Und zum Kabelnetz und zum TV-Vertrag... auch gutgemeinte Ratschläge aus der lieben Verwandtschaft sind nicht immer wirklich gut.
Eine Dame (damals Anfang 70) aus der Nachbarschaft meines Elternhauses hat Fernsehen über den Anschluss der alten Antennengemeinschaft bezogen. Die gibt es dort seit 1983 und die läuft immer noch, inzwischen kommerziell betrieben (Verein existiert altersbedingt nicht mehr) vom einstigen Errichter und Wartungsbetrieb der Anlage. Es waren zu Analogzeiten knapp 40 TV-Programme drin, 2012 zur Sat-Analgoabschaltung wurde aber nicht neu in analoge Umsetzungen investiert (gut so!) und nur noch ein Grundangebot aus Das Erste, ZDF und regional richtigem Dritten analog eingespeist. Alles andere nur noch DVB-C. Dazu gab es einen auch analog empfangbaren Infokanal, auf dem via Texttafeln das alles drauf stand.
Die Dame (alleinlebend in diesem Haus) hatte einen alten Röhrenfernseher und bekam nun nur noch Das Erste, das ZDF und das Dritte. Jedes mal, wenn sie bei uns vorbeilief und ich sie sah, fragte ich scherzhaft, ob sie noch zufrieden sei. Sie bejahte das immer, vor allem irgendwelche Krimis auf dem ZDF schaute sie und das reichte ihr. Ich hatte ihr auch erklärt, dass sie einen Receiver oder besser endlich einen neuen Fernseher brauche und es ginge alles wieder - und im Falle eines neuen Fernsehers in weitaus besserer Qualität.
Inzwischen war es 2013. Über ein Jahr lang schaute die Dame schon 3 analoge Programme über das Kleinkabelnetz auf dem alten noname-Röhren-TV im silbergrauen Plastgehäuse.
Irgendwann im Sommer 2013 kehrte ich bei meinen Eltern Straße, die Dame kam vorbei und erklärte mir freudestrahlend, dass sie jetzt Kabel Deutschland habe.
Ich musste mich am Besenstiel festhalten.
"Was? Wozu das denn?"
"Na, da bekomme ich wieder alle Programme. Das haben mir meine Verwandten aus der Innenstadt empfohlen." (Klar, dort ist Zwangskabel mit Kabel Deutschland Standard gewesen). "Ich habe dort angerufen und alles am Telefon bestellt. Jetzt habe ich so einen Receiver bekommen, der muss noch angeschlossen werden. Den alten Kabelanschluss habe ich schon gekündigt."
Ich habe den Besen sofort hinter den Gartenzaun gestellt und bin mit nach nebenan. Der Karton mit dem Receiver stand originalverpackt dort, ich habe ihn ausgepackt. Eine SD-Kabelkiste von Kabel Deutschland mit SCART-Ausgang. Obendrauf ein Zettel mit einer Kurzanleitung, sinngemäß: "mit SCART-Kabel an den Fernseher anschließen, Antennenkabel in die Kabeldose, Stromkabel in die Steckdose - fertig".
Als ich der Dame erklärte, dass die Kabeldose zum alten Kabelanschluß (Stadtteil-Kabelnetz) gehört und nicht zur Kabel Deutschland, kam erst ein Hauch von Überraschung auf ihr Gesicht. Dann erklärte ich ihr, dass das vielleicht sogar eine zeitlang funktionieren wird (so der KDG-Kastratreceiver nicht irgendwelche Sonderlocken hat und nur am KDG-Netz vollständig spielt), aber wenn der regionale Kleinkabler zum Abklemmen kommt, geht dann nix mehr, dann ist diese Dose tot. Damit man KDG nutzen kann, müsste man ... ach, gehen wir mal in den Keller.
Da war dann der KDG-HÜP, seit seiner Installation 1996 (zusammen mit der Telefon-Zweidrahtleitung noch von der Telekom ins Haus gebracht) nie angeschlossen und nie genutzt. "So, hier muss dann ein Potentialausgleichsleiter her, also so ein grüngelber Draht. Und der muss an die Potentialausgleichsschiene... wo ist die eigentlich? Und eine Steckdose müssen Sie installieren lassen, denn hier muss ein kleiner Verstärker hingesetzt werden. Und dann ein Kabel durch die Decke hoch in Ihr Wohnzimmer, dort dann die Dose. Aber wenn es hier so ist wie bei uns gegenüber, wo ich mal unerlaubt in den Anschluss reingemessen habe, ist der sowieso tot und müsste von der Kabel Deutschland erst noch in dem grauen Kasten vorne an der Straßenecke angeklemmt werden - falls das geht."
Da war Blässe in ihrem Gesicht. Die KDG hatte ihr kackfrech am Telefon einen Vertrag aufgedrückt, ohne dass überhaupt eine Hausinstallation (Netzebene 4) vorhanden und der HÜP mit Signal besaftet gewesen wäre. Da das damals noch ohne Rückweg dort war und ohne Internet (es war ein OPAL-Ausbaugebiet, auch das Fernsehsignal kam via Glas und wurde erst an der Straßenecke im Kasten auf Koax umgesetzt, aber nur bis 450 MHz oder 650 MHz - habs vergessen), wäre die Hausinstallation evtl. sogar ihr Ding gewesen, also auch auf ihre Kosten zu erstellen. Und es wären Programme über 450 oder 650 MHz gar nicht erst nutzbar gewesen.
Dann nahm ich mir den Vertragstext her. Neben dem Grundanschluss und dem Receiver waren da noch mehrere aufeinander aufbauende Pakete mit Pay-TV (sowas wie "Premium Plus Upgdrade zu Premium-TV") drin, die sofort nach Erhalt der Unterlagen zu kündigen gewesen wären, wenn man nicht nach 3 Gratis-Monaten für 24 Monate in einer fetten Kostenfalle sitzen wollte. Die hatten ihr also auch alles, was irgendwie geht, aufgedrückt. Alles außer HD (der Receiver war nur eine SD-Gurke, im Jahre 2013). Soweit ich mich erinnere, wäre das dann nach 3 Monaten auf 50 EUR oder sogar noch etwas mehr monatlich angeschwollen.
Den Receiver habe ich sofort wieder eingepackt und eine Rücksendung ausgelöst. Damit war der Vertrag aber nicht storniert. Den musste man separat stornieren an anderer Adresse (Receiver ging glaube ich nach Bayern, Vertragsstornierung nach Erfurt). Dafür lief uns die Zeit weg - immerhin gab es eine Frist, da es ein Telefongeschäft gewesen ist. Die Dame hatte das alles schon paar Tage liegen gehabt und die Zeit wurde knapp. Ich versuchte es dann über meine Mailadresse, das wurde nicht akzeptiert, da es nicht die Adresse der Dame war (dazu hätte ich nur meine Zweitadresse ohne Namensbezug nehmen müssen und für diese eine Mail mal den Absendernamen ändern müssen, die Dame selbst hatte keinen Mailaccount und kein Internet). Ok, dann eben anders - die Nachbarin auf der anderen Seite hat noch aus Zeiten des Geschäfts ihres längst verstorbenen Mannes ein Faxgerät betriebsbereit. Damit kann man in Deutschland ja was erreichen... Vertragsrücktritt in letzter Sekunde sozusagen.
Die erste Rate war schon eingezogen worden, wurde aber anstandslos zurückgebucht seitens der KDG.
Den gekündigten Anschluss am Kleinkabelnetz "entkündigte" ich durch kurzen Anruf beim Inhaber der Anlage (für den ich paar Jahre unentgeltlich aus Freude und UKW-Angebots-Eigennutz mit gebastelt / geschraubt habe). Dabei wurde es sogar noch etwas günstiger, da es aus uralter Zeit in dieser Anlage noch das Vertragskonstrukt "Zweitdose" gab, die kostete halt ein oder zwei EUR mehr im Monat und war nicht nötig, also weg damit.
Paar Tage später sind wir mit 500 EUR (etwa die Mehrkosten von einem Jahr KDG mit dem ihr aufgedrückten Vertragskonstrukt) in den Elektromarkt und haben uns einen Fernseher mit seniorentauglicher Fernbedienung rausgesucht. Es wurde ein Grundig, der mit der Straßenbahn und 500 m zu Fuß nach Hause geschleppt wurde und den ich spontan auch bei der Ersteinrichtung sehr mochte wegen seines Designs (weißer Rahmen) und das Bild war auch sehr gut. Nun gab es die wichtigsten Programme sogar schon in HD auf 32 Zoll - welche Freude. Zur leichten Benutzbarkeit musste dem ladenneuen TV aber erst noch ein Softwareupdate verpasst werden, damit man in der Hauptliste sortieren und löschen kann. Die Favoritenlisten waren unbrauchbar, man konnte in ihnen nicht zappen (das sprang immer auf das in der Hauptliste folgende Programm). Aber dazu hatte Grundig Abhilfe, die schnell installiert war.
Für nen Zehner im Monat volles Programm - und im Unterschied zur KDG in voller Sat-Qualität, 1:1 als DVB-C umgesetzt durchgereicht. "
What the customer really needed."
Da macht man schon was mit...