analoger Zeit multipel umkopiert, und da spielt eine konstante Bandgeschwindigkeit natürlich eine größere Rolle, als wenn man das Signal einmal aufnimmt (und dann nie wieder anhört...)

Also, mein Resümee:
Für Amateure halte ich eine Bandzugregelung für verzichtbar.
Für den Profi ist auch der größte Aufwand für die Realisierung einer Bandzugregelung gerechtfertigt

Frank
Vielen Dank für die bis jetzt vielfältigen und durchaus aufschlußreichen statememts!

@ janbunke und allen TG1000 - Anwendern würde ich gerne eine Frage stellen:

Betrachtet man den Schaltbildauszug der WM-Regelung der TG1000, so besticht die Schaltung durch ausgesprochene Einfachheit - im Vergleich zu den Analogmultiplizierern der A700 ist es geradezu pimitiv. Die TG1000 erfreut sich -wie man hier immer wieder sieht- anhaltender Beliebtheit, und dies trotz der unglücklichen Spulengröße. Wo sind in der Betriebspraxis die Fallstricke dieser einfachen Bandzug-Regelschaltung?

Habt Ihr diesbezüglich evtl. Details oder Auffälligkeiten im Betriebsverhalten von diesem Gerät zu berichten???
Unter welchen Betriebsbedingungen "spinnt" oder versagt diese einfache Bandzugregelung???

Martin
Die Bandzugregelung bei der TG 1000 funktioniert einwandfrei, allerdings muß man berücksichtigen, daß die Birne auch mal durchbrennen kann. Dann geht nichts mehr.
Bei meinen Gerät waren damals, als ich es bekam, auch ein Regeltransistor defekt und der andere durch einen völlig ungeeigneten Typ von einem "Spezialisten" ersetzt worden.

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...#pid278068