Export, Conrad...
https://www.rft-hifigeraete.de/9465.html
2. Bild von oben. Der in Geithain von Joachim Kiesler und seinem Team entwickelte und dann in Massenfertigung bei Statron Fürstenwalde gegangene Lautsprecher gilt ja heute noch als Inbegriff eines hochwertigen Kompaktlautsprechers, mit dem die DDR Anschluss an den Weltstandard geschafft hat. Die großen Geithains, die
RL900 wurden ja vom damaligen technischen Direktor des BR,
Frank Müller-Römer in einen Vergleichstest für Studiolautsprecher bei der ARD aufgenommen - und gingen in etlichen Kriterien als Sieger hervor. Heute hat man in vielen ARD-Studios und Ü-Wagen kleine oder große aktuelle Geithains in Nutzung. Nicht alle mögen sie, ein Freund von mir, der von Berufs wegen jahrelang täglich vor 2 Geithains saß, bevozugt seine alten K+H. Und da ist er nicht der einzige in meinem Bekanntenkreis.
Geithain:
http://web.archive.org/web/2022071622591...053_ff.mp3
(sorry, das Gezischel hat der MDR bei der Zweitsendung dieses Features vor einigen Jahren reingemacht, mit 128 MP3 wird es dann auch nicht besser...)
Ansonsten fallen mir zur Qualität hochwertiger DDR-HiFi-Consumer-Geräte aus der DDR so Sachen ein wie
- Flachriemen im HMK-D100, der von ca. 1987 bis ca. 2018 problemlos lief, in einer Wohnung, in der es im Sommer bis 30 Grad warm wird. Versuche man das mal mit Riemen japanischer Oberklasse-Tapedecks...
- Relais mit im Laufe der Zeit zunehmendem Wackelkontakt
- taub werdende ZF-Filter (10,7 MHz), bei denen dann nichtmal mehr Ortssender gehen
- verharzende Spindeltrimmer für Senderspeicher
- wacklige, nicht "satt" laufende Potis
Also durchaus duchwachsen. Aber nach meiner Erinnerung auch unterhalb der HiFi-Klasse kein übler Schrott, sondern im Rahmen des Budgets (Endstufen, Lautsprecher) der Versuch, einen warmen, vollen Klang hinzubekommen. So mancher Ossi hat beim Versuch, seine DDR-Heimelektronik unmittelbar nach der Währungsunion im Sommer 1990 durch vermeintlich ("alles, was aus dem Westen kommt, ist super") bessere Westgeräte aus dem Versandhauskatalog zu ersetzen, eine böse Bruchlandung erlebt. Mit Kofferpappen-Lautsprechern, die auch so klingen. Mit Gleichfeldlöschung. Mit miesem Empfang im UKW-Teil. Undundund. Hatte man sich vorher alles nicht vorstellen können. War doch alles Gold, was aus dem Westen herüberglänzte...
In der Wohnung einer nun 99-jährigen (!!!) Dame, die sich im Rundfunk der DDR und in DDR-Kulturbauten mit der von ihr geplanten Raumakustik ein Denkmal gesetzt hat, steht eine Philips-Anlage im in den 80er Jahren trendigen Turm-Design. Die hat ihr Mann wohl um 1986 offiziell in Ostberlin (!) erworben, für eine unfassbare Summe (es wurden 6000 DDR-Mark genannt, obs stimmt, weiß ich nicht). Es handelt sich um diese Anlage:
https://www.subito.it/audio-video/philip...989517.htm
Es tat mir leid, aber ich musste der Dame sagen, dass das komplett übler Schrott ist. Der "Hochtöner" dieser Pappboxen ist nur auf die Frontbespannung aufgedruckt, der existiert gar nicht, da ist die Frontplatte des Lautsprechers dahinter. Nur Betrug. Klanglich scheußlich - und wenn man das Gelumpe aus dem Rack holt (die "Komponenten" haben keine eigenen Gehäuse), ist das laut Fotos aus dem Netz alles nur einen handbreit tief. Da ist nix drin. Das Paar hätte damals in den 80er Jahren mit nem
Rema Modus RX42 und nem optisch passenden Geracord-Frontlader, nem HiFi-Plattenspieler und beinahe "irgendwelchen" der besseren DDR-Lautsprecher wesentlich mehr bekommen - für deutlich weniger Geld. Nur wäre da UKW bei 104 MHz zuende gewesen. Aber der "Westen" lockte halt... mit einem üblen Schrottprodukt.
Thema "Kondensatoren": die Geracord-Kassettenrecorder und später Kassettendecks aus dem VEB Elektronik Gera wurden hier ja schon angesprochen. Hier mein GC-6131, im Sommer 1990 direkt in der Werkstatt des Herstellerbetriebes als reparierten Rückläufer aus dem Handel erworben für soweit ich mich erinnere 100 DM, in illustrer Gesellschaft im "Kinderzimmer" meines Elternhauses:
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Das war eigentlich nur oft ungeliebte "Konsumgüterproduktion". Eigentlich war der VEB Elektronik Gera, das vorherige Geraer Kondensatorenwerk, ja eben ein Kondensatorenwerk, mit durchaus spannender Geschichte. Und man exportiere manche Kondensatoren auch aus Gera nach Westdeutschland und woanders hin in den "NSW". Einer der Abnehmer in Westdeutschland kaufte dann den Betrieb aus der Treuhand raus. Er wollte weiterhin "seine" Kondensatoren haben und keine anderen. Hätte Herr Holbe das nicht gemacht, gäbe es
ELECTRONICON heute wohl nicht mehr.
Die Geschichte steht hier schon im Editorial:
https://www.electronicon.com/fileadmin/i...DE_web.pdf