Tonbandforum

Normale Version: akustische Gitarrenaufnahmen klingen häufig dumpf
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Hallo zusammen,

ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, das so einige Aufnahmen mit akustischen Gitarren sehr dumpf klingen. Meine Theorie ist, dass das Töne greifen, was man hin und wieder beim Gitarrespielen hören kann möglichst nicht in der Aufnahmen zu hören sein soll.

Daher scheint es für mich so, als wenn da mit einem Filter gearbeitet wird, der die Höhen recht radikal absenkt.

Das ist mir bei vielen Gitarrenaufnahmen aufgefallen, von Aldo Lagrutta bis Narciso Yepes.

Bei anderen Aufnahmen, wie von Acoustic Alchemy ist alles so, wie ich das auch erwarten würde:

https://www.youtube.com/watch?v=rm52PNtJ...1s&index=3


Bis Aldo Lagrutta halbwegs normal klang, musste ich ab etwa 4 Khz bei +2dB in einer Schräge bis 10 khz bei +15dB die Höhen gleichmäßig hochziehen UND mit Dolby B aufnehmen und ohne abspielen.

Hat jemand eine Ahnung, was diese krasse Höhenabsenkung im original für einen Sinn hat?
Kannst du eine Aufnahme nennen, die du bemängelst?

niels
Dieses Album von Aldo Lagrutta zum Beispiel:

https://www.discogs.com/release/20997139...-Latinando


Das ist auch schon ziemlich dumpf, aber nicht so extrem
https://www.youtube.com/watch?v=3yfS0NDi...fA&index=5


Besser, aber noch grenzwertig
https://www.youtube.com/watch?v=wotC_2sK...rt_radio=1


Geht noch, aber eine Ecke mehr Höhen wäre gut:
https://www.youtube.com/watch?v=oT0ogZkg...rt_radio=1


Hier sind deutlich mehr Höhen drin, so fände ich es gut:
https://www.youtube.com/watch?v=fnIce91P...3k&index=2
Acoustic Alchemy scheinen sich in einem anderen Genre mit einer anderen Klangästhetik zu bewegen.

Ich kann nachvollziehen, was du meinst, halte es jedoch nicht für die Folge eines Filters sondern des Spiels.

niels
https://youtu.be/70A2qD0a73g?si=x3kkH-tEFwCa0AJU

Paco de Lucia

Wieder anderes Genre, wieder andere Klangästhetik. Mangelnde Höhen beklage ich hier nicht.

niels
Ich würde mich eher zur Behauptung versteigen, bei Acoustic Alchemy und Peter White sind eher "zu viel" Höhen drin. Die geben im Bandkontext etwas mehr Transparenz.

niels
es könnte auch an den saiten liegen, nylons klingen " dunkler " als metallsaiten und auch bei denen gibt es unterschiede.
Da du Yepes erwähnt hast, hier wirken zwei Faktoren zusammen: seine Spielweise und die mitunter große Entfernung der Mikrofone.

Nur als Beispiel: Die Etüden und Preludes von Villa-Lobos: https://youtu.be/725o-hRdmfk (mit mindestens zwei sehr stark hörbaren analogen Schnitten).
Das komplette Album gibt es auch bei Spotify.

Dasselbe gilt z.B. für Anthony Bailey (Laute):
https://youtu.be/SxpmbQH6AaI

Gegenbeispiel (Theorbe):
https://youtu.be/wYxyXzCRHDA

... oder eines meiner Lieblingsstücke, vorgetragen von einem der besten Lautenisten und Theorbenspieler:
https://youtu.be/gkbIeopaW6A

(Komplettes Album hier: https://www.youtube.com/playlist?list=PL...fBNGVjWNUm )

Ach ja, bevor ich es vergesse, eine Aufnahme von 1967 mit dem damals bekanntesten Gitarrenduo Presti/Lagoya:
https://youtu.be/0jXB10wF3zg

Und nicht zu vergessen, Ana Vidovic:
https://youtu.be/fwjX-m4LkYk
https://youtu.be/inBKFMB-yPg

Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.
War der größere Mikrofonabstand eine ästhetische Entscheidung? Als Zuhörer bin ich im Regelfall ja auch eher weiter weg.

niels
Du meinst das Quietschen beim Umgreifen? Die Methoden, um das zu verhindern, sind sehr unterschiedlich. Manche Gitarristen schmieren sich Vaseline auf die Seiten, damit es besser flutscht. Andere umwickeln ihre Finger mit Teppichklebeband, wieder andere schleifen sich mit Schleifpapier die Fingerkuppen glatt. Und die Hardcore-Audiophilie-Vertreter muten kurzzeitig die Aufnahme, während sie umgreifen.
Immer beliebter jedoch, weil wirkungsvoller, ist die Methode, die Akkorde einfach nicht mehr zu wechseln. So erspart man sich jegliche Nebengeräusche.
(05.10.2025, 07:29)niels schrieb: [ -> ]War der größere Mikrofonabstand eine ästhetische Entscheidung?

Wenn ich mich richtig entsinne, stammt mein Aufnahmebeispiel (Yepes - Villa-Lobos) von 1971. Da war ich tonmeisterlich noch nicht so aktiv, den damaligen DGG-Tonmeister habe ich nie kennengelernt.

Mit den Jahren ist mir der schwer lösbare Kompromiss zwischen Räumlichkeit und Deutlichkeit sehr wohl vertraut geworden. Letztendlich bleibt die Mikrofonierung immer eine individuelle Entscheidung, abhängig von Instrument, Spielweise, Raumakustik, verwendeten Mikrofonen und - last but not least - den klanglichen Vorlieben der Verantwortlichen (oft den Interpreten).

Hier eine, wie ich finde, recht gelungene Lösung einer Aufnahme derselben Etüde:
https://youtu.be/WS6AzYO-gaw

Nicht nur bei dieser Produktion wussten die Philips-Leute genau, was sie taten.

Aus meiner eigenen kleinen Werkstatt möchte ich nur ein Werk zum Besten geben, das ich in meiner Anfangszeit aufgenommen hatte (1978). Die akustischen Bedingungen damals waren leider nicht so, wie ich sie mir gerne gewünscht hätte:
https://www.swisstransfer.com/d/df769ff4...d44ffba7f5
@niels

bei der Paco de Lucia Aufnahme geht es. Ich würde noch etwas Hall draufwerfen.

@Peter Ruhrberg

die Preludes der Villa-Lobos klingen aus meiner Sicht überspitzt gesagt, wie aus dem Eimer, sorry

bei Anthony Bailey wurde anscheinend der Sound im Raum aufgenommen und nicht der Direktoutput des Plattenspielers

Hier klingt das nämlich bei dem gleichen Künstler vernünftig
https://www.youtube.com/watch?v=TZpC8bV_...1p79Ixjb44

Bei dem YT Video mit der Frau und der Laute klingt es schon recht gut, aber igendwie fehlt mir noch das filigrane. Würde sich vermutlich durch eine entsprechende Höhenanhebung und etwas näher am Mikrofon beheben lassen

Das Stück " Suite in D Major: V. Sarabande " ist vom Gesamtklang bisher am besten würde ich sagen, da fehlt eigentlich nichts.

Ja, das von 1967 klingt halt wieder nach einem heftigen Hi-Cut.
Möglicherweise war das teilweise auch dem zeitlichen Klanggeschmack geschuldet.

Bei Ana Vidovic fehlt mir auch etwas das filegrane, sonst aber ok.

Die Aufnahme von Philips finde ich auch deutlich zu dumpf, sorry. Akustisch aber sonst recht gut. Vermutlich würde eine deutliche Höhenanhebung das Problem beseitigen.
Bei deiner eigenen Aufnahme finde ich die Akustik und das Klangbild eigentlich ok, eine Ecke mehr Höhen wären schon, aber da würde sicherlich der Höhenregler am Verstärker reichen.


Es ist halt leider auch so, dass sehr viele Lautsprecher und Kopfhörer eine Überbetonung der Höhen haben. Da fallen dumpfe Aufnahmen auch nicht so schnell auf.

Meine Sennheiser PX100 II klingen "dumpfer" als meine Sony WH1000XM4. Aber bei den Sony weiß ich das die eher Höhenbetont sind und es bei den Sennheisern eher in Richtung neutrale Abstimmung geht. Daher habe ich das hier auch mir mit den Sennheisern angehört.
(05.10.2025, 11:24)SonyKassette schrieb: [ -> ]Bei dem YT Video mit der Frau und der Laute klingt es schon recht gut, aber igendwie fehlt mir noch das filigrane.

Das könnte allerdings auch an dem Video liegen. Ich habe schon öfters festgestellt, dass gleiche Titel bei Videos scheinbar in unterschiedlicher Videoqualität auch besser oder schlechter klingen.
(05.10.2025, 11:24)SonyKassette schrieb: [ -> ]Hier klingt das nämlich bei dem gleichen Künstler vernünftig
https://www.youtube.com/watch?v=TZpC8bV_...1p79Ixjb44


Danke für den Link, genau danach hatte ich gesucht!

Die Originale habe ich hier, sie waren ursprünglich aus der "Reflexe"-Serie der EMI-Electrola, Tonmeister wie bei fast allen Produktionen dieser Serie war mein Mentor Klaus Matthes.

Ein Bild von A. Bailes aus der Ev. Kirche in Seon (CH), wo sehr viele dieser Aufnahmen stattfanden:


[attachment=84951]
Peter Ruhrberg schrieb:(Komplettes Album hier: https://www.youtube.com/playlist?list=PL...fBNGVjWNUm )

Danke für den Tipp, lieber Peter.

Ergreifend! Leider, blödes Wortspiel, vergriffen (bzw. nur noch "antiquarisch" erhältlich)...

Schöne Grüße
Frank
Finde ich auch super  Heart

Danke,  Peter !

Groetjes, Frank
Nimm es doch von Youtube auf Band auf Smile

( Tongue Tongue mit Dolby und mache es dann beim abspielen aus Big Grin Big Grin )
Ich habe es immer gerne auf Platte :-)

Aber nichtsdestotrotz nehme ich es auf, wenn ich wieder
In heimatlichen Gefilden bin.
Auf Schnürsenkel,  ohne DOLBY o.ä.

Frank
[attachment=84955]

Ich besitze einige Scheiben von Hannes Wader, Liedermacher und wirklich guter
Gitarrist auf der Akustischen.- Wader u. Freunde...

Die Scheiben klingen durchweg gut, harmonisch und rund.- Eventuell liegt es an den Plattenfirmen/Studios
selbst, wenn`s "dumpf" klingt.- Die Hannes Wader LPs sind alle von Phillips.

Hannes Wader nahm oftmals mit Schalloch Micros auf.

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