Hallo Rainer,
(30.10.2024, 11:39)Rainer von Bargen schrieb: [ -> ]Gelesen habe ich von DAT Bändern die sich von selbst löschen, bzw. nicht mehr abspielbar sind.
Habe ich nie erlebt. Kaputt gehen können sie - von jetzt auf gleich. Und zwar, wenn ein Laufwerk wild wird und die Bänder "frisst", also z.B. an der Andruckrolle schief führt und dann umknickt. Oder wenn der Fädelmechanismus nicht mehr richtig funktioniert und man beim Entnehmen der Kassette nicht aufpasst, so dass das rausstehende, nicht vollständig reingewickelte Bandstück zerknittert wird. An dieser Stelle hat man dann später gerne Drop-Outs und das berüchtigte "Zirpen" bei der Wiedergabe.
Aber Kassetten, die dieses Schicksal nicht erlitten haben, laufen bei mir auch 30 Jahre nach der Aufnahme noch einwandfrei. Ich habe aber keinen Fehlerratenzähler, zumindest wüsste ich nicht spontan, wie ich ihn aktivieren sollte, sowas gibt es aber bei etlichen Geräten, siehe Service-Manual der Geräte. Bei Sony war (teils) eine verdeckte Taste der Fernbedienung für den Service-Mode vorgesehen, da war die bedruckte Front der Fernbedienung davor.
(30.10.2024, 11:39)Rainer von Bargen schrieb: [ -> ]Der DTC 1000 ES, als erster Serienspieler, konnte ja von Haus aus keine digitalen Kopien von CD´s mit 44,1 khz machen, da da eine Sperre verbaut ist. Meiner hat da aber eine Zusatzplatine im rechten oberen Teil (man sieht auch das das nicht original ist) kann aber mit 44,1 aufnehmen , zumindest leuchtet die Anzeige bei der Aufnahme u. auch bei der Wiedergabe der Aufnahme. Dazu habe ich auch was von Filtern aufgeschnappt , die bei einigen dieser Geräte an gleicher Stelle verbaut sind.
Die erste Generation habe ich verpasst. Damals stand so ein physisches Mäuerchen längs durchs Land - da wo jetzt das nichtphysische Mäuerchen steht - und die DAT-Recorder auf "meiner" Seite des Mäuerchens gab es zwar, aber die standen zur Evaluierung im Rundfunk. Sony hat soweit mir von einem der damals Beteiligten mitgeteilt auch im Rundfunk der DDR evaluieren lassen. Der Rundfunk der DDR hatte vorher auch schon Aufnahmen mit PCM-Prozessor und U-Matic gemacht. Ja, die konnten "DDD".
Es war aber tatsächlich so, dass die Möglichkeit, 44,1 kHz über den Digitaleingang aufzunehmen (also verlustfreie Datenkopie von CDs zu machen), bei den ersten Consumergeräten gesperrt war, wegen Bedenken der Musikindustrie. Ja nee, is klar, es werden sich ja auch alsbald alle Haushalte so einen DAT-Recorder zulegen und wie wild raubkopieren... Ab 1990 kam dann die Lockerung in Form von SCMS, das genau eine digitale Kopiergeneration erlaubte - und wegen Wirkung auch auf Eigenaufnahmen via Analogeingang bei Consumergeräten auch dann nur eine digitale Kopiergeneration davon erlaubte - danach musste wieder analog überspielt werden.
Das erste Auftreten des DTC1000ES, das ich fand, ist dieses:
https://www.hifi-archiv.info/Sony/Sony-1...ten/28.jpg
https://www.hifi-archiv.info/Sony/Sony-1...ten/29.jpg
"Neuheiten 1988" - da war freilich noch nichts mit SCMS. Entsprechend wie von Dir beschrieben: offiziell 44,1-Digitalaufnahme gesperrt.
Auch der DTC-300 ES vermeldete noch nichts von CD-Kopie:
https://www.hifi-archiv.info/Sony/Sony-1...mm/001.jpg
https://www.hifi-archiv.info/Sony/Sony-1...mm/076.jpg
1990/91 wird es dann interessant:
https://www.hifi-archiv.info/Sony/Sony-1...mm/001.jpg
Da wird dann bei den CD-Playern der Digitalausgang auch für den Anschluss an einen DAT-Recorder mit SCMS beworben
https://www.hifi-archiv.info/Sony/Sony-1...mm/073.jpg
und SCMS taucht mit dem DTC-55 ES erstmals auf:
https://www.hifi-archiv.info/Sony/Sony-1...mm/070.jpg
Fies: Analogaufnahme mit 44,1 kHz war nicht möglich. Damit entfiel die Möglichkeit, CDs zu "mastern" auf den Consumer-DAT-Recordern. War 1990 aber freilich noch kein Thema. Später wurde es ein Thema und neuere Geräte konnten dann teils auch das. Die 1991er Modelle konnten es aber ebenfalls noch nicht (DTC-57 ES, DTC 670), danach kam der DTC-59 ES / DTC-690, die konnten es auch noch nicht, dann kam der DTC-60 ES, der konnte das dann.
Für ältere Geräte gab es teils Umrüstplatinen, die ins Gerät integriert wurden und eine umschaltbare Analogaufnahme 44,1 kHz / 48 kHz in SP erlaubten. Power-On-Default war dann 44,1 kHz, Umschaltung erfolgte durch gleichzeitiges Drücken von 2 ohnehin vorhandenen Tasten an der Front (müsste nachschauen, welche es waren, Index irgendwas und Stop oder so) für mind. 2 Sekunden.
Nebenbei wurde damit der SCMS-Kopierschutz beseitigt, die so umgerüsteten Geräte konnten unabhängig vom Generationenstatus digital aufnehmen und soweit ich mich erinnere waren die Bits in der Aufnahme so gesetzt (ID 6 = 00), dass ein grenzenloses serielles digitales Weiterkopieren dieser Aufnahmen möglich war - auch zwischen zwei Geräten mit wirksamem SCMS-Kopierschutz. Nagel mich aber bitte nicht darauf fest, das ist ewig her.
Der Name "Hucht" fällt in diesem Zusammenhang und als einbauende Firma die B.R. Elektronik in Berlin. Wie ich gerade sehe, war das offenbar am Ende kein ganz normaler Vertriebspartner mehr, sondern entwickelte ein Eigenleben:
https://old-fidelity-forum.de/thread-143...pid1614575
Ich habe einen DTC-57 ES mit "Hucht-Platine", eingebaut 2001 bei B.R. Elektronik. Jetzt wäre mal spannend, welchen Ursprungs die Platine wirklich ist. Aber sie funktioniert. Ich habe mit dem 57er viele 44,1-Digitalisierungen gemacht, die später zu selbstgebrannten CDs wurden. Und wenn mich nicht alles täuscht, wird da auch nicht nur brutal die Abtastrate umgeschaltet, sondern auch der Einsetzpunkt des (digitalen?) Tiefpassfilters angepasst, so dass es nicht zur Spiegelfrequenzbildung kommt.
Könnte man sonst nämlich haben. Bei 48 kHz sind formal Frequenzen bis knapp 24 kHz aufnehmbar, praktisch vielleicht (wegen Filtersteilheit) bis 23 kHz. Bei 44,1 kHz sind formal maximal knapp 22,05 KHz Audio möglich, real vielleicht 21 kHz. Wenn man nun mit dem Tiefpassfilter des 48-kHz-Modus arbeiten würde und mit 44,1 kHz digitalisiert, bekommt man bei Audio zwischen 22,05 kHz und knapp 24 kHz dann Spiegelungen an 22,05 kHz. Also 23,05 kHz würden z.B. am Ausgang bei der Wiedergabe als 21,05 kHz erscheinen. Soweit ich mich erinnere ist aber genau das nicht der Fall, also wird entweder generell weiter unten gefiltert oder es wird je nach Abtastrate umgeschaltet. Wenn alles Sony-seitig ohnehin in den Chips ist und nur nicht ansprechbar ist bei den Consumergeräten und die Einbauplatine diese Funktion nachrüstet, wäre automatisch alles Notwendige dabei.
(30.10.2024, 11:39)Rainer von Bargen schrieb: [ -> ]Meiner hat da aber eine Zusatzplatine im rechten oberen Teil (man sieht auch das das nicht original ist) kann aber mit 44,1 aufnehmen, zumindest leuchtet die Anzeige bei der Aufnahme u. auch bei der Wiedergabe der Aufnahme. Dazu habe ich auch was von Filtern aufgeschnappt , die bei einigen dieser Geräte an gleicher Stelle verbaut sind.
Dann wurde halt nachträglich was eingebaut. Müsste man anhand der Platine - so identifizierbar - genauer anschauen, was da gemacht wurde und von wem. Ob mit "Filter" das Tiefpassfilter gemeint ist, weiß ich nicht. Möglich ist es. Es gab aber soweit ich mich erinnere auch "Kopierschutzknacker", deren Funktion man als "Rausfiltern" des SCMS bezeichnet hatte. Auch das wäre "Filter". Bei Dir braucht es aber keinen SCMS-Knacker, sondern die generelle Freischaltung der 44,1er Digitalaufnahme, also was anderes.
(30.10.2024, 11:39)Rainer von Bargen schrieb: [ -> ]Es wurde auch von 4 Kopf Geräten geschrieben , also Hinterband. Da meiner keine Monitortaste hat, gehe ich davon aus das es ein Zweikopfgerät ist!
Korrekt. Sony hatte 4-Kopf-DATs, im Consumerbereich die Dickschiffe DTC-77 ES und DTC-2000 ES (da aber nicht die EU-Version). Beim 2000er gab es also beide Varianten, 2-Kopf und 4-Kopf. 4-Kopf hat eine Monitor-Taste. Wieviel Sinn eine 4-Kopf-Version hat, weiß ich nicht. Man könnte sie eigentlich nur zum Erkennen von Drop-Outs verwenden, die eigentliche Hauptfunktion (außer der Optimierung der Kopfspalte für die jeweilige Aufgabe) von 3-Kopf bei Analogrecordern ist ja auch das Einmessen - und sei es das Einmessen nach Gehör. Und das fällt ja hier weg.
Über die Sony-DATs hat einer der wohl größten Kenner (der "wohnt" da drin, der kennt jede Schraube, schraub irgendwo zum Ärgern eine andere rein, er findet sie, selbst wenn nichts zerwürgt ist) der Sony-Geräte hier etliches aufgeschrieben:
http://datrecorder.de/Wissenswertes-zu-DAT
http://datrecorder.de/Allg-Fragen-zu-DAT
Da gehen auch die DAT-Recorder (Sony, egal ob Consumer oder Pro) eines Freundes von mir zur Wartung hin. Besagter Freund arbeitet in einer ARD-Anstalt und hatte auch schon 19"-Dickschiffe mit Invenataraufkleber dort zur Wartung. Brauchten sie noch zur Archivüberspielung. Mein 57er war auch dort - seitdem spielt er erstmals (!) fehlerfrei.