Servus zusammen,
und das nächste kaputte Kenwood-Gerät, das ich hier stehen habe
Heute geht es um einen Kenwood KA-5090 R Stereovollverstärker aus den späten 1990ern, der eigentlich ganz gute Ausstattung und ordentlich Leistung mit sich bringt.
Der hängt nun aber leider im Protection-Modus fest - Grund:
Vor den Lautsprecher- und Kopfhörerrelais messe ich nach dem Einschaltvorgang die vollen -46 V (die -46 V finden sich bspw. an der Basis von Q93 wieder) Gleichspannung gegen Masse am linken Kanal.
Nach den paar Sekunden "Hochfahren" und Einschaltverzögerung springt er daher sofort in den Protection-Modus, die Power-LED blinkt und der große Trafo bzw. die Hauptstromversorgung wird wieder abgeschalten.
Rechts schaut's soweit gut aus.
Der Verstärker hat die braunen ELNA "Audio" Elkos verbaut, in diversen Größen. Ausgelaufen ist da - anders als beim letztens diskutierten Kenwood DP-5030 CD-Player - noch keiner.
Ich habe als Messgerät nur ein Multimeter hier. Hat hier jemand vielleicht ein paar Tipps für mich, wie ich nun die Fehlerursache für die -46 V DC am linken Ausgang ausfindig machen kann?
Ich würde nämlich gerne wissen, ob hier der zuständige Endstufenchip hinüber ist oder ob da bspw. nur ein Elko einen Kurzen hat, der für das Fehlerbild sorgt.
Gemessen habe ich an R261 (linker Kanal) und R262 (rechter Kanal), welche direkt vor dem Kopfhörer-Schutzrelais liegen und leicht zugänglich sind. Das SM mit Schaltplan und der betroffenen Stelle (Seite 6) findet sich hier:
https://archive.org/details/manual_KA5090R_SM_KENWOOD
Am Transistor Q93 messe ich an beiden äußeren Beinen -46 Volt gegen Masse.
Wenn ich das richtig verstehe müsste aber an einem der beiden äußeren Beine, nämlich dem Collector, nur -1,2 Volt anliegen
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Spätestens jetzt stehe ich aber auf dem Schlauch - ist hier einfach nur der Transistor hinüber oder doch mehr?
Korrekt. Mach den mal raus und prüf ihn.
Wenn der keinen Schluß hat, dann würde ich meinen Q127 ist durch.
Hallo Kuni,
danke für die rasche Antwort!
Dann werde ich die Tage mal die Unterseite der Hauptplatine freilegen und den ausbauen.
Und dann soll ich einfach mit meinem Multimeter prüfen, ob zwischen irgendwelchen der drei Kontakte Durchgang besteht?
Ansonsten - ich merk' schon - muss ich mir bald mal einen Bauteiletester, ein Oszi und bessere Lötausstattung besorgen, es macht mir nämlich echt Spaß, die alten Kisten wieder herzurichten

Ich seh' gerade, Q127 ist ja direkt einer der Endstufentransistoren. Ein TRAITR P40 7627.
Für den Ersatz zu finden wird vermutlich schwierig und würde eine Reparatur vermutlich unrentabel machen

Das Gerät hat leider an der Front schon ein paar Kratzer und daher würde ich mir dafür nicht extra einen Schlachter besorgen...
Ja, im Diodenmodus zwischen den 3 Pins die Diodenstrecken messen, ließ mal hier
http://www.suessbrich.info/elek/transtes...rTest.html
BE Strecke: Mit einer Polung Durchgang (0,7V Diodenspannung) mit der anderen Polung kein Durchgang.
BC Strecke: Dito
CE Strecke: Kein Durchgang mit beiden Polungen
Falls dein Multimeter einen Transistortester eingebaut hat kannst du auch den nehmen. Defekt ist er dann wenn der Hfe null oder unendlich ist, oder extrem vom Soll im Datenblatt abweicht.
Danke für den Link und die Anleitung!
Wie der Transistor genau belegt ist, steht sowieso im Service Manual des Kennis, das ist schon mal ganz hilfreich. Das habe ich vorhin ganz übersehen.
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Dann weiß ich auf jeden Fall, was als nächstes zu tun ist!
Servus zusammen und vor allem Kuni,
ich habe Q93 soeben gemessen und während zwischen Basis - Emitter und Basis - Collector die Werte wie von dir angegeben zu messen waren, konnte ich zwischen Collector (Minusspitze) und Emitter (Plusspitze) 0,94 V messen.
Heißt das, ich soll mir einfach mal Ersatz für Q93 beschaffen, den einbauen und hoffen, dass er wieder läuft?
Ok, also eine durchlässige CE Strecke. Das erklärt die -46V am C des Q93, die kommen vom Emitter durch.
Damit wurde aber auch die Basis von Q127 mit -46V anstatt -1,1V beaufschlagt.
Für mich jetzt schwer zu sagen, was da noch alles kaputt gegangen sein könnte oder nicht.
Q127 ist ein TRAITR4N*5, scheint Kenwood spezial zu sein. Ersatz konnte ich auf die Schnelle nicht finden.
(a) Nehmen wir mal an, der ist kaputt, dann kann es sein daß Dein neuer Q93 auch wieder hops geht.
Dann ist aber die Ursache ein defekter Q127, nicht mehr beschaffbar
--> Gerät ist Schrott, dann war's das aber wert mit einem neuen Q93 einen Versuch zu starten
(b) Nehmen wir weiter an, der ist NICHT kaputt, dann kann es sein daß Dein neuer Q93 das Problem behebt
--> Gerät wäre gerettet
Du kannst also eigentlich nur gewinnen.
Was ich vor dem Ersetzen noch prüfen würde:
- Q103 und D63 checken, falls kaputt, auch ersetzen
- Ist auf der anderen Halbwelle um Q91, Q97, Q125, Q101 alles ok und die eingezeichneten Spannungen sind da ? (dann wüßte man zumindest daß die Verstärkung der pos. Halbwelle iO sein dürfte. Würde ich aber mit ausgebautem Q93 prüfen.
Hallo Kuni und danke für die Hilfe!
Ich werde mir heute die von dir genannten Bauteile mal im Schaltplan anschauen und demnächst prüfen.
Als Ersatz für den Q93 müsste der hier ja passen, oder?
https://elw-elektronik.com/epages/d0dee2...cale=de_DE
Dann würde ich den nämlich bestellen - hat jemand zufällig Erfahrungen mit ELW Elektronik als Händler?
(19.12.2024, 18:20)Kuni schrieb: [ -> ]Q127 ist ein TRAITR4N*5, scheint Kenwood spezial zu sein. Ersatz konnte ich auf die Schnelle nicht finden.
Die Endstufentransistoren sind Sanken Darlington mit integriertem Emitterwiderstand, z.B.
SAP15N/SAP15P. Schwachpunkt war der Emitterwiderstand. Der wurde weggelassen und ein neuer Typ draus gemacht. Man kann also die passenden Sanken plus externem Emitterwiderstand einsetzen.
So, nachdem der oben verlinkte Händler einen Mindesteinkaufswert von 10 Euronen verlangt hatte, habe ich heute in der Bucht für 3,50 € inkl. Versand einen 2SC2632 gefunden und bestellt. "Unbenutzt" heißt es.
Das ist definitiv ein annehmbares Risiko, das man bei dem Verstärker noch eingehen kann.
So, nun mal hier wieder ein Update:
Auf der positiven Seite des defekten Kanals war soweit alles tiptop und ich hab daher dann den neuen Transistor eingelötet.
Leider hat der Kenwood KA-5090 R, genauso wie der etwas bessere Kenwood KA-7090 R, keine Serviceklappe o.ä. (Hier fand ich
diesen Thread im OFF ganz hilfreich)
Somit muss man, um an die Unterseite der Hauptplatine zu kommen, eigentlich das ganze Gerät auseinandernehmen.
Naja, wie dem auch sei, auf jeden Fall hat das leider nichts gebracht. Auch mit dem neuen 2SC2632 bleibt der Verstärker im Protection-Modus.
Ich denke (habe seither nicht mehr nachgemessen), dass dann vermutlich einer der Verräter

(TRAITR-Transistoren) hinüber ist, der Name ist also Programm.
Da der Verstärker nicht mir gehört, werde ich da auch nicht weiter Zeit hineininvestieren. Wäre es meiner, würde ich schon rein aus Neugier vermutlich den Tipp von @franzm nachgehen.
Hä!?
Ich hab' gerade etwas Zeug für die nächste Wertstoffhof-Tour zusammengesucht, darunter war auch der hoffnungslose KA-5090R.
Ich dachte mir, bevor du ihn endgültig weghaust, schließt' ihn noch mal an oder misst noch etwas mehr Mist. Hin isser eh.
Und oh Wunder - auf ein mal schaltet der Verstärker durch
Sofort habe ich ein Notebook und billige In-Ear Kopfhörer drangehangen und tatsächlich - Ton auf beiden Kanälen.
Jetzt spielt er schon ein paar Minuten und ein Dutzend Ein- und Ausschaltvorgänge später an Billiglautsprechern.
Der linke Kanal schwächelt teilweise noch, das scheint mir aber eher an dreckigen Relais zu liegen. Zu- und Wegschalten der relaisgesteuerten Lautsprecherpaare A/B scheint zu helfen.
Aber warum zum Teufel geht die Kiste von jetzt auf dann!?
Auch heftiges Klopfen auf das Verstärkergehäuse und Abklopfen der Platinen brachten keinen neuen Ausfall hervor.
Und immer noch spielt er und immer noch bin ich erstaunt, dass der Q127 bzw. der Traitr-Leistungstransistor noch lebt.
Aber kann sich irgendwer eine Ursache ausmalen?
Erklären wird das wohl keiner können, aber ich möchte drauf wetten, daß das nicht ewig trägt.
Was ändert sich denn nur durch Lagerung: Temperatur, Luftfeuchte ... evtl. die Bewegung beim Wegstellen und wieder vor holen.
Für mich bleiben die üblichen Kandidaten: Kalte Lötstellen, madige Kontakte, evtl. Leiterbahnbrüche etc.....
Vlt. irgendwo auf der Platine noch kalte Lötstellen und die Platine wurde beim Aus- und Einbau bewegt oder etwas verspannt und es gibt wieder Kontakt. Das ist aber leider Glaskugelleserei.
Edit:
Kuni war schneller.
Ja, ganz geheuer ist mir der Braten auch nicht. Und wenn dann doch plötzlich mal wieder schlappe -46 V DC an die Boxen kommen können, hat man ein ungutes Gefühl.
Aber immerhin konnte ich den Fehler durch Klopftests nicht wieder hervorrufen, auch durch Klopfen direkt auf die Platine, Relais und Kühlkörper der Transistoren nicht.
Außerdem war er seit Dezember dauerhaft im selben Kellerraum bei ähnlichen Temperaturen untergebracht und auch in der letzten Nacht sehr kalten und aktuell etwas wärmeren Garage spielt er jetzt brav seit 13 Uhr durch bzw. gab's auch morgens bei etwa 15 Grad Außentemperatur einen erfolgreichen Einschaltest.
An der Temperatur scheint's also auch nicht zu liegen.
Ich bin mal gespannt, wie er sich die nächsten Tage so schlägt. Er kommt auf jeden Fall nächste Woche zurück zu meinem Nachbarn, als Garagenverstärker an Billiglautsprechern oder so taugt er allemal noch.